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1997 Nordamerika via Wohnmobil
Unsere erste gemeinsame Reise in die USA beschrieb eine bezeichnede Wende in unserem Leben. Ohne große Pläne, ausgestattet mit Touristenvisas gültig für ein halbes Jahr, Flugtickets und etwas Bargeld - die wenigen Besitztümer hatten wir verkauft - verabschiedeten wir uns von Familie und Freunde und rutschten im Flugzeug näher zueinander. Im schicken, gemieteten Mustang Cabrio klapperten wir LA´s Gebrauchtwagenhändler ab, und studierten Trader bis wir schließlich ein altes Dodge Wohnmobil unser Eigen nennen konnten. Das neue Zuhause bezogen, lebten wir in einer Nebenstraße bei Venice Beach, tourten die ersten Ausflüge nach Nevada und Arizona und genossen Kalifornien in vollen Zügen. Ein Monat war bereits vergangen und die ungebundene Lebensweise wurde zum wunderbaren Alltag. Es war Zeit, mehr zu entdecken. So wie es heute noch unsere Art ist, unterlagen auch zu dieser Zeit unsere Reisen keinen fein vorbereiteten Plan. Anstelle fixierten Reiserouten sammelten wir Träume und Ideen. Alaska wollten wir erleben, den berümten Pacific Coast Highway entdecken, bis ins Land meiner Familie - Manitoba - vordringen und die Wälder der Rocky Mountains ergründen. Um den amerikanischen Norden kennen zu lernen, standen nicht die Nationalparks auf unserer Wunschliste, die Route 66 ließen wir links liegen und kultige amerikanische Monumente schienen uns weit weg vom Leben in Amerika. Unser Weg führte uns fern von allen Freeways durch die Dörfer und Landschaften der Westküste. Den Pacific Coast Highway entlang schlängelte sich das kleine Wohnmobil in den Norden Kaliforniens. Wir lebten am Rande des Golden Gate Parks in San Franzisco und liesen auf uns den Geist der alten Hippigeneration wirken. Das bunte Treiben dieser Stadt war faszinierend und die kleinen Häuschen entlang der buckeligen Straßen ließ diese eigenwillige Stadt in ihrem Flair leuchten.
Über die Golden Gate ging es weiter bis Eureka, einer der kleinen Hafenstädte Kaliforniens abseits seiner berühmten Großstädte. Durch den imposannten Redwood Park ließen wir Kalifornien hinter uns und durchquerten weiter den Nordwesten. Origon ließ uns die triesten Gelbtöne der Wüstengegenden hinter uns vergessen, der Dodge flog über grüne Landschaften, durch kleine Ortschaften und vorbei an vereinzelten Farmen. Die imposannte Brücke von Portland in Washington hinterließ einen beinahe größeren Eindruck auf uns als die berümte Golden Gate und fasziniert beobachteten wir die Frachtschiffe und Tanker, die sich unter der Brücke in den sicheren Hafen durchzwengten. Viele Stunden verbrachten wir entlang der schroffen Felsküste und liesen uns von den Weiten des Pazifiks inspirieren während vereinzelt kleine weiße Dreiecke über den Horizont zogen. Schließlich durchstreiften wir die Gassen von Seattle, einer Stadt, die ganz neue Eindrücke für uns barg. Endgültig lag der "Wilde Westen" hinter uns, die Häuser hier waren in Backsteinen gefertigt und wirkten auf uns alt und beinahe europäisch. Man konnte sich fast einreden, dass hier große Kultur zuhause sein mochte. An der Grenze angekommen, hieß uns Kanada willkommen und wir rutschten von Seattle nach Vancover. Was für den Segler ein Leuchtturm ist, muss wohl für den Reisenden auf der Straße die Brücke darstellen, denn die Brücken von Vancover bleiben mir bis heute im Gedächnis. Hoch in den Lüften ging es über grandiose stählerne Bauwerke ins Zentrum der Millionenstadt, die wir kurz besuchten um bald darauf unseren Weg Richtung Norden vortzusetzen. Nach dem