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Haushalt und Alltag an Bord
Müll an BordViele Segler an Bord einer Blauwasseryacht begeben sich auf die Ozeane nicht zuletzt darum, um mit der Natur zu leben und die Schönheit und Einzigartigkeit der Welt zu entdecken. Diese schöne und berauschende Art, die Natur kennenzulernen, lässt und aber auch bald erkennen, wie verwundbar unser blauer Planet ist und welchen Schaden wir durch unseren rücksichtslosen Umgang mit unserer Umwelt anrichten. Traurig wandern so machne Crews über die vermüllten einsamen Sandstränden entlang wunderschöner Ankerbuchten, Bestürzung macht sich breit, wenn wiedermal ein Schildkrötenkadaver mit Plastikstrangulierung um den Hals am Strand gefunden wird, oder wenn Seelöwen mit eingewachsenen Plastikmüll auf warmen Steinen in der Sonne faulenzen. Oft verunziert Plastikschwemmgut ganze Küstenlandstriche und schier unglaubliche Gegenstände werden vom Anker beim einholen ans Tageslicht gehieft (unser größter Fisch: ein versenktes Moped, dass sich in unsrem Ankergeschirr verfangen hatte!). Und dabei handelt es sich nicht um Übertreibungen von mir, jeder, der schon eine Zeit abseits gereinigter Strände unterwegs war, wird mir diese und weitere Müllberichte bestätigen können. So verwundet es nicht, dass sich früher oder später fast alle Segler anbord von Blauwasseryachten ihre Gedanken zum eigenen Müll machen. Wie geht man mit dem eigenen Müll um, wie kann man sicher sein, nicht selbst Teil dieses Trauerspieles zu sein und dem Ozeanen den nötigen Respekt entgegenzubringen, anstatt sie als große Gratis-Müllkippe der Welt zu betrachten. Der erste grundlegende Schritt, um das Müllproblem auf Yachten klein zu halten, ist die Vermeidung von Müll. Klar, denkt sich nun der eine oder andere, als käme man nicht selbst darauf, aber dennoch will ich diesen Gedanken nicht aus diesem Bericht verbannen. Zu sehr haben wir uns an die Bequemlichkeiten einer westlichen Wegwerfgesellschaft gewöhnt, zu selbstverständlich ist es, kaputte Gegenstände durch neue zu ersetzen und Angebote hinterherzujagen ohne genau zu überlegen, ob die angebotenen Artikel jemals ernsthaft benötigt werden, oder sich am Ende einfach nur in wenig genützten Müll verwandeln. Dabei ist es oft leichter und günstiger als gedacht, ein kaputtes Teil wieder in Schuss zu bekommen und noch lange Zeit zu verwenden. Gerade in vielen der weniger reichen Länder lassen sich meist gute Reparaturwerkstätten finden und mit dem kleinen Einsatz von etwas Geduld und wenig Geld kann man sich viele Probleme mit nachgesendeten Teilen ersparen. Auch beim Einkauf von Lebensmittel lässt sich mancherorts etwas Müll vermeiden. Gerade beim Einkauf auf lokalen Märkten oder bei Bauern selbst, werden die Menschen durchwegs froh darauf reagieren, wenn eigene Behälter für die erworbenen Lebensmittel mitgebracht werden und man sich die mitgebrachte Dose füllen lässt anstelle von den Verkäufern ein Plastiksackerl zu erwarten. Quer durch die Hafenstadt und zur Yacht lassen sich die gekauften Köstlichkeiten ohnehin besser im Rucksack transportieren als sie in Wegwerftaschen zu schleppen. An Bord selbst müssen Lebensmittel und gekaufte Ware ordentlich verstaut werden. Dabei lohnt es sich in vielerlei Hinsicht, die Lebensmittel aus den gekauften Verpackungen auszupacken und in verschiedene wasserdichte Plastikbehälter an Bord zu stauen. Viele Probleme werden so erst garnicht entstehen: der gekaufte Müll wird nicht mit hinaus auf Meer genommen, Probleme mit Schädlinge und Kakerlaken sind leichter im Griff zu halten und Verderbnis durch Feuchtigkeit wird vermieden. So kann ein großer Teil des Mülles an Bord noch gleich in dem Hafen an Land befördert werden, in dem er auch gekauft wurde. Doch Vorsicht, in manche Gebieten, speziell auf manchen der vielbefahrenen Inseln entlang der Barfußrute, bieten sich immer wieder mal Einheimische an, gegen ein paar Dollar Bezahlung den Müll der Yachten zu übernehmen. Aus den Augen - aus dem Sinn, möchte sich vielleicht der eine oder andere Segler denken, doch zu bedenken gilt, dass so mancher bezahlter Müllentsorger den eben übernommenen Müll einfach ins Meer wirft, sobald er ausser Sicht ist. Ist es offensichtlich, dass die Insel oder das Land, in dem man verweilt, keine ausreichende Müllentsorgung führt und den gesammten Abfall ins Meer schüttet, ist es wahrscheinlich besser, den eigenen Müll an Bord zu sammeln und bei Gelegenheit einmal ein Lagerfeuer damit zu betriben. Das ist zwar nicht die beste Lösung, aber immerhin weniger bedenklich, als die Plastiksackerl und Verbackungen früher oder später im Meer schwimmend zu treffen. Unterwegs wird an Bord von Blauwasseryachten meist eine gemäßigte Mülltrennung vorgenommen: Plastikabfälle müssen auf alle