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Auf den Spuren der Albatrosse

Neu Seeland Südinsel

Knatternd rauscht der Anker aus, verschwindet im tiefblauen Wasser und schlägt wenige Meter später lautlos am Grund der Bucht auf. Kette stecken, Anker einfahren, Motor abstellen. Das Brummen des Motors verhallt, die Bewegung erstarrt. Nun hören wir die Vögel vom Ufergehölz, das Brummen der Fähre weiter draußen im Fjord und die gedämpften Geräusche der Menschen am Steg. Das Wasser der Bucht reflektiert die Sonnenstrahlen, badet uns in Licht. Die bewaldeten Hügel schlucken die letzte Brise Wind. Die Sonne erfüllt die Luft mit Wärme.

Am Ufer streckt sich die kleine Ortschaft von Akaroa, das sich mit ihrer französischen Geschichte rühmt und mit ihren hübschen alten Holzhäuser und Rosengärten in der Sonne strahlt. Vom Steg neben uns legt die FOX II, der liebevoll restaurierte alte Fischkutter, ab und schippert mit einigen Touristen an Bord in den Fjord. Sie fahren raus, um die kleinen Hektor Delfine zu beobachten. "Delfine-Garantie!" heißt es auf den Werbeschildern der verschiedenen Boote am Steg. Ich glaube es ihnen gerne, erleben wir doch seit hunderten Seemeilen kaum noch einen Tag, an dem uns keine Schule Delfine besuchen kommt.

Wir packen die Segel ein, klaren das Deck auf und schmeißen das Dingi über Bord. Ein Tourboot kommt ganz nahe an Steuerbord heran. "Willkommen" ruft der Skipper aus dem Steuerhaus. "Seit ihr wirklich aus Österreich? Ich liebe eure Heimat, für mich ist sie das schönste Land der Welt!" Paul hat nicht viel Zeit zum Tratschen, seine nächste Gruppe wartet bereits am Steg. Außerdem wartet schon ein Segelboot ganz nahe an Backbord: "Willkommen in Akaroa. Das kleine Gebäude neben dem Leuchtturm ist unser Yachtclub. Seit willkommen die Duschen und Waschmaschinen dort zu nützen. Die Türen sind offen, fühlt euch wie zuhause!"

Akaroa

Nach so einem Empfang kann uns Akaroa nur sympathisch sein. Gemütlich schlendern wir entlang der Wasserfront und durch die säuberlich gepflegten Wohnstrassen, wandern auf die Hügel über dem Dorf und freuen uns über die Aussicht auf den Fjord. Weit draußen ankert die SPIRIT OF NEW ZEALAND, ein Dreimast-Schulschiff, das wir auf unseren Weg in den Süden immer wieder mal treffen sollten und neben einigen Fischerbooten können wir auch wenige weiße Segel im Fjord erkennen.

Schon am folgenden Nachmittag legen wir ab. Die Wetterdaten zeigen ruhiges, wenn auch wechselhaftes Wetter für die kommenden Tage und wir wollen versuchen, den Weg bis Bluff an der Südspitze ohne weiteren Zwischenstop zu schaffen. Zwar wäre die Universitätsstadt Duniden sicherlich einen Stop wert - immerhin sollte sie die schönste Stadt Neu Seelands sein - aber wir sind bereits spät dran und fürchten, durch einen Stop wieder tagelang auf passendes Wetter warten zu müssen.

Kaum aus dem Fjord, braust der Wind auf, wir bergen Genua eins und setzten Genua zwei. Doch der Wind nimmt weiter zu. Auch die Genua zwei ist bald zu viel, wir setzten die Fock und legen ein Reff ein. Kaum ist die Arbeit erledigt, stirbt der Wind. Ungläubig und sauer starten wir die Maschine und packen die Fock zurück in ihren Segelsack. Wenigstens ist die See bald glatt und die Bewegung im Schiff ist angenehm, Zeit für ein gemütliches Abendessen.

Wir sind nicht alleine. Unzählige Albatrosse begleiten uns. Umkreisen LA BELLE EPOQUE, landen neben den Boot und warten auf Fisch. Ihre Körper sind groß wie die von Truthähne, sie gleiten auf ihren himmellangen Schwingen lautlos durch die Luft und beobachten uns mit scharfen Augen.

