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[kanada]

Von endlosen Feldern und unberührten Inseln -

die vielen Gesichter Manitobas

Zehn Jahre sind vergangen, seit meine Familie den Schritt gewagt hat. Den Schritt, oder viel mehr gesagt, die vielen Schritte, die nötig waren, um ihren Traum zu verwirklichen. Ein Traum, der von einer großen Getreidefarm inmitten der kanadischen Kornkammer erzählt. Der von einem Betrieb, der ohne Nebeneinnahmen von den Früchten seines Bodens und von dem Fleiß seiner Betreiber überleben kann, erzählt. Ein Traum, der die ganze Familie gepackt hat und von ihnen abverlangt hat, vieles neu zu lernen und manch alte Gewohnheit aufzugeben.

Und die Mühen haben sich gelohnt. Heute, zehn Jahre nach dem Kauf, dem Neustart einer Familie im fremden Land, dem Auswandern und der Trennung vom Heimatland, liegt im Süden Manitobas eine stolze Farm, die erblüht und wächst und von einer völlig integrierten austrokanadischen Familie betrieben wird. Ich bin stolz, Tochter und Schwester dieser Familie zu sein und habe unseren Aufenthalt auf dieser gepflegten Getreidefarm und das gelungene Jubiläumsfest genossen.

Doch was währe Urlaub ohne Wasser und Boot, der Ruf aufs Wasser ist auch inmitten kanadischer Weizenfelder nicht zu überhören. Und das mit gutem Grund. Nicht immer bietet sich die Möglichkeit, Bootsurlaub auf einsamen Seen und in unberührter Wildniss zu erleben. Viele Gründe, um den elterlichen Pickup vollzuladen und Richtung Norden aufzubrechen. Meine Eltern haben etwas Zeit zwischen den vielen Arbeiten auf der Farm und so geht zur Einstimmung ein paar Tage nach Manigotagen, zum Lake Winnipeg, an dessen Ufer ein Farmnachbar und guter Freund der Familie eine Blockhütte bauen ließ. Das Boot hat mein Bruder beim letzten Besuch in der Blockhütte gleich dortgelassen, er wusste, wir würden am See fahren...

Also, alle Mann rein in die Autos, denn ausser uns waren noch Freunde der Eltern zu Besuch auf der Farm, und so gings in drei Autos und mit insgesamt über 700 Pferdestärken (wir sind ja hier in Kanada!) Richtung Norden. Nachdem wir Farmland und Großstadt in hinter uns gelassen haben, verändert sich langsam die Landschaft. Die letzten 200 Kilomenter sind wir mitten im Busch. Keine Häuser mehr, keine Geschäfte oder Tankstellen, und auf der schnurgeraden Strasse kommen uns auch keine Autos mehr entgegen. Schließlich endet die Straße in einen Schotterweg und weitere acht Kilometer, die wir trotz Pickup im Schneckentempo zurücklegen müssen, sehen wir vor einem wunderschönen Blockhaus.

Bei der Türe rein stehn wir zuerst mal mit offenen Mündern. Große Fenster geben den Blick auf einen riesigen See, von der Küche bis in die Schlafzimmer ist das gesammte Haus so geplant, dass man die tolle Aussicht nicht aus den Augen verliert. Das Wohnzimmer ist mit einem Ledersofe bestückt, das vor den großen Fenstern zum träumen einläd und worin man sich am großen gemauerten Kamin entspannen kann. Klar, wir bleiben länger!

