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Revierinformationen
Flussnavigation - mit dem Segelboot über die Flüsse und Wasserstrassen Ein eigenes Schiff zu bauen oder für Langfahrt zu restaurieren und von zuhause aus starten. Diese Möglichkeit ist zum Glück nicht nur jenen, deren Heimat entlang der Küsten der alten Welt liegt, vorenthalten. Und während der letzten Jahre konnte man beobachten, dass die Zahl der Yachten, die sich über die Flüsse und Wasserstraßen Europas auf den Weg machen, stätig steigt. Viele machen sich auf den Weg in den Süden, seit die Durchfahrt bis zum Schwarzen Meer friedlich und offen ist. Doch auch die "andere" Richtung lockt, und bald schon stehen durch das Einmünden weiterer Flüsse und durch die Verbindungen, die durch Kanäle geschaffen wurden, viele Möglichkeiten offen.
Doch sollte sich jeder, der mit einer hochseegängigen Segelyacht über die Flüsse und Kanäle Europas reisen will darüber im Klaren sein, dass sein Boot nicht für eine derartige Reise optimal ist und neben den allgemeinen Bestimmungen auf Wasserstraßen müssen noch einige Dinge beachtet werden. Natürlich passen Segelboote nicht unter die vielen Brücken, die durchfahren werden, und so wird die Reise bei gezogenen Masten angetreten. Die Masten, das Rigg und die Bäume werden dann auf Deck verlascht und "huckepack" mitgenommen, was zu einer gefährlichen Reise für das teure und lebenswichtige Rigg wird. Nicht nur die Gefahr, dass die Mastenden gegen Schleusenmauern krachen besteht, gerade der Wellengang, der durch Flussschiffe erzeugt wird, verlangt, dass die Masten besonders gut verzurrt werden. Auch wenn es beim Start der Reise in einem relativ ruhigen und gemütlichen Gewässer noch übertrieben wirkt, die Bedingungen können sich ändern und spätestens wenn die Flüsse breiter werden und die Schifffahrt massiv zunimmt, ist man froh, keine Angst um die teure Fracht haben zu müssen. Segelyachten im Transit tragen bereits bei ihrem Reisestart ihre Hochseezulassung. Und dass ist auch ganz in Ordnung so. Eine eigene Binnenzulassung ist generell nicht nötig, solage die Yacht sich nur vorübergehend auf Flüssen und Wasserstraßen bewegt. Die jeweilige Ausrüstungsliste der Seezulassung ist bereits gültig, falls es dazu Fragen gibt, ist es hilfreich, einen Ausdruck der amtlichen Ausrüstungsliste mitzuführen. Ein paar Zusätze sind jedoch zu beachten, um die Flussreise problemlos bestreiten zu können. So darf als Beleuchtung keine Dreifarbenlaterne verwendet werden, die einzelnen Positionslicher müssen an den Seiten des Bootes montiert werden. Ein weißes Rundumlicht muss als Motorlicht und als Ankerlicht etwas höher als die Positionslicher montiert werden.
Da Fracht- und Kabinenschiffe auch Nachts und im Nebel fahren, ist ein Radareflektor nötig, sollte die Yacht viel vor Anker liegen. Auch auf den Ankerball nicht vergessen.... Auf allen Binnenwasserstraßen gelten die Regeln des Binnenschifffahrtsfunks, was heißt, dass das auf Yachten übliche SRC oder LRC Sprechfunkzeugnis haben keine Gültigkeit. Das eigene Binnenfunk-Sprechzeugnis UBI ist nötig und das Gerät muss ATIS-fähig sein, damit es als Binnenfunk angelmeldet werden kann. Auch für den Transit von Seeschiffen oder Hochseeyachten mit DSC-Anlagen an Bord gibt es davon keine Ausnahme. Verständlich, dass fast jeder Hochseeskipper an dieser Regelung aneckt und auf Anfrage wurde uns mehr oder weniger versichert, dass sich auch die Schleusenwerter und die Wasserschutzpolizei nicht besonders darum kümmert. Selbst, wenn die Crew sich dafür entscheidet, kein UBI-Prüfung zu machen und auf die Binnenfunkzulassung verzichtet, ist der UKW Funk doch fast unverzichtbar für eine Transityacht.
