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Tsunamiwarnung und ein Seenotfall!

Ankern in Tonga, Vavau

Mit scharfen Böen treibt uns der Ostwind in den Süden. LA BELLE EPOQUE trägt zwei Reff im Groß und die kleine Arbeitsfock ist ihr genug in dem steifen Wind. Der Wind flaut etwas ab und wir wollen ein Reff ausschütteln. Doch so läuft das hier nicht. Schon schlägt die nächste Böe auf uns ein und bald ist klar, dass wir die Nacht durch die Segel lieber gerefft lassen. Wie immer ist der Pazifik hier rau, eine hohe Dünung aus Südost lässt das schwere grüne Schiffchen tanzen. Doch was macht das schon, die Überfahrt ist nicht weit, nur etwas über 170 Seemeilen sind es bis zur bekanntesten Inselgruppe Tongas: die Inseln von Vava´u. Eine Überfahrt, die nicht ohne guter Wache gemacht werden sollte. Immerhin liegen etliche Untiefen am Weg von denen einige noch nicht in alte Seekarten verzeichnet sind. Sorgfältig vergleichen wir die Positionsangaben aller Untiefen mit unseren elektronischen Karten, doch es besteht kein Grund zur Sorge. Selbst die neueste aller Vulkaninseln ist in unseren Karten bereits eingezeichnet - wenn auch nur als Untiefe. Denn aus dem Wasser gehoben hat sich die kleine Vulkaninsel erst vor nichtmal einem Jahr bei einem der vielen vulkanischen Aktivitäten der Gegend.

Wir haben unsere Abfahrt gut geplant und erreichen Vava´u noch vor der Abenddämmerung des folgenden Tages. Und was für ein schöner Anblick bietet sich uns in der Nachmittagssonne. Die Hauptinsel Vava´u ist umgeben von unzählige kleine Inseln, die wie Pilze aus dem tiefen Wasser ragen. Inseln, die dicht bewachsen sind mit tropischen Grün und zu allen Seiten von Steilklippen umgeben sind. Dazwischen liegen kleine Motus - flache Sandinseln mit hell leuchtenden Stränden vor hoch aufragenden Kokospalmen. Weite Gürtel an Korallenriffen umgeben die Motus und das flache Wasser der Riffe strahlt türkis in der Nachmittagssonne. Wir suchen Ruhe nach dem ruppigen Übersegler und lassen den Anker in der großen Bucht hinter dem Riff von Utungake Insel ausrauschen. Wir werden noch früh genug ins Dorf und den Trubel der Blauwassersegler davor kommen.

Nicht grundlos haben wir die Ankerbucht ausgesucht: Wird doch das Riff vor uns als "Japanischer Garten" bezeichnet. Nicht, dass hier wirklich japanische Gewächse wachsen, aber die Korallen sind bekannt für ihre skurrile Form - laut Bücher sollen sie den Eindruck von Bonsai-Bäumen hinterlassen, aber eben unter Wasser. So lassen wir uns den folgenden Morgen ins kühle Nass gleiten. Und kühl ist es wirklich! Viel zu leicht haben wir uns an die 28 und 29 Grad warme See etwas näher am Äquator gewöhnt und die 24 Grad Wassertemperatur hier auf Tonga überzeugt uns schnell, doch lieber die kurzen Neopren auszupacken.

tonga

Das Riff enttäuscht. Nur kleine Flecken sind noch gesund, die wenigen Korallen scheinen ums Überleben zu kämpfen. Auch der Fischreichtum ist kaum vergleichbar mit gesünderen Riffen wie etwa jene um die Tuamotus Inseln. Nur wenige "Bonsai-Korallen" sind zu entdecken, überall liegen abgebrochene Steingerippe der einstigen Korallen herum.