Der Tag ist erfüllt mit Wandern durch den Busch, Baden und BBQ am Abend, im Keller finden wir einen Billard-Tisch und so fächten wir bis spät in die Nach um den Sieg. Schon am kommenden Tag müssen die Eltern und Freunde wieder zurückfahren und wir finden Zeit, uns den riesigen See mal genauer anzusehen. Hier ist nicht viel los, wir erspähen gerade mal eine Segelyacht und ein weiteres Motorboot, ansonsten vergeht unser Tag am See einsam. Wir exploren Black Island und bestaunen die wilde Küste, an der wir vereinzelt Ferienhäuser entdecken können.
Abends genießen wir die Ruhe vorm flackernden Kamin und zeitig am nächsten Morgen gehts wieder raus auf den See, um die aufgelassene Sandgrube auf Black Island genauer zu inspizieren. Bis in die 80ger wurde hier stehts im kanadischen Winter Sand abgebaut, die Trucks nutzten die dicke Eisfläche am See, um den Sand zu holen. Heute ist die Insel ein Provinzial Park, hier darf weder gebaut noch abgebaut werden, doch offene Sandflächen, halb gesunkene Transportschuten und vereinzelte Anlagenteile zeugen noch von der geschäftigen Zeit der Insel. Wir entdecken einen dunkelrot eingefärbten See auf der Insel und erfahren später, das hier der Boden sehr Eisenreich ist, weshalb Sand und Wasser rot sind.

Doch wir haben keine Zeit, länger zu bleiben, denn auf uns wartet ein ganz anderes Bootserlebnis, meine Brüder haben für uns einen Campingtrip zum unbewohnten George Lake, nordöstlich von Winnipag organisiert. Ein See, an die die Einheimischen gerne ins Fischen und Campen fahren, gerade auch deshalb, weil an das Ufer dieses kleineren Sees keine Straße führt und man so in unberührter Wildniss campen kann. Wider packen wir die Pickups voll - man glaube kaum, wieviel Grimsgrams 7 Leute für 4 Tage campen benötigen, und wieder lassen wir uns auf den holprigen Straßen Richtung Norden ordentlich durchschütteln.

Nach 5 Stunden Fahrt - unterbrochen von einigen Einkaufs- und Essensstops - drückt uns Rick die Hand, er dachte schon fast, wir hättens uns wegen dem Wetter anders überlegt. Rick wird uns mit seinem Boot über den River bringen, von wo aus uns noch ein einstündiger Fußmarsch von dem unbewohnten George Lake trennen wird. Unser Glück, das viele Gepäck muss nicht geschleppt werden, der über und über mit Schlamm bespritzte Argo schafft den Transport. Es Regnet, phhuu! - bin ih froh, Mums Gummistiefel genommen zu haben...

Die Zeit am Lake ist unbeschreiblich. Das Geschrei der Loonis begrüße uns am stahlblauen See, auf dem zwei Aluboote auf uns warten. Wir Campen auf einer kleinen Insel, hier kommen keine Bären raus... Und während meine Brüder darauf warten, dass unser Abendessen endlich an die Angel geht, lassen sich Jürgen und ich von der unbeschreiblichen Schönheit des Sees verführen, wir exploren die vielen kleinen Inseln, finden Wasserfälle und aufgelassene Fischercamps, genießen das eiskalte Wasser und lassen uns anschließend vom Lagerfeuer wärmen. Wir entdecken Weißkopfadler und höhren Nachts den Kojoten zu. Zum Geburtstag in der Wildniss überreichen mir meine Brüder einen Fisch und die Nächte schlagen wir uns mit Nachtfischen um die Ohren, wobei natürlich hierzu genügend Bier gereicht wird. Viel zu schnell vergeht die Zeit und nach vier aufregenden Tagen wartet Rick mit seinem Argo bereits wieder, um unser Hab und Gut zum Ufer des Winipag-Rivers zu bringen.

Wir haben eine tolle Zeit in Manitoba verbracht, auch wenn sie leider viel zu schnell verging. Aber wer weiß, mal sehen, wir haben da mal gehört, dass die Flüsse Manitobas über die Hudson Bay per Boot zu erreichen sind ;-))

"unsre" Aluboote

...

...

rechtzeitig zu meinem Geburtstag besucht uns ein Adler!

...und es gibt Fisch...

Am liebsten am Steuer...

... oder hinterm Buch!

Pelikane

Spaß beim Campen

Herrliche Abende...

...und noch schönere Tage!

Nachtfischen...

...und Lagerfeuer!

Unbewohnt? - Na gut, eine Fehrienhütte!

Der Fußmarsch zurück

Rückfahrt mit Rick

und ab nach Hause auf die Farm!

 

 

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