Und da die bordeigene Anlage aufgrund der abmontierten Antenne ohnehin nicht funktioniert, kann ich allen wärmstens Empfehlen, ein wasserfestes Handgerät zu kaufen und dieses immer(!!) auf Kanal 10 eingeschaltet zu haben, wenn nicht gerade mit dem Schleusenwerter komuniziert wird. Kanal 10 ist der gängige Schiff-Schiff Kanal, die gesamte Berufsschifffahrt hört diesen Kanal, sie geben ihre Positionen durch und antworten auch, wenn sie vom iritierten Yachtsteuermann angesprochen werden. Außerdem sollte der Steuermann neben dem Funkgerät auch immer das Fernglas griffbereit haben, um die Hinweistafeln der Berufsschifffahrt früh erkennen zu können. Denn generell gilt für Kleinfahrzeuge Ausweichpflicht gegenüber der Schifffahrt, was jedoch für tiefgehende Segelboote zum Problem werden kann, wenn der Steuermann nicht weiß, dass um die nächste Kurve ein großer Schubverband kommt, der zu allem Übel auch noch weit ausschert. Hört man auf Kanal 10 mit, bekommt man auch die nötigen Infos. Für die vielen Schleusenarbeiten sind gute Fender und starke Trossen gefragt, um die es nicht schade sein darf. Dabei ist es nicht mehr erlaubt, Reifen zu verwenden, da diese untergehen und die Schleusentore verstopfen können. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass kein großes Aufsehen um diese Bestimmung gemacht wird und der eine Reifen, der an Bord La Belle Epoques durch die vielen Schleusen gegangen ist, hat mehr als gute Dienste geleistet. Wichtig dabei ist allerdings, dass der Reifen wirklich nicht verloren gehen darf und die Leine, mit der der Reifen befestigt wird, nicht durchgescheuert wird. Am Besten, in den Reifen ein Loch bohren und das Seil durchstecken und verknoten. Nicht nur das Abfendern des Boots erledigt ein Reifen einwandfrei, viel wichtiger ist er als "Notbremse", denn fährt man zu schnell in die Schleue ein, kann das Boot sehr gut abgestopt werden, indem man den Reifen entlang der Schleusenwand streifen lässt. Gerade bei Langkielyachten genügt es nicht, wie auf Großen oder auch Motoryachten üblich, das Boot nur an einem Strick zu hängen um durch die Schleuse zu kommen. Zu Berg begint die Yacht, wild an ihren Leinen zu zerren. In einigen Schleusen (speziell im Main-Donau-Kanal) wird das Wasser seitlich in die Schleusenkammer gedrückt. Eine schlimme Überraschung, falls die Kielyacht gerade an dieser Seite und ohne Schwimmpoller festgemacht ist, da sie kaum mehr an der Mauer zu halten ist und das Umhängen der Leinen fast unmöglich wird.
Deshalb ist es bei sehr hohen Schleusenkammern von Vorteil, wenn das Schleusenpersonal vorab um diese Infos gebeten wird (viele Schleusenwerter wissen von dem Problem und sagen ohnehin schon bei der Anmeldung über Funk, welche Seite vorzuziehen ist). Generell haben wir die meisten Schleusenwerter als sehr nett und hilfsbereit kennen gelernt. Ragt der Mast über den Bug hinaus, hat sich ein Holzbalken, quer über den Bug gespannt als sehr hilfreich erwiesen. Dreht sich die Yacht ihren Bug zur Schleusenmauer, fängt der Holzbalken die Bewegung auf, bevor der Mast an die Mauer kracht. Ein einfacher aber sehr effizienter Trick. Im Ober- und Unterwasser der Schleusen findet sich immer Liegeplatz an Dalben oder an der Mauer. Hier ist auch die Gegensprechanlage für Sportboote zu finden, falls kein Funk an Bord ist. Um an diesen Liegeplatz länger verweilen zu können, bedarf es der ausdrücklichen Erlaubnis seitens des Schleusenpersonals. Unserer Erfahrung nach bekommen Kleinfahrzeugen aber nur in Kanälen die Erlaubnis, an den Dalben zu übernachten. Ist kein Plazt frei, um an die Gegensprechanlage zu kommen, erlauben einige Frachtschiffkapitäne auch, die Yacht an ihre Bordwand anlegen zu dürfen.
