blauwassersegeln im pazifik
  
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 ...be sure to wear some flowers in your hair...

Port Townsend Leuchtturm

Ein letztes mal schlendern wir entlang der Uferstrasse in Port Townsend. Verabschieden uns im Stillen von dem schönen Washington, das uns mit seinem milden Sommer, seinen herrlichen Inseln, wohnlichen Dörfern und freundlichen Menschen so beeindruck hat. Sicherlich, hier könnte man noch viel Zeit verbringen, die vielen Inseln und Ankerplätze anlaufen und die Städte und Dörfer besuchen, wir haben nur einen Bruchteil der verwinkelten Küste Washingtons gesehen. Doch wir wollen weiter. Wollen das stabile Hoch, welches herrlichstes Segelwetter in den Süden verspricht, nicht nutzlos verstreichen lassen. Zu verlockend sind die Wetteraussichten, auch wenn weit im Süden immer noch die Hurrikane toben, den Ostpazifik zu zwanzig Meter hohe Wellen aufwerfen und Winde mit über hundert Knoten bringen. Vor allem Hurrikan Marie scheint sich noch weiter entwickeln zu wollen, die Vorhersagen warnen von einem Sturm mit der Hurrikan-Kategorie 4. Wie die meisten Hurrikane hier zieht auch Marie von Mexico Offshore in Richtung Hawaii und bringt dabei See aus Südwest. Wir werden Marie im Auge behalten und eventuell irgendwo in Nordkalifornien einen Zwischenstopp einlegen müssen. Noch aber sind wir weit nördlich jeglicher Gefahr und können das stabile Hochdruckwetter im Nordpazifik mit seinen Nordwestlichen Winden nützen.

Noch sind wir allerdings nicht im Nordpazifik, denn zuerst müssen wir die notorische Juan de Fuca Strasse zwischen Kanadas Vancouver Insel und dem Festland Washingtons passieren. Eine Wasserstrasse, die nicht unbedingt zu den leichtesten Seegebieten zählt, trifft doch die See des Nordpazifik auf die heftigen Tidenströme der Inselwelt. Und gerade jetzt, bei dieser Hochdrucklage, dreht der Nordwestwind in die Strasse und verstärkt sich wie durch eine Düse. Wind, der es dennoch nicht schafft, den häufigen Nebel zu vertreiben. Die stark befahrenen Schifffahrtsstrassen nach Vancouver und Seattle können bei Nebel gefährlich werden. Wir müssen unseren Aufbruch gut planen.

Wir haben Glück: Die Wetterdaten zeigen flaue Winde für heute Nacht und morgen Vormittag, eine willkommene Unterbrechung des Nordwest-Windes. Wir können die Flaute und den Ebbstrom nützen, um unter Maschine bis in den offenen Pazifik zu gelangen und müssen so weder mit aufgewühlter See gegen uns noch mit Windeffekte entlang der Küste rechnen. Und so rufen wir heute lieber früh den Abend und rudern zurück an Bord, um mit Sonnenuntergang in die Koje zu fallen. Doch fällt es schwer, in ruhigen Schlaf zu versinken und leichte Nervosität mischt sich mit Aufbruchstimmung.

Port Townsend

Um Punkt zwei Uhr morgens reißt uns der Wecker unsanft aus dem Schlaf. Die Nacht ist sternenklar und ruhig, kein Windhauch regt sich. Verschlafen breitet sich Port Townsend entlang des Ufers aus, nur das Licht des Leuchtturms arbeitet stetig und unterbricht die scheinbare Bewegungslosigkeit. Wir haben noch keinen Appetit auf Frühstück, so streifen wir warme Pullover über und machen uns an Deck an die Arbeit. Bald ist der Anker an Deck und gesichert und LA BELLE EPOQUE dreht leise aus dem Ankerfeld. Wir sind wieder unterwegs. Nächster Stopp: Kalifornien!

