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 Die freundlichen Inseln

Ha´apai Gruppe, Tonga

Ruhig zieht LA BELLE EPOQUE über die leicht bewegte See. Obwohl die grib-Daten kaum Wind für den heutigen Tag gezeigt haben, zieht uns eine leichte Brise in den Süden. Manchmal muss man eben auf sein Bauchgefühl vertrauen, anstelle sich zu viele Gedanken über die Vorhersagen zu machen. Gestern noch haben wir an einer der südlichen Inseln von Vava´u geankert und dachten, hier einige Zeit auf Wind warten zu müssen. Doch schon am folgenden Tag weckte mich gegen vier Uhr morgens der Gesang von Wind im Rigg. Der Wind hatte auf Ost gedreht und etwas aufgefrischt. Nun gab der Ankerplatz hinterm Riff von Founo´one´one keinen Schutz mehr und LA BELLE EPOQUE quengelte unruhig vor Anker. Jürgen wachte auf, während ich die Situation im Steuerhaus beobachtete. "Das ist doch genug Wind für die Weiterfahrt. Versuchen wirs, auch wenn die Windvorhersagen diese Brise nicht gesehen haben." Und so ging LA BELLE EPOQUE im Morgengrauen Anker auf und wir verabschiedeten uns von der schönen Vava´u Inselgruppe Tongas, während vor der Bucht ein paar Buckelwale in der Morgendämmerung spielten.

Vor uns liegt die zentrale Inselgruppe Tongas: die Ha´apai Inseln. 61 Inseln und etliche Riffe, aufgefädelt auf einer Perlenkette von 60 Seemeilen Länge. Eine Inselkette, die aus niedrigen Koralleninseln, aktiven Vulkanen, ausgedehnten Barrier-Riffen, seichten Lagunen und unzähligen Korallenköpfen besteht. Insgesamt leben um die 8000 Menschen hier. Aufgeteilt auf 30 Dörfern, von denen nur die wenigsten über ein Stromnetz verfügen. Dörfer, die immer noch einen Chief haben und wo sich das Leben wie an so vielen Plätzen in der Südsee um etlichen Kirchen dreht. Wie überall in Tonga sind die Menschen auch hier bekannt für ihre Herzlichkeit gegenüber Besuchern. Selbst Kapitän Cook war während seiner drei Aufenthalte auf der Ha´apai Insegruppe von der Freundlichkeit seiner Bewohner angetan. Er hat dem Königreich Tonga seinen zweiten Namen gegeben: "The Friendly Islands" - "Die freundlichen Inseln".

Und doch zieht es uns nicht wegen der paar Dörfer und der freundlichen Menschen nach Ha´apai. Wir wollen die einsamen Plätze suchen und hoffen, gesündere Riffe und Korallen als in den meisten bisher besuchten Inseln des Südpazifiks zu finden. Korallengärten, die bunt und voller Leben sind, wo bunte Fischschwärme zwischen verzweigten Korallenästen Schutz finden, anmutige Muscheln das Wasser filtern und Tintenfische, Rochen und andere eigenwillige Kreaturen der Meere zu entdecken sind. Nach dem Trubel und der vielen Gesellschaft von Vava´u suchen wir einsame Strände entlang vergessener Ankerplätze und ruhige Zweisamkeit.

Ankern in Tonga

Erst bei Dämmerung erreichen wir Ha´ano, einen Ankerplatz zwischen ausgedehnten Korallenriffen und im Schutz der sichelförmig geformten Sandinsel. Die verschiedenen elektronischen Seekarten an Bord sind sich nicht wirklich einig, wo die Riffe und das Land genau liegen, aber daran sind wir längst gewöhnt und der in der Bucht ankernde Katamaran hilft uns, trotz verschwindendem Licht sicher in die Bucht zu finden. Die Ankerkette rauscht aus, der Motor heult noch einmal auf um den Anker auch gut einzufahren und dann wird es ruhig an Bord.

