Segeln nach Schottland
  
english
zur Kaffeekasse...

Obscured by clouds

Sonnenuntergang Isle of Man

Isle of Man, eine Insel in Großbritannien, die Jahr für Jahr eines der gefährlichsten Motorradrennen der Welt beherbergt. Und damit war mein bisheriges Wissen über diese Insel mitten in der Irischen See auch schon wieder erschöpft. Umso erstaunter bin ich jetzt, als ich feststelle, dass die Insel weder zu Großbritannien gehört noch Teil von der EU ist. Die Insel ist eine "autonome Grundbesitzung der britischen Krone", oder, zu Deutsch: eine Insel der britischen Queen, unabhängig sowohl von Großbritannien als auch von der EU, aber dennoch unter Schutz von den Britten und mit eigener Vertretung in Brüssel. Eine Insel, die aufgrund der fehlenden Körperschaftssteuer unzählige "Briefkastenfirmen" als Steueroase dient, und über deren Rechtsberatungsfirmen finanzstarke Europäer durch Schlupflöcher ihre Luxusgüter ohne Umsatzsteuer in europäische Länder bringen können. Eine Insel, die sich selbst als die "Wahlheimat der britischen Millionäre" erklärt.

Eine Insel, die sich so sehr von meiner naiven Vorstellung unterscheidet, dass sie mich mit jedem Quadratmeter, den ich erkunde, überrascht. Die weder durch kurvenreiche und gefährliche Straßen durch dunkle Schluchten und entlang salzverkrusteter Küstenklippen auffällt, noch durch pompöser Villen inmitten ausladender Parkanlagen mit breiten Einfahrten und herumschwirrender privaten Hubschraubern. Ganz im Gegenteil, wir finden uns auf der Südspitze einer Insel wieder, die mit winziger, trockenfallender Fischereihäfen und kleinen, schlichten Häusern zwischen Schafkoppeln in ihrer Einfachheit besticht.

Isle of Man

Während LA BELLE EPOQUE in der Dünung von Port Erin rollt, wandern wir die kurze Strecke an die Südküste der Insel. Selten hat uns unser Gespür für gute Ankerplätze sosehr im Stich gelassen: während wir uns einig waren, für den momentanen Südwind die Bucht von Port Erin zu bevorzugen, müssen wir feststellen, dass der Hafen von Port Saint Mary die bessere Wahl gewesen währe. Obwohl, der Hafen selbst bleibt für uns eigentlich keine Wahl - er fällt gänzlich trocken und beheimatet eigentlich nur Kim-Kieler und kleine, kiellose Boote. Sicher, wäre extremes Wetter gemeldet, würden wir nicht zögern, bei Hochwasser in die rundum geschützte Hafenbucht zu dampfen und LA BELLE EPOQUE an die Hafenmauer zu lehnen. Bei einem Gezeitenhub von sechs Meter eine einfache Übung.

Hafen von Saint Mary

Doch für den Nordwestwind, der die kommenden Tage erwartet wird, werden wir draußen vor Port Saint Mary ruhig genug liegen. Das bestätigen auch die gesprächigen Hafenmeister, die uns mit einer Freundlichkeit empfangen und uns mit den nötigen Strömungskarten für die Passage hier her versorgen. Gerne können wir kostenfrei die Boje vorm Hafen verwenden, sie liegt im tiefen Wasser für Kielboote bereit. Obwohl, bei über zwanzig Tonnen Schiffsgewicht könnte es schon sein, dass die Boje nicht hält, immerhin ziehen die größeren Fischkutter die Besucherboje regelmässig in der ganzen Bucht umher. Immerhin ist der Meeresgrund hier aus Steinen und loser Muschelschlick, die zwei Tonnen Ankergewicht der Boje können sich deshalb nicht gut genug in den Schlamm vergraben. Keine Frage, wir werden der Boje fern bleiben und vertrauen lieber auf unsere Anker.

Nach einem Nachmittag an Land wandern wir zurück nach Port Erin, essen "Fish and Chips" aus der Tüte und tanken den strahlenden Sonnenschein bei herrlichster Aussicht über den langen Strand. Isle of Man gefällt uns. Wir schmieden Pläne, spielen mit dem Gedanken, die kommenden Tage einen Ausflug mit der alten Dampfeisenbahn in den Norden zu unternehmen oder ein Stück des Küstenwanderweges zu bestreiten. Doch zuerst müssen wir LA BELLE verholen und ein paar Erledigungen besorgen. So ziehen wir am folgenden Morgen kurz vor sechs Uhr den Anker aus dem Schlamm um den strömungsgeplagten Calf Sund an der Südküste der Insel bei besten Bedingungen zu erreichen. Der Südwind der letzten Tage ist eingeschlafen, wir passieren den engen Sund bei ruhiger See und bald schon gehen wir in Port Saint Mary vor Anker. Oder besser gesagt, versuchen, dort vor Anker zu gehen. Die Hafenmeister haben nicht gelogen, was den losen Muschelschlick betrifft: ganze fünf Ankermanöver benötigen wir, bis der Anker endlich hält. Mittlerweile haben wir die gesamte Bucht ausgelotet und ein leichter Nordwind hat eingesetzt.