Wir sind nicht alleine. Schon wenige Meilen nach Port Townsend kreuzt die erste Fähre unseren Kurs, dicht gefolgt von zwei Kreuzfahrtschiffen. Sie sind unterwegs nach Seattle, fahren lieber die Nacht durch, um den Touristen einen Tag in der Stadt zu erlauben.

Ich sitze im Steuerhaus, starre in die Nacht während der Autopilot den Kurs hält. Beobachte die hell erleuchtete Fähre, die uns soeben überholt hat. Und staune: Plötzlich ist die Fähre verschwunden. Mit samt ihren hellen Lichtern von der milchigen Dunkelheit verschluckt. Ich kann kaum glauben, wie dicht die Nebelwand voraus sein muss, um dieses Lichtermeer aus meinem Sichtfeld zu verbergen. Und es dauert nicht lange, taucht auch LA BELLE EPOQUE in den nassen Schleier des Nebels und verschwindet aus den Augen aller Schiffscrews. Längst habe ich Radar und UKW eingeschaltet und einen Kurs außerhalb der Schifffahrtsstrasse gewählt. Doch werden wir die stark befahrene Schifffahrtsstrasse wiederholt kreuzen müssen, bis wir gegen Mittag endlich den Pazifik erreichen sollten.

Sicherheitshalber melde ich unsere Position und Kurs per Funk bei Seattle Traffic Control, erfahre, welche Schiffe um uns sind und wie lange wir warten müssen, um die nächste Schifffahrtsstrasse zu kreuzen. Mittlerweile hat das trübe, graue Licht des Morgens die Dunkelheit vertrieben und LA BELLE EPOQUE bewegt sich wie in Watte gehüllt. Jürgen hat die Wache übernommen und wir sitzen beim Frühstück im Steuerhaus. Gefährlich nahe klingen die Nebelhörner der großen Frachter und Tanker um uns, doch wissen wir uns sicher, zumindest im Radius von vier Meilen scheint unser Radar die Schiffe gut auszumachen. Irgendwann fühlen wir, wie die See zunimmt, wir haben die Strasse von Juan de Fuca und seinem stressigen Schiffsverkehr verlassen, drehen den Kurs in Richtung Südwest und atmen auf. Nun können wir uns auf die Suche nach Wind begeben.

Und die Wetterkarten zeigen uns: hier können wir mehr oder weniger wählen, wie viel Wind unsere Segeln füllen soll. Denn für die kommenden Tage herrschen dicht entlang der Küste Washington und Oregons leichte Winde mit drei Beaufort, während fünfzig bis hundert Meilen weiter draußen der Nordwind mit bereits sechs bis sieben Beaufort bläst. Und da LA BELLE EPOQUE eine steife Briese liebt, halten wir hinaus auf den offenen Pazifik.

Erst gegen Abend lichtet sich der Nebel und es kommt Wind auf. Sanft zieht LA BELLE unter Genua und Großsegel vor dem Wind dahin, während Miss. Aries die Arbeit am Steuer übernommen hat und die Sonne viel zu rasch hinterm Horizont verschwindet. Die langen Sonnenuntergänge des Nordens sind nun endgültig hinter uns und wir wissen wieder lange Nächte vor uns. Dennoch nehmen wir die Wacheinteilung nicht so strickt: Wir haben gelernt, dass sich ohnehin ein natürlicher Rhythmus an Bord einstellen wird und wollen lieber darauf achten, dem Partner so viel Schlaf als möglich zu gönnen.

Vorm Bug durchbricht ein Lichtermeer die Dunkelheit, es muss wohl gerade die Fischereisaison gestartet haben. Die Fischer arbeiten die Nacht durch und desto näher wir kommen, desto mehr Lichter kann ich ausmachen. Es müssen über hundert Kutter sein. Vorsorglich hänge ich die Windsteueranlage aus und übernehme vom Steuerhaus aus. Die Fischkutter sind gut beleuchtet und leicht auszumachen, doch hat der Wind bedeutend zugenommen und treibt weiße Gischt vor sich her. Sobald wir durch die Flotte durch sind und Jürgen die Wache übernimmt, müssen wir wohl auf die Fock wechseln, die große Genua ist kaum noch zu bändigen.