Fälle ordentlich ausgewaschen (Wasser dafür gibts ja genug und so erspart man sich einen fürchterlichen Geruch) und in einem Müllsack, am besten in einer Backskiste oder anderen Staukiste, an Deck gesammelt werden, bis sich eine Möglichkeit der Entsorgung ergibt. Ein auf Davids verzurrtes Dingi kann hier auch zum vorrübergehenden Müllboot werden. Dosen werden normalerweise versenkt, dazu die Dosen aber auf keinen Fall achtlos über Bord werfen, sie müssen bis zum Rand mit Wasser gefüllt werden, damit sie auch sicher untergehen und nicht früher oder später an einer Küste angeschwämmt werden. Biomüll fliegt in hohen Bogen über Bord und sollte auch Papiermüll anfallen, ist dieser immer gut fürs nächste Lagerfeuer am Strand zu gebrauchen und wird meist bis dahin in einer trockenen Ecke im Schifferl gesammelt. Soll die Yacht wieder einmal durchgeputz werden und werden Gegenstände, Kleidungsstücke und ausgediente Sachen ausgemustert, sollte man daran denken, dass viele der nicht mehr benötigten Sachen noch Einheimische oder Fischer Freude bringen können und noch lange nicht in der Müllkippe landen müssen. Manchmal bereitet man mit seinen alten T-Shirts, Kanister und Angelhaken noch soviel Freude, dass als Dankeschön ein schöner Fisch oder Krebs seinen Weg vom Fischerboot ins Cockpit findet!
Winter an BordDas Krachen des Eises zerreißt die nächtliche Stille und schreckt mich aus der Koje. Sehlenruhig schläft Jürgen an meiner Seite ohne von den Schlägen und Knallen Notiz zu nehmen. Draußen muss es kalt sein. Sehr kalt, denn die Eisdecke, die nun schon wochenlang La Belle Epoque zur Gefangenen macht, stöhnt und ächtzt nur so, wenn es wieder empfindlich kalt geworden ist. Noch schlaftrunken nehme ich Notiz, dass es auch hier im Schifferl ungewöhnlich kalt geworden ist. bis übers Kinn eingedreht in die warme Daunendecke schmerzen meine Ohren vor Kälte und ich überlege, ob unser wunderbarer Dickinson Dieselofen noch läuft. Ja, tut er, aber zurückgedreht auf kleinste Stufe schafft er es nicht mehr gegen die beißende Kälte im gesamten Boot. Im Salon ist es schön warm und beruhigt tapse ich zurück in die Koje. Na, wenn mich jetzt schon das Krachen der Eisdecke aufweckt, kann das ja toll werden, wenn wir erst mal wieder unterwegs sind und La Belle Epoque zum Resonanzkörper des Meers um uns wird. Am Morgen deckt eine geisterhafte Nebeldecke das Land um uns zu. Der trieste Himmel, von dem vereinzelt Schneeflocken fallen, ist nicht zu sehen und der dunkle Schatten vor La Belle lässt uns nicht vergessen, dass wir nicht das einzige Schiff im Hafen sind. Im Bauch unseres Bootes erwachen wir träge zum Leben. Jürgen hat am Morgen den Brotteig ins Rohr geschoben und den Ofen etwas raufgedreht. Der Kaffee duftet und die wollige Wärme begrüßt mich. Wir gehen den Tag langsam an, das gemeinsame, gemütliche Frühstück genießen wir. Dann gehts erstmal raus. Die Eisdecke unter dem Waschbeckenabfluss gehört freigestochen, der Steg abgeschaufelt. Wir testen, ob uns die Eisdecke trägt und laufen ein paar Runden um die Schiffe. Endlich blitzt die Sonne durch die Nebeldecke und vertreibt auch schon bald die letzen Nebelschwaden. Nur noch selten begrüßt uns die Sonne mit ihren warmen Strahlen und zur Feier des Tages machen wir einen Spaziergang entlang der Donau.
Zurück am Schifferl gibt es genug zu tun und während Jürgen am Generator und im Motorraum arbeitet, um alles für unsere kommende große Fahrt vorzubereiten, stürtze ich mich über die Unterlagen zur Amateurfunkprüfung. Neben uns bereiten die Nachbarn eine Bahn zum Eisstockschießenvor und am Schiff vor uns höhrt man ein Hämmern und schleifen. Schon jetzt hat sich unser Steuerhaus bewährt. Ich bin froh, dass wir uns entschieden haben, anstelle eines offenen Verdecks ein geschlossenes und beheiztes Steuerhaus auf La Belle Epoque zu bauen. Auch wenn wir zur Zeit lahm und eingefrohren auf der Stelle sitzen, das Steuerhaus ist zu unsrem Vorraum geworden, auf den wir nicht mehr verzichten möchten. Es dient als Windfang, die nassen Schuhe finden da oben ihren Platz und Jacken, Schals, Handschuhe und Hauben türmen sich am Steuersitz. Die Gästekoje im Vorschiff haben wir zu unsrem Kühlschrank umfunktioniert. Ein dicker Vorhang hilft, dass die Wärme im Salon bleibt und so gibt es an Bord nun auch wieder kaltes Bier und frische Milch. Unser genützter Lebensraum hat sich auf ein Minumum reduziert und es kommt vor, dass wir tagelang nicht aus dem Boot kommen, was den Verbrauch von guten Büchern fördert... Uns fehlt es an nichts. Ein anderes zuhause als unser Boot wird schon fast undenkbar und unser Leben ist endlich wieder da angekommen, wo wir es uns gewünscht haben. Die letzten Jahre der Arbeit und Vorbereitungen sind vorüber und unser Abenteuer an Bord hat begonnen!
