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 Die Plum Cule Connection

newoprt beach

Keine Ahnung, ob das nur bei uns so ist. Ob andere Fahrtensegler wohl auch so magisch von den großen Gebrauchtteile-Händlern entlang der Westküste angezogen werden? Ob es normal ist, das die Mineys-Betreiber uns bereits beim Vornahmen kennen und das einer der Verkäufer immer Zeit hat, uns nach einem stets großen Einkauf per Auto zurück zum Dingi zu fahren? "Nur jetzt nicht an den Kontoauszug denken" überlege ich im Stillen, während ich in einer der Kisten mit gebrauchtem Segelzubehör herumkrame. LA BELLE EPOQUE ankert friedlich in der großen, mit Yachten vollgestopften Bucht von Newport Beach, während wir zum wiederholten Mal auf der Jagd nach Ersatzteile bei Mineys Yacht Supply stöbern. Etliches ist bereits an Bord gewandert: gebrauchte Winden, die endlich groß genug sein sollten, dass auch ich bei Starkwind nicht an meine Grenzen stoße, endlich eine zweite Mastschiene fürs Trysegel und dazu passende Segelrutscher, ein paar gebrauchten Windenkurbeln, Nirostateile fürs Cockpit, ein paar neue Schoten und wer weiß was noch für Kleinkram, der schon lange Zeit an Bord gefehlt hat. Nur eine Mexico-Flagge, die finde ich nicht!

Aber dafür ist noch einige Zeit. Wir haben Anfang Oktober, und die Wetterkarten zeigen immer noch kein Ende der Hurrikan Saison, außerdem hat eine Mail aus Kanada ohnehin unsere Pläne für die nächsten Wochen drastisch geändert. Meine Brüder sorgen sich, die Maisernte nicht rechtzeitig vor Wintereinbruch nach Hause fahren zu können und der Geburtstermin meiner kleinen Nichte rückt täglich näher. Meine Mutter muss kurzfristig nach Österreich abreisen und so fehlt es hinten und vorne an helfende Hände in der Familie. Schon immer habe ich gemeint, irgendwann mal bei der Ernte in Kanada mithelfen zu wollen und so lässt mein Bruder fragen, ob wir nicht sofort hochkommen und mithelfen könnten. Und warum eigentlich nicht? Wir freuen uns auf Mexico, aber Eile haben wir noch immer keine. Einen Monat früher oder später in den Süden zu segeln währe doch wirklich kein großer Unterschied. Doch eins ist klar: Wir müssen einen Hafen für LA BELLE EPOQUE finden, in dem sie auch bleiben kann, währen wir zum "Arbeitsurlaub" nach Manitoba fliegen!

Zurück an Bord heißt es erst einmal abkühlen. Wie leicht man sich daran gewöhnt, einfach über die Seite zu springen und ein paar Runden ums Boot zu schwimmen! Lachend meldet sich eine Jollenseglerin, die gerade mit beinaher Flaute neben LA BELLE EPOQUE kämpft: "Ach, wie gerne würde ich jetzt einfach mit euch ins Wasser springen, als hier mit schlagenden Segeln im Kreis zu schleichen!" Wir tratschen und lachen ein wenig, während wir neben der Jolle schwimmen und wieder einmal überrascht uns amerikanische Gastfreundschaft: "Kommt doch einfach morgen zum Abendessen vorbei. Wir leben dort drüben in dem weißen Strandhaus mit der Jolle und dem Segelboot am Steg. Ihr findet uns leicht: unsere ROCKET ist fünfzig Fuß und hat einen schwarzen Masten! Wär ja toll, ein bisschen übers Reisen zu tratschen. Unsere Kids sind vor einiger Zeit auch ein Jahr lang mit der ROCKET unterwegs gewesen!"