Albatros

Jürgen verkriecht sich in die Koje, meine Schicht beginnt und alle paar Minuten stecke ich die Nase aus dem Steuerhaus, um ja keinen aufkommenden Windhauch zu übersehen. Bald schon spüre ich eine leichte Brise. Warte ein wenig, ob der Wind auch zunimmt und nicht gleich wieder stirbt. Er bleibt. Also raus und hoch mit der Genua. Erzürnt reagiert der Wind, sobald er von unserem Leichtwindsegel gefangen wird. Schnell schnell, runter mit der Genoa eins. Ich schwitze im Ölzeug, denn mittlerweile hat es zu Regnen begonnen. Es dauert ein wenig, bis das Segel abgeschlagen im Sack nach hinten geschleppt ist. Ich lasse mir Zeit, will beobachten, ob der Wind weiter aufbraust und LA BELLE EPOQUE läuft auch unter ihrem Großsegel einigermassen Kurs. Der Wind scheint nun konstant, ich mache mich dran, die Genua zwei zu setzen. Aber ich hab das Segel noch nicht ganz oben, zürnt mir der Wind schon wieder. Langsam werde ich sauer und außerdem wird nun auch die See etwas gröber. LA BELLE schlingert mit nur einem gesetzten Segel hin und her und der Autopilot hat zu rudern, während ich mit dem Segeltuch am Bugsprit kämpfe. "Sch… Nachtschicht!" donnere ich den Wind entgegen, während mir der Regen ins Gesicht peitscht. Jetzt wäre ich durchaus froh über ein Rollsegel am Bug. Sobald die Fock steht, ist es Zeit zum Reffen. Mittlerweile ist auch Jürgen auf Deck gekommen, denn bei Wind arbeiten wir Nachts nie alleine an Deck.

Man kann sich´s denken, eine halbe Stunde nachdem LA BELLE EPOQUE endlich gut läuft, bricht der Wind in sich zusammen und ich muss die Fock bergen und den Motor starten. Für die restlichen paar Stunden Nachtschicht ignoriere ich tunlichst kleine Windstöße, sie veräppeln mich ohnehin nur! Jürgen ergeht es nicht viel besser. Frühmorgens werde ich von Tritten an Deck geweckt, während er versucht, die leichte Brise in Vortrieb umzusetzen. Genua, Besan, Groß, Fock - zu tun gibts bei uns ja genug!

Langsam und mühevoll kommen wir in den Süden. Aber wer will sich schon beklagen, biegen wir doch bei ruhigster See in die berüchtigte Foveaux Strasse ein. Sie liegt an der Südspitze Neu Seelands und trennt die Südinsel von der kleinen Steward Insel. Eine Strasse, in der das raue Wasser der Tasman See und der Zorn des Südmeers auf starke Gezeitenströme trifft. Eine Strasse, in der man sich glücklich schätzen darf, wenn man sie ruhig und zahm bei Flaute unter Motor fahren kann.

Die Hafeneinfahrt von Bluff hat es in sich. Bei einem dreitägigen Segelschlag mit unsteten Winden kann man seine Ankunft eben nicht mit der Tide planen und so laufen wir bei Gegenstrom ein. Starken Gegenstrom. Bald schon müssen wir beherzt Gas geben, um wenigstens noch einen Knoten Fahrt vorwärts zu schaffen.

Im Hafen gibt es keinen Ankerplatz, wir legen am langen Steg der Fischkutter an und fragen einen Bootsnachbarn, ob wir ein paar Tage diesen Platz belegen können. "Das wird schon in Ordnung gehen. Der Platz gehört dem Tauchboot. Das ist zur Zeit viel unterwegs und legt sich abends drüben am Fährsteg. Der bietet Käfig-Tauchen mit den Weißen Haien und hat jetzt in Sommer immer was zu tun." Gut dass das Wasser hier kalt ist, da lädt es erst garnicht zum Baden ein. Wo es Große Weiße gibt, werd ich nicht mal eine Zehe ins Wasser halten - mit oder ohne Käfig! "Hab euch beim Einlaufen beobachtet. Da habt ihr ja ganz schön den Tidenstrom abbekommen!" lacht der Bootsnachbar verschmitzt.

Bluff

Bluff ist ein kleines Nest am Ende der Welt. Ein Hafen für Holz, Aluminium und Container, ein Fischerhafen mit schönen Kuttern und ihren Seebären, eine aufgelassene Bahnlinie, ein paar Häuser und eine Strasse voll leerstehender Geschäftslokale mit eigenartigen, "antiken" Dekorationen in den Auslagen. Die kommenden Tage bleibt LA BELLE eingeblasen im Fischerhafen von Bluff. Wir wollen nach Invercargill, der südlichsten Stadt Neu Seelands, um dort ein Auto zu mieten und für zwei Tage ins Land zu fahren. Zwei freundliche Maori gabeln uns beim Autostoppen auf. Für sie gehört Bluff zu den schönsten Ecken der Welt. Hier lebt es sich beschaulich, Hektik gibt es keine und die Menschen sind freundlich. Man kennt sich ja auch. Außerdem bekommt man in Invercargill alles, was man braucht. Der kleine, unwahrscheinlich freundliche Terrier der beiden schmiegt sich während der Fahrt zwischen Jürgen und mich am Rücksitz und genießt die Streicheleinheiten.

