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[leben anbord]

HAUSHALT UND ALLTAG AN BORD

„Ich habe immer die Empfingung gehabt, dass die langen Reisen sich auf mich wie eine tiefe Reinigung von allem Schmutz, der sich bei langem Landaufenthalt ansammelt, auswirkten. Einmal ausser Sicht der Küste, ist ein Mensch ganz allein im Angesich seines Schöpfers, und der Kräfte der Natur, die ihn umgeben, können ihn nicht fremd bleiben. Bald wird er selbst Teil von ihnen sein, seine Einfachheit wiedergewinnen und sich reinigen im Kontakt mit den rohen Kräften, die ihn umarmen und verschlingen.“ - Bernard Moitessier

Müll an Bord

 

Winter an Bord  
 

 

Müll an Bord

Viele Segler an Bord einer Blauwasseryacht begeben sich auf die Ozeane nicht zuletzt darum, um mit der Natur zu leben und die Schönheit und Einzigartigkeit der Welt zu entdecken. Diese schöne und berauschende Art, die Natur kennenzulernen, lässt und aber auch bald erkennen, wie verwundbar unser blauer Planet ist und welchen Schaden wir durch unseren rücksichtslosen Umgang mit unserer Umwelt anrichten. Traurig wandern so machne Crews über die vermüllten einsamen Sandstränden entlang wunderschöner Ankerbuchten, Bestürzung macht sich breit, wenn wiedermal ein Schildkrötenkadaver mit Plastikstrangulierung um den Hals am Strand gefunden wird, oder wenn Seelöwen mit eingewachsenen Plastikmüll auf warmen Steinen in der Sonne faulenzen. Oft verunziert Plastikschwemmgut ganze Küstenlandstriche und schier unglaubliche Gegenstände werden vom Anker beim einholen ans Tageslicht gehieft (unser größter Fisch: ein versenktes Moped, dass sich in unsrem Ankergeschirr verfangen hatte!). Und dabei handelt es sich nicht um Übertreibungen von mir, jeder, der schon eine Zeit abseits gereinigter Strände unterwegs war, wird mir diese und weitere Müllberichte bestätigen können.

So verwundet es nicht, dass sich früher oder später fast alle Segler anbord von Blauwasseryachten ihre Gedanken zum eigenen Müll machen. Wie geht man mit dem eigenen Müll um, wie kann man sicher sein, nicht selbst Teil dieses Trauerspieles zu sein und dem Ozeanen den nötigen Respekt entgegenzubringen, anstatt sie als große Gratis-Müllkippe der Welt zu betrachten.

Der erste grundlegende Schritt, um das Müllproblem auf Yachten klein zu halten, ist die Vermeidung von Müll. Klar, denkt sich nun der eine oder andere, als käme man nicht selbst darauf, aber dennoch will ich diesen Gedanken nicht aus diesem Bericht verbannen. Zu sehr haben wir uns an die Bequemlichkeiten einer westlichen Wegwerfgesellschaft gewöhnt, zu selbstverständlich ist es, kaputte Gegenstände durch neue zu ersetzen und Angebote hinterherzujagen ohne genau zu überlegen, ob die angebotenen Artikel jemals ernsthaft benötigt werden, oder sich am Ende einfach nur in wenig genützten Müll verwandeln. Dabei ist es oft leichter und günstiger als gedacht, ein kaputtes Teil wieder in Schuss zu bekommen und noch lange Zeit zu verwenden. Gerade in vielen der weniger reichen Länder lassen sich meist gute Reparaturwerkstätten finden und mit dem kleinen Einsatz von etwas Geduld und wenig Geld kann man sich viele Probleme mit nachgesendeten Teilen ersparen.