Die Abende hier im zentralen Tonga sind bereits lau. In langen Hosen und Pullovern sitzen wir mit einer Tasse Tee im Cockpit und beobachten, wie die Nacht den Tag verabschiedet. Im Gegenteil zu allen anderen Aktivitäten geht der Sonnenuntergang in den Tropen ungemein schnell. Die eine Minute schwitzt man noch im gleißen Licht der Tropensonne und die nächste Minute verschluckt das fahle Grau der Dämmerung die türkisen Farbtöne der Lagune. Hin und wieder schmückt die untergehende Sonne für wenige Minuten den Abendhimmel mit ihren warmen Farben, dann übernimmt die Nacht. Und sie dauert in der Regel genauso lange wie der Tag. Jahr ein, Jahr aus. Es gibt keine Sommerzeit, keine Winterzeit, nur den immer gleichmässigen Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Schon die ersten Ankerplätze entlang der Ha´apai Inselgruppe erfüllt unsere Erwartungen. Die Riffe rund um LA BELLE EPOQUE sind vielfältig und gesund. Korallen in den unterschiedlichsten Formen und Farben geben unzähligen bunten Fischen Zuflucht und Unterschlupf, gemächlich schwimmen ein paar Riesenschildkröten im tiefen Wasser zwischen den Korallenköpfen und ein paar Riffhaie patrouillieren stets rund um unser Boot.

Pangai, das kleine "Hauptdorf" der Inselgruppe kann uns nicht lange halten. Das Leben läuft den selben Tackt wie in allen Dörfern Tongas: Ein paar Schweine und magere Hunde laufen die Hauptstrasse entlang, zu deren beider Seiten sich mehr oder weniger intakte Holzhütten mit Wellblechdächern und ein paar Bananenstauden im Garten reihen. Hinter jedem Haus steht ein großer Wasserbehälter zum Sammeln von Regenwasser. Die meisten Inseln verfügen nicht über sauberes Grundwasser und so werden die Hausdächer genützt, um den Regen zu fangen und ihn in den großen Behältern hinter den Häusern zu stauen. Zwischen den intakten Hütten stehen Ruinen - Gebäude, die einem Zyklon zum Opfer gefallen sind. Ein paar Kinder in Schuluniformen sammeln Geld für ihre Schulzeitung und im Kavahaus an der Ecke hocken die Männer im Kreis und arbeiten an ihrem Rausch, während die beleibten Frauen führ ihr Seelenheil die Kirchenbänke drücken oder ihre Chorgesänge üben. Am Marktplatz beim Hafen werden Papaya und frisches Gemüse aus den säuberlich gepflegten Gärten angeboten und ein kleiner, chinesischer Krämer bietet neben einer unglaublichen Vielfalt an Flip-Flops ein paar Dosen fettes "Corned Beef", Mehl in 25 Kilo Säcke, trockene Cracker, staubige Packungen Glasnudeln, chinesische Fertigsaucen und eine beträchtliche Auswahl an Chips und schrecklich schmeckenden Naschereien. In seiner Gefriertruhe liegen zu Eisblöcken gefrorene Hühnchen aus Australien die aussehen, als währen sie schon hundert Mal aufgetaut und wieder tiefgekühlt worden. Doch finden wir auch ein paar frische Eier.

Bei steifer Brise auf die Nase gehts für uns weiter zur Uoleva Insel. Und wieder ankern wir zwischen herrlichen Riffen entlang eines ausgedehnten Sandstrandes, hinter dem sich die Palmen im Wind wiegen. Wieder machen wir Schnorchel-Ausflüge zu den unterschiedlichen Riffen und lassen uns mit der Strömung des Kanals zwischen den Inseln über die Riffkante treiben. Eine schwarz-gelbe Wasserschlange, die in welligen Bewegungen über die Wasseroberfläche schwimmt, gibt mir einen ordentlichen Schrecken. Mit Blick auf die Wunderwelt des Riffes unter mir währe ich um ein Haar in das hochgiftige Tier geschwommen. Der giftige Biss dieser Schlangen ist tödlich und ihr Gift ist gefährlicher als das jeder Landschlange. Doch sie verfügen nur über ein winziges Maul und können einen Menschen kaum richtig fassen, solange man ihnen nicht den kleinen Finger zu streckt. Dennoch mache ich auf der Stelle kehrt und gib Tempo, um etwas mehr Abstand zwischen uns zu bekommen.