Wir beschließe, heute besser keine großen Touren zu unternehmen. Am Nachmittag sollte der Wind auffrischen und wir wollen lieber beim Boot sein, als uns den ganzen Tag zu fragen, ob der Anker auch wirklich hält und LA BELLE EPOQUE auf ihrem Platz bleibt. So erledigen wir unsere Einkäufe, waschen die Wäsche in der lokalen Münzwäscherei und werden von der Betreiberin, einer älteren Dame aus Irland, auf ein Bier ins Pub geladen. Was für eine Kultur, wo man von Omas nicht auf einen Kaffee oder Tee, sondern auf ein Nachmittagsbier geladen wird. Nur zu dumm, dass die Briten offensichtlich nicht die hohe Kunst des Bierbrauens kennen, nach einem halben Glas Ale wird es zur Herausforderung, das abgestandene, schaumlose Etwas im Glas gänzlich zu leeren.

Dann durchkreuzt das nasse Wetter der Insel alle unsere Pläne. Kaum zurück an Bord verdunkelt sich der Himmel und öffnet seine Schleusen: es schüttet in Strömen, der Nordwind heult im Rigg und anstelle von Wanderungen und Zugfahrten hängen wir an Bord herum und halten Ankerwache.

Die Wetterberichte versprechen düstere Aussichten: ein kurzes Zwischenspiel von variablen Winden soll die einzige Chance bleiben, die kommende Strecke durch den North Canal zwischen Irland und Schottland bis zu den Inneren Hebriden zu schaffen, bevor der nächste ausgedehnte Nordwind einsetzt. Schade, die Insel der Manx, der Motorradhelden und der britischen Millionäre werden wir damit also doch nicht genauer kennenlernen, wir wollen nicht wochenlang auf dieser Insel mit schlechten Ankerplatz festhängen.

So schlucken wir die bittere Pille, werfen den Motor an und zwingen LA BELLE 120 Seemeilen durch Nebel, Regen und unruhige See. Unsere treue Miss Aries kann ohne Wind keine Dienste leisten und der elektrische Autopilot hat seit einiger Zeit seinen Dienst an Bord beendet, indem seine Elektronik einen Teil ihrer Innereien ausgespuckt hat. So wechseln wir uns die mondlose Nacht und den grauen Tag hindurch ab, LA BELLE EPOQUE auf Kurs zu halten und das trübe Wasser der Irischen See hinter uns zu bringen. Erst die letzten fünfzehn Seemeilen vorm Ziel kommt endlich passender Westwind auf, die Sonne bricht durch die Wolkendecke und der Sund von Jura glitzert unter dem vom Regen gewaschenen Boot.

Jura

Wir erreichen die verschlafene Bucht von Craighouse, lassen den Anker ausrauschen und beschließen, das letzte Seestück und die endlose "Motorerei" sofort zu vergessen. Und weshalb auch nicht, lädt doch ein neues Land zum Bestaunen: wir sind in Schottland angekommen. Am Ufer dominiert eine Whiskey-Destillerie vor dunkelgrünen Hügeln das Landschaftsbild. Ein paar geduckte Steinhäuser mit typischen, grauen Kaminen ziehen sich entlang der einspurigen Straße und eine Handvoll Fischerboote drehen sich an den Bojen. Doch die Stille trügt: die Inneren Hebriden sind beliebtes Ausflugsziel vieler Segler und Touristen aus aller Welt und bald schon füllt sich der große Ankerplatz. Unzählige Yachten, ein holländisches Segelschiff und ein schwarz rauchendes Dampfschiff bevölkern nach wenigen Stunden die Bucht und füllen die Luft mit fröhlicher Sommerstimmung.