Es wird Zeit, nach Neiafu, dem kleinen Hauptdorf der Inselgruppe, zu segeln und uns offiziell auf der Inselgruppe anzumelden. Denn auf Tonga genügt es nicht, auf einer Insel ins Land zu klarieren, hier muss man sich auf jeder Inselgruppe bei der Zollbehörde melden. Doch die Tonganer sind ein freundliches und gemütliches Völkchen und das Einklarieren geht schnell und unproblematisch. Neiafu stellt sich als ein kleines Zentrum der Fahrtensegler heraus, unzählige Yachten aus aller Welt liegen vor dem Dorf an Bojen und vor Anker und so kann es hier nicht langweilig werden. Schon auf unserer Suche nach einem guten Ankerplatz zwischen den vielen Bojen entdecken wir etliche bekannte Boote: da liegt die Amerikanerin Eve mit ihrer AUNTIE, die wir schon seit Mexico kennen, oder die Deutschen an Bord FLYING DOG. TANGATATU, GOOD AS GOLD, BETTY BOOB und TARA sind nur einige der vielen Boote, deren Crews wir bereits in anderen Ankerbuchten kennengelernt haben. Schön, so viele bekannte Gesichter wieder zu sehen!

Neiafu, Tonga, ein Treffpunkt für Blauwassersegler

Wir treiben uns von einem Boot zum nächsten, erfahren wie es unseren Freunden und Bekannten bei ihren Segelabenteuern so ergangen ist und lernen unzählige neue Segler kennen. Vor allem treffen wir hier auch mal auf eine ganze Runde deutschsprachiger Segler. Auf Anhieb verstehen wir uns mit Angelika und Bernd an Bord ihrer FRIEDERIKE, sie reisen hier in Tonga gemeinsam mit Ludger und seiner Crew Andrea am Katamaran GREEN DUCK. Dann gibt es da die beiden sportlichen Reisenden von WALKABOUT: Frauke und Thomas teilen sich ihre Reiselust zwischen Weltbesegeln und Weitwandern - nach etlichen Seemeilen an Bord geht es bei ihnen stets zu Fuß weiter, wenn das Boot in einen Hafen liegt und sie mit dem Rucksack bewaffnet quer durch Länder marschieren. Die selbstgebaute MEERBÄR ist das ideale Heim für ihre deutsche Crew: nachdem Anna ihre eigene Yacht verkauft hatte und zu Rainer an Bord gezogen ist, kann die Welt nicht mehr zu groß sein und wir lauschen ihren Erzählungen von ihrer Reise rund Südamerika. Auch der junge Deutsche Jan kommt mit seinem kleinen 28 Fuß Bötchen PHOEBE in Naiafu an und hängt sich ein paar Tage an unsere Bordwand. So spart er es sich, im übervollen Hafen einen Ankerplatz zu suchen.

Doch wir können nicht dauernd vorm Dorf liegen und so unternehmen wir immer wieder mal kurze Reisen zu den umliegenden Inseln. Wir sammeln wilde Zitronen in Port Maurell und kochen sie zu frische Zitronenlimonade ein. Auf Vaka´eitu Insel schnorcheln wir um Jakobsmuscheln und Austern. Hier ist es auch, wo wir von der einheimischen Familie zum Festessen eingeladen werden, obwohl normalerweise diese Festessen an die segelnden Touristen nur verkauft werden. Doch ganz umsonst sollte es dann wohl doch nicht sein, dürfen wir die Familie von nun an mit unserem Dingi zu ihren Verwandten auf die Nachbarinsel kutschieren!

Der Neuseeländer Paul lädt uns an Bord seiner 70 Fuß großen Luxusyacht zur Tauchexpedition. Sein Freund Neil freut sich, ein paar Tauchpartner in uns zu finden. Gemeinsam segeln wir zu "Swallwos Cove", wo eine riesige Schule an Fischen das Taucherlebnis in den Höhlen fast magisch werden lässt. Weiter gehts nach "Mariners Cave", wo der Eingang zur Höhle nur Unterwasser erreicht werden kann. Zwischendurch füllt uns Paul per Tauchkompresser die Tanks erneut auf, während wir heiße Suppe zum Aufwärmen schlürfen. Zum Abschluss Tauchen wir im "Gap" - einer Steilküste voll Korallen und Fischen zwischen zwei Inseln.

Tauchexpedition mit Luxusyacht!

