segelrouten
  
english
zur Kaffeekasse...

 Zukunftsmusik

Route Rund Amerika

Ich sitze in der hellen Wohnung meiner Mutter. Draussen strahlt zwar nicht die Sonne, denn ein grauer, formloser und verwaschener Schleier hat den Himmel unter ihr eingenommen, aber ich könnte dennoch nicht behaupten, dass es ein hässlicher Tag ist. Kleine Gänseblümchen haben die Wiese vor dem Haus in einen weißen Fleckenteppich verwandelt, der stattliche Kastanienbaum erstrahlt unter seiner Blütenpracht. Die Kinder der Nachbarn haben ihren Spaß daran, am Trampolin in den Himmel zu springen, nachdem sie wieder einen Nachmittag lang dem würgenden Griff der Schule entrinnen konnten.

Seit Mitte April sind wir zurück in Österreich. Zurück, um ein paar Monate lange Freunde zu sehen, versäumtes nach zu hohlen und nötiges auf zu arbeiten. Zurück, um Zeit mit der Familie zu genießen, auch wenn diese Familie in Österreich wohl auf einen immer kleineren Kreis zusammenschrumpft.

Wir erleben eine Zeit, die uns zwischen Arbeiten und Besuchen hin und her gerissen hat. Eine Zeit, während der wir versuchen, uns an alltägliche Dinge wie Mobiltelefone, ununterbrochene Medien und uneingeschränkten Konsumwahn rund um uns zu gewöhnen. Und eine Zeit, in der vor allem ich daran zu kauen habe, mich mit der aufgeriebenen und negativen Stimmung in diesem kleinen Land zu versöhnen. Eine Stimmung, die ich irgendwo zwischen kollektiver Verdrossenheit am Arbeitsplatz und unbeschreiblicher Angst, diesen Arbeitsplatz zu verlieren, zu verstehen versuche. Ein nationales Burnout, dass von unzufriedenem Konsumzwängen und der gleichzeitigen Angst, den Konsum einschränken zu müssen, droht. Eine Ohnmacht, die erschreckende politische Veränderungen in einer kleinen Nation, die aus ihrer Geschichte nicht viel gelernt zu haben scheint, hervorzurufen droht.

Blick Eferdinger Becken

Es ist Zeit, die Gedanken wieder mit Segeln und Reisen zu füllen und an unsere eigenen Pläne zu denken. Denn wie schon Nietzsche behauptete: Pläne machen und Vorsätze fassen bringt viele gute Empfindungen mit sich.

Aber wie sehen eigentlich unsere Pläne aus? Wie geht unsere Reise durch die Welt des Wassers weiter? Weshalb verbringen wir gerade jetzt Zeit in Österreich, wo doch alle reisenden Yachtcrews ihren Saisonaufbruch in die tropische Südsee starten?

Wir haben das letzte Jahr unter tropischer Sonne verbracht. Haben begriffen, welche unendliche blaue Wasserwelt dieser Pazifik doch ist und welche winzigen Riffe, Inseln und Atolle seinen tropischen Rücken verzieren. Doch wir haben auch begriffen, dass das Segeln unter glühender Sonne, der Gleichmut der Inselwelt und die einfachen Segelbedingungen der tropischen Breiten unsere Nerven nicht recht spannen wollen. Wir haben die Freundlichkeit der Insulaner erlebt und die Aufregung gespürt, wenn die Riffhaie um uns geschwommen sind. Doch haben wir auch eine aufkommende Langeweile gespürt, als der hundertste schöne Sandstrand die einzige Abwechslung zum tiefen Blau des Ozeans bietet. Was wir allerdings in den Tropen hatten, war Zeit. Zeit darüber nachzudenken, wie wir unsere Reise nun fortsetzen wollen.