Lärm und Trubel der Stadt schien es uns erneut, als würden wir in eine neue Welt eindrigen, als wir über die endlosen Highways durch die Wälder Kanadas lenkten. Die Häuser wurden weniger bis sie schließich ganz vom Wald verschluckt wurden und endlich passierten wir erneut eine Grenze. Wir waren in Alaska. Wieder Wälder, Schnee und endlose Straßen, plötzlich knallte es und eine Scheibe am Wohnmobil lag in tausend Splitter im Wagen. Jemand hatte sein Jagdziel verfehlt und dafür unser Wohnmobil getroffen, denn unter den Splittern fand ich ein Projektiel. Kurzerhand verklebten wir die Scheibe mit Karton, Stopften Magazine dahinter, isolierten das ganze schließlich mit der Sitzpolsterung und schon ging es weiter. Wir passierten unbewohnte Ferienhäuser und geschlossene Souvinierläden, der Winter war eingekehrt und alle Bewohner waren in wärmere Gegenden geflohen. Die Straße wurde immer schmäler bis sie schließlich in eine Schotterstrasse endete. Hier war auch für unsere Reise Richtung Norden ein Ende, zu gefährlich war es, schlecht ausgerüstet und mit nur wenig Proviant weiter auf Schnee und Eis zu kurven. Wir hatten unser Ziel erreicht. Wir waren im Winter in Alaska gewesen, hatten im Wald campiert und uns im eisigen Bach gewaschen.
Wieder in Kanada nahmen wir den Freeway 16 Richtung Osten. Über die beeindruckenden Rocky Mountains, durch Alberta und Sascatchowan bewunderten wir die Landschaft und ihre Tierwelt, die sich selbst entlang den Highways und Freeways in einer ungeahnten Vielfallt zeigte. Wieder wollten wir ein Stück in den Norden und so fuhren wir bis Flinflon, wo uns während einer Nacht ein Blitzart heimsuchte. Während wir in all unseren Decken eingewickelt und mit dem Gasofen gegen die bittere Kälte hielten, gefrohr unser gefüllter 100l Wassertank, der im Wohnmobil unter einer Bank eingebaut war, zu einem einzigen Eiswürfel. Es war Zeit, wieder Richtung Süden aufzubrechen. Der Wald entlang den Straßen war verschwunden und endlose, fruchtbare Felder streckten sich bis zum Horizont. Noch nie hatte ich einen Himmel wie hier gesehen, mächtig streckte er sich in tiefen Blau über der grünen Ebene um uns.
Wir liesen Kanada hinter uns und fuhren durch die Kuhherden von Norddakota. Wir wollten zurück in die Rocky Mountains und so durchquerten wir das Land Richtung Westen, bis wir in der unwirten und windigen Prerie von Montana endlich das beeindruckende Bergmassiv am Horizont sichteten. Wir blieben an der östlichen Seite der Bergkette und machten uns auf den Weg zurück. Das Land wurde trockener, die Böden kahler und die Berge niedriger, bis wir schließlich über Idaho in Utha angelangt waren. Nach Salt Lake City schlengelten wir uns entlang des Colorado River durch das Sandgestein, das hier alles Grün verschluckte und uns in seinem sandigen Scharm empfing. Der wunderschöne Lake Powell lud ein zum Verweilen und wir genossen die kühlen Abende am See nach den endlos heißen Tagen in dieser Wüste. Quer durch Arizona ließen wir den Grand Canion bei Seite liegen und bestaunten unbekannte Canions, die aus den schnurgeraden und ebenen, verstaubten Highways plötzlich und unerwartet kleine, krumme Bergstrassen machten. Die trostlose Einsamkeit der Gegend war faszinierend, es gab Tage, an denen gerade mal ein einzelner Pick Up unseren Weg kreuzte. Mit Straßenschildern, die besagten, das der Highway nicht für Wohnmobile empfohlen sei, kündigten sich die massiven Schluchten der Canions an und machten uns neugierig. Unser rollendes Zuhause war klein genug, um auch die verwundenen Schluchtstraßen sicher hinunter zu finden.