Ankern in Newport Beach

Am Ankerplatz herrscht ein Kommen und ein Gehen. Nur selten liegen die Boote länger als ein, zwei Tage vor Anker. Manche bleiben nur für ein paar Stunden hier. Sie kommen aus einem der vielen Yachtclubs der Gegend, um hier den Nachmittag bei BBQ und Badespaß zu genießen. Fahrtenyachten, die auch über Nacht hier bleiben, verbreiten "Mexico-Fieber". Immer wieder sehen wir die Flagge der BaHaHa in den Riggs wehen. Sie dürfte mittlerweile zu den wichtigsten Fahrtensegel-Regatten der Westküste zählen und ist in aller Munde. Deshalb dreht sich die erste Frage der Neuankömmlinge stets um die bevorstehende Route in den Süden. Nein, auch wenn wir nie mit dem Gedanken gespielt haben, die BaHaHa mitzumachen, kennen wir diese "Regatte" (oder vielleicht sollte man doch eher Flottille sagen) schon längst. Immerhin sind wir nicht zum ersten Mal in unserem Seglerleben an dieser Küste. Doch fällt uns ein bemerkenswerter Unterschied zu den Yachten auf, die wir vor sechzehn Jahren bei ihren Vorbereitungen zu ihrer Reise nach Mexico getroffen haben: Wie es scheint, sind ihre Crews jünger geworden! Waren wir doch mit unserer IRISH MIST vor so vielen Jahren die jüngsten Mexico-Segler weit und breit, so scheint es nun viel gängiger geworden zu sein, dass auch junge Paare in ihr erstes großes Abenteuer stürzen. Ich kann die Nervösität und Vorfreude am Ankerplatz fast greifen und werde fast ein wenige nostalgisch. Wie aufregend war doch der erste Aufbruch, die erste große Segeletappe zu fremden Ufern. Und was ist aus unserem großen Aufbruch alles geworden! Nun, Jahre nach unserem ersten Fahrtensegeln, Jahre nach IRISH MIST, sind wir schon fast die Segelveteranen hier vor Anker!

Doch halt, sehen wir doch am späten Nachmittag zwei vertraute Masten auf den Ankerplatz zuhalten. Schon rauscht der Anker der kanadischen ISSUMA neben uns aus und wir rudern zur Begrüßung zu Richard und seiner Crew. Sie wollen hier nur einen kurzen Stop einlegen, eine Runde zu - klar, wohin auch sonst - Mineys laufen und ein paar gebrauchte Ersatzteile besorgen. Der nächste Stop von ISSUMA liegt ja nur zehn Seemeilen entfernt: Richard will im Yachtclub von Dana Point einen Vortrag über seine Reise durch die Nordwest Passage halten. Ob die wohl Club-Fremde Segler als Vortragsgäste empfangen? Klar, wir werden ISSUMA nach Dana Point begleiten und vorm Hafen für den Abend ankern. Buddyboot mit ISSUMA? Die Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen und so überfalle ich Richard gleich mit meiner nächsten Bitte: Noch nie habe ich eine Damien Yacht gesegelt und ihr extravaganter Schwertkieler und das Rigg - ein Stagsegelschoner - sind doch ein sehr interessantes Konzept.

Natürlich weiß ich schon am frühen Morgen, dass der lange Abend mit zu viel Wein eine sehr dumme Idee vor dem kurzen Segelschlag war. Müde und mit flauen Magen springe ich über die Reling der roten Yacht, während ein ISSUMA-Crewmitglied nach dem anderen die Gelegenheit nützt, um mit Jürgen an Bord LA BELLE Epoques zu segeln. Unter Motor gehts aus Newport Bay.

Richard hat meinen Wunsch, auf seinem Boot zu segeln ernst genommen und zeigt mir jede Einzelheit. Gemeinsam senken wir den Kiel, sobald wir die Wellenbrecher der Hafeneinfahrt hinter uns gelassen haben. Nun gehts an die Segel - und davon gibts gleich einige! Als endlich das letzte Quadratmeter Segeltuch steht und das Schifferl langsam Fahrt in der leichten Brise aufnimmt, bin ich ordentlich verschwitzt. Es wird Zeit, dass ich mich hinter die Pinne klemme, denn heute kommen mir die Schiffsbewegung garnicht gut. Aber nicht nur wegen der Seekrankheit will ich ISSUMA steuern, hier bekomme ich eben doch am Ehesten ein Gefühl für dieses extravagante Boot. Der Stagsegelschoner ist interessant, doch uneingeschränkt begeistern kann mich das Schifferl nicht. Wer weiß, vielleicht liegt es ja an den alten und etwas ausgebeulten Segel, aber ich bin etwas enttäuscht, dass ISSUMA so sehr in den Wind schießen will. Immer wieder müssen wir das Großsegel ein klein wenig weiter aufmachen, doch verlieren wir so am Wind den ganzen Antrieb. Natürlich ist die leichte Brise für eine schwere Fahrtenyacht ohnehin eine Herausforderung, aber trotzdem scheint mir das Boot etwas zu langsam.

Segeln von Issuma

Trotz der vielen Segel wird uns irgendwann der leichte Wind doch noch zu wenig und so laufen wir unter Motor in Dana Point ein, wo LA BELLE EPOQUE bereits vor Anker liegt. Auch den Nachmittag nützen wir zu einem Test-Segelschlag, dieses Mal ist auch Jürgen mit dabei. Wir segeln gemächlich vor der weiten Küste üben uns im Schonersegeln und genießen den gemütlichen Tag. Das die Arktisyacht keinen Sonnenschutz überm Cockpit hat, darüber denken wir allerdings erst etwas spät nach und der erste Sonnenbrand in Jahren ist zumindest mir sicher!