Zurück in Neiafu gewöhnen wir uns daran, jeden Morgen das Seglernetz am Funk mitzuhören. Hier werden Meldungen gemacht, Neuigkeiten ausgetauscht, Termine verlautbart und Gebrauchte Bootsteile gehandelt. Manchmal machen die Meldungen in der Funkrunde die vor Anker liegende Flotte auch etwas nervös - das Erdbeben in Chile löst in Tonga eine Tsunami-Warnung aus und wir überlegen, ob wir besser ins tiefe Wasser des Pazifiks segeln sollten. Doch die Berechnungen prophezeien für Vava´u um zwei Uhr morgens nur wenige Dezimeter Wasseranstieg durch die Flutwelle und so bleiben wir wir vor Anker. Ganz cool kann ich aber trotzdem nicht bleiben und wie durch einen inneren Weckruf wache ich wenige Minuten vor zwei Uhr auf, um mich verschlafen ins Steuerhaus zu hocken. Draussen ist es ruhig, glatt liegt das Wasser um die Boote und nicht einmal ein Windhauch wagt es, die Wasseroberfläche zu kitzeln. Nach zwanzig Minuten ohne relevante Veränderungen überzeugt mich meine Müdigkeit, wieder in die Koje zu kriechen und erst am nächsten Morgen erfahren wir, dass selbst ich die Tsunami in Tonga verschlafen habe. Sie hatte sich eine Stunde verspätet: gegen drei Uhr morgens konnte ein außertürlicher Wasseranstieg von ganzen 10 Zentimeter gemessen werden!

Am 17. September erfahren wir per Funk traurige Nachrichten. Der amerikanische Einhandsegler Tim wurde gerade von einem Fischerboot im Wasser vor der Küste aufgefischt, nachdem der Fischer einen Mast aus dem Wasser ragen sah. Tim war während seiner Reise nach Tonga schrecklich Seekrank geworden und entschloss sich, eine Tablette gegen die Krankheit einzunehmen. Was er allerdings nicht beachtete, waren die Nebenwirkungen der Medizin: Mittel gegen Seekrankheit machen müde. So schlief Tim ein, während seine kleine Yacht unter vollen Segeln und vom Autopilot gesteuert brav Kurs Richtung Tonga hielt. Erst die harte Kollision mit den Felsen an der Einfahrt zur Bucht weckten Tim, doch da war es schon zu spät. Seine LIBERTY CALLING sank in kürzester Zeit und Tim konnte nicht mal mehr einen Notruf rausschicken. Tim selbst blieb unverletzt, doch hat er alles verloren, was er besitzt.

Auch wir haben einmal alles verloren und nur zu gut erinnere ich mich an das Gefühl, als wir in unseren nassen Klamotten an Land gebracht wurden, nachdem wir von unserem dazumal sinkenden Boot abgeborgen wurden. Armer Tim. Fehler können passieren, aber der Verlust des Boots und seines ganzen Hab und Guts ist eine schwere Strafe für einmal einschlafen. Bald erfahren wir, dass Tim weder versichert war, noch einen anderen Besitz hat.

Nachdem der Untergang seiner Yacht von den Behörden aufgenommen worden ist und er vom Krankenhaus als gesund und unverletzt erklärt wird, wird er von einem anderen Segelboot als Crew aufgenommen. Viele Yachtcrews am Ankerplatz fragen, wie man helfen kann und schon hab ich eine Idee. Ich krame unseren - für Familie und Freunde in Kanada gemachten - Film von der Nordwest Passage hervor und bringe ihn ins Aquarium, eine Bar am Ufer. Mike, der Barbesitzer, ist sofort begeistert: Gemeinsam werden wir eine Benefizveranstaltung für Tim veranstalten. Wir zeigen den Film, er kümmert sich um die Technik und Werbung und jeder der kommt, kann etwas spenden.

Am Tag des Filmvortrags meint es das Wetter nicht gut mit uns. Schwarze Regenwolken verfinstern schon am frühen Nachmittag den Himmel über Naiafu und bald schon strömt sintflutartiger Regen auf uns nieder. So wird das wohl nichts - denken Jürgen und ich. Wer soll sich schon bei diesem Wetter aus dem Boot wagen. Alleine bei der Dingifahrt zum Land wird man ja bis auf die Knochen nass! Doch schon am Steg staunen wir. Es ist kaum noch Platz für unser Beiboot zu finden. Es scheint, als wäre jedes einzelne Beiboot der ankernden Yachten hier. Und tatsächlich. Auf der überdachten Terrasse des Lokals ist alles versammelt, was mit Wassersport zu tun hat - zum Glück haben ein paar Freunde einen Platz für uns reserviert!

Meine Ansage zum Film braucht nicht viele Worte und so lasse ich jeden wissen: "Auch wir haben unser erstes Boot verloren. Doch aufgeben gibts nicht. Wir zeigen euch, was man mit seinem zweitem Segelboot so machen kann!"

