blauwassersegeln in französisch polynesien
  
english
zur Kaffeekasse...

 Im gefährlichen Archipel

Haibegegnung

Samstag, 16. Mai 2015
Zwischen Marquesas Inseln und Tuamotus Inselgruppe stabile Passatwinde mit 4 Beaufort aus Ost. Südlich der Tuamotus Kette ein Tief mit östlicher Zugrichtung. Passatbewölkung, am Sonntag stellenweise zunehmend auf dichte Bewölkung mit eventuellen Regenschauern und kurzzeitig auffrischenden Wind auf 5 Beaufort aus Ost.
SOI (Southern Oscillation Index - eine Messung, die zur Bestimmung von El Niño gemacht wird): -10 seit zwei Wochen, damit haben wir bisher offiziell ein moderates El Niño Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Verstärkung auf starken El Niño

Im hellen Weiß blenden die vom Wind geblähten Segel im Sonnenlicht. Stolz trägt LA BELLE EPOQUE ihr Kleid: Besan, Großsegel und Genua. Niedrige, kaum merkliche See schiebt im Takt das Boot immer weiter Süd-Südwest. Unterm Bimini baumeln zwei Bananenstauden, eine davon nur noch halb so groß. Ihre Bananen sind bereits gelb und reif, während die zweite Staude noch voll grüner Bananen ist. Ein Stück hinterm Segelboot springt ein Köderfisch an einer Angelleine über die Wasseroberfläche. Miss Aries zupft hin und wieder am Steuerrad, korrigiert, wenn LA BELLE den Kurs vergisst. Im Cockpit geht es gemütlich zu: Matratzen sind aufgelegt, ein paar Polster machen es noch bequemer. Faul liegen wir im Schatten ein paar abgespannter Stofftücher und lesen. Hin und wieder rafft sich einer von uns auf, blickt entlang der tiefblauen Wasserfläche in den Horizont. Und doch unterbricht nichts das endlose blau, keine weitere Seele scheint hier draußen zu sein. Aber gut so, der Kurs stimmt, das Wetter ist herrlich. Was für ein Segeltörn: in all unseren Segeljahren haben wir noch keine derart einfache und ruhige Ozeanpassage erlebt wie diese.

Segeln im Pazifik

Selbst der Wetterbericht kann daran nichts rütteln und die dicke Bewölkung mit Regen erreicht uns nicht - leichte Passatwölkchen, gleißendes Sonnenlicht und ruhige See mit vielleicht eineinhalb Meter Wellen begleiten uns. Am vierten Tag steht fest, dass wir zu schnell sind. Wenn wir so weiter machen, erreichen wir das ausgewählte Atoll der Tuamotus Inselgruppe Nachts. Keine gute Idee, denn nicht umsonst hat Kapitän Cook der Inselgruppe den klingenden Namen "das gefährliche Archipel" gegeben. Der Name überrascht nicht, war doch einst das Navigieren zwischen diesen herrlichen Atollen eine wahre Kunst: heimtückische Strömungen zwischen den Atollen; Inseln, die nur aus niedrigen Sanddünen mit ein paar Palmen darauf bestehen und von der Ferne nicht zu sehen sind. Einfahrten, gespickt mit seichten Korallenköpfen und geplagt mit rasanten Strömungen. Einfahrten, in denen sich stehende Brecher und Wasserwirbel die Hände reichen und Ankerplätze, die von Korallenriffen überwuchert werden.

Nein, unsere erste Atoll-Einfahrt wollen wir auf keinen Fall Nachts wagen. Wir streichen Segel, reffen LA BELLE runter und drehen schließlich eine Nacht bei. Eine Nacht, die so wunderschön wie die letzten Nächte dieser Reise ist: tausende und abertausende Sterne glitzern am Himmel, die Milchstraße leuchtet mit aller Pracht. Langsam wandert das Kreuz des Südens über den Südhimmel. Irgendwann verblassen die Sterne, kaum merklich verliert sich das Schwarz der Nacht in einem einfachen Grau. Doch auch das unfreundliche Grau hat keine Chance und schon ziehen die ersten rosa Schleier des Morgenlichts über den Himmel. Verkünden einen neuen Tag, zieren den Sonnenaufgang und beleuchten die Palmen von Makemo vorm Bug. Zugegeben, mit der heutigen Navigation ist das keine Überraschung mehr und die Gefahren der Tuamotus sind wohl kaum noch mehr als alte Geschichten.

