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 Im Kielwasser der ENDEAVOUR

Morea

Ja, ja, ich weiß. Wir sind also im "Paradies" angekommen: die Gesellschaftsinseln - jene Inseln also, deren Namen schon vor Jahrhunderten die Menschen mit Südseeträume erfüllt haben. Wo weiße Sandstrände und türkisgrünes Wasser zum Verweilen einlädt, wo die Zeit langsamer verläuft und das Wetter das ganze Jahr über die Daseinsberechtigung von Socken in Frage stellt. Wo der Passat die Yachten sanft zwischen den Inseln fortbläst und die Gesänge und Tänze der Polynesier die lauen Abende versüßen. Wo schon vor Jahrhunderten der Landgang der alten Seebären mit Liebe gewürzt wurde und wo ganze Fregatten drohten, auseinander zu fallen, wenn sie zu lange vor Anker blieben, als Matrosen die Schiffsnägel für etwas menschliche Nähe eintauschten. Die Gesellschaftsinseln, die vom großen Kapitän Cook ihren Namen zu Ehren der Royal Society erhielten und deren Ruf bis heute nicht verblasst ist.

Und so ankern wir nach einem rauen, schnellen (ein Etmal von 170 Seemeilen kann sich "für uns" sehen lassen!) und etwas aufregendem Segeltörn in Bahie de Matavia, oder besser gesagt bei Venus Point auf Tahiti. Aufregend, weil unsere Freunde von BELLA VITA uns per Funk wissen lassen, dass sie Ruderprobleme haben und wir ständig ihre Position abfragen, um sie bei Ruderbruch oder Ruderverlust hoffentlich rechtzeitig erreichen können. Sie schaffen es glücklicherweise aus eigener Kraft nach Tahiti, bei der vier Meter hohen Kreuzsee und den frischen 6 Beaufort Wind wäre eine Bergung oder Schlepp ohnehin extrem schwierig geworden.

Hier in Bahie de Matavia auf Tahiti war es, wo auch die ENDEAVOUR während ihrer ersten Pazifikreise vor Anker lag, wo Kapitän Cook seine Messgeräte aufbauen ließ, um den genauen Verlauf der Venus zu dokumentieren. Und Kapitän Cook hat gut gewählt. Der Ankerplatz ist ruhig und gut geschützt, auch wenn er irgendwie ganz anders aussieht, als ich ihn mir vorgestellt habe. Denn anstelle von weißen Sandstränden streckt sich vor unserem Bug ein tiefschwarzer Vulkan-Sandstrand. Anstelle eines Dschungels aus Palmen und tropischen Gehölz sind die Städte Popoti, Haapape und Hitimahana zusammengewachsen und erfüllen die Luft mit Autolärm und die Ufer mit geschäftigen Treiben. Doch soll das kein Jammern sein, denn der schwarze Sandstrand ist sauber und schön, und die Menschen winken uns lächelnd zu, während wir bei unserer Suche nach einem Weg zur Strasse durch ihre Gärten stolpern.

Im Unterschied zu Kapitän Cook kann uns Venus Point nicht lange halten und schon am nächsten Tag gehts die paar Meilen in den Süden, auf nach Papeete, jener Südsee-Stadt, die mitunter eine Zeit lang zu Bernard Moitessier Wahlheimat wurde und die wohl seit jeher zu den besonderen Stationen einer jeden pazifischen Langfahrt zählte. Allerdings warnen die Segelunterlagen, dass Papeete einiges von seinem Charme eingebüßt haben sollte, seit in den 80gern die Hauptstrasse an die Wasserfront verlegt wurde und die beliebteste Bar der Segler im Zuge des Straßenbaus niederplaniert wurde. Doch was soll es uns jucken, welche "In-Bars" die Stadt vorzeigen kann und wo sich die Segler treffen, bei den unzähligen Segelbooten, die hier die Häfen und Ankerplätze füllen werden wir schon genug Gelegenheit haben, den einen oder anderen zu treffen und eine ganze Stadt nach einer Bar zu urteilen käme uns ohnehin nicht in den Sinn!