In Deutschland sind vielen Schleusen mit eigenen Sportbootsschleusen ausgestattet. Kleine Schleusenkammern, die unabhängig von der großen Kammer betrieben werden können, mit der Hinweistafel"Sport" angezeigt werden und von möglichst allen Sportbooten benützt werden sollen. Für die wenigsten Segelboote sind diese Bootsschleusen jedoch benutzbar. Sollte das Boot in seiner Größe reinpassen, happerts meist am Tiefgang. Die Einfahrten im Unterwasser betragen meist nur einen Meter, weshalb bei tiefgehenden Yachten der Versuch, dort reinzufinden am Schotter oder Stein endet. Auch der verlockende Ankerplatz im Unterwasser der Wehr ist oft nur seicht und voller Steine oder Felsen und kann nur mit größter Vorsicht angesteuert werden.
Um, gerade in Kanäle, zügig durchgeschleust zu werden, ist es am einfachsten, sich an ein oder zwei Berufsschiffen anzuhängen, da diese ihre Geschwindigkeit in der Regel so einrichten, möglichst keine Stehzeiten vor Schleusen zu haben. Doch nicht nur bei der Durchschleusung sind die "Großen" hilfreich, die Berufskapitäne kennen sich meist in den Gewässern besonders gut aus und sie wissen genau, wo die Fahrrinne im Fluss ist und welchen Weg man am Besten wählt. Gerade in sehr seichten Gebieten oder Flüssen ist es daher am einfachsten, ihnen zu folgen. Denn anders als an den Hochseekarten kann in Flusskarten keine Wassertiefe angegeben werden und die Fahrrinne ist nur hin und wieder durch Bojen eindeutig makiert. Da Flüsse mit ihrer Wasserströmung arbeiten, ist es in der Regel in den äußeren Kurfenbereichen am tiefsten, sofern der Mensch nicht künstlich mittels Buhnen dagegen arbeitet. Mit der Kielyacht sollte man daher keine "Abkürzungen" nehmen, indem man die Kurfen schneidet.
Die Strömung kann je nach Fluss enorm sein. So zum Beispiel fließt der Rhein in seiner Gebirgsstrecke 10Kilometer die Stunde, mit dem Segelboot fühlt sich das an, als kommt man in Wildwasser. Während zu Berg fahren zermürbend langsam wird, fliegt man fast dahin, fährt man zu Tal. Gerade bei Hafeneinfahrten und beim Manövrieren zwischen Frachtschiffen darf der seitliche Versatz durch die Strömung nicht vergessen werden. Das Flusskartenmaterial gibt nur ungenau über die Beschaffenheit von Einfahrten oder Buchten Auskunft, daher muss gerade bei starker Strömung ausreichend Information über Funk zusammengetragen werden. Läuft die Yacht auf Grund, kann die Strömung schnell die Oberhand gewinnen und die Yacht immer weiter auf die Untiefe drücken. Kommen Wellen durch vorbeifahrende Schiffe hinzu, kann es bis zum Bruch kommen. Auch die Bojen kämpfen mit der Strömung, man sollte ihnen nicht zu nahe kommen, da sie nicht mehr genau das Fahrwasser makieren.
Zu Tal fahrende Frachtschiffe "triften" regelrecht um Kurven, daher ihnen am Besten auf der Kurveninnenseite begegnen und genug Platz zum Manövrieren lassen. Generell gilt auf Flüssen, dass sich Schiffe Backbord-Backbord begegenen. Sollte man ein Schiff an seiner Steuerbordseite begegnen, zeigt es als Hinweis dafür eine balue Tafel mit weißem Blinklicht. Dann heißt es rechtzeitig die Seite wechseln.