Palmen voraus

Dennoch haben wir uns mit der Riffpassage nach Makemo vorerst einmal eine vergleichsweise leichte Einfahrt in ein Atoll ausgesucht. Ist ja doch besser, erst einmal etwas vorsichtig zu sein und später ein paar schwierigere Einfahrten zu versuchen. Noch im Morgenlicht ziehen wir unter Motor und Großsegel durch die Riffpassage, arbeiten uns langsam gegen die Strömung und ankern neben unseren Freunden an Bord BELLA VITA, die ein paar Tage vor uns die Marquesas Inseln verlassen hatten.

Und in was für eine schöne Inselwelt sind wir hier geraten: türkisgrünes Wasser so klar, dass wir jeden Fisch unter unserem Boot beobachten können. Weiße Sandstrände, soweit das Auge reicht und ein gepflegtes Dorf, dessen freundliche Bewohner uns zuwinken. Überall Riffe, die so viel Leben beherbergen, das man es nicht zählen oder fassen kann und ein Außenriff, das uns vor Dünung und Wellen schützt.

Was für ein Gegensatz zu den Marquesas Inseln. Die Inselgruppe der Tuamotus ist älter - so alt, dass die eigentlichen Inseln längst versunken sind. Denn wie auch die Marquesas Inseln waren hier Vulkane am Werk - brachen einst aus der Wasseroberfläche und wuchsen zu Berge. Später, als die Vulkanberge kalt und grün wurden, bildete sich entlang ihren Küsten langsam Riffe, in denen das Leben nur so gedieh. Doch leicht war das Leben hier nicht. Mit zermürbender Geduld arbeitete der Pazifik gegen das Riff, brach unbarmherzig Welle für Welle über den schönsten Korallenköpfen, bis sie zu Sand zerfielen und einen weißen Ring aus Korallensand um die Vulkanberge aufwarfen. Und doch konnte der Pazifik die Geduld der kleinen Geschöpfe nicht stoppen, das Riff wuchs und wuchs. Nichts wehrt ewig und über die Jahrhunderte begannen die Vulkanberge der Tuamotus zu versinken, bis irgendwann das Wasser über ihren Gipfeln zusammenschlug. Zurück blieben die Ringe aus Korallen und Sand, in deren Mitte von nun an keine Berge, sondern klare und seichte Pools an Salzwasser zurück blieben. Pool, die das Leben im Pazifik feierten und vor Fisch, Korallen, Muscheln Krebse und unzähligen weiteren Tieren und Pflanzen nur so gefüllt waren. Ein Atoll war geschaffen. Das Meer schlug Einfahrten in das Atoll, Passagen durch das Riff und versorgte von nun an die Lebewesen im Atoll mit frischen Wasser. Und bei manchen Atollen wuchs die Einfahrt so groß, dass nun Boote und sogar kleine Schiffe ihren Weg durch die Einfahrten wagen können.

Stets weht eine leichte Brise übers Deck und hält uns trotz gleißender Sonne kühl. Doch wir können ohnehin nicht lange warten und schon springen wir - ausgerüstet mit Schnorcheln und Flossen - über die Seite. Das wahre Erlebnis der Tuamotus Atolle liegt nämlich unter Wasser: in den Gärten der Meere. Und welche fantastische Verschwendung an Formen und Farben können wir erleben: Korallenköpfe in allen nur denkbaren Formen, Fische so bunt, wie sie in den besten Aquarien kaum zu finden sind. Muscheln, die ihre dicken, bunt leuchtenden Lippen in der Strömung öffnen und Tintenfische, die sich so gut tarnen, dass wir sie kaum sehen. Endlich Flut: in der Riff-Einfahrt strömt der Pazifik in das Atoll. Das macht das Schnorcheln auch in der Einfahrt sicher genug, denn die Strömung kann uns nicht aufs offene Meer vertreiben. Trotzdem halten wir uns an dem Dingi fest, bereit, an Bord zu hüpfen und mit Hilfe des Außenborders aus der Strömung zu fliehen.

Bald schon treiben wir mit der Flut über die tollsten Unterwassergärten. Ein paar Handzeichen von Jürgen und mir bleibt das Herz fast stehen: hautnah kann ich meinen ersten Hai im Wasser beobachten. Gemächlich schwimmt der Schwarzspitzenhai an mir vorbei, ohne das geringste Interesse zu zeigen. Er ist nicht alleine, ein paar weitere Grauhaie und Schwarzspitzen suchen das Riff ab, folgen uns und umkreisen uns. Wir behalten sie im Auge, sind fasziniert von ihrem Äußeren, ihren geschmeidigen Bewegungen. Irgendwann wird´s mir dann doch zu viel. Unbemerkt treibe ich einen Hai zu sehr ins seichte Wasser überm Riff, er macht eine Drehung und kommt mit einer schnellen Bewegung auf mich zu. Das reicht und schon sitze ich im Dingi - genug geschnorchelt für heute!