Dana Point hat nur wenig zu bieten. Zwar erinnere ich mich von unserer ersten Reise nach Kalifornien nur zu gut an das hübsche San Juan de Capistrano etwas südlich von Dana Point, aber zu Fuß bleibt die Ansiedlung zu weit entfernt und neue Fahrräder standen vorerst nicht auf unserer Liste. Wir verbringen den Tag damit, einen Hafen für LA BELLE EPOQUE zu suchen, erfahren, das hier sämtliche Yachthäfen voll belegt sind und finden schließlich per Internet einen Platz bei Long Beach. Der Preis dort ist für Südkalifornien relativ günstig, wenn das auch nicht billig heißt. Allerdings müssen wir uns damit abfinden, dass die Gegend mitten im Industriehafen von Long Beach nicht besonders gut ist. Aber die Zeit drängt und wir müssen eine Entscheidung fällen. Mein Bruder muss endlich die Flug-Tickets reservieren und so sagen wir den Hafen in Long Beach zu.

Den Abend verbringen wir im Dana Point Yacht Club bei Richards Vortrag über die Nordwest Passage, der absolut sehenswert wird. Richard erzählt über sein extravagantes Schiff, seine Schwierigkeiten in Neufundland und seine Eindrücke in der Arktis. Seine Reise in die Nordwest Passage konnte er erst beim zweiten Anlauf bewältigen, nachdem ihm in der Baffin Bucht auf der Fahrt von Neufundland nach Grönland zwei Wanten gebrochen waren und es ISSUMA nur mit Müh und Not ohne Mastverlust zurück nach Neufundland schaffte.

Genauso interessant wie Richards Vortrag klingt für uns die zurückgelegte Reise eines seiner Crewmitglieder: Gemeinsam mit seinen Söhnen ist Rob vor einigen Jahren mit dem Kanu den Yukon River von Kanada über Alaska bis zur Bering See gepaddelt. Ein Abenteuer, das sofort unsere Begeisterung weckt. Die Vorstellung, noch einmal in die Hohen Breiten zurück zu kehren und dabei die Möglichkeit zu haben, weite Teile des Inlands zu durchqueren zieht uns in seinen Bann. Vielleicht können wir ja selber mal eine Kanureise durch Yukon Territory und Alaska in Angriff nehmen…

Am folgenden Tag verabschieden wir uns von Richard und seiner Crew. Diesesmal wird es wohl für länger sein, denn wir werden erst in ein bis zwei Monaten nach Mexico reisen um von dort aus weiter zu ziehen. Richard will allerdings zügig nach Südamerika gelangen, denn sein Plan lässt ihn nicht viel Zeit zum Trödeln: in zwei Jahren von British Kolumbien bis in die Antarktis, über Kap Horn zurück an die Ostküste und in den Norden bis New York. Wir geben ihm unsere Besten Wünsche für diese ehrgeizige Reise mit und sehen ISSUMA vom Cockpit aus nach, während sie aus dem Hafen schlüpft.

Nach einer Nacht vor Anker laufen wir in "unserem" Hafen in Long Beach ein. Die Anlage liegt mitten im Industriehafen, ist laut und geschäftig, aber die Stege sind ok gepflegt und die Hafenmeisterin Terry ist aufgeweckt und redselig. Ramon, der hier im Hafen arbeitet, und unser Stegnachbar Rig versprechen, ein Auge aufs Schiff zu werfen wehrend wir weg sind. So packen wir alles vom Deck ins Boot, schließen alle Schlagblenden und hängen die Backskisten mit Vorhangschlösser zu. Auch das neue Dingi ketten wir am Deck fest. Wir putzen die Solarpaneele, um auch wirklich genug Strom in den Batterien während unserer Abwesenheit zu haben und verschließen alle Seeventiele. Mehr können wir im Moment nicht machen.

