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City of Sails

Auckland

Noch etwas verschlafen klettern wir an Deck, um die morgendliche Flut für unsere Fahrt aus dem Kerikeri Fluss zu nutzen. Gestern Abend feierten wir Abschied von unseren Freunden an Bord KAIA OF MAUI. Wir werden Michelle, Daniel und ihren kleinen Sohn Joshua so schnell nicht wiedersehen, ihr Kurs wird entgegengesetzt von unserem laufen. Aber Abschied unter Segler muss ja nicht für immer sein. Wir verabreden uns in zwei Jahren im Nordatlantik. Oder so ähnlich.
Im Cockpit von LA BELLE EPOQUE wartet ein anderes "farewell" auf uns. "Kerikeri to Chile -For a save travel. Bon voyage - Giles!" Steht auf der Flasche Rum, die wir zwischen unseren Schoten finden. Vor einer knappen Woche war Giles mit seiner beeindruckenden Aluminiumyacht CHOLGUAS hier im Fluss eingetroffen. Schon als CHOLGUAS dicht an LA BELLE EPOQUE vorbeizog wussten wir, dass ein echter Seemann eingetroffen ist: Die top gepflegte Garcia, deren Rumpf ein Albatros ziert, strahlt jenen Abenteuergeist aus, der ohne Frage auf ihr Zuhause ist. Der sonnengegerbte Einhandsegler aus der Schweiz hat die letzten Jahre zwischen der Südsee und Neuseeland verbracht, doch sein Kurs hat ihn schon kreuz und quer über die Weltmeere gebracht. Seit fast vierzig Jahre ist Giles unter Segel unterwegs. Unser Plan von den Roaring Fourties, Patagonien und dem Hohen Süden brachte ihn zum Schwärmen und uns einige kopierte Seekarten von der Antarktis.

Letzter Abend in Kerikeri


Langsam laufen wir ein letztes mal aus dem Fluss, hissen die Segel sobald wir das salzige Wasser der Bay of Islands erreicht haben und lassen uns gemächlich nach Opua treiben, um auch dort noch einmal Abschied zu feiern. Zwar sind noch nicht alle uns bekannten Segler aus den Tropen eingetroffen, aber wir können nicht zu lange bleiben. Wir haben eine Verabredung mit Auckland. Immerhin können wir doch nicht von Neuseeland ablegen, bevor wir zumindest einmal die "Stadt der Segel" auf eigenem Kiel besucht haben.


So nutzen wir nach einer kurzen Abschiedsfeier an Bord von JULIA und MEERBÄR und nach einer gemütlichen Weinverkostung mit dem Opua Segelverein die erste Gelegenheit, in See zu stechen. Der günstige Nordwestwind wird nicht lange bleiben und so ziehen wir durch. Während der Nacht wird der Verkehr mehr und mehr und bald schon finde ich mich in einem Gewirr an Schiffslichter. Wir segeln mitten in der Schiffsroute nach Auckland. Zum ersten Mal haben wir ein AIS an Bord und ich freue mich, die Schiffe und ihre Kurse rund um uns nun auch am Bildschirm verfolgen zu können. Allerdings gefällt mir nicht, was ich sehe. Die PRINCESS PAZIFIC steuert uns direkt an. Zwei Frachter dicht hinter LA BELLE EPOQUE einerseits und das Felsenriff backbord voraus andererseits machen es mir unmöglich, meinen Kurs zu ändern.