Impfungen und Vorbereitungen vor dem AblegenZur Vorbeireitung einer Blauwasserreise gehören auch für die Gesundheit einige Vorsorgen getroffen. Hat man erst eine Vorstellung davon, welche Länder man bereisen wird, muss man sich nun über dortige Verhältnisse klar werden und schon früh genug im voraus dieverse Impfungen antreten. Einen guten Überblick dazu gibt die Internetseite des Institutes für Reisemedizin, IRI, beziehungsweise das Zentrum für Reisemedizin, www.reisemed.at, aber auch der Hausarzt kann helfen. Grundsätzlich versuchen wir nun, den Weg zwischen Leichtsinn und übertriebenen vollpumpen mit Impfstoffen zu finden. Weshalb wir versuchen, alle unnötigen Vorsorgeimpfungen zu vermeiden. Unumgänglich ist jedoch die Vorsorge gegen Gelbfieber und Hebatitis. Da die Hebatitisimpfung in Österreich in Teilimpfungen gespritzt wird, ist es gearde hier nötig, schon bald vor dem Reisestart zum Arzt zu gehen, um die nötigen zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Impfungen einhalten zu können. Geht die Reise in tropische Gebiete, ist auch Malaria ein Thema. Da es keine Impfungen gegen Malaria gibt, bietet der Markt hier verschiedene Preperate. Dabei handelt es sich um eine Gruppe an Medikmenten, die zum Schutz tägliche eingenommen werden kann oder um Tabletten, die die Krankheit erst nach Ausbruch bekämpft. Da Segler sich oft über Jahre in Gebieten mit möglicher Malariaansteckung aufhalten, muss man die Sinnhaftigkeit der täglichen Einnahme von Vorsorgepreperaten in Frage stellen. Tabletten, die nach Ausbruch der Krankheit helfen müssen aber unbedingt an Bord sein. Nicht nur Impfungen und eine gut sortierte Bordapoteke helfen, die Gesundheit der Crew zu gewährleisten, besonders wichtig ist der persönliche Umgang mit Risikofaktoren und das eigene Verhalten in fremden Regionen. Wichtige Tipps an Bord und in fremden Ländern: -Vorsicht mit der Sonne, ausreichend Sonnenschutz verwenden, auch für die Augen und für den Kopf - Alles gegen Mückenbisse unternehmen: lange Kleidung tragen, Kojen mit Mückengitter schutzen, Mückensprays verwenden - "Eine Hand für dich und eine Hand fürs Schiff", Unfälle können auf See ein ernsthaftes Problem darstellen - auch und speziell an Land herrscht Unfallrisiko, der Segler ist in vielen Fällen den Stress fremder Großstädte nicht gewöhnt und hat daher erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr (zum Beispiel mit dem Fahrrad) - erhöhte Sorgfallt beim Trinkwasser, an Bord ebenso wie an Land - erhöhte Sorgfallt bei Lebensmittel, möglichst Eis und bereits geschähltes Obst meiden, keinen rohen Fisch oder rohes Fleisch an Land essen - Vorsicht bei selbst geangelten Fisch in Korrallengebieten, zuerst herausfinden, ob es im Gebiet Probleme mit Fischvergiftungen gibt. - beim Schnorcheln und Tauchen die Finger von den Korrallen lassen, sie können schwer heilende Wunden hinterlassen - persönliche Hygiene hoch halten, besonders bei der Benützung öffentlicher Dusch- und Toilettanalgen (Hafenanlagen), nicht Barfuß laufen und immer Hände gut waschen - in den Tropen generell an Land nicht barfuß laufen - Baden in stehenden Süßwassergewässern vermeiden - bei Übernachttörns die Wacheinteilung einhalten, da Müdigkeit zu einem erhöhten Unfallrisiko fürhen kann - genügend Trinken, zum Beispiel "Suntea" - Durchfälle kritisch beobachten und nicht auf die leichte Schulter nehmen - geprüfte Kondome verwenden, kein (ungeschützter) Geschlechtsverkehr mit fremden Menschen
Wache und Rhythmus unterwegsEndlich abgelegt, gilt es, sich in den Bordrhythmus zu finden und Erholung und Schlaf zwischen den Wachstunden zu finden, um genügend Energie und Aufmerksamkeit für die Aufgaben an Bord zu erhalten und die Schönheit des Segelns erleben zu können. Als wichtig erschien uns immer, uns so gut es ging an die Wacheintielung an Bord zu halten und den Partner möglichst nicht seiner Freiwache zu berauben und zu lernen, die Stunden der Entspannung effizient zu nützen, die Bücher zur Seite zu legen und schon am Abend bei der ersten Freiwache eine Mütze voll Schlaf zu hohlen. Da Blauwassersegler meist mit kleiner Crew unterwegs sind, wird sich ergeben, dass sich die Wachzeiten intensiv gestallten und die Sicherheit der wachhabenden Crew vor die Segelleistung in der Nacht gestellt wird. Als Paar unterwegs, haben wir für uns erlebt, dass eine Zeiteinteilung von drei Stunden für unsre Bedürfnisse am passensten ist. Drei Stunden Wache sind überschaubar und können ohne Einschlafen geschafft werden, während die Freiwache bei drei Stunden Schlaf ausreichend Erholung finden kann. Zu Abend, bevor die erste Einteilung beginnt, verbringen wir meist noch eine gemeinsame ruhige Stunde im Cockpit am Ruder, bereiten das Boot für die Nacht