Die Tage und Nächte vergehen im gleichen Trott, wir kreuzen Nebelfelder und justieren die Segel je nach Wind. Dieser bleibt ungleichmäßig und böig, doch ändert er seine Richtung nie bedeutend. LA BELLE EPOQUEs Kurs bleibt vor dem Wind. Doch hat der Seegang zugenommen und konfuse Kreuzseen machen das Leben an Bord ungemütlich. Jeden Tag warnt der Wetterbericht vor gefährlicher Kreuzsee und die Küstenwache gibt eine Warnstufe für kleine Boote heraus. Uns wundert die konfuse See nicht, hat sich doch mittlerweile Hurrikan Marie stark entwickelt und tobt südlich von uns Richtung Hawaii zu. Keine Frage spüren wir ihre Sturmsee.

Die neuen Wetterkarten zeigen, dass die kommenden Tage mit Leichtwind bis Flaute zu rechnen ist. Das hat uns gerade noch gefehlt, Flaute mit konfuser Kreuzsee. Nein, es wird besser sein, einen Stop einzulegen und auf stärkeren Wind für die Weiterfahrt zu warten. Und weshalb auch nicht, nicht weit voraus lädt Crescent City mit einem sicheren und leicht einzulaufenden Hafen zum Verweilen. Im gut geschützten Vorhafen der Stadt darf außerdem geankert werden. Um die Hafenstadt breitet sich der Redwood Nationalpark mit seinen urtümlichen und riesigen roten Zedern, den wir so gut in Erinnerung haben.

Wieder verschluckt uns dichtester Nebel, doch mit Hilfe Radar und elektronische Seekarten ist das Einlaufen in fremde Häfen heute nicht mehr kritisch und bald rauscht der Anker aus. Wir grüßen Kalifornien, fallen aber bald schon in die Koje und wollen erst ordentlich durchschlafen.

Crescent City ist nicht besonders sehenswert, eine Hafenstadt voll billiger Motels und Campingplätze, mit großen Supermärkten - Walmart, Home Depot und Co. Doch der Hafen selbst ist bemerkenswert. Hier wird gebaut und gearbeitet und wir staunen über die extrem massive Hafenanlage, die im inneren Hafenbecken hinter der zweiten Mole entsteht. Die freundliche Hafenkapitänin klärt uns auf: Das große Erdbeben von Japan hat auch die Küste Amerikas nicht verschont: Eine gewaltige Flutwelle hat den Hafen von Crescent City gänzlich zerstört, gemeinsam mit einem weiteren Hafen entlang der Küste. Noch heute kann man Filme und Clips dazu in YouTube finden.

Wir nützen die Gelegenheit, mieten einen Leihwagen, lassen die staubige Stadt hinter uns und tauchen ins satte Grün des Urwaldes. Die Bäume beeindrucken, selbst das Unterholz ist so dicht und riesig, dass es abseits der Wanderwege kaum ein Vorankommen gibt. Wanderwege gibt es genug und im kühlen Schatten der riesigen Urbäume fühlen wir uns klein wie Ameisen, lehnen uns an riesige Stämme und freuen uns über diese gewaltige Natur.