Bald ankern wir hinter dem ausgedehnten Korallenriff in Faa - und weil das Ankeraufgehen mit manueller Ankerwinde ja so lustig ist, ankern wir gleich noch ein zweites mal. Ja, wo viele Segler ankern, gibt es auch viel Gemaule ("You are too close - I was here first!" - daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, vor allem, wenn man im perfekten Abstand zu allen Yachten um einen liegt!).

Papeete selbst mit ihren lärmenden Gassen, bunten Häusern und großen Markt gefällt uns. Eine kleine "Großstadt", ein pulsierendes Herzstück der verschlafenen Südseeinseln. Winzige, dicht aneinander gedrängte Läden säumen das Zentrum. Geschäfte so klein, dass ein durchschnittlicher, österreichischer Tankstellenshop wie ein wahrer Supermarkt im Vergleich erscheinen würde. Läden für Tauchausrüstung und Fischereibedarf, Geschäfte gefüllt mit blumenbedruckte Stoffbahnen, Perlenhändler, kleine Krämer mit ein paar Haushaltsgeräte, dazwischen unzählige Kinos mit jeweils nur einem Saal, Handy-Anbieter, Boutiquen mit bunten und wunderbar femininen, bodenlangen Kleider in den winzigen Schaufenstern, Eisdielen, ein paar Bars und Cafés. Sie alle sind dicht gedrängt um die große Markthalle, wo Obst, Gemüse, frischer Fisch, Blumenkränze, Strohhüte und Muschelketten angeboten werden.

Im neuen Hafen von Papeete entdecken wir ein paar uns bekannte Yachten. So die Amerikanerin Eve, die wir mit ihrer schönen Yacht AUNTIE bereits in Mexico kennen lernen konnten ist angekommen und lädt zu einem Cocktailabend, und an Bord eines amerikanischen Katamaran gibts einen Potluck, was so viel heißt wie ein gemeinsamer Dinner-Abend, zu dem jeder Besuch ein Gericht mit bringt.

Wir verbringen Tage in Papeete, sausen mit dem Bus zwischen Ankerplatz und Zentrum hin und her und nutzen den großen Supermarkt gleich um die Ecke des Dingi-Stegs. Doch der Ankerplatz selbst ist groß und unruhig, täglich lässt der böige Wind die Yachten in den Wellen tanzen und eine Regenfront nach der anderen zieht durch. Es wird Zeit, von hier zu verschwinden, nachdem Arek und Jürgen per Tauchgang das Ruder von BELLA VITA ordentlich untersucht haben. Obwohl unsere Freunde nirgends Aufgelaufen waren hat sich ein hässlicher Riss im Ruderskeg geöffnet und so muss die Yacht an Land gestellt und repariert werden. Wir verabschieden uns von Iwona und Arek und hieven den Anker an Deck. Unter gerefften Segeln geht´s bei steifen Wind in die Nacht - auf zu den traumhaften Inseln von Huahine.

Huahine, das aus zwei Inseln besteht, mit einer großen, türkis schimmernden Lagune umringt von einem breiten Korallenriff und etlichen Motus. Zwischen den Riffen und Motus gibt es in Huahine vier verschiedene Einfahrten, die genützt werden können, zwei sichere Einfahrten an der Nordwestküste der Hauptinsel Huahine Nui, und zwei weitere Pässe an der Ostseite zwischen den beiden Inseln. Unter Seglern gelten die ostseitigen Pässe stets als gefährlich - und das nicht ohne Grund. Denn das Wasser der Lagunen läuft wie in Flüssen aus den Pässen und baut sich mitunter zu gefährlicher See auf, sobald es gegen die Dünung des Pazifiks arbeitet. Eine Waschküche, umringt mit gefährlichen Brechern auf den Riffen zu beider Seiten. Doch wir wollen einen weniger besuchten Ankerplatz anlaufen und beschließen, uns die südöstