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 Winternächte

Kerikeri

Langsam verbleichen die warmen Farben des Sonnenuntergangs. Während der Monate in Österreich habe ich fast die kleinen Unterschiede vergessen, die die Natur hier in Neuseeland zur Schau stellt. Wie jenen, dass im "Land der großen weißen Wolke" die Sonne längst vor ihrem endgültigen Untergang hinterm Horizont vom Blickfeld verschwindet. Nur ihr Rot am Himmel bleiben, bis sich der Vorhang der Nacht über die grünen Hügel senkt.

Es ist früher Abend, aber August heißt hier im Süden Winter, weshalb die Tage noch kurz sind. Mit der zunehmenden Dunkelheit beginnt der Himmel zu glitzern. Nach und nach funkeln die Sterne auf der Bühne der Nacht. Erst jetzt merke ich, dass ich den Anblick des Nachthimmels vermisst habe. An Land ist es kaum wo dunkel genug, um das wahre Leuchten der Nacht zu erleben. Wie atemberaubend es doch ist, wenn sich der Sternenhimmel im Schwarz des Ozeans spiegelt - wir in einem Meer der Sterne zu fliegen scheinen.

Da und dort glitzert es auch an der Küste. Wir segeln entlang der Ostküste von Northland. Neuseeland ist nicht besonders dicht besiedelt: Die Lichter der wenigen Farmen in den Hügeln und ein paar beleuchtete Häuser am Hafen von Whangaruru, das ist alles. Backbord voraus gibt der Leuchtturm der Poor Knights Inseln seine Kennung.

Eine sanfte Brise streicht von der Küste übers Meer. Dennoch haben wir ein Reff im Groß und nur die kleine Genoa 2 angeschlagen. Wir haben keine Eile, ziehen langsam dahin. Vor uns liegen nur noch knappe 40 Seemeilen und wir wollen nicht vor der Morgendämmerung in Whangarei Fluss ankommen. Jürgen sucht in der Koje etwas Schlaf, während ich im Steuerhaus die Navigationslichter des vorbeiziehenden Schleppverbandes beobachte und meine Finger an einer Tasse Tee wärme.

Mit der Dunkelheit ist die Kälte gekommen. Die Sonne hier im Süden ist auch im Winter kräftig und wärmt die Tage. Doch sobald sie verschwindet, werden wir erinnert, dass wir durch eine südliche Winternacht segeln. Gegen Mitternacht wird es mir zu frisch, ich zünde den Dieselofen. Seine Wärme kann ich nicht mehr genießen. Es dauert, bis er das Innere des Bootes aufwärmt, meine Wache ist zu Ende. Mit bleiernen Augenlidern koche ich eine letzte Kanne Tee und wecke Jürgen. Das Schönste an nächtlichen Segelschlägen? Die vorgewärmte Koje zum Antritt der Freiwache!

Wir befinden uns am Weg von Kerikeri nach Whangarei. LA BELLE EPOQUE hat ihre Zeit im Fluss von Kerikeri problemlos überstanden. Während unserer Abwesenheit gab es keine großen Hochwasser, welche mit Treibgut oder mitgerissenen Baumstämmen die Boote im Fluss bedroht hätten. Unsere Freunde Daniel und Michelle liegen mit ihrer KAJA OF MAUI unweit von LA BELLE EPOQUE. Sie haben uns nach anstrengenden fünfzig Stunden Reisezeit mit einem warmen Abendessen empfangen. Es ist schön, am anderen Ende der Welt Freunde zu haben!

La Belle Epoque im Fluss von Kerikeri

Auch wenn LA BELLE ihre Zeit der Bewegungslosigkeit gut überstanden hatte, nun musste sie "ausgewintert" werden. Das Boot gehörte durchgeputzt, die Fallen und Schoten eingezogen und die Segel angeschlagen werden. Der Motor wollte überprüft werden, Lebensmittel mussten mit den Fahrrädern angeschleppt werden, Wasser in Kanister mit dem Dingi geholt werden. Auch warteten einige Vorbereitungen für die kommende Zeit in der Werft auf uns. Dazu kam, dass Daniel über einen Bauern der Gegend günstig zwanzig Kilo Rindfleisch für uns besorgen konnte. Nach tagelangem Einkochen stapelten sich die Gläser an Gulasch, Chili, Pastasauce, Curry und andere Fleischkonserven an Bord.

