blauwassersegeln im pazifik
  
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 Zurück in unsere Realität

Bay of Islands

Bewaffnet mit Stirnlampen und Fotoausrüstung klettere ich vorsichtig die Felsen bis zum Eingang der stockdunklen Höhle hinunter. Die rutschigen Plastik-Crocs helfen nicht gerade, den Abstieg sehr graziös zu meistern, aber da wir bald durchs Wasser in die Höhle waten werden, stehen Trekkingschuhe außer Disskussion. Die beiden holländischen Segler Jakomine und Raul haben schon den Bachlauf in der Dunkelheit erreicht und nur ihre Taschenlampen verraten, wie weit sie bereits in die Höhle vorgedrungen sind. Dicht hinter mir folgt Jürgen, dem so wie mir eine kurze Auszeit von der Bootswerft guttut.
Drinnen erwartet uns eine Wunderwelt aus Sandstein, verziert mit bizarrem Tropfstein. Das Plätschern eines kleinen Wasserfalls hallt durch die Höhle und mischt sich mit dem Tropfen des durchgesickerten Wassers aus Ritzen und Rissen im Gestein. Gestein, dass vom Wasser geschliffen die wunderbarsten Formen im Licht der Taschenlampen zeigt.

Abby-Caves Neuseeland

Wir waten in knietiefen, eiskalten Wasser und unsere Schritte und Stimmen hallen in den dunklen Gängen. Das Wasser wird tiefer, wir machen Halt auf einem überhängenden Felsbrocken. Überall hängen zentimeterlange, seidene Fäden von den Wänden. Von Glühwürmchen säuberlich gesponnen und arrangiert, die es nur hier auf Neuseeland gibt. Im Licht der Taschenlampe sind sie nur kleine Würmer, die in ihrem Kunstwerk aus Fäden warten. Ihre Einzigartigkeit zeigen die Würmchen nur in kompletter Dunkelheit. Wir machen die Lichter aus und verschwinden in einer beinahe märchenhaften Glitzerwelt. Wie Sterne leuchten die Glühwürmer, nur das wir von ihnen rundum umgeben sind.


Wieder draußen im warmen Schein der Frühlingssonne spazieren wir durch den Felsenwald - ein eigenwilliges Geröllfeld, ein Kunstwerk der Natur. Noch zwei weitere Höhlen warten auf uns, bevor wir zurück zur "Little Earth Lodge" wandern. Die letzte der Höhlen wird zum kleinen Abenteuer, müssen wir doch durch brusttiefes, eisig kaltes Wasser waten, um den zweiten Ausgang zu erreichen.

Felswald in Whangarei

Jakomine und Raul haben eine Cabin der hübschen Lodge gemietet, ihre TARA steht am Trockendock. Sie wird sandgestrahlt und neu lackiert. Beim gemeinsamen Kochen und Abendessen in der Lodge lassen wir unseren Nachmittag bei den Abby-Caves ausklingen, bevor wir zurück auf unsere "Bootsbaustelle" gebracht werden.


Die folgenden Tage werden wieder geschäftig. LA BELLE EPOQUE steht im neuen Lackkleid an Land. Doch gibt es noch tausend Kleinigkeiten zu erledigen, bevor wir zurück ins Wasser gehoben werden. Dann endlich ist der Tag gekommen, die meisten Arbeiten sind erledigt und die Werftarbeiter können übernehmen. Vorsichtig platzieren sie den großen Anhänger unter das Schifferl und bocken es auf. LA BELLE will nicht still halten und lähnt sich in ihrem Bock nach vorne. Aber die beiden geübten Arbeiter haben alles im Griff und gurten das widerspenstige Boot fest. Bald schon werden wir mit dem Radlader zur Rampe geschleppt. LA BELLE EPOQUE hat das Schwimmen nicht verlernt, wir waschen den Staub und Dreck des Werftlebens vom Deck und schlagen alle Segel an. Wir sind am Wasser zuhause und die Zeit in der Werft scheint wie ein unruhiger Traum nach dem Aufwachen sofort zu verblassen.