Wenn die Sicht etwas eingeschränkt ist, am Besten die Positionslichter einschalten, so sehen entgegenkommende Schiffe früher den Kurs der Yacht. Und auf keinen Fall nervös werden und kurzfristige Kursänderungen vornehmen. Hat man bedenken, ob man den Kurs halten soll oder nicht, am Besten das betroffene Schiff auf UKW Kanal 10 ansprechen. Am leichtesten ist es allerdings, sich einem Frachtschiff anzuhängen und seinen Kurs nachzufahren. Den durch Verkehr entstandenen Wellen am Besten den Bug entgegenstellen, manche Wellen gehen ohne Problem unterm Boot durch, andere (speziell von kleinen Personenschiffen erzeugte Wellen) sind nicht zu verachten. Sportboote haben bei Nacht und Nebel nichts am Fluss verloren. Viele Flüsse sind nicht ausreichend mit Leuchttonnen markiert und eine Nachtfahrt ohne Radar kann gefährlich werden. Ist die Srömung nicht zu stark, kann im Fluss geankert werden, dabei muss aber genug Abstand zur Fahrrinne gehalten werden, damit auch der Sog der Schiffe die Yacht nicht ins Fahrwasser zieht. Viele Flüsse sind jedoch außerhab ihres Fahrwassers zu seicht für Kielyachten und viele der Motorboothäfen haben nur 1,3 oder 1,5m Wassertiefe. In Flüssen wie dem Main wurden künstliche Unterwasserbuhnen angelegt, gefährliche Hindernisse, die es fast unmöglich machen, einen geeigneten Ankerplatz zu finden. Eine gute Planung ist daher unumgänglich, will man rechtzeitig vor Dunkelheit stillligen. Diverse Bücher und Karten helfen, doch sind auch sie mit Vorsicht zu genießen, da sie nicht für Kielyachten geschrieben wurden. An Mauern, an denen Frachtschiffe stillliegen, dürfen auch Kleinboote festmachen. Doch sollte man möglichst viel Platz lassen, damit auch noch ein Berufsschiff anlegen kann. In Kanälen ist meist Ankern generell verboten, da der Boden mit Flies ausgelegt wurde und durch Ankern Schäden entstehen können. Schleusenwerter helfen hier gerne weiter und teilen Kielyachten einen geeigneten Liegeplatz zu. Hafenanlagen werden durch ein Hafenbüro verwaltet. Viele dulden keine Yachten, nach Anmeldung über UKW oder Telefon wird aber meist auf das Problem der Wassertiefe für Kielyachten eingegangen und ein Platz gefunden. Auf keinen Fall sollte man sich einfach an eine Wand im Hafen legen und das Boot verlassen, ohne die Erlaubnis des Liegens eingeholt zu haben, der Platz kann bereits für ein kommendes Schiff reserviert sein und man halst sich größere Probleme ein.
Kartenmaterial gibt es reichlich für die Flussreisen. Neben den einzelnen Gewässerkarten ist auch eine Übersichtskarte zur Planung gut. Als besonders übersichtliche Karten sind uns jedoch nicht die Sportbootkartenbücher aufgefallen, sondern die Kartenbücher der Berufsschifffahrt von Pierre Verberght. Weiters hatten wir Yachtclub-Bootsreiseführer von Heinz Squarra an Bord, welche wir auch als übersichtlich und mit vielen Detailinfos versehen kennengelernt haben. Die Donau-Handbücher vom DSV-Verlag waren bei uns an Bord schon älter und daher nicht mehr am richtigen Stand, die vielen Geschichten rund um die bereisten Gebiete machen diese Handbücher aber sehr interessant. Die Gewässerkarte Main-Donau-Kanal von Edition Maritim war leider nicht aktualisiert, obwohl wir eine neue Ausgabe an Bord hatten (einige Schleusenfunkkanäle stimmen nicht überein). Die Gewässerkarten von Edition Maritim sind generel gut, genauere Angaben zu eingezeichnete Ankerplätze fehlen aber teilweise, weshalb man nicht darauf vertrauen darf, dass diese Ankerplätze auch für Kielyachten geeignet sind.
sehr übersichtliche Flusskarten der Großschifffahrt! Zum Abschluss sein noch einer der wichtigsten Punkte zur Sicherheit am Fluss erwähnt: der Motor. Da dieser viele Stunden durch verlässlich laufen muss, muss der Motor natürlich sehr gut gewartet sein. Manche Yachten kaufen den Diesel von den Frachtschiffen. Wir haben darauf jedoch verzichtet, da wir immer wieder von verunreinigten Diesel mit Wasser und Schmutz aus den Tanks der Berufsschiffe gehört haben und auf verdreckte Filter und Probelme mit dem Motor haben wir verzichtet. Neben dem Motor haben wir auch die Schraube mittels Tauchausrüstung kontroliert, mit dem Ergebnis, meterweise Angelschnur um den Schaft gewickelt zu finden. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, die ganze Anlage zwischendurch gut durchzusehen. Auch wenn ein Segelboot nicht für die Flussreise gebaut ist, so kann der Start in der Heimat doch sehr verlockend sein und die Flussreise ein schöner Einstieg ins Leben am Boot sein.