Segelmacher Roger brachte die neuen Segel vorbei. Nie zuvor haben wir nagelneue Segel gekauft und so bewundern wir mit gemischten Gefühlen die neue "Wäsche". Eine stabile Fock aus extra schwerem Tuch und mit vielen Verstärkungen: Sie wird uns durch stürmische Winde der südlichen Breiten bringen. Ein neuer Besan mit zwei Reffreihen. Er wollte nicht so einfach passen und musste noch einmal in die Segelwerkstatt. Auch unser altes Großsegel hatte Roger mittlerweile überarbeitet. Es hilft nichts, will man in aufregende Gebiete segeln, muss man eben seine Ausrüstung auf besten Stand halten.

Und nicht nur die Segel gehörten überarbeitet und erneuert. Wir sind auf dem Weg nach Whangarei in die Werft. Auf uns und LA BELLE EPOQUE warten Monate im Trockendock, es gib Unmengen am Boot zu tun. Nach so vielen Jahren am Wasser sind unsere Erfahrungen gewachsen und wir wissen, was am unterwegs funktioniert. Wir sind immer noch sehr glücklich mit unserer Bootswahl, doch einige Änderungen werden unser Leben an Bord erleichtern. Manches wird leichter, anderes schwieriger umzusetzen und so haben wir uns gut überlegt, was wir hier in Neuseeland in Angriff nehmen werden.

Zurück in Österreich hat Jürgen eine neue, elektrische Ankerwinde gebaut. Mühselig haben wir das schwere Teil um die halbe Welt mitgebracht und nun will sie montiert werden. Mit anschrauben und anschließen wird die Arbeit nicht getan sein, wir wollen den gesamten Bugbereich umbauen, das alte Ankerrohr wegschneiden und neue Ankerrollen anschweißen. Wir werden zusätzliche Klampen und Holepunkte für die Schotblöcke an Deck schweißen. Jürgen hat bereits begonnen, unseren Niedergang neu zu konstruieren und bauen. Für die Reise nach Chile und in die Antarktis müssen wir uns darauf verlassen können, dass der Niedergang auch eine Kenterung standhalten kann. Er muss dicht bleibt, sollte LA BELLE einmal auf dem Rücken liegen.

Der größte Umbau wird allerdings unser Steuerhaus betreffen. Wir werden die seitlichen Luken verkleinern und nach innen setzten. Wir werden Sturmschoten aus Aluminium jederzeit einsamtzbereit montieren. Wir wollen LA BELLE EPOQUE eine kleine Fastenkur gönnen und alle Luken und Deckeln aus Stahl gegen selbige aus Aluminium austauschen. Ein Segelboot mag es nicht, nur beladen zu werden, man muss zwischendurch auch abspecken.

Neben den Umbauten warten "normale" Wartungsarbeiten. Das Unterwasserschiff trägt immer noch Eisschäden aus der Arktis, die Lackschichten gehören sorgfältig zu erneuern. Auch haben wir einige Blasen im Lack entlang der Wasserlinie entdeckt. Ich muss mich von Bug bis Heck vorarbeiten, die Schadstellen beheben. Und da wir nun einmal Veränderungen lieben und unsere Welt nur bunt sein kann, werde ich die Zeit am Trockendock nützen und LA BELLE ein neues Farbkleid verpassen!

So ankern wir nach unserem schönen Segelschlag und der gemütlichen Fahrt durch den Fluss direkt vor der Werft, wo es am Montag bei Hochwasser zur Rampe und schließlich aufs Trockene gehen wird.

Kerikeri

"The Stonestore" in Kerikeri

Boote im Fluss

Leben im Fluss - die Segelboote im Kerikeri Fluss

Kerikeri

Leben am Fluss - Winter in nördlichen Neuseeland ist genauso grün und schön wie der Sommer.

Markttag in Kerikeri

Markttag in Kerikeri - der Frühling steht bevor

Gemütliches Segeln nach Whangarei

Aufbruch nach Whangarei

Abendstimmung

Abendstimmung bei ruhiger See

Werftzeit

Das schöne an Werften - man kann die hübschesten Yachten mit all ihren Details betrachen

 

 

 

 

 

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