Spaziergang am Riff von Uoleva

Der Besuch des Wickham Riffs wird ein Highlight für uns. An einem besonders ruhigem Tag ankern wir LA BELLE EPOQUE an der Riffkante. Nur entfernt sind ein paar Inseln zu erspähen, doch das Riff selbst gibt bei dieser ruhigen Wetterlage genug Schutz, um das Boot für einige Zeit alleine lassen zu können. Wir packen unsere Taucherausrüstungen ins Beiboot, schlüpfen in die Neoprenanzüge und machen uns zur anderen Seite des Riffs auf. Wir müssen aufpassen, nicht in die donnernde Brandung am Riff zu gelangen, im sicheren Abstand dazu verankern wir das Dingi und steigen ins Wasser. Den Tauchgang gehen wir auf zwanzig Meter, schwimmen gemächlich entlang den unzähligen Korallen und passieren Schwärme an winzigen Tunfischen. Entlang des Riffs arbeitet das Wasser mit merkbarer Strömung gegen uns, doch haben wir darauf geachtet, gegen die Strömung vom Dingi zu tauchen. So sollte es leicht sein, am Rückweg das kleine Beiboot sicher zu erreichen. Früher als erwartet gibt Jürgen das Zeichen zum Umdrehen. Ein bisschen wundere ich mich darüber. Und doch hat Jürgen gut gewählt. Beim Tauchgang zurück übersehe ich die Stelle, an der das Dingi verankert ist und tauche quer dazu weiter. Nun kann ich mit aller Kraft gegen die Strömung zurück zum Dingi kämpfen und bin froh, noch Luftreserven zu haben. Denn auf Tauchgang ist es immer leichter als an der Oberfläche mit der ganzen Ausrüstung am Rücken zu schwimmen.

Für Tage liegen wir eingeweht auf Nomuka Iki, unserem letzten Stop auf den Ha´apai Inseln Tongas. Die kleine Insel ist eigentlich unbewohnt und gehört einem der Kronprinzen von Tonga. Doch seit einiger Zeit haben sich hier eine Handvoll Australier angesiedelt. Mit Unterstützung des Kronprinzen sind sie dabei, auf der kleinen Insel ein "Segelcamp" zu errichten. Das Ziel dieses Kamps ist es einheimischen Kindern in die alte Tradition des Segelns wieder zu erlernen. Die Tonganer haben das Segeln mit Auslegerkanus längst verlernt und das alte Wissen über Navigation und Seemannschaft ist auf den Inseln verloren gegangen. Zwar fahren einige Menschen immer noch zum Fischen hinaus, doch sie verlassen sich auf alte, unzuverlässige Aussenbordmotoren und navigieren rein auf Sichtkontakt zu den Inseln. Die Fischer achten weder aufs Wetter, noch auf Strömungen. Ein gefährliches Spiel, das auch in immer wieder zu katastrophalen Ende führt. Seit wir hier in Tonga sind, haben wir wiederholt über Funk gehört, dass wieder eines der Fischerboote als vermisst gilt und immer wieder treffen wir auf Menschen, die vor weniger Zeit einen Bruder oder Cousin an die See verloren haben. Heute ist aus den großen Seefahrern des Pazifiks ein Volk geworden, dass nun bei den einfachsten Regeln der Seefahrt Nachhilfe benötigt. Wir hoffen, dass der Versuch des Segelcamps auch wirklich den Einheimischen zu mehr Seemannschaft verhelfen wird und wünschen dem Team an Seglern, Lebenskünstlern und Aussteigern ein gutes Gelingen!

Fischer von Tonga

Bald wird unser Visum für Tonga auslaufen und die Zeit, nach Neu Seeland aufzubrechen rückt näher. Wir verlassen die schönen Inseln von Ha´apai und lassen den Anker bei der südlichsten Inselgruppe und beim Zentrum von Tonga ein letztes mal ausrauschen. Tongatapu heißt die Inselgruppe, die auf ihrer größten Insel der Hauptstadt und Königssitz Tongas - Nuku´alofa - beheimatet. Entgegen aller Gerüchte erleben wir weder Abzocke noch Beamtenwillkür in dieser kleinen und freundlichen Hauptstadt. Unsere Papiere werden prompt und kostenlos bearbeitet und wie überall in Tonga werden wir herzlich willkommen geheißen.