Dänemark bietet die verschiedensten Reviere drei verschiedenen Gewässern. Da gibt es die lange und anspruchsvolle Nordseeküste Dänemarks, geprägt von Tiden, starken Westwindlagen und einer rauen Küste mit relativ wenig Häfen, das Binnenrevier Limfjord, mit schönen Ankerbuchten und sehr ruhigem Wasser, dafür einigen Kanälen, Skagerrak und Kattegatt mit jahreszeitlich geprägten Winden und Strömungen, die schöne Ostseeküste mit Fjorden und Buchten und die herrliche Inselwelt mit ruhigem Gewässer, bunten Segeltreiben und Kunst und Kultur. Etwas abseits liegt außerdem das besonders schöne Bornholm, eine Insel an der Südküste Schwedens mit vielen Häfen und Wanderpfaden.
Für die Dänischen Gewässer kann ich das Buch "Ankerplätze in Dänemark" von Gerti und Harm Claußen, Edition Maritim, empfehlen. Gratis in allen Gästehäfen Dänemarks gibt's den jährlich neu aufgelegten Sejlerens Marina Guide, der alle wichtigen Infos (Ansteuerung, Preis, Liegeplatzart, Versorgung und Service im Hafen und rundum) zu den Häfen auch in deutsch angibt. Weitere Küstenhandbücher sind eigentlich nicht nötig. (Den Sejlerens gibt's übrigens auch für die deutsche Ostseeküste, Nordsee, Elbe und Weser und auch die Schwedische Küste stellt ein ähnlich aufgebautes Heft zur Verfügung).
In Dänemark gilt das Jedermannsrecht, was bedeutet, dass sich jeder auch auf Privatgrundstücken wie Wäldern und Weiden aufhalten darf. Natürlich heißt das nicht, dass man sich in Hausgärten herumtreiben darf, jedoch sind alle Weiden mit Toren oder Holzleitern versehen, damit man über den Stromzaun steigen kann. Natürlich sollte man bedenken, dass das nur funktioniert, wenn man den Privatgrund respektiert und nichts zerstört oder Abfall hinterlässt (was ja so oder so kein Thema sein sollte). Das gilt auch für Lagerfeuerplätze am Strand, die weggeräumt werden sollten. Auch sollte man, falls man ängstlich gegenüber großen Tieren ist, daran denken, das in den meisten Weiden Tiere grasen und man so auch mal von einem imposanten Stier oder einem spitzhornigen Ziegenbock stehen kann, die aber allesamt friedlich sind. Daher auch keinen Müll im Dingi am Strand lassen, sonst könnte eine interessiertes Schaf oder eine Kuh das Dingi leicht zu Fetzen trampeln... Campen ist auf privaten Grundstücken in Dänemark nicht erlaubt, doch bemüht sich das Land, an vielen sehr schöne Plätzen und Küstenstreifen öffentliches Land zum Gratiscamping zur Verfügung zu stellen, gerade auch deshalb, weil Kajakfahren zwischen den Inseln sehr beliebt ist und die Tourismusbüros sogar eigene Kajaktourkarten auflegen. Überall, auch auf einsamen Stränden und bei guten Ankerplätzen, sind Mülltonnen aufgestellt, unserer Ansicht sehr vorbildlich für viele andere Länder. In Dänemark ist Fischen nur mit einer Fischereikarte (die im Touristeninfoshop erworben werden kann) erlaubt.