Auch beim Einkauf von Lebensmittel lässt sich mancherorts etwas Müll vermeiden. Gerade beim Einkauf auf lokalen Märkten oder bei Bauern selbst, werden die Menschen durchwegs froh darauf reagieren, wenn eigene Behälter für die erworbenen Lebensmittel mitgebracht werden und man sich die mitgebrachte Dose füllen lässt anstelle von den Verkäufern ein Plastiksackerl zu erwarten. Quer durch die Hafenstadt und zur Yacht lassen sich die gekauften Köstlichkeiten ohnehin besser im Rucksack transportieren als sie in Wegwerftaschen zu schleppen.

An Bord selbst müssen Lebensmittel und gekaufte Ware ordentlich verstaut werden. Dabei lohnt es sich in vielerlei Hinsicht, die Lebensmittel aus den gekauften Verpackungen auszupacken und in verschiedene wasserdichte Plastikbehälter an Bord zu stauen. Viele Probleme werden so erst garnicht entstehen: der gekaufte Müll wird nicht mit hinaus auf Meer genommen, Probleme mit Schädlinge und Kakerlaken sind leichter im Griff zu halten und Verderbnis durch Feuchtigkeit wird vermieden. So kann ein großer Teil des Mülles an Bord noch gleich in dem Hafen an Land befördert werden, in dem er auch gekauft wurde. Doch Vorsicht, in manche Gebieten, speziell auf manchen der vielbefahrenen Inseln entlang der Barfußrute, bieten sich immer wieder mal Einheimische an, gegen ein paar Dollar Bezahlung den Müll der Yachten zu übernehmen. Aus den Augen - aus dem Sinn, möchte sich vielleicht der eine oder andere Segler denken, doch zu bedenken gilt, dass so mancher bezahlter Müllentsorger den eben übernommenen Müll einfach ins Meer wirft, sobald er ausser Sicht ist.

Ist es offensichtlich, dass die Insel oder das Land, in dem man verweilt, keine ausreichende Müllentsorgung führt und den gesammten Abfall ins Meer schüttet, ist es wahrscheinlich besser, den eigenen Müll an Bord zu sammeln und bei Gelegenheit einmal ein Lagerfeuer damit zu betriben. Das ist zwar nicht die beste Lösung, aber immerhin weniger bedenklich, als die Plastiksackerl und Verbackungen früher oder später im Meer schwimmend zu treffen.

Unterwegs wird an Bord von Blauwasseryachten meist eine gemäßigte Mülltrennung vorgenommen: Plastikabfälle müssen auf alle Fälle ordentlich ausgewaschen (Wasser dafür gibts ja genug und so erspart man sich einen fürchterlichen Geruch) und in einem Müllsack, am besten in einer Backskiste oder anderen Staukiste, an Deck gesammelt werden, bis sich eine Möglichkeit der Entsorgung ergibt. Ein auf Davids verzurrtes Dingi kann hier auch zum vorrübergehenden Müllboot werden. Dosen werden normalerweise versenkt, dazu die Dosen aber auf keinen Fall achtlos über Bord werfen, sie müssen bis zum Rand mit Wasser gefüllt werden, damit sie auch sicher untergehen und nicht früher oder später an einer Küste angeschwämmt werden. Biomüll fliegt in hohen Bogen über Bord und sollte auch Papiermüll anfallen, ist dieser immer gut fürs nächste Lagerfeuer am Strand zu gebrauchen und wird meist bis dahin in einer trockenen Ecke im Schifferl gesammelt.

Soll die Yacht wieder einmal durchgeputz werden und werden Gegenstände, Kleidungsstücke und ausgediente Sachen ausgemustert, sollte man daran denken, dass viele der nicht mehr benötigten Sachen noch Einheimische oder Fischer Freude bringen können und noch lange nicht in der Müllkippe landen müssen. Manchmal bereitet man mit seinen alten T-Shirts, Kanister und Angelhaken noch soviel Freude, dass als Dankeschön ein schöner Fisch oder Krebs seinen Weg vom Fischerboot ins Cockpit findet!