vor, reden über Kurs und Wetterlage, genießen einen Becher Tee und teilen unsre Gedanken im Licht der Dämmerung, bis die Zeit reif ist, dass der Erste in die Koje verschwindet. Nun liegt es an der Wache, die Yacht in die Nacht zu führen und dem Partner einige ruhige Stunden zu gönnen. Dabei haben wir gelernt, dass das eigene Verhalten an Bord die Erholungsphase der Freiwache sehr beeinflussen kann. Nur bei genügend eigener Vorsicht an Deck kann der Partner in der Koje sorgenfrei Schlaf finden. So ist es bei uns an Deck üblich, bei Arbeiten alleine und Nachts am Vorschiff den Gurt anzulegen und so sicherzustellen, dass die Yacht bei überbordgehen nicht mit dem ahnungslos schlafenden Parter alleine in die Nacht segelt. Außerdem ziehen wir vor, einen Segelwechsel bei Wachübernahme und vielleicht schon etwas verfrüht gemeinsam zu erledigen, anstatt zu lange zu warten und alleine am Vordeck herumzuturnen. Auch wenn immer wieder Geschichten über Segler erzählt werden, die sich gemeinsam schlafen legen und die Yacht auf sich gestellt fahren lassen, achten wir besonders auf die Wache und suchen ohne Ausnahme alle 10 Minuten den Horizont nach Lichtern ab. Aus Beobachtungen wissen wir, es dauert nicht länger als 15 Minuten, dass sich die Wege mit einem Schiff kreuzen, nachdem am Horizont ein Licht entdeckt wird. In Küstennähe muss es selbstverständlich sein, dass jeder Wachhabende Herr der Navigation ist und nicht auf die Einträge des Anderen ansteht. Eine gegenseitige Kontrolle vermeidet außerdem Fehler, die bei Übermüdung schon mal passieren können. So hat sich bei uns eingebürgert, dass bei jedem Wachwechsel die Position in die Karte eingezeichnet wird, so können sich alle Crewmitglieder der Karte vertraut machen und eventuelle Kursänderungen können kurz besprochen werden. Zur Hundewache, die anstrengenste Zeit im Verlauf der Nacht, ist eine Termoskanne Kaffee und etwas Trockenfisch zum Knabbern immer eine Willkommene Freude. Wird die Yacht per Hand gesteuert, lohnt es, sich mit dem Himmel zu beschäftigen und seinen Kurs nach den Sternenbild zu segeln. Der wiederholte Kontrollblick auf den beläuchteten Kompass wird nämlich viel zu schnell zur Plage für die Augen und bald kämpft der Segler mit dem Schlaf. Auch hält es wach, sich in Tagträume zu verstricken, seine Gedanken fliegen zu lassen und über Dinge zu senieren, die einem Interesse und Freude bereiten. Phantasievolle Menschen sind hier meiner Meinung nach im Vorteil, da die Zeit wie im Flug vergeht, während man über hübsche Geschichten träumt. Meist ist davon abzuraten, den Partner zu längeren Freiwachzeiten verhelfen zu wollen, ein gleichmässiger Rhythmus ist anzuraten. Der Körper kann sich schneller umstellen und in Notfällen, wenn mehr Hände an Deck gebraucht werden, ist ein stark übermüdeter Segler, der seine Wache über verlängerte Zeit durchgehalten hat, nur noch wenig zu brauchen. Für die Freiwache hingegen ist es wichtig, das Maximum seiner Ruhezeit in Schlaf umzusetzten. Ein tiefes Vertrauen zu seinen Segelpartner ist dazu unweigerlich ein wichtiger Grundstein. Dazu gehört auch das Wissen, dass der Partner an Deck keine riskanten Dummheiten mach und nicht ungesichert an den Segeln arbeitet. Funktioniert das Einschlafen nicht auf Befehl, kann Autogenes Training eine tolle Hilfe zum schnellen Schlaf werden. Ohne viel Aufwand zu betreiben konnte ich mir einige Atemübungen aneignen, die mich auch in polternden Wellen und schreienden Winden nach späestens drei Atemzügen in ruhigen Schlaf versetzen - ein wahrer Segen und gerade bei kleiner Crew ein echter Sicherheitsgewinn. An Bord von Blauwasseryachten ist Nachtsegeln ein Teil vom Erlebniss und kann eine wahre Bereicherung sein. Immer wieder trifft man auf Segler, die die Nachtwache als unumgängliches Übel ihres selbsternanten Lebensstiels sehen, eine traurige Ansicht, übersehen diese Menschen doch die Schönheit der Nacht und die Gelegenheit, sich tief in ihr Inneres hineinzufühlen und das Leben in den friedlichen und ruhigen Nachtstunden zu geniesen. Wir haben die Nachtwache immer als einen angenehmen Teil der Reisen verstanden und selbst wenn unsere Aries unser Schifferl ohne Mühe steuern könnte, klinken wir sie gerne wieder mal aus um bei einer Tasse Kaffee und den Wegweisern der Sterne die Nacht zu bewundern. Die letzte Wache der Nacht kümmernt sich stehts darum, dass der Brotteig, der während der Nachtstunden geknetet wurde, ins Backrohr wandert. Das gemeinsame Frühstück zum Wachwechsel bei früher Morgenstunde ist damit gesichert und gibt neue Kräfte für den kommenden Tag. Ich rate jeden Fahrtensegler, sich das Herz zu nehmen und zu versuchen, die Nachtwache als Bereicherung zu entdecken und den folgenden Morgen zu zelebrieren!