Segeln in Schweden hat seine ganz besonderen Reize, denn das wunderschöne Land bietet mit den unzähligen Schären entlang seiner Küste ein abwechslungsreiches und entspanntes Segeln, unzählige wunderschöne Ankerbuchten, erstklassige Yachthäfen, Kultur und Natur und ein Revier, dass von anspruchsvollem Offshorsegeln bis zur Flussreise alles bietet. Schweden ist so vielseitig, dass eine Segelsaison eigentlich viel zu kurz ist, um das ganze Land zu erleben, weshalb wir unsere Reise auf wenige Gebiete, die wir dafür intensiv besegelt haben, beschränkt haben. Da sich entlang der schwedischen Küste eigentlich alles um Wassersport dreht, ist es klar, dass die schwedischen Sportbootkarten sehr umfangreich und detailliert sind und die einzelnen Gebiete wunderbar abdecken. Da die Karten relativ klein sind und man so schnell den Überblick verliert, haben wir es uns zur Praxis gemacht, vor Beginn eines Segeltages mit kleinen Bleistiftmarkierungen den Weg anzuzeichnen und am Kartenrand die folgenden Seitenzahlen zu vermerken, so findet man sich auch zwischen den, verwirrend vielen, Schären zurecht. Natürlich ist die elektronische Seekarte gerade in den Schären ein Gewinn. Auch bei einer Nebelfahrt im Herbst entlang der schwedischen Küste war die elektronische Karte ein großer Vorteil. Bei all den guten Karten darf man sich aber in Schweden – allem voran in den Schären – nicht gänzlich auf die Karten verlassen, manche Untiefen sind immer noch nicht gekennzeichnet und wir konnten an einer – in den Seekarten vermeintlich tiefen Stelle – Felsen entdecken. Im Großen und Ganzen ist das schwedische Gewässer allerdings sehr gut betonnt. Unserer Einschätzung nach geht die größere Gefahr eher von den vielen Fähren aus als von den vielen Untiefen...
Von den drei unterschiedlichen Seegebieten – die West- und Südküste, den Götakanal und die Inlandseen, und die schwedische Ostküste mit ihren Ostseeinseln und den unzähligen Schären haben wir in einem Sommer nur die Ostküste bereist, weshalb sich diese Erfahrungen natürlich darauf beschränken. Wir waren mit dem Küstenhandbuch „Schweden“ von Gerti und Harm Claußen sehr zufrieden. Neben den Handbuch hat uns vor allem eine kleine, kostenlose Broschüre, die überall in den Touristeninfos aufgelegen ist und sogar auf vielen kleinen Inseln zu finden war, für die Suche nach schönen Ankerplätzen genossen. „The Stockholm Archipelago – a guide to our islands“ heißt das kleine Heft, das uns stets an die schönsten Ankerplätze geführt hat. Das Heftchen enthält Infos über die Inseln, zeigt an, wo kleine Kioske mit Lebensmittel versorgen, wo man gratis Trinkwasser findet, wo man seinen Müll hin bringen kann und sogar, wo es kleine Saunas zum genießen gibt. Die Karten mit den Ankerplätzen sind gut genug und gemeinsam mit der Seekarte haben wir so viele herrliche Buchten entdeckt. Will man mal ein wenig Luxus genießen, kann man die vielen sauberen und freundlichen Gästehäfen über den – kostenlosen - „Gästehams Guiden“ finden, der zwar in schwedischer Sprache ist, aber auch eine Erklärung in Deutsch beinhalten und so das Zurechtfinden einfach macht.