Bald schon rufe ich das Kreuzfahrtschiff per Funk. Wie gewöhnt halten die Seeleute an Bord des Kreuzfahrtschiffes gut Ausguck und haben uns längst gesehen. Allerdings können sie ihren Kurs nicht näher an die Frachter hinter uns legen. Sie werden noch einige Seemeilen auf direkten Kollisionskurs mit uns bleiben und erst kurz vor unserem Bug abdrehen, um zwischen uns und dem Felsenriff zu navigieren. Mit Spannung verfolge ich die Manöver. Ich unterdrücke jegliche Panikreaktion, die Aries auszuhängen und unseren eigenen Kurs herumzureißen, während die hell beleuchtete PRINCES PAZIFIC immer größer vor mir wird.
Am frühen Morgen verzieht sich der Himmel. Der Wind hat zugelegt und LA BELLE jagt mit acht bis neun Knoten zwischen den Inseln von Auckland dahin. Eigentlich müssten wir längst die Vorsegel wechseln, aber es sind nur noch wenige Seemeilen bis zur Ankerbucht an der kleinen Ausflugsinseln der Stadt. Rund um uns jagen Regatta-Yachten durch das aufgewühlte Wasser, kleine Fähren ziehen eilig ihre Kurse zwischen den Inseln und ein paar große Motoryachten lassen sich von dem grauen Himmel das angebrochene Wochenende nicht verderben. Bei Regen und fauchenden Windböen geht endlich der Anker über Bord. Uns kann das schlechte Wetter nichts verderben, nach den 140 Seemeilen unter Segel ist ein gemütlicher Nachmittag mit Tee und Movies ohnehin genau das Richtige.


Rangitoto Insel erstaunt in seiner Wildheit. Die kleine Vulkaninsel ist ein Naturschutzpark, in dem Gestrüpp und wilde Blumen über schwarzes Lavagestein wuchern. Wir wandern über das Geröll und staunen über die unzähligen Fallen, die von Ranger gegen Säugetiere hier aufgestellt haben. Am Strand finden wir halb eingegrabene Eimer mit Gift.

Rangitoto Insel

Wie ironisch es doch ist, dass Menschen verschiedene Tiere die Schuld an der Bedrohung anderer Tierarten geben. Und wie überheblich es doch ist, dass Menschen immer wieder glauben, sie müssten die Natur kontrollieren. Der neuseeländische Vogelschutz scheint mir ironisch genug. Hunderte von Hühnern müssen vermutlich in Batterien gequält werden, um ihre Eier in Fallen für Wildtiere verrotten zu lassen. Am Strand wäscht der Regen langsam das Gift, das zum Schutz der Vögel ausgelegt wird ins Meer. Und der ganze Aufwand gegen Säugetiere, obwohl es doch der Mensch war, der die großen Wildvögel von Neuseeland aufgegessen hat. Natürlich weiß ich, dass den eingeführten Ratten und Opossums Schuld am Vogelsterben gegeben wird, doch ob diese Tatsache Hubschrauberladungen von Gift rechtfertigt, scheint doch recht fragwürdig.


Aber wir haben das ja schon öfter mitangesehen. In Norden von Norwegen schossen Ranger Jahr für Jahr hunderte Rotfüchse zum Schutz einer Vogelart, obwohl es doch der Mensch war, der den Vogel nahe seiner Ausrottung gebracht hat. In Kanada schossen die Behörden Wölfe, um den Rückgang der Karibu zu verlangsamen, ohne dabei zu bedenken, dass die natürliche Selektion durch Wölfe die Karibuherden gesund hielt. Manchmal frage ich mich, ob der Tierschutz nur ein Vorwand ist, der die Kontrollwütigkeit der Menschen rechtfertigen soll.


Am Strand finden wir nicht nur Tierfallen, sondern auch ein paar durchaus interessantere Vermächtnisse der Menschen. Die "Wrack Bay" trägt ihren Namen zu Recht: Sie ist ein Schiffsfriedhof. Nicht schweres Wetter oder schlechte Navigation ist für das Schlachtfeld an Stahlspanten und Holzplanken zu verantworten. Viel mehr wurde Wrack Bay während der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ausgewählt, um ausgediente Schiffe an seiner Küste stranden zu lassen und sie hier, weg von den Augen der Menschen, der langsamen Zersetzungsarbeit der Natur zu übergeben. Und so haben mindestens dreizehn Schiffe, vom Luxusliner bis zum Kohletransporter, ihre letzte Ruhestätte an dieser Küste gefunden.