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Winter an Bord

Das Krachen des Eises zerreißt die nächtliche Stille und schreckt mich aus der Koje. Sehlenruhig schläft Jürgen an meiner Seite ohne von den Schlägen und Knallen Notiz zu nehmen. Draußen muss es kalt sein. Sehr kalt, denn die Eisdecke, die nun schon wochenlang La Belle Epoque zur Gefangenen macht, stöhnt und ächtzt nur so, wenn es wieder empfindlich kalt geworden ist. Noch schlaftrunken nehme ich Notiz, dass es auch hier im Schifferl ungewöhnlich kalt geworden ist. bis übers Kinn eingedreht in die warme Daunendecke schmerzen meine Ohren vor Kälte und ich überlege, ob unser wunderbarer Dickinson Dieselofen noch läuft. Ja, tut er, aber zurückgedreht auf kleinste Stufe schafft er es nicht mehr gegen die beißende Kälte im gesamten Boot. Im Salon ist es schön warm und beruhigt tapse ich zurück in die Koje. Na, wenn mich jetzt schon das Krachen der Eisdecke aufweckt, kann das ja toll werden, wenn wir erst mal wieder unterwegs sind und La Belle Epoque zum Resonanzkörper des Meers um uns wird.

Am Morgen deckt eine geisterhafte Nebeldecke das Land um uns zu. Der trieste Himmel, von dem vereinzelt Schneeflocken fallen, ist nicht zu sehen und der dunkle Schatten vor La Belle lässt uns nicht vergessen, dass wir nicht das einzige Schiff im Hafen sind. Im Bauch unseres Bootes erwachen wir träge zum Leben. Jürgen hat am Morgen den Brotteig ins Rohr geschoben und den Ofen etwas raufgedreht. Der Kaffee duftet und die wollige Wärme begrüßt mich. Wir gehen den Tag langsam an, das gemeinsame, gemütliche Frühstück genießen wir.

Dann gehts erstmal raus. Die Eisdecke unter dem Waschbeckenabfluss gehört freigestochen, der Steg abgeschaufelt. Wir testen, ob uns die Eisdecke trägt und laufen ein paar Runden um die Schiffe. Endlich blitzt die Sonne durch die Nebeldecke und vertreibt auch schon bald die letzen Nebelschwaden. Nur noch selten begrüßt uns die Sonne mit ihren warmen Strahlen und zur Feier des Tages machen wir einen Spaziergang entlang der Donau.

Zurück am Schifferl gibt es genug zu tun und während Jürgen am Generator und im Motorraum arbeitet, um alles für unsere kommende große Fahrt vorzubereiten, stürtze ich mich über die Unterlagen zur Amateurfunkprüfung. Neben uns bereiten die Nachbarn eine Bahn zum Eisstockschießenvor und am Schiff vor uns höhrt man ein Hämmern und schleifen.

Schon jetzt hat sich unser Steuerhaus bewährt. Ich bin froh, dass wir uns entschieden haben, anstelle eines offenen Verdecks ein geschlossenes und beheiztes Steuerhaus auf La Belle Epoque zu bauen. Auch wenn wir zur Zeit lahm und eingefrohren auf der Stelle sitzen, das Steuerhaus ist zu unsrem Vorraum geworden, auf den wir nicht mehr verzichten möchten. Es dient als Windfang, die nassen Schuhe finden da oben ihren Platz und Jacken, Schals, Handschuhe und Hauben türmen sich am Steuersitz. Die Gästekoje im Vorschiff haben wir zu unsrem Kühlschrank umfunktioniert. Ein dicker Vorhang hilft, dass die Wärme im Salon bleibt und so gibt es an Bord nun auch wieder kaltes Bier und frische Milch. Unser genützter Lebensraum hat sich auf ein Minumum reduziert und es kommt vor, dass wir tagelang nicht aus dem Boot kommen, was den Verbrauch von guten Büchern fördert...

Uns fehlt es an nichts. Ein anderes zuhause als unser Boot wird schon fast undenkbar und unser Leben ist endlich wieder da angekommen, wo wir es uns gewünscht haben. Die letzten Jahre der Arbeit und Vorbereitungen sind vorüber und unser Abenteuer an Bord hat begonnen!

 

 

 

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