Redwoods Nationalpark

Es macht Spaß, wieder einmal mit einem Auto unterwegs zu sein, auch wenn wir langsam geworden sind und selbst von großen Trucks überholt werden. Wir lassen die riesigen Bäume von Redwoods Nationalpark hinter uns und fahren in den Süden, einen Roadtrip nach Trinidad, Samoa und Eureka. Sammeln Eindrücke von den großen Salzwasser-Lagunen, über denen die Nebelschwaden hängen und an deren Ufer uns die kühle Meerbriese frösteln lässt. Wir sind erstaunt über die vielen jungen Wanderer hier, von denen viele verarmt und obdachlos scheinen. Aber Kalifornien hatte immer schon Anziehungskraft auf Menschen, die keinen Platz in der materiellen Welt des Westens finden und fast scheint es uns, als wäre die Hippie-Kultur der Sechzigerjahre immer noch am Leben. Freilich, viele Obdachlose haben ihre Armut nicht freiwillig gewählt, Alkohol- und Drogenprobleme scheinen Hand in Hand mit der Verarmung mancher unter ihnen zu gehen. Und doch leben hier viele junge Menschen auf der Strasse, die durchaus eine Chance hätten, eine andere Lebensweise zu verfolgen.

Zurück in Crescent City nützen wir das Auto, um Proviant zu kaufen, laden die neuen Wetterdaten herunter und bereiten uns für die Weiterfahrt vor. Wieder legen wir in dichtem Nebel ab, wieder herrscht kaum Wind an der Küste. Wir wählen erneut einen Kurs hinaus aufs offene Meer und erreichen bald den Windgürtel. Da die See immer noch konfus aus allen Richtungen kommt und LA BELLE EPOQUE ungemütlich hin und her wirft, verzichten wir auf die Vorsegel. Zu sehr schlagen sie im Wind und belasten das Rigg und unsere Nerven. Doch wozu eine Ketsch segeln, wenn nicht um unter Besan und Groß vor dem Wind zu laufen? Miss Aries hält LA BELLE auf Kurs und die beiden Segel arbeiten großartig wie die weißen Flügel eines Schmetterlings. In der zweiten Nacht nimmt allerdings der Wind auf sieben Beaufort zu. Längst haben wir den Besan gestrichen und das Groß eingerefft, wir setzten die Fock und laufen vor dem böigen Wind. Starke Kapwinde und Fallwinde vor Point Rayes können uns nichts anhaben, LA BELLE EPOQUE läuft ohne großen Aufsehen in die weitläufige Bucht von Drake´s Bay. Hier wollen wir uns eine Nacht Ruhe gönnen, bevor wir in den Trubel von San Francisco einlaufen und so gehts am folgenden Tag ausgeschlafen und aufgeregt unter der Golden Gate Brücke mitten in eine der schönsten Städte der USA.

Golden Gate

Das "Goldene Tor" begrüßt uns in San Francisco!

Redwoods

Ausflug zu den Redwoods

Redwoods

...wo sich die gewaltigen Bäume bis zu hundert Meter in den Himmel recken.

Unterholz im Redwoods

Und das Unterholz ein richtiger Urwald ist.

Salzwasserlagunen

Die Lagunen von Eureka

Kalifornien

Wir erreichen Drake´s Bay

Drake´s Bay

Und ankern eine Nacht in der weitläufigen Bucht

Golden Gate

...bevor wir am folgenden Morgen zur Golden Gate aufbrechen.

Golden Gate

San Francisco in Sicht!

Alcatraz

Ankern mit Blick auf Alcatraz

Fishermans Warft

Touristentrubel am Fishermans Warft

Palmen

PALMEN!!!

San Francisco

Im Schatten der Wolkenkratzer

China Town

China Town

China Town

Trubel auf den Straßen von China Town

San Francisco

Buntes San Francisco

San Francisco

San Francisco

San Francisco

Black Artists of San Francisco

Black Artists of San Francisco

San Francisco

Straßenkunst

Little Italy

Little Italy

Nob Hill

Nob Hill

Nob Hill

Bergauf, bergab...

Cable Car

Berümt aber laut: Cable Cars von San Francisco

Rathaus

San Francisco City Hall

Wohnen in San Francisco

buntes Wohnen in San Francisco

San Francisco

 

 

 

 

 

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