Atemtechnik gegen Seekrankheit?-"Mit speziellen Atemtechniken kann eine Seekrankheit verhindert oder zumindest abgemildert werden. Das haben Forscher vom Imperial College London in Versuchen mit Freiwillingen herausgefunden. Wer auf schlingernde Bewegungen mit Übelkeit und Schwindel reagiert, sollte versuchen, genau entgegen dem intuitiven Atemrhythmus ein- und auszuatmen. Versuche in einem Flugsimulator haben gezeigt, dass man dazu neigt, während der Rückwärtsbewegung ein- und während der Vorwärtsbewegung auszuatmen. Um Beschwerden entgegenzuwirken, muss der Atemrhythmus umgekehrt werden. Wer zusätzlich schneller oder langsamer atmet, als es der Rhythmus der Umgebung vorgibt, kann die Symptome weiter lindern. Das hat einen einfachen Grund: Bei Einatmen heben sich der Bauch und die Organe leicht nach oben, während sie beim Ausatmen absinken. Ser in einerm Wellental ausatmet, verschärft die Botschaft "es geht abwärts" noch zusätzlich."- So der Artikel aus dem Gesundheitsmagazin der Oberösterreichischen Gebietskrankendasse FORUM GESUNDHEIT, Ausgabe 1/2010. Da darf man ja gespannt sein, ob die Lösung dieses alten Schreckgespenst aller Seefahrer so einfach und nahe liegt. Ein Schreckgespenst, dass jeden, der zur See geht, treffen kann und schon seit Anbeginn der Seefahrt Seeleute zur blanken Verzweiflung getrieben hat. Dabei handelt es sich eigentlich garnicht um eine Krankheit, sondern viel mehr um Fehlersignale im Gehirn, welche durch die wiedersprüchlichen Informationen der Sinnesorgane, aufgrund der unkontrollierten Bewegung, ausgelöst werden. Und diese Fehlersignale äußern sich auf sehr unangenehme Weise: was mit leichtem Magendruck, empfindlichen Geruchsinn, Unwohlsein und Schläfrigkeit beginnt, kann schnell zu Kopfschmerzen, Brechreiz und Erbrechen bis zur Dehydrierung sowie Lethargie bis zur Depression werden. Und das Schlimme daran ist, auch ein leerer Magen kann die Übelkeit nicht bekämpfen oder eindämmen, der Brechreiz geht unbeeindruckt weiter und die Mundhöle beginnt zu brennen von der vielen Säure, die ihren Weg nach oben sucht. Doch kann man Segler, die ihre Pein mit der Seekrankheit haben, auch aufmuntern: nach einigen Tagen auf See gewöhnt sich im Durchschnitt der Körper an die Bewegungen und die Symtome der Seekranheit lassen nach. Und bis es soweit ist, und die Crew auf echten Seebeinen steht, gibt es, abseits von Medikamenten, einige Tipps, wie man das Übel möglichst gering hält und die Kurfe ohne großen Dramen an Bord kratzt: Schon bei den ersten, auch noch so kleinen Anzeichen, ist der beste Platz für den Betroffenen an Bord die Pinne beziehungsweise das Rad. Die Konzentration auf Meer und Horizont, die frische Luft und der Platz im Cockpit können helfen, üblere Folgen einzudämmen. Dabei ist wichtig, dass der Betroffene weder Fernglas noch Peilkompass in die Hände bekommt, der Blick durch beides verschärft jedes drückende Gefühl in der Magengegend. Die Navigation mit Karte und Bücher, vielleicht auch noch im Inneren des Bootes, wäre jetzt fatal und muss von einem weniger betroffenen Crewmitglied übernommen werden. Auch der Drang, Harn zu lassen, der bald nach den ersten Anzeichen kommen wird, sollte in dieser Situation an Deck mit einem Eimer oder einfach über die Seite (sofern es das Wetter zulässt) erleichtert werden, noch nie ist ein Segler, der die ersten Symptome der Seekrankheit verspührt, ohne "Grüner Nase" wieder aus dem schaucklndem Bauch der Yacht ins Cockpit zurückgekehrt, nachdem er den kleinen und als stickig empfundenen Raum der Bordtoilette aufgesucht hat. Arbeiten am Vorschiff müssen von Crewmitgliedern ohne Beschwerden durchgeführt werden, da die Yacht am Bug die stärksten Bewegungen vollführt. Doch ist es wichtig, dass sich der Betroffene nicht seiner Lethargie hingibt, sondern Arbeiten an Bord ausführt und sich so physisch und phsychisch ablenkt, sofern diese Arbeiten nicht über Kopf sind, kein Kartenlesen beinhalten und möglichst im Cockpit ausgeführt werden können. Ist die Seekrankheit noch nicht zu weit fortgeschritten, bekommen manche Segler Hunger auf Saures. Saure, Vitamin C reiche Lebensmittel, die nicht zu schwer im Magen liegen und dennoch diesem eine Aufgabe geben, sind nun angesagt. Bei uns an Bord haben jetzt möglichtst saure Granny Smith Äpfel ihre Saison. Das Knabbern von Salzkracker lenkt ab und beschäftigt, während