Jura Destillerie

 

Langsam tauchen wir tiefer in die Schönheit Schottlands ein, nähern uns dem Herzen der Highlands. Mit gefüllten Segel rauschen wir durch strömungsreiche Sunde, ziehen von Insel zu Insel. Wir wandern über Burgruinen und durch Schlossgärten, klettern über altertümliche Steinmauern zwischen großflächigen Schafkoppeln. Wir tratschen mit Seglern und Inselbewohnern, versuchen, den ungewohnten Dialekt der Schotten zu verstehen und ihre eigenartige Kultur zwischen Steinruinen und altertümlich wirkenden Lordschaften zu begreifen. Irgendwann erreichen wir Fort Williams, unseren letzten Stop an der schottischen Westküste. Von hier aus wird uns unser Kurs durch den beeindruckenden Kaledonienkanal führen. Ein Kurs, der uns durch die unzählige Schleusen von "Neptuns Treppe" bis ins Herz der Highlands führen wird. Wir werden das süße Wasser des sagenumwobenen Loch Ness unter unserem Bug teilen und irgendwann die Ostküste Schottlands erreichen. Immer wieder werden wir den schottischen Regen auf unseren Häuptern spüren und doch keinen Tag ohne Sonnenschein verbringen. Und wir werden es genießen, für eine kurze Zeit dem ruppigen Seegang, den ewigen Strömungen und dem wilden Wetterkapriolen der schottischen Küste zu entkommen, bevor wir den Bug in die von Bohrtürmen und Windparks überfüllten Nordsee drehen und dem alten Festland Europas entgegen segeln.

 

Port Erin, Isla of Man

Isle of Man, wir verbringen eine rollige Nacht vor dem hübschen Port Erin

Fischerhafen in Isle of Man

Viele Häfen von Isle of Man fallen trocken und beherbergen nur kleine Fischerboote

Port Saint Mary

In Port Saint Mary ankern wir weit draußen, denn auch hier fallen die Küsten trocken.

Jura Insel, Inneren Hebriden

Wir erreichen Jura Insel auf den Inneren Hebriden Schottlands, froh, endlich einen ruhigen Ankerplatz zu haben.

Craighouse

In den geduckten Häuser von Craighouse wohnen einige richtige Salzbuckeln. Es heißt, dass hier einige der letzten großen Segelkapitäne, Cap Hornier die in Schottland zuhause sind.

Dampfschiff

Bald schon werden wir Zeuge von schottischer Tradition: die Ankunft des alte Dampfschiffes VIC ist nicht zu übersehen. Schon ein ganzes Jahrhundert wird der Kessel von VIC stets mit Kohle gefüllt.

VIC am Steg

Erst als VIC am Steg liegt, verflüchtigt sich die schwarze Wolke.

Strömungen und Leuchtfeuer in den Inneren Hebriden

Von wilden Strömungen getrieben ziehen wir an den Leuchttürmen der Inneren Hebriden vorüber.

Herrenhäuser in Schottland

Wir erreichen Schottlands Highland: wo auch heute noch Grafen in ihren steinernen Burgen leben.

Highland

...und ihre ausgedehnten Grafschaften voll Schafkoppeln und Buschlandschaft verwalten.

Schottische Schafe

Die "Geisel Schottlands": Die Profite aus der Schafzucht waren einst Grund genug, die Highlands zu "Säubern" - Um Platz für ihre lukrativen Schafzuchten zu machen verwüsteten die Grafen und Landherren Schottlands ganze Dörfer, vertrieben ihre Bewohner und "entsorgten" Kleinbauern und Pächter, indem sie sie unter Zwang auf Auswandererschiffe trieben.

Ruinen SChottlands

...Zurück blieb ein Land der Ruinen...

Steinmauern Schottlands

... und alten Steinmauern, wilden Koppeln und herumziehenden Schafen.

Highlands

Heute sind die Inneren Hebriden eine Inselwelt voll Scharm und Einsamkeit, zwischen Gleichmut und Abwechslung.

Leuchtturm Mull

Das William Black Memorial Leuchtfeuer, Isle of Mull

Einsame Ankerplätze in den Inneren Hebriden

Laue Abende locken uns zu langen Spaziergängen über die wilden Küsten. Eine Regenjacke ist hier Pflichtausrüstung.

Innere Hebriden

Die Highlands könnten wohl auch als "Wetlands" betitelt werden!

Sommersegeln in Schottland

Hin und wieder ist es sogar hier warm genug, um mit Sonnenbrillen und Bikini an Deck zu gehen...

Corran Narrows

Wir erreichen die Corran Narrows: unsere letzte Engstelle vor Fort Williams und dem Herzen der Highlands.

 

 

 

 

 

 

 

zur Kaffeekasse...

[zum seitenanfang]

 

Fahrtensegeln im Nordatlatnik und der Nordsee, Segeln durch die Irische See, Blauwassersegeln an die Küste Schottlands, von Isle of Man bis in die Inneren Hebriden, Segeln rund Großbritannien, Segeln in Schottland, Weltbesegelung statt Weltumsegelung

 

 

 

Impressum, Kontakt