Wie auch in Dänemark sind die meisten Orte in Schweden mit Touristeninfos ausgestattet, wo es reichlich Unterlagen gibt. Die gesamte Küste zeigt sich sehr freundlich gegenüber Reisende, was auch gar kein Wunder ist, genießen doch die Schweden selbst ihr wunderschönes Land den ganzen Sommer lang. Deshalb ist es auch hier üblich, dass so gut wie alle Gebiete offen zum Durchwandern sind, ausgenommen weniger Militärsperrgebiete. Als EU Bürger darf man auf der Karte angewiesene Militärgebiete jedoch auch durchsegeln, lediglich das Festmachen ist nicht überall erlaubt. Wir konnten aber in Südschweden auch erleben, dass Stege von militärischem Übungsgebiet als gratis Anlegestege für Segler zur Verfügung stehen, sofern zur Zeit keine Übung stattfindet. Von den militärischen Übungen einmal abgesehen, sind die Schweden sehr bedacht auf die Erhaltung ihrer Schärenwelt und ein hohes Maß an Umweltschutz und –Bewusstsein ist normal. So ist es zum Beispiel verboten, auf den Felsen Lagerfeuer zu machen, da die Granitblöcke durch die Hitze zerspringen könnten. Dafür gibt es aber genügend angelegte Lagerfeuerplätze, die jederzeit verwendet werden dürfen. Da viele dieser Plätze aber mitten im Wald sind, haben wir dennoch mancherorts auf Feuer verzichtet. Viele Schweden haben einen kleinen Grill an Bord, so können sie auch auf den warmen Felsen in der Abendsonne ein kleines Feuer genießen. Während es verboten ist, Blätter oder Äste von den Bäumen zu rupfen, ist es aber gestattet, sich an Beeren und Pilzen voll zu essen, und davon gibt es reichlich. Da die schwedische Natur viele Leckerbissen bietet, kann es alle, die sich in Wildbeeren und Wildpilzen nicht besonders auskennen, ein Vorteil sein, einen Naturführer oder ein Bestimmungsbuch mit zu nehmen. Wir haben uns fast täglich an den Blaubeeren, Preiselbeeren, Parasol und Champignons und an den vielen anderen Beeren und Pilzen erfreut. Müll an Bord ist in Schweden kein Problem, denn überall findet man – in kleinen Holzhütten ordentlich verstaute – Mülltonnen, teilweise sogar mit Mülltrennung. Wichtig allerdings ist der Hinweiß, dass man seinen Müll nicht im Freien liegen lassen darf, auch wenn er in einem Sack zusammengetragen ist. Die vielen Seevögel veranstalten mit liegen gelassene Müllsäcken eine Müllschlacht!
Ist man auf Landgang auf den Schären, muss man sich teilweise besonders vor Zecken schützen. Während wir einige Inseln ohne Zecken erlebten, war der Druck auf anderen Inseln fast unglaublich. Ich musste einmal meine Füße von etlichen Duzend der Blutsauger befreien und letztlich half nur noch der Sprung ins kalte Ostseewasser. Auch Moskitos sind teilweise ein Thema, weshalb wir meist lieber vor Anker lagen als direkt an den Felsen. Wir hatten aber im Gesamten keine besonders große Zahl von Steckmücken erlebt und mussten nur teilweise Moskitospray auftragen. Die schwedischen Segler selbst lieben es, an den Felsen zu liegen und zugegeben, jeder muss es einmal probiert haben, mit dem Bug voran an einen Felsen fest zu machen. Ein praktischer Heckanker gehört in Schweden fast zur Grundausrüstung, der Bug wir entweder an Bäumen festgebunden oder über Schärennägel gesichert. Teilweise finden sich auch extra Ringe, die in den Felsen eingearbeitet sind. Nur selten haben uns tiefe Buchten ein Ankern vor Buganker verwehrt, meist kann man zwischen Schärenliegen und Ankern wählen.
Während in Südschweden das Ostseewasser teilweise massiv von Algen belastet ist und dadurch auch unglaublich stinkt, ist das Wasser im Norden glasklar und angenehm. Auch trifft man nur noch selten Quallen, wahrscheinlich ist ihnen der Salzgehalt im Norden zu gering. Trotzdem baden nur wenige, das Wasser ist kalt und auch im Hochsommer erlebten wir gerade mal 17 Grad Wassertemperatur. Nach einigen schnellen Runden rund ums Schiff hat man so wieder genug, dafür ist die Wassertemperatur geradezu optimal nach einem Saunagang! Abschließend sei noch gesagt, das ein Einkaufen auf den Schwedischen Schären teuer ist, was auch gar nicht verwundert, muss doch alles per Boot angeliefert werden. An Land jedoch fanden wir immer wieder mal große Supermarktketten wie Willis oder Lidl, wo es sich gut versorgen lässt. In der Nähe von vielen schönen Buchten und Häfen liegen meist Nahversorger, die uns aber mit teuren Preisen und teilweise schlechter Gemüse- und Obstqualität enttäuscht haben. Alkohol ist in Schweden generell teuer und Bierbrauen gehört wohl nicht zur hohen Kunst der Schweden (aber wer kann auch schon so brauen wie die Bayern...)
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