Ha´apai Gruppe, Tonga

Wir befinden uns an einen Wendepunkt. Denn wir haben die halbe Welt umsegelt und liegen mit LA BELLE EPOQUE genau auf der anderen Seite des Globus. Wir haben sozusagen den Gipfel der Weltumsegler erreicht. Den Punkt, von dem aus für viele Segler die Weiterfahrt zur Heimfahrt wird. Für viele ist nun der Punkt erreicht, an dem sie sich nun wirklich den Kopf machen, welchen Weg sie nach Hause nehmen. Ob sie versuchen, sich durch ein gefährliches Gebiet der Piraten von Somalia zu mogeln, oder ob sie die lange und schwierige Reise um Südafrika antreten werden. Oder, ob sie für ein paar weitere Jahre zwischen Südsee und Neu Seeland bleiben und irgendwann per Flugzeug nach Hause reisen.

Doch wir wissen, neben all diesen Möglichkeiten gibt es noch einen weiteren Weg. Eine Segeletappe, die die schwierigste von allen ist und die mit einer ganzen Ladung an Abenteuern lockt. Einen Weg zurück auf die andere Seite der Erde, ohne weiter in den Westen und durch die Tropen zu ziehen. Eine Route, die uns wieder von den Gemäßigten Breiten in die unglaublich anziehenden und gleichzeitig fordernden Hohen Breiten zwingt und uns auf alles, was wir unter Segel gelernt haben, prüfen wird. Ein Segelabenteuer, dass uns gleichzeitig die Nerven spannt und ein Lächeln der Vorfreude ins Gesicht malt. Eine Möglichkeit, wieder an abgelegene und kalte Küsten dieser Welt zu gelangen und gleichzeitig die längste und gefährlichste Ozeanpassage des Pazifiks zu entdecken: Die Route in den Osten!

Noch nie haben wir davon geträumt, uns in die Reihe der Weltumsegler eingliedern zu können. Kein einziges mal haben wir geplant, aus unserer Weltbesegelung vorsätzlich eine Weltumsegelung zu machen. Niemals hat es uns gereizt, ausgetretene Pfade zu gehen, nur weil sie die üblichen Routen sind. Und so haben wir wieder einmal aus unseren Träumen und Ideen Pläne geschmiedet und unsere Etappen der kommenden Jahre festgelegt:

Wir werden im kommenden Südsommer von Neu Seeland ablegen, werden uns entlang des 40. Breitengrads auf unsere abenteuerlichste Ozeanüberquerung in Richtung Osten begeben. Wir werden die Wellen des Südmeers schmecken und den Wind der Hohen Breiten in LA BELLEs Rigg pfeifen hören und wir werden vermutlich die Zähne des einen oder anderen Sturms zu spüren bekommen. Wir werden das Meer verfluchen und uns blutige Finger arbeiten, aber wir werden auch die Augen offen halten, wenn uns der größte Ozean der Welt seine unbegreifliche Schönheit zeigen will. Wir werden vermutlich eineinhalb Monate Tag und Nacht unterwegs sein, bis wir die Küste unserer Träume erreichen können. Die Küste von Südamerika, von Chile, wo wir in die Fjorde und Sunde von Patagonien eintauchen können.

Wir werden ein Jahr in Südamerika bleiben. Werden die Kanäle und Inseln von Patagonien ausgiebig besuchen und den Südwinter in einsamen Fjorden und Buchten erleben. Wir werden die Nase in die Magellan Strasse halten und die Felsen von Kap Horn besuchen. Und wir werden in Ushuaia stoppen, um LA BELLE EPOQUE für ihre Reise zum anderen kalten Ende dieser Welt voll zu bunkern. Wir werden gespannt die Wetterkarten lesen und wir werden den folgenden Sommer im Süden mit Spannung erwarten. Einen Sommer, in dem wir das bestmögliche Wetter nützen wollen, um unseren Bug weiter in den Süden zu drehen und die Drake Passage zu durchqueren. Einen Sommer, in dem wir hoffentlich die Antarktis erreichen und erleben werden.