Der Ankerplatz nahe der Riffeinfahrt kann uns nicht lange halten, ein neues Abenteuer wartet: wir wollen im Atoll segeln, uns einen Weg durch die Riffe suchen und vor einem einsamen Motu - einem einsamen Sandinselchen - ankern. Frühmorgens hohlen wir den Anker auf Deck, setzten die Segel und halten Ausschau. Hier im Atoll gibt es keine Seekarten, zu sehr wachsen die Riffe und Korallen. Solange die Sonne hinter uns steht, ist das kein Problem, sie beleuchtet die Korallenriffe ohne uns zu blenden und während Jürgen am Bug Ausschau hält, folge ich am Steuer seinen Handzeichen. Nach fünfzehn Meilen haben wir unser Ziel keine Minute zu bald erreicht: die Sonne steht schon hoch am Himmel und wandert in den Westen, blendet uns und spiegelt sich auf der Wasseroberfläche.

Makemo

Wir ankern hinter einem langen Korallenriff, packen alle Segel unter Persenninge und staunen über die Ruhe und Einsamkeit. Keine weitere Yacht ist hier, die einzige Hütte am Strand wirkt verlassen. Wir wandern über das Motu, sammeln grüne Kokosnüsse und trinken ihr frisches Wasser. Schnorcheln übers Riff und betrachten den Sonnenuntergang vom Cockpit aus.

Am nächsten Tag laufen einige Yachten ein. Wir kennen sie alle bereits von unserem letzten Ankerplatz und bald schon tingeln wir von Yacht zu Yacht. Heute Abend gibts Lagerfeuer und "Potluck" am Strand! "Potluck" - Topfglück - jede Yacht bringt einen Topf voll Essen und mit etwas Glück gibts so ein ausgezeichnetes Dinner in fröhlicher Gesellschaft am Strand.

Ein paar Tage später verlassen wir Makemo durch die nordwestliche Riffpassage, segeln zum unbewohnten Atoll Tahanea und verbringen einige Zeit im Naturschutzpark, bevor die Reise zu einem der schönsten Atolle weiter geht: nach Fakarava.

Dort laufen wir durch die seichte Südeinfahrt, suchen uns einen Weg durch das Riff und ankern zwischen bunten Yachten voll Lebenskünstler und Lebenslustigen. Wieder unternehmen wir Schnorchelausflüge in die Riffeinfahrt und dieses Mal ist etwas mehr Mut gefragt. Hier in Fakarava sind die Haie in der Überzahl, während wir und ein paar andere Segler mit unseren Dingis im Schlepp über das Riff treiben. Wir haben den Beginn der Flut gut geplant und bald schon formt sich die Parade der Haie tief unter uns: bis zu vierhundert Tiere versammeln sich in der Einfahrt, drehen ihre Nasen in Richtung Pazifik und stehen in der Strömung. Unglaublich wird der Anblick der mächtigen Tiere und etwas Unbehagen ist kaum zu unterdrücken. Und doch siegt die Faszination, denn solange sich keiner der großen Räuber aus dem offenen Pazifik unter sie mischt - solange wir keinen Tiger- oder Hammerhai entdecken, droht kaum Gefahr.

Langsam treiben wir über Schwarz- und Weißsspitzen Riffhaie, beobachten unzählige Grauhaie und sehen ein paar Ammenhaie in den wenigen Sandflecken zwischen den Korallenriffen liegen. Tag für Tag treibt es uns zu diesem Spektakel, Tag für Tag fühlen wir uns wohler mit den vielen Haien im Wasser. Auch die Boote vor Anker werden täglich von Haien umkreist. Sie sind auf der Suche nach Fischabfällen, die nach einem Ausflug mit der Harpune von Deck fliegen.

Auch wir fahren mit dem Dingi zu einem der vielen Riffe tief im Atoll, um uns endlich wieder ein paar frische Fische zu fangen. Nur hier, weit weg von der Einfahrt mit den vielen Haien ist das Fischen mit Harpunen so ungefähr sicher. Denn auf nichts reagieren Haie so gut wie auf verletzte, zappelnde Fische und sollten zu viele Haie um den fischenden Taucher sein, kann es zu bösen Unfällen kommen. So suchen wir uns ein Riff, in dem wir nur drei bis vier Haie finden, arbeiten in der Gruppe und hohlen uns nur jene Fische, von denen uns die Einheimischen versicherten, dass sie keine Probleme mit Cigatera - dem gefährlichen Gift der Rifffische - haben.