Zwei Tage später lassen wir den Sommer hinter uns und Fliegen in den freiwilligen "Arbeitsurlaub", um am nächsten Morgen bereits in Traktor, LKW und Mähdrescher zu sitzen. Ich muss über die neue Situation lachen: Wie vom Leben am Meer gewöhnt verliert sich mein Blick in den beinahe ewig weiten Himmel. Das flache Land rückt den Horizont in die Weite. Ein Himmel, der mich mit seiner Schönheit an die wundersamen Hohen Breiten denken lässt: beeindruckende Sonnenauf- und Untergänge verwöhnen die Augen mit kräftigen Rosa-, Orange- und Rottönen und Frontdurchgänge sind von weiten zu beobachten. Wie unter Segel steuert auch nun das GPS und der Autopilot das Fahrzeug, sobald ich einen Knopf drücke und die Arbeit geht bald schon einfach von der Hand. Alle vier wechseln wir uns bei den Arbeiten stets ab, damit Jürgen und ich uns an allen Geräten üben können. Und während wir Reihe für Reihe den Mais dreschen, die Tocknungsanlage bedienen und die Silos füllen, die Felder grubbern und die Sojabohnen zu den Händler fahren, zieht hoch am Himmel eine Gruppe Graugänse nach der nächsten gen Süden.

Maisernte in Kanada

Da alle Maschinen meiner Brüder mit Sprechfunk ausgestattet sind, wissen wir stets, wo der andere ist, nur die abendliche Fahrt eines Bruders zur "Plum Cule Connection" scheint anfangs etwas mysteriös. Abends in der "Trocknerhütte", dem kleinen Bürogebäude am Farmplatz bei der Trocknungsanlage, klärt sich allerdings auch das: Die Tankstelle im etwas westlich gelegenen Plum Cule hat auf Anraten seiner kanadisch-österreichischen Kundschaft sein Bierlager erweitert - für meine Brüder ist nun stets Stiglbräu erhältlich! Am letzten Tag der Maisernte wird schließlich auch der BBQ ausgepackt, zum kleinen "Erntedankgrill" auf der Roseville Farm kommen auch die spontan vorbei. Ich selbst freu mich besonders über diese schöne Ernte, denn wieder einmal konnte ich spüren, die richtigen Entscheidungen in meinem Leben getroffen zu haben. Ich bin froh über die Möglichkeit, spontan meiner Familie helfen zu können und welche andere Lebensweise als die meine gibt einem schon die Freiheit, einfach mal eineinhalb Monate zur Aushilfe wegfliegen zu können?!

Es dauert nicht lange, überlässt der Herbst auch schon den ersten Winterboten das Feld. Schneegestöber und Minusgrade grüßen uns, doch kommen sie nicht zu früh und lediglich beim Waschen der Maschinen geraten meine Brüder in Eile. Ich allerdings habe ohnehin keine Zeit für Draußen mehr. Mein kleiner Neffe hält mich in Trab, während seine Mutter im Krankenhaus eine kleine Tochter zur Welt bringt. Die restlichen Tage bleiben intensive Familientage.

Unglaublich schnell fallen die Temperaturen. Mitte November zeigt der Thermometer bereits frostige -15 Grad und selbst beim Schneeschippen wird mir kalt. Doch sollte es noch dicker kommen: der letzte Tag in Kanada erinnert uns mit -28 Grad Celsius an die Zeit in der Arktis und bibernd vor Kälte steigen wir einen Tag später ins Flugzeug. Der Wetterbericht spricht von Temperaturen um die 30 Grad in Los Angeles und so bleibe ich ein bisschen gespannt, wie sich ein Temperaturunterschied von über 50 Grad wohl anfühlen wird!

Newport Beach

Kurzer Sonnenuntergang in Newport Beach - schade, hier im Süden dauert das Spektakel nur wenige Minuten!

Strand

Südkaliforniens Strände

Newprot Beach

"Sicherheit" auf Kalifornisch

Newport Beach

Endlos zeiht sich der Strand mit seinen schönen Strandhäusern dahin

Newport Beach

Auch Newoprt Harbor kann sich blicken lassen

Newort Harbor

Wasserfront als Lebensstil

Newport Harbor

Wasserspielzeug

Issuma Segeln

Segelausflug auf dem Stagsegelschoner ISSUMA

Issuma

Es dauert, bis alle Segel stehen...

Issuma Segeln

Gemeinsamer Nachmittäglicher Ausflug

Dana Point

Wir sind nicht alleine auf dem Wasser...

Maisernte

Plötzlich ist alles anders: Maisernte in Kanada

Kalifornien

Maisernte

Hermann und ich im Einsatz...

Maisernte

Andreas und Jürgen warten schon...

Maisernte

Immer wieder mal wechseln wir die Fahrzeuge

Feldbearbeitung

Mit dem sechs Meter breiten Traktor fühlt man sich am Feld durchaus besser aufgehoben als auf der Strasse. Noch vor Wintereinbruch schaffen wir es, alle Felder fürs kommende Jahr zu richten.

Haloween mit der Familie

Haloween mit der Familie - Ronan kämpft noch etwas mit dem Kürbis ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

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