ein Blättchen Ingwer unter der Zunge seine Wirkstoffe gegen Seekrankheit abgibt. Immer wieder erzählen Crews auch von ihrer Liebe zu Kartoffelchips oder Salzstangen während der ersten Tage auf See, auch wenn wir dies - aus Mangel an diesen Produkten an Bord - nicht wirklich bestätigen können. Zwischendurch gibts Suppe in der Tasse und trockenes Brot, Reiswaffeln und Knäckebrot. Verstärkt sich das dumpfe Gefühl im Magen und die Symtome der Seekrankheit weiter, sollte überlegt werden, ob die Schiffsbewegungen gemildert werden können, entweder, indem ein etwas ruhigerer Kurs gefahren oder die Geschwindigkeit im Schiff reduziert werden kann. Sollte die Segelyacht unter Motor laufen, um Meilen zu machen, müssen die Segel gehisst und die Geschwindigkeit der Maschine gedrosselt werden. Angstgefühl kann Seekrankheit verstärken, deshalb muss spätestens jetzt ein offenes Gespräch geführt werden, fühlt sich der Betroffene unwohl oder ängstlich über die Segelverhältnisse, die Lage im Schiff oder die bevorstehende Etappe, kann die restliche Crew auf die Bedürfnisse des Leidenden eingehen und versuchen, phsychische Unterstützung zu leisten oder die Ängste zu mildern, indem die Etappe abgeändert wird. Legt sich ein seekrankes Crewmitglied im Bootsinneren nieder, so ist der beste Ruheplatz nach Möglichkeit der Salonboden, die Hundekoje oder die Heckkoje, auf keinen Fall das Vorschiff, da hier die Bootsbewegungen am unerträglichsten sind. Auf frische Luft sollte geachtet werden, stickige Luft verstärkt das Unwohlsein, Eimer mit Erbrochenen müssen schnell entleert und ausgewaschen sein, um die Leiden nicht auf die ganze Crew ausbreiten zu lassen. Natürlich sind auch verschiedene Medikamente gegen Seekrankheit am Markt erhältlich. Mancherort sind diese Medikamente im Supermarkt zu kaufen, anderswo sind sie rezeptpflichtig. Sollte ein Crewmitglied bereits an Seekrankheit leiden, ist es meist zu spät für die Einnahme von Medikamenten, sie werden noch bevor sie wirken können mit dem Mageninhalt über die Seite gebrochen. Nur noch Zäpfchen können helfen. Wie bei allen chemischen Käulen haben auch Medikamente gegen Seekrankheit Nebenwirkungen und sollten nicht als harmlose Pillen betrachtet werden. Viele Segler stöhnen über Müdigkeit und Benommenheit nach der Einnahme von Medikamenten gegen Seekrankheit, daher sollten neuen, dem Betroffenen nicht bekannte Medikamenten vorsichtig und wenn möglich nicht von der gesamten Crew begonnen werden. Nach wenigen Tagen auf See kann meist die Einnahme der Medikamente beendet werden, da sich der Körper an die Schaukelei gewöhnt hat und die Symtome der Seekrankheit vermindern bis verschwinden. Sollte ein Segler intensiv an Seekrankheit leiden, muss darauf geachtet werden, dass er genügend Flüssigkeit zu sich nimmt und in warme Decken eingewickelt wird. Er sollte im Cockpit stehts den Sicherheitsgurt tragen, gerade beim Erbrechen über die Seite kann plötzlicher Schwindel gefährlich werden. Für ihn ist nur noch die Hoffnung wichtig, dass sich der Körper in ein paar Tagen an die Bewegungen gewöhnt und die Leiden von alleine verschwinden. Als kleiner Tipp: nach einem feuchtfröhlichen Abend das Ablegen am Besten um einen Tag verschieben, Alkohol verstärkt die Symtome der Seekrankheit und "Kater im Seegang" gehört zu den schlimmsten Katererfahrungen, die ich erleben durfte ;-)
Besuch(Ausrücklich gesagt sei hier, das es in diesem Bericht nicht um Charter geht, sondern um unbezahlten und gerne gesehenen Beuch durch Freunde und Familie, da wir kein Charterschifferl sind. ) An Bord herrscht fröhliche Ausgelassenheit. Alles wird geschruppt und geputzt, ein Hafen wir angesteuert. Denn bald ist es so weit und Yacht und Crew will sich im besten Licht präsentieren. Es gibt tausend Dinge, die erzählt werden wollen und die Neugierde, welche Neuigkeiten von Zuhause mitgebracht werden, ist groß. Denn morgen ist es so weit und ein großer metallener Vogel wird unsere Freunde zu uns bringen. Denn ab morgen ist unser kleines Zuhause nicht nur Ausdruck unseres Lebensstiels und mobiler Untersatz, nein, ab morgen ist unser Schifferl auch Urlaubsdestination, Kurzzeitabenteuer und Ferienwohnung. Um den Freunden aber auch die Möglichkeit zu geben, einen herrlichen Urlaub an Bord zu erleben und Spaß am Segeln und an der fremden Umgebung zu finden ohne dabei Ausnahmezustand an Bord