Wrack Bay


Nach einem langen Wochenende laufen wir in Auckland ein. Die "Stadt der Segel" trägt ihren Kosenamen mit Stolz, sind doch ihre Küsten nicht nur mit vollbesetzten Yachthäfen geschmückt. Die Kiwis machen ihren Ruf, die Yachten auch zu nutzen, alle Ehre. Wir ziehen in einem Geschwader an Segel dahin, werden von einem fliegenden Trimaran überholt und durchkreuzen Felder an Regatten. Und das, obwohl weder das Wetter besonders beschaulich ist, noch Wochenende herrscht.


Wir finden einen guten Ankerplatz westlich des Zentrums und stürzen uns ins Getümmel der Stadt. Auckland präsentiert sich uns wie eine amerikanische City mit europäischer Sauberkeit. Die Stadt glänzt wie frisch aus dem Ei gepellt mit gekehrten Straßen und sauberen Gehsteigen. Rund um die Wolkenkratzer der Innenstadt dehnen sich Siedlungen an sauberen, weißen Holzhäusern zwischen kleinen Grünstreifen. Allerdings scheint die Stadt Shopping und Essen zu ihren Inhalten abseits des Segelns gemacht zu haben. Zwar sehen wir das Maritime Museum und entdecken in der Nähe der Stadtbibliothek die Kunstgalerie von Auckland, aber selbst die Touristeninformation scheint mehr Interesse daran zu haben, uns einen Bungee-Jump oder einen Jetboat-Ride zu verkaufen als uns über Kultur und Museen der Stadt aufzuklären.


Macht nichts, wir haben ohnehin genug auf dem Plan für unsere letzten Tage in Neuseeland. So laufen wir wiederholt zur Bibliothek, um uns mit Hilfe des Internets einen Überblick über die kommende Wetterlage holen zu können. Wir machen letzte Einkäufe in der Innenstadt: neue Sonnenbrillen um unsere Augen vor der intensiven Südsonne zu schützen, einen Filter für die Kamera, ein paar Batterien und andere Kleinigkeiten. Wir spazieren quer durch die Stadt um uns beim Zoll zum Ausklarieren anzumelden und vergleichen ein paar Supermärkte in der Nähe des Ankerplatzes, um die beste Qualität an Gemüse und Obst für die lange Passage zu ergattern. Schade, dass ich hier in Downtown die nächsten Tage mit keinem der guten Farmers-Markets von Neuseeland rechnen kann.
Auch am Boot gibts letzte Arbeiten. Wir erwarten uns kein Zuckerlecken in den "Schreienden Vierziger" - jenem Seegebiet, das nun vor uns liegt. LA BELLE EPOQUE ist nach der vielen Arbeit in der Werft fertig wie noch nie, nur die letzten Handgriffe erledigen wir am Ankerplatz in Auckland: Wir schlagen das Trisegel auf seiner eigenen Mastschiene an und montieren den Sturmanker, sodass wir ihn vom geschützten Cockpit aus ausbringen können. Auch die Trossen des Treibankers werden fix am Heck angeschlagen und im Inneren des Boots gehe ich noch einmal alle Schapps durch, um keine fliegenden Gläser oder klirrenden Töpfe im Seegang zu haben.


Dann sind wir bereit. Das Abenteuer Südmeer kann beginnen!

 

Weinverkostung in Opua

Gebürtiger Abschied von der Bay of Islands: Weinverkostung am Omata Estate

Rangitoto Insel

Besuch auf Rangitoto Insel: Die wenigen Häuser im Naturschutzpark sind unbewohnt

Wrack Bay

Wir wandern entlang der Wrack Bay und betrachten die letzten Überreste...

Wrack Bay

... aus der Zeit der Segelschiffe im Pazifik

Wrack BAy

Wrack Bay

Wrack Bay

Mindestens dreizehn Schiffe haben hier ihre letzte Küste angelaufen

Auckland

Wir erreichen Auckland

Auckland

...die Stadt der Segel. Oder besser gesagt: Die Stadt der schnellen Segel!

Rainbow Warror

Ein Andenken im Hafen: Hier wurde die Rainbow Warrior versenkt.

Muschelessen

Muschelfest an Bord! Wir genießen ein letztes mal die frische Spezialität von Neuseeland.

Riggcheck

Letzte Vorbereitungsarbeiten für die Weiterfahrt: Riggcheck

 

 

 

 

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