Eisberg

Ein Sommer, der nach der Südsee sich nicht nach Sommer anfühlen wird und der sehr schnell seinem Ende zugehen wird. Ein Sommer, an dessen Ende wir wieder tausende Seemeilen Wasser vor unserem Bug wissen. Wasser, dass vom Südmeer übergangslos in den Südatlantik übergehen wird und das unsere Strasse in den Norden sein wird. Und so werden wir zurück in den Atlantik kommen und aus zusammenhanglosen Träumen wird sich irgendwann an der Küste unseres geliebten Grönlands auch für uns ein Kreis schließen. So werden auch wir irgendwann in den kommenden Jahren eine Umrundung gemacht haben: die Umrundung von Amerika!

Doch so schnell dreht sich unsere Welt nicht. Noch brechen wir nicht zu neuen Abenteuern auf. Denn noch sind wir in Österreich, noch haben wir ein paar Monate in Mitten von Europa und abseits jedes Ozeans von uns. Und auch wenn wir zurück in Neu Seeland sind, wird es noch etwas dauern, bis wir aufbrechen können. Dort angekommen, wartet erst einmal ein Krantermin und ein längerer Werftaufenthalt auf uns. Denn ja, wir sind abenteuerlich, aber dass heißt noch lange nicht, dass wir auch blauäugig sind. Wir wissen, dass LA BELLE EPOQUE mit Bedacht auf ihre kommenden Strapazen vorbereitet werden muss. Wir haben erfahren, was an Bord funktioniert und was verbessert gehört. Wir wissen, welche Ausrüstung noch benötigt wird und welche Änderungen am Schifferl wir uns wünschen. Und wir wissen, dass wir diese Änderungen und Verbesserungen, diese Aufrüstung und Abänderungen wir allesamt am besten selber machen können. Denn wenn sich für uns eines bewährt hat, dann das, dass wir ein selbst restauriertes und ausgebautes Schifferl segeln. Dass wir alle Systeme an Bord selbst warten und reparieren können und dass wir ein einfaches aber starkes Boot als Partnerin haben.

Bilderrückblick der Reise bisher:

Bootsrestauration

Jahre der Vorbereitung - wir restaurieren unsere Hochseeyacht in Österreich

Am Anfang war der Fluss...

Wie alles Begonnen hat. Unser Aufbruch 2010 in der Donau!

Nordsee

...über die Nordsee in die Welt.

Winter in der Arktis

Ein erster Winter in der Arktis. Wir überwintern auf 70° Nord in Norwegen.

Shetland Inseln

Über den Nordatlatik mit Stops unter anderem auf den Shetland Inseln

Island

... und der schönen wilden Insel Island

Grönland

Ein Jahr in Grönland. Ein Highlight unserer Reise

Nordwest Passage

Das Abenteuer der Reise: die Fahrt durch die Nordwest Passage

Alaska

Segeln in Alaska. Das Meer des Lebens!

San Franzisco

Zurück in die Zivilisation - Entlang der Amerikanischen Westküste in den Süden

Mexico

Mexico. Letzte Station vor dem Südpazifik

Pazifiküberquerung

Wir überqueren den Pazifik

Südpazifik

... und erleben einige Inselgruppen des Südpazifiks

Neu Seeland

Wir erreichen Neuseeland - und Umsegeln die wunderbare Inselwelt der Kiwis!

Weitere Route

Vor uns liegt eine spannende und herausfordernde Route!

zur Kaffeekasse...

[zum seitenanfang]

 

Fahrtensegeln um die halbe Welt, Atlantiküberquerung, Abenteuer Arktis, Nordwest Passage segeln, Blauwassersegeln im Pazifik, Besuch im Südpazifik, Segeln abseits der Routen, Segelrouten der Welt, Segeln rund Amerika, Segeln in Patagonien, Segelabenteuer Antarktis, die neue Segelroute der La Belle Epoque

 

 

 

Impressum, Kontakt