Sobald ein Fisch auf dem Pfeil zappelt, ziehen wir ihn auch schon an die Oberfläche, halten ihn aus dem Wasser und nehmen so den Haien die Möglichkeit, den Fisch zu finden und uns zu gefährden. Trotzdem können wir nicht lange im Wasser bleiben. Die Haie werden nervös, suchen die Fische und beginnen, gegen alles, was in unseren Händen ist, Anlauf zu nehmen. Stupsen gegen die Harpunen und gegen die kleine Outdoor-Kamera, die auf einem Holzstock montiert ist. Noch sind nur Schwarzspitzenhaie hier, doch wer weiß wie lange es dauert, bis die gefährlicheren Grauhaie neugierig werden und so ist für uns nach dem dritten Fisch Schluss und wir fahren zurück zum Boot.

Hai

So gibts für die Haie nun auch von unserem Deck aus ein paar Leckereien - Fischköpfe, Schuppen und Fischbeine - und wir fahren zu einem der Motus - der Sandinselchen - wo die Segler gemeinsam beim Lagerfeuer und Potluck sitzen. Fast täglich machen wir nun Lagerfeuer, bringen ab und zu ein paar Instrumente zum Strand oder kochen Fisch über den Flammen. Nachts und bei Ebbe laufen wir mit unseren Tauchstiefeln über das Außenriff und suchen das knietiefe Wasser auf Hummer ab, die wir als Mitternachtssnack und zu Trink-Kokosnüssen verspeisen.

Die Zeit verfliegt fast unbemerkt und irgendwann ist es schon beinahe Mitte Juni. So wird es Zeit, wieder ein Stückchen weiter zu ziehen. Noch ein kurzer Stop beim Dorf an der Nordseite von Fakarava um dort auf guten Segelwind zu warten und ein paar wenige Zwiebel und Eier zu kaufen. Nächstes Ziel: Die Gesellschaftsinseln - das Herzstück jedes Südseetraums!

Makemo

Ich beobachte einen Einsiedlerkrebs am Strand

Einsiedlerkreps

Einer von unzähligen Krebsen am Strand

Makemo

Schnorchelparadies Südseeatoll

Schnorcheln in der Südsee

Auf zum Riff!

Schnorcheln zwischen Riffen

Schade, dass die Kamera die Farben nicht fangen kann...

Sandstrände der Südsee

Einsame Sandstrände in der Südsee...

Potluck

Potluck...

Lagerfeuer

... und Lagerfeuer

Segeln zwischen Riffen

Segeln im Atoll erfordert gute Ausschau: die Riffe sind nicht immer leicht zu sehen.

Riffeinfahrt

Jürgen begutachtet die Strömung in einer der Riffeinfahrten.

Regenwolken

Auch das ist die Südsee: zwischen sonnigen Tage ziehen Regenwolken durch.

Atoll

Glasklares Wasser im Atoll

Ausflug übers Atoll

Ausflug mit dem Kajak von BELLA VITA

Fischen

Fischen am Außenriff von Fakarava

Ankern in Fakarava

Wassersport am Ankerplatz von Fakarava

Fakarava

In Fakarava treffen sich die Weltumsegler

Motu

Eines der vielen Motus in Fakarava

Tuamotus

Seglerleben in der Südsee

Hummer

Frischer Hummer als Mitternachtssnack

Fakarava

Einsame Strände in Fakarava

Fakarava

Palmen...

Trinknüsse

... die ihre Trinknüsse direkt ins Wasser fallen lassen.

Fisch

Unser Freund Arek mit seinem erlegten Einhornfisch...

Lagerfeuer

... Zeit für ein Lagerfeuer

Fakarava

Palmen, Wasser und Segelyachten

Fakarava

Wir segeln zur Nordbucht von Fakarava und ankern vorm Dorf

Ankern in den Tuamotus

Motu

Segeln im Atoll

 

 

 

zur Kaffeekasse...

[zum seitenanfang]

 

Fahrtensegeln in der Südsee, Blauwassersegeln im Pazifik, Segeln zwischen Atolle, Potluck auf den Tuamotus Inseln, Tuamotus - die gefährliche Inselkette,auf der Route der Weltumsegler, Blauwassersegeln auf der Barfußroute, mit dem Segelboot Französisch Polynesien, Schwimmen mit Haien, Schnorcheln im Korallenriff

 

 

 

kontakt, impressum