In Nevada angekommen rasteten wir am Lake Mead, ebenfalls ein großer Stausee des Colorado Rivers, dessen Ufer schon seit längerem immer wieder unsere Reiseroute kreuzte. Die lauen Abende saßen wir am Stausee im Sand und beobachteten den Himmel über uns während das Dosenbier in unsren Händen warm wurde. Die Nacht tauchte die Umgebung in totale Dunkelheit und der Sternenhimmel leuchtete in einer Intensität über uns, wie man sie sonst nur am Meer bewundern konnte. Die ungestörte Finsterniss in der Wüste ließ auch weit entfernte Sterne am Himmel glitzern. Eine ganze Weile saßen wir da, als ohne Vorwahrnung ein vermeindlicher und bisher still stehender Stern hell aufleuchtete, in unsre Richtung lenkte, plötzlich abschwenkte und im schnellen Tempo am Himmel verschwand. Ungläubig starte ich Jürgen an. Auch er hatte das Phenomen beobachtet. Wie die Landkarte später zeigte, befand sich, nicht weit von uns entfernt ein Stützpunkt der US AirForce, die hier offensichtlich ihre Fluggeräte testeten und so, ohne es zu wissen, ihren Spaß mit uns getrieben hatten. Von nun an konnte ich mir denken, wo ein Teil der UFO-Videos herkamen, an deren Wirklichkeit so manche Menschen keinen Zweifel hatten. Mit der AirForce sollten wir noch öfter zu tun bekommen, denn bei einer dieser Fahrten durch die Wüste durften wir Zielobjekt zweier Kampfflugzeuge bei ihren Übungen spielen. Aus heiterem Himmel schossen die beiden Jäger abwechselnd an uns heran um über uns hinwegzudonnern, abzudrehen und sich unbemerkt erneut anzuschleichen. Ich war mir sicher, sie hatten uns im Visier und genossen den Spaß, mit uns zu spielen. Vom Lake Mead und seinem beeindruckenden Hooverdam ging die Reise weiter Richtung Süden, über Bullhead City fuhren wir zurück nach Kalifornien, wunderten uns über das trostlose Dasein der Menschen in Needles und der wunderschön klingenden Stadt Twentynine Palms, in der keine neunundzwanzig Palmen zu finden war. Die Hitze ließ die Luft um uns flimmern und wie in alten Wildwest Filmen trieb der heiße Wind Preriehexen vor sich her. Bevor wir uns zurück nach Santa Monica begaben, besuchten wir noch unsre Großtante in Palm Dessert, Indian Walls. Hier hatten sich die Reichen der Reichsten ein Zuhause geschaffen, mitten in der Wüste und umgeben von hohen Steinmauern waren ihre Siedlungen gebaut, wie seinerzeit die Forts waren sie gut geschützt gegen alle, die ihnen Böses wollten. Beeindruckend war das satte Grün, das, aufgrund der hohen Pflege und der reichlichen finanziellen Mittel hier, mitten in der Wüste, wucherte und gedieh. Nur nach telefonischer Rückversicherung, dass wir auch wirklich im Fort willkommen waren, öffnete uns das Wachpersonal die Pforten zu den Heimen der Reichsten. Hier wohnte die Tante bei ihrer einstigen Arbeitgeberin, nachdem sie ihre Kinder und Kindeskinder erzogen hatte, kümmerte sie sich nun um die alte Frau und war ihr eine Freundin geworden. Unser altes Wohnmobiel schien den Wachpersonal dennoch nicht geheuer und so wurden wir zum richtigen Haus begleitet, sicher war sicher. Die unbegreifliche Lebensart, sich mit seinem Besitz in dieser überheißen Gegend einzusperren, hinter uns gelassen, freuten wir uns, bald wieder den Ozean zu erblicken, auch wenn ein Auge bei der Vorstellung weinte, wussten wir doch, in Santa Monica würde unsere Reise zu Ende gehen. Es war an der Zeit zu überlegen, wie unser Leben weiter gehen sollte. Wir wussten, wir hatten erst den Anfang erlebt, unsere Zukunft würde weitergehen als Reisende, auch wenn nicht mehr in dieser kostspieligen Form auf den Straßen und Highways. Der Gedanke, unter Segel die Küsten dieser Welt zu entdecken, rückte immer Weiter in Vordergrund und bei einer letzten Reise nach Bahia Kalifornien in Mexiko, vorbei an den bunten Häfen von San Diego beschlossen wir, segeln zu lernen. |
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