ausrufen zu müssen und an die Grenzen seiner Selbst zu gelangen, gibt es einige Überlegungen und Regeln, die vor dem geplanten Urlaub gemacht werden sollten. Eine Grundregel an Bord sollte sein, dass Freunde keine Ort- und Zeit-Termine setzen können. Die Yacht muss zuerst in der Urlaubsgegend sein und erst dann können kurzfristig Flugtickets gebucht werden. Ein kleines Beispiel: Irish Mist liegt an Panamas Westküste und wir freuen uns riesig, als uns die Nachricht erreich, dass meine Eltern an Bord kommen möchten. Kleiner Haken: wir treffen sie in 5 Monaten in Miami, Florida, wo wir sie vom Flughafen abholen werden. Klar, 5 Monate sind lang und keiner von uns kommt auf die Idee, dass wir in Bedrängnis kommen sollten. Die Hurrikansaison dauert nur noch 4 Monate und wir werden ohnehin zum geplanten Zeitpunkt in Florida sein. Wir haben 4 Monate für den Transit durch den Kanal und 1 Monat Zeit, die paar Tausend Seemeilen zu segeln und pünktlich und ausgeschlafen am Flughafen zu stehen. Blöd nur, dass sich das Wetter nicht an unsere Terminplanung hält. Nach wetterbedingt verspätetem Aufbruch hält sich Hurrikan Lenny nicht an die Hurrikansaison und jagt uns über die Karibische See, zerfetzt unsere Segel und lässt und mit Bruch und Zeitdruck drei Wochen lang kämpfen. Wir haben keine Möglichkeit, meine Eltern über eine mögliche Verspätung unsererseits zu informieren und preschen weiter. Mit schwer lädierter Yacht und körperlich ausgemergelt erreichen wir Miami – einen einzigen Tag vor Ankunft unseres Besuchs. Der geplante Segelurlaub fällt ins Wasser, Irish Mist braucht Reparaturen. Meine Eltern sind schockiert über unser Äußeres, wir wirken k.o. und verwahrlost, und das, obwohl ich eigentlich mehr als froh bin, wenigstens rechtzeitig in Miami angekommen zu sein und die beiden nicht im Ungewissen gelassen zu haben. Nein, so hat sich das keiner von uns vorgestellt! Doch wir haben gelernt, dass auch billige Flugtickets oder die Planungswut unserer Freunde uns nie mehr dazu bewegen kann, auf eine Verabredung an einer fernen Küste einzugehen, denn Blauwassersegeln funktioniert ganz einfach nicht immer nach Termin. Dennoch dürfen die eigenen Termine nicht allzu sehr in den Hintergrund rücken, denn versäumt man den Absprung für eine weitere Etappe, kann es schon mal vorkommen, dass ein halbes oder ganzes Jahr auf die richtige Saison abgewartet werden muss. Auch die zweite Überlegung an Bord sollte sich um das gewünschte Urlaubsgebiet drehen. Denn Menschen sind verschieden und ihre Erwartungen an einen schönen Urlaub an Bord sind hoch. Es macht riesige Unterschiede, ob erfahrene Segler sich für Besuch anmelden, Freunde, die das Abenteuer suchen oder Freunde, die ihre bisherigen Urlaubserfahrungen im Pauschaltourismus gesammelt haben. Welcher Anspruch wird an die bevorstehenden Wochen an Bord gestellt? Welche Reisen sind bisher gemacht worden? Kommen die Freunde, um möglichst viel zu segeln, oder, um uns zu treffen, ein Land zu erleben,oder sind sie neugierig auf unseren Lebensstiel. Kommen Nichtsegler, liegt es nahe, sich ein Gebiet auszusuchen, welches einfache und kurze Segeltouren ermöglicht. Ein Gebiet, mit unzähligen Ankerbuchten, moderaten Wellen und gemäßigten Wetterbedingungen. Die dänische Südsee, der Golf von Kalifornien, die griechischen Mittelmeerinseln, die schwedischen Schären oder die unzähligen Inseln der Kuna-Indianer zum Beispiel (alle Gebiete zur richtigen Jahreszeit, vorausgesetzt). Was natürlich nicht heißen soll, dass diese Gebiete nicht auch für ambitionierte Segler mehr als geeignet sind. Sucht der Besuch die Natur und Einsamkeit oder eher touristisches Treiben oder kulturelle Begegnungen? Kuna-Indianer oder Stockholmer Cityflair? Kaffeehäuser und Abendlokale oder Sonnenuntergänge und unbewohnte Natur? Was einem Blauwassersegler selbst beeindruckt muss nicht unbedingt für seine Gäste zählen. Auch interessant ist die Frage, ob der jeweilige Besucher den Umgang mit fremden Kulturen gewöhnt ist oder ob er Probleme haben wird, sich frei in ungewohnter Umgebung zu bewegen. Fällt es den Urlaubern schwer, sich im lateinamerikanischen Treiben oder zwischen pazifischen Südseehütten selbständig zu bewegen, kann die fortwehrende Führung durch die Segelcrew sehr anstrengend werden, fehlende Privatsphäre an Bord kann nicht einmal mehr an Land ausgeglichen werden. Segel