Zurück ins Wasser, Norsand Werft


Mittlerweile sind wir ein Jahr in Neuseeland und kennen das Segelrevier entlang der Nordostküste wie unsere Westentasche. Die Etappe zurück nach Opua wird zum Kinderspiel, mit leichten aber böigen Westwinden und ruhiger See ziehen wir in den Norden. LA BELLE dankt uns die Werftzeit mit fröhlichen und leichtfüßigen Segelstunden. Die frische Farbe am Unterwasserschiff ist kaum zu schlagen, so gut ist sie ja schon lange nicht mehr gesegelt, obwohl wir nicht alle Segel setzen können. Denn unser neuer Besan passt nicht ganz und wir müssen nochmal zum Segelmacher. Wie gut, dass wir uns für einen lokalen Segelmacher entschieden haben, so ist das Umarbeiten keine große Sache. Roger macht sich sofort über unser Segel und bietet uns nebenbei an, seine Segelloft zu nützen, sodass wir selber neue Persenninge für unsere Vorsegel nähen können. Wo gibts sonst noch so viel Entgegenkommen und mit den schweren Nähmaschinen der Segelmacherei ist die Arbeit in kürzester Zeit erledigt, während unser Besan seinen letzten Schliff erhält.


In Opua selbst macht sich Ankunftsstimmung breit. Nach und nach trudeln die ersten Fahrtenyachten von den tropischen Inseln und den Pfaden der Weltumsegler ein. Wie jedes Jahr um diese Zeit werden die Flaggen an den Hecks der ankernden Yachten bunt: Kanadier, Amerikaner, Australier und Südafrikaner liegen zwischen den Kiwibooten. Und natürlich kommt auch die europäische Flotte langsam in den Süden: Boote aus Holland und Frankreich, aus Deutschland, Italien, Schweden oder Polen. Eine Yacht zeigt eine ungewöhnliche Flagge: TROLL ist aus Estland angereist. Tagtäglich ist nun der Zollsteg belegt und die Beamten haben reichlich zu tun.


Wir selbst kennen kaum eine Yacht. Die Flotte aus dem letzten Jahr ist zum Großteil längst weitergezogen und jährlich kommen neue Weltumsegler und Blauwasserreisende nach. Trotzdem hoffen wir, bald schon ein paar wenige bekannte Crews zu treffen: Die deutschen Yachten WALKABAUT, MEERBÄR und JULIA wollten heuer noch einmal nach Neuseeland kommen, GREEN DUCK ist bereits vor einigen Tagen in Whangarei angekommen und wir konnten ein Wiedersehen feiern. Auch Monika und Martin kennen wir vom Vorjahr, die deutsche Segelfamilie lebt bereits viele Jahre in Neuseeland und dieses Jahr können sie von einer spannenden Reise zu einer sehr entlegenen Insel der Solomonen berichten.


Von den Amis und Kanadiern, den Holländern und Franzosen sollten wir heuer keine Bekannten mehr treffen, allerdings erstaunt uns eine rote Stahlyacht mit schwedischer Flagge. "Kann es sein, dass wir vor sechs Jahren in Visby bei euch längsseits lagen? Uns kommt euer schönes Stahlschiff so bekannt vor!" Und tatsächlich, diese Yacht haben wir in der Ostsee zum ersten mal getroffen. Die Welt der Segler ist und bleibt eben eine kleine Welt!


Eine andere, ebenfalls rote Stahlyacht macht auf sich aufmerksam. Der fähige Schoner trägt stolz einen uns bekannten Namen an seinem Bug: MUKTUK. Aber das kann doch nicht sein. Die österreichische Segelfamilie, über die nichts im Internet zu finden ist, die nichtsdestotrotz aber vermutlich die außergewöhnlichsten Fahrtensegler Österreichs sind, sollten doch gerade in Alaska unterwegs sein. Außerdem macht uns die deutsche Flagge am Heck der MUKTUK etwas stutzig. Bald ist das Rätsel gelöst. Die Österreicher sind mittlerweile mit ihrer zweiten MUKTUK unterwegs und Birgit und Andreas haben die erste MUKTUK für ihre Weltreise erworben.


"Och, es ist schon schön, aber uns war´s ja viel zu heiß", kommt die Antwort wie es ihnen bisher auf ihrem Kurs durch die Tropen so ergangen ist. Und ihre Gedanken, den Kurs im Pazifik bald schon weiter in den Norden zu legen, können wir nur gut verstehen. So tratschen wir eine Nacht lang von Alaska und dem Norden, von den bisherigen Segelabenteuern, vom Leben an Bord und den Erlebnissen mit den Stahlbooten, während wir auf der MUKTUK verwöhnt werden. Wir tratschen übers Einkochen und Proviantieren und über die Lust, neue Lebensmittel in all den bereisten Ländern auszuprobieren. Umso erstaunter bin ich, als ich erfahre, dass Andreas kein Freund von Austern ist.