Wir ankern allerdings nicht direkt vor der Stadt. Eineinhalb Seemeilen vor der Stadt liegt nämlich das kleine Motu Pangimotu, die vor ihrem Strand einen schönen Ankerplatz bietet und wo sich "Big Mama" mit Liebe und Geschäftssinn um die ankommenden Fahrtensegler kümmert. In ihrer großen Bar bietet sie alles, was des Seglers Herz begehrt - von Bier und Dinner bis zum schnellsten Internets Tongas, Shuttle-Service zur Hauptstadt, Diesellieferungen zu den Yachten, käuflich erhältliches Regenwasser "garantiert Durchfallfrei" und natürlich die Organisation von Landtouren auf der einen oder anderen Insel. Und auch wenn sie heuer etwas klagen muss, dass bisher weniger Yachten als die Jahre davor bei ihr Stop eingelegt haben, so füllt sich doch bald der Ankerplatz. Lagen wir bei unserer Ankunft in Tongatapu noch mit drei weiteren Yachten vor Anker, umringen uns bald schon dreißig Boote.

Ankerplatz bei Big Mama

Gesellige Abende zwischen altbekannten und neu kennengelernten Seglern werden beinahe alltäglich. Wir genießen die Geselligkeit und bald schon bleibt das Cockpit von LA BELLE EPOQUE kaum noch leer. Da ist Eve mit ihrer wunderschönen AUNTIE, die wir schon von Mexico her kennen und die wieder einmal den jungen und weniger flüssigen Seglern mit ihrem Internet an Bord und etlichen guten Flaschen Weinen aushilft. Neben uns ankert TANGATATU mit den beiden jungen Kanadiern an Bord, die wir auch schon weiter im Norden von Tonga getroffen haben. Dazu kommen die äußerst sympathischen Franzosen Marie und Laurent, die mit ihrer stählernen RALPH ROVER direkt aus Französisch Polynesien hier her gesegelt sind und die mitten in einer sehr schnellen Weltumsegelung stecken. Wieder war die holländische BETTY BOOP längst hier noch bevor sich unsere Anker in den Sand eingrub. Wir freuen uns, das junge brasilianisch-deutsche Pärchen Alessandra und Sören an Bord ihrer hübschen S&S Yacht GHOST neben uns zu haben und bewundern die makellose JOSHUA aus den Kanaren, die nicht nur ein Schwesternschiff ihrer berühmten Namenskollegin ist, sonder auch in einem einwandfreien Zustand glänzt, die die originale JOSHUA vielleicht nie erlebt hatte. Zuerst tippe ich auf holländische Eigner, halten sie doch ihre Yachten so Schmuck wie kaum eine Nation, doch JOSCHUA gehörte einem netten deutsch-kanarischen Paar.

Die Tage verfliegen mit Gesprächen und neuen Bekanntschaften und das Haupttehma - die bevorliegende Strecke nach Neu Seeland - wird wieder und wieder besprochen. Täglich laden wir Wetterdaten herunter, vergleichen die verschiedenen Wettermodelle und lauschen per Funk den Vorhersagen eines neuseeländischen Meteorologen. Dazwischen schnorcheln wir die Wracks von Tongatapu und genießen unsere letzten Tage in der Tropensonne. Nach einiger Wartezeit ist es soweit. Ein letzter Ausflug nach Nuku´alof beschränkt sich somit auf den Gemüsemarkt, dessen herrliche gartenfrische Produkte ich auf jeden Fall vermissen werden.

Wir verabschieden uns von jenen Freunden, die mit ihrer Weiterreise noch etwas warten wollen, decken die Segel ab und laufen im Kielwasser der BETTY BOOP aus. Nächster Stop: Minverva Riff und dann: Tschüss Tropen, auf nach Neu Seeland!

Ankern zwischen die Riffen

Anker zwischen den Riffen der Ha´apai Gruppe Tongas

Einsame Strände werden zum Alltag

Treibholz sammelt sich entalng der östlichen Strände der kleinen Sandinseln

Südsee pur

Die Passagen zwischen den Motus sind besonders interessant für Tauch- und Schnorchelausflüge

alte Korallenstöcke am Strand

Alte Korallenstöcke sorgen für eigenwillige Formationen am Strand

mehr alte Korallen

Kokusnüsse

Die Marchete ist immer dabei, so kann Jürgen schnell mal eine Trinknuss öffnen, wenn wir Durst bekommen

Riff

In Nomuka Iki liegt ein tailändischer Fischkutter am Strand...

Wrack

...und warnt uns, diesen Ankerplatz bei Schlechtwetter nicht zu unterschätzen!

Ankerplatz

Immer wieder treffen wir BETTY BOOP

Big Mama

Big Mama Yacht Club - unser letzter Stop in Tonga

Tonga

Insgesamt gibts vor der Ankerbucht fünf verschiedene Wracks zu schnorcheln!

Tonga

 

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