Invercargill ist eine Stadt der Farmer. Die Strassen in die Stadt sind gesäumt mit Maschinenhändler und Einkaufsmöglichkeiten, Teile der Innenstadt sind etwas heruntergekommen und einsam. Man hat das Gefühl, die Menschen kommen nach Invercargill eben hauptsächlich, um ihre Erledigungen zu machen. Einkauf, Ersatzteile, Doktor. Dann gehts zurück auf die Farm, Stadtbummel ist da nur zweitrangig. Trotzdem gibts auch hier ein großes Museum, dass gratis zum Staunen einlädt. Wir besuchen die "Roring Fourties" Ausstellung über die Subantarktischen Inseln von Neu Seeland und holen uns einen gehörigen Gusto. Von Bluff aus wären es ja auch nur knappe dreihundert Seemeilen nach Auckland Insel. Sicherlich, dreihundert Seemeilen durch ein äußerst forderndes Seegebiet, aber eben keine drei Tage entfernt! Aber nein, da hätten wir doch etwas mehr auf die Tube drücken müssen. Immerhin haben wir nur noch zwei Monate Zeit, bis wir zurück in Opua sein wollen. Zwei Monate, in denen wir die einsamen Ankerplätze von Stewart Insel, die Natur von Fjordlands und die Schönheit von Marlborough Sund und den Abel Tasman Nationalpark erleben wollen. Zwei Monate, während denen wir nochmal über tausend Seemeilen zu segeln haben, um unsere Umrundung von Neu Seeland zurück in die Bay of Islands zu schaffen. Das sollte uns doch eigentlich genügen!

Invercargill hat eine besondere Sehenswürdigkeit. Zumindest für Freunde des Motorsports. Und diese Sehenswürdigkeit ist höchst eigenartig, handelt es sich doch um einen Werkzeughändler. Ein Werkzeughändler, der zwischen Kreissägen und Bohrmaschinen, zwischen Postkästen und Scheibtruhen seine ganz besondere Sammlung an alten Motorräder und Autos aufgestellt hat. Da stehen Triumphs, von denen nur wenige Stücke auf der Welt gebaut wurden. Zwischen Gartenmöbel finden wir einen Ford T-Bird und vor einer Wand mit Husquana Motorsägen steht ein ganz besonderes Motorrad: Es ist die schnellste Indian der Welt! Burt Munro hat damit auf den Salt Lakes in den USA Geschichte geschrieben. Auch ein paar Autos aus dem Hollywood Film über Bert Munro und seine Indian stehen herum. Eine Wand des großen Ladens gehört kaputten Motorteilen: Das sind die "Offerings to the Gods of Speed" von Mr. Munro. Was für ein technisches Genie muss Munro gewesen sein!

World fastest Indian

Am Abend holen wir uns das kleine Mietauto ab und ich bin ganz froh, einen Automatik bekommen zu haben. Mit der linken Hand zu schalten würde sicher etwas Übung brauchen.

Früh am nächsten Morgen packen wir Schlafsäcke, das Zelt und etwas Jause ins Auto, kontrollieren noch einmal den Schamfilschutz an LA BELLEs Trossen und setzen lieber noch eine extra Hecktrosse. Immerhin bläst es bereits ordentlich und die Boote im Hafen tanzen im unruhigen Wasser. Auch die Hafeneinfahrt ist heute gefährlich und wir beobachten einen Fischkutter, der beim Einlaufen mit den Brechern zu kämpfen hat.

Ein Stück geht unsere Autoreise entlang der Küste. Ein kleiner Fischerort in einem seichten Flussdelta, schroffe Felsklippen an der Südwestküste. Eine Strasse, die sich entlang des Abgrundes auf die kahlen Hügel von Neu Seeland windet. Langsam wandeln sich die Hügel zu kleinen Bergen. Ich bin etwas erstaunt, habe mir Neu Seeland immer grün und bewaldet vorgestellt. Und doch strecken sich hier endlose trockene Schafweiden über nackte Hügeln. Ein paar winzige Wälder, kaum noch Buschlandschaft. Über die Jahrhunderte dürften die Siedler hier alles gerodet und zu Weideland umgearbeitet haben.