Selbst Wassereinbruch von allen Seiten kann die Seglergemeinde nicht vertreiben und der Abend wird zum vollen Erfolg. Auch wenn sich Mike der Wirt sorgen macht, ob das Terrassendeck auch so vielen Menschen stand hält. 110 Gäste zählt er, eine Besucherzahl, die Mike bisher erst einmal in seinem Lokal hatte. Am Ende des Films wird ein Krug von Tisch zu Tisch gereicht. Er wird mit Spendengeld gefüllt und den zu Tränen gerührten Schiffbrüchigen überreicht. Umgerechnet etwas über 1500,- USDollar können wir an diesem verregneten Abend für Tim sammeln, bevor uns alle das anziehende Gewitter zu unseren Booten zurück treibt.

Noch einmal unternehmen wir eine Tauchexpedition an Bord einer befreundeten Yacht. Unter Asymetrischen Spinnaker segel wir die kanadische ANAHATA zu den besten Tauchplätzen Vava´us und freuen uns, auch auf eine unbesorgte Buckelwal-Mama mit Jungem zu treffen. Sie ist wohl die vielen Boote und Menschen hier um Vava´u gewöhnt und sieht keinerlei Bedrohung in uns, während David unglaublich schöne Aufnahmen von der kleinen Familie macht die er später auch mit uns teilt.

Irgendwann sind wir den Trubel um Vava´u satt und es wird Zeit, weiter zu ziehen. Ein letztes mal schlendern wir durch den freundlichen Obst- und Gemüsemarkt von Neiafu, wo alle Produkte zu günstigen 3,- Tonga Pa´anga Stapeln sortiert sind. So muss man nicht handeln und kann in einem Blick vergleichen, welche Marktdame heute das beste Angebot macht. Beim chinesischen Händler kaufen wir noch ein Sackerl voll Lollies für die Kids der kommenden Inseln und schon sind wir bereit für die Weiterreise. Vor uns liegt die Ha´apai Inselgruppe - Tongas unberührte Mitte!

Tonga, Vava´u

Tonga´s Vava´u Inselgruppe lädt zum Segeln, Ankern und Tauchen!

Insel in Tonga

Kleine grünen Inseln mit weißen Sandstränden...

Tonga Vavau

... und ausgedehnten Riffen

Neiafu

Neiafu, Treffpunkt in Vava´u

Markt in Vava´u

Der Markt in Neiafu

Hafen in Neiafu

Der Kleinboothafen in Naiafu ist voll - manche Boote liegen sogar "übereinander"!

Port Maurell

Raus aus dem Dorf, wir ankern in Port Maurell und wandern über Kapa Insel

Faleiva, Tonga

Das Dorf Faleiva auf Kapa Insel

Kapa Insel

Spaziergang über Kapa Insel

Papayastaude

Papayas - unser tägliches Frühstück frisch von der Staude

Spinne in Tonga

Vorsicht beim Wandern durch den Busch - überall haben große Spinnen ihre Netze gebaut!

Tauchexpedition mit Segelyacht

Unterwegs zu den besten Tauchplätzen Vava´us

Hölentauchen in Tonga

Wir erreichen Swallow Cave an der Westspitze von Kapa Insel

Swallow Cave, Tonga

Tauchen in Swallow Cave

Tauchen

hölentauchen

Tauchen im Fischschwarm

Schnorcheln

Tauchen

Tauchen in Swallow Cave

Segen in Tonga

Während wir Hölentauchen, wartet Paul mit seiner Yacht im tiefen Wasser auf uns.

Tauchen in Tonga

Zwischendurch gibts Pausen, um die Flaschen an Bord neu zu füllen

Ankern in Tonga

Immer wieder unternehmen wir Segelausflüge zu den kleinen Inseln.

Inselleben in Tonga

Inselleben in Tonga.

Segelyacht Anahata

Neuer Tauchausflug an Bord von ANAHATA

Tauchen in Tonga

Walbegegnung

Eine Begegnung mit Buckelwalen

Buckelwal

Thanks to David for your amazing pics!

Tauchen in Tonga

Fertig zum Tauchgang

Auf der Suche nach schönen Riffen und Hölen!

Abendstimmung in Tonga

Abendstimmung in Vava´u, Tonga

 

 

 

 

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