entlang Mallorca kann schnell ein beeindruckenderer Urlaub sein als Segeln zwischen Südseeinseln. Ist nun Destination und Datum fixiert, kommen wir zu den Themen an Bord. Auch wenn es um Freunde und Familie geht, sollte das Thema Geld nicht unbesprochen bleiben. Es ist nun mal Tatsache an Bord vieler Fahrtenyachten, dass das Budget eng berechnet wurde und unbedachte Ausgaben die Segelzeit verkürzen können. Unser erster Versuch an Bord, einfach vorweg auszumachen, alle Ausgaben werden geteilt, stellte sich schnell als – salopp ausgedrückt – „Knieschuss“ heraus. Die Bordkosten für die Urlaubswochen von Freunden schnellten plötzlich ins astronomische. Ständige Hafenkosten, da das Leben am Ankerplatz missfiel, unnötige Einkäufe oder ungeahnte Kosten wie zum Beispiel für Ausflüge und Mietautos hatten wir uns im Traum nicht vorgestellt. Dazu kommen die erhöhten Ausgaben an Land, da man sich ja im Urlaub mal was leisten will und anstelle von Bordküche leckere Restaurants besucht und Abends dringend Ablenkung in der nächsten Bar sucht. Klar müssen da die Blauwassersegler auch mit! Selbst der Versuch, gemeinsam Einkaufen zu gehen und die Kosten aufzuteilen, kann ungeahnte Schwierigkeiten bringen und schon wurde ich zum bösen Sparefroh, indem ich die vielen Produkte, die im Einkaufswagen landeten kurzerhand wieder zurück in die Regale räumte. Lebensmittel, die keinen Tag ohne Kühlung überstehen würden, Junkfood und teure Getränke häuften sich im Einkaufswagen. Aus Fehlern gelernt, gibt es seither bei uns an Bord keine klassische Bordkasse, aus der alle Ausgaben geteilt werden. Nein, klar und vorab besprochen haben wir eingeführt, dass wir im vorhinein die Einkäufe erledigen und die Rechnungen aufheben, die dann geteilt werden. Werden einzelne Lebensmittel während des Urlaubes nicht aufgebraucht, ist es noch nie zu Streitigkeiten gekommen, immerhin werden ja auch viele, bereits vorher an Bord gewesene Lebensmittel verwendet. Hafengebühren, Mietautokosten oder ähnliche Ausgabe tragen alleinig die Besucher, es sei denn, die Entscheidung dazu liegt bei uns. Dem Besuch wird bereits vor dem Urlaub erklärt, dass wir uns keine ständigen Restaurant- oder Barbesuche leisten können und wollen, weshalb niemand böse sein braucht, wenn man den einen oder anderen Abend nicht mitzieht. Diese Themen besprochen, steht einem herrlichen Urlaub schon nicht mehr viel im Weg. Nun wird es Zeit, sich übers Gepäck zu unterhalten. Wir mussten feststellen, dass die meisten Menschen viel zu viel Dinge für ihren Urlaub einpacken, nur selten werden alle Kleidungsstücke und alle mitgeschleppten Utensilien gebraucht, doch der Platz an Bord ist eng. Deshalb gilt bei uns an Bord: nur eine Sporttasche (kein Koffer) pro Person. Mit in die Tasche gehören: Turnschuhe, bequeme Jogginghose, je nach Gebiet die richtige Kleidung (Badesachen oder Thermounterwäsche), Sonnenschutz, Tabletten gegen Seekrankheit (gilt auch für Leute, die „garantiert“ nicht Seekrank werden), Moskitoschutz (je nach Gebiet), Lesestoff oder Spiele, bei Kinder passende Rettungswesten. Nicht mit in die Sporttasche gehören: Laptops oder andere elektronische Spielsachen, Stöckelschuhe, Schminksachen, elektrische Rasierapparate oder elektrische Zahnbürsten, Enthaarungsmittel oder Haarfärbemittel, Drogen jeglicher Art, mit Ausnahme natürlich lebensnotwendiger Medikamente. Wir geben obendrein noch den Tipp, dass sich die Urlauber schon zuhause ein wenig mit dem Urlaubsgebiet auseinandersetzen, eventuell Reiseführer ansehen und gewünschte Sehenswürdigkeiten ins Auge fassen sollten, denn es ist schwerer als geahnt, über Wochen den Reiseführer spielen zu müssen. Karten- oder Würfelspiele bringen fast immer eine willkommene Abendbeschäftigung. Auch sollte klar abgesprochen werden, dass es nicht böse gemeint ist, wenn einmal der Abendspatziergang alleine gemacht wird oder Probleme an Bord angesprochen werden. Eigenheiten des Einzelnen sollten gleich zu Urlaubsbeginn offengelegt werden, nur so können sich von allen an Bord beachtet werden. Ist der Besuch erst einmal eingetroffen, gilt es noch, alle mit dem Dingi vertraut zu machen, die bordspezifischen Eigenheiten zu erklären und die Freunde einen Tag Eingewöhnung zu gönnen. Schon stellt sich einen gelungenen Urlaub unter Freunden nichts mehr in den Weg.
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