Wir erreichen Te Anau, die Ansiedlung am berühmten Fjordland Nationalpark. Kristallklare Seen, bewaldete, niedrige Berge. Herrlich schönes Hinterland. Nach einem Picknick am See geht es weiter. Wir wollen noch tiefer ins Landesinnere, Fjordland werden wir uns ohnehin per Boot ansehen.

Das Land wird wieder zur Mondlanschaft. Braune Hügel, auf denen große Steine herumliegen. Überall Schafe. Die Hügel werden höher, wir erreichen die Berge und machen einen Stop in Queenstown. Eine Stadt, die auf uns wie eine Mischung von Saalbach und Gmunden wirkt. Die Lage der Stadt ist traumhaft schön und verbreitet den Flair von einem Skigebiet im Sommer. Die Uferpromenade ist voll bunten Leben. Menschen genießen die Sonnenstrahlen in den Gastgärten und füttern die Enten und Möwen am Ufer. Kleine Segelboote ziehen über den See und Ausflugsboote werben für zahlenden Gäste. Die Eisdiele macht guten Umsatz und auch wir genießen einen Espresso in der Sonne.

Queenstown

Wir ziehen weiter, suchen uns schließlich einen Campingplatz an einem Fluss. Zu gerne wäre ich bis Mount Cook gefahren, doch der ist für heute zu weit und morgen müssen wir die Heimfahrt angehen. Macht nichts, der kommende Tag bietet genug. Wir fahren entlang Flusstäler und über Hochstrassen, passieren warme Obstanbaugebiete voll Kirschplantagen und Weingärten. Seen und kleine Dörfer strecken sich in den Tälern. Irgendwann erreichen wir die Küste. Das Wetter verzieht sich. Wir stoppen hoch über einer Klippe, blicken vom Land aufs Meer und lachen: Vor wenigen Tagen haben wir von dort draussen aufs Land geschaut!

Zurück in Invercargill geben wir das Mietauto ab und stoppen unseren Weg heim zum Boot. Rechtzeitig vorm Schließen schaffen wir es in die kleine Bücherei, um uns die neuen Wetterberichte per Internet zu holen. Sie geben grünes Licht: Morgen gehts in den einsamen Süden von Neu Seeland: auf nach Stewart Insel.

Akaroa im Abendlicht

Akaroa im Abendlicht

Ankern in Akaroa

Der Fjord von Akaroa lädt mit schönen Ankerplätzen

Akaroa

Akaroa ist stolz auf seine Geschichte und pflegt seine alten Häuschen und Gärten

Akaroa Fjord

Wir spazieren über den Akaroa Fjord

Ostküste von Neu Seeland

Die Ostküste von Neu Seeland empfängt uns mit wechselhaftem Wetter

Albatross

Albatrosse werden zu unseren stetigen Begleitern

Albatros

Im Landeanflug

Neu Seeland

Bald erreichen wir die Südküste von Neu Seeland

Bluff

Das Leuchtfeuer von Bluff, dem einzigen sicheren Hafen in der verflixten Foveaux Strasse

Hafeneinfahrt in Bluff

Doch selbst dieser sichere Hafen hat seine Tricks: die Hafeneinfahrt wird schon bei sechs bis sieben Beaufort zum Weisswasserritt!

südküste

Bluffs Küste

Wrkac

Wracks im seichten Flussdelta von Bluff

Invercargill

Wir stoppen nach Invercargill

World fastest Indian

Wo wir in einem Werkzeugladen die schnellste Indian der Welt bestaunen!

Autoausflug in Neu Seeland

Per Mietauto gehts auf eine kleine Spritztour in Neu Seeland!

nach Fjordland

Wo wir entlang von Seen bis nach Fjordland fahren.

Forellen

Die Seen sind so klar, dass wir darin die Forellen beobachten können.

Queenstown

Stop in Quennstown

bei Queenstown

Neu Seeländer bieten "Abenteuertourismus" - Jetboote gehören offensichtlich zu den Rennern. Wir genießen die Landschaft lieber langsam und sparen uns diesen teuren Zeitvertreib.

Goldgräberortschaft

Wir fahren weiter und ziehen durch die Ortschaften...

Südmeersegeln

... die Geschichten über Siedler und Goldgräber am Leben erhalten.

Neu Seeland

Unsere Fahrt entlang schöner Täler...

Neuseeland

...und kahler Berge

Segeln in Neuseeland

Sommer auf der Südinsel

Südinsel Neu Seeland

Die Hänge bieten unglaublichen Herden an Schafen Weideland.

45° Süd

45° Süd

alte Brücke

Küste

Zurück an der Küste

Küste der Südinsel

Selbst hier treffen wir auf Schafe.

Südküste Neu Seeland

 

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