Nein, so geht das nicht. Die wilden Austernbänke wuchern nur so entlang der neuseeländischen Küste und gerade um diese Jahreszeit sollten die Austern in höchster Qualität sein. Und wer Muscheln isst, aber keine Austern mag, hatte vielleicht einfach keine Chance, diese Speziallität genauer kennen zu lernen. Wir brechen am folgenden Tag gemeinsam zum Austernsammeln auf und schleppen zwei Eimer voll an Bord von LA BELLE EPOQUE. Dort wird erst einmal gereinigt und geöffnet, bevor sie ins Backrohr und den Suppentopf kommen. Man muss sie ja nicht unbedingt roh essen, ist ja nicht jedermanns Sache. Der Verkostungsabend wird zum vollen Erfolg und von nun an gibts zwei Austernfreunde mehr unter den Seglern.


Schon am nächsten Tag verabschieden wir uns von den beiden und von Opua. Wir haben unsere Arbeiten hier erledigt und segeln noch einmal in den seichten Fluss von Kerikeri. Nur bei Hochwasser können wir den Weg bis zum Dorf bezwingen und so müssen wir die wenigen Seemeilen mit Blick auf die Uhr segeln. Wieder machen wir an den Dalben am Ende der schiffbaren Flusstrecke fest, wieder freuen wir uns um die besondere Schönheit dieses Gebietes. Wieder wandern wir hoch zu unseren Segelfreunden Michelle und Daniel, die hier für ein paar Monate ein Haus bewohnen, bevor ihre eigene Reise weiter geht.
Immer noch sind wir etwas geschlaucht und ausgelaugt von den letzten zwei Monaten Werftarbeit. Außerdem hat sich Jürgen eine satte Erkältung in den Abby-Caves geholt und muss sich endlich ein wenig erholen. Uns werden einige Tage im Fluss guttun, bevor wir die Segel hissen und uns auf den Weg nach Auckland und den Hauraki-Golf machen. Dort werden wir auf das richtige Wetter warten, bevor wir uns im kommenden Monat endgültig von Neuseeland verabschieden, um unsere lange Reise durch die Schreienden Vierziger anzutreten!

in der Werft

In der Werft in Whangarei - Ich schleife und streiche den Rumpf, während Jürgen das Steuerhaus umändert

Abby-Caves

Auszeit in den Abby-Caves, gemeinsam mit einer holländischen Crew bestaunen wir die Höhlenwelt von Whangarei

Abby-Caves

Nur im Schein der Taschenlampe sind die bizarren Gesteinsformen zu erkennen

Abby-Caves

Tropfstein hängt von der Gesteinsdecke

La Belle Epoque ist fertig

Fertig! La Belle Epoque ist bereit fürs Wasser!

Auf Deck

Änderungen auf Deck: unsere neue Ankerwinde!

Ankerwinde homemade

Jürgen hat die neue Winde selbst gebaut. Von nun an wird Ankern ein wahres Kinderspiel.

Ankergeschirr

Tausend letzte Arbeiten - wir makieren die Ankerkette neu.

Steuerhaus neu

Die Änderungen im Steuerhaus sind fertig: kleinere Seitenfenster mit montierbaren Sturmschoten, eine neue Funkecke mit neuem Ersatzlaptop und eingebautem AIS-Empfänger

Fertigstellung der Holzarbeiten in der Kajüte

Auch in der Kajüte sind die meisten Arbeiten abgeschlossen: unsere Böden und Arbeitsflächen glänzen im neuen Lackkleid.

Aries

... und die Aries ist mit neuem Kick-up System wieder einsatzbereit.

La Belle Epoque

La Belle Epoque

La Belle geht ins Wasser

La Belle geht zurück ins Wasser

Aufbruch

Abschied von Whangarei

unter Segel

Gemütliches Segeln - noch beschaulicher kann man seine Wache wohl nicht fahren!

Cap Brett

Cap Brett - wir erreichen die Bay of Islands

Ankern

...und ankern im letzten Abendlicht an einem beschaulichen Ankerplatz des kleinen aber feinen Segelreviers

La Belle Epoque

Vor Anker.

ein Tag vor Anker

Ein Tag in der Bay of Islands

Niedrigwasser

Zurück in unserer Realität, wir wandern über die Küste einer kleinen Insel und genießen die Schönheit der Natur.

Regenbogen in der Bay of Islands

Abends ziert ein Regenbogen die Bucht, obwohl uns der Regen nie erreicht.

Bay of Islands Segeln

Die Bay of Islands ist ein beliebtes Segelgebiet der Kiwis. Wir sind nicht alleine.

Segelmacherei

Noch gibts einiges zu tun: ich nähe neue Persenninge für unsere Vorsegel und darf die Loft von Northsails dafür benützen.

Opua

Vor Anker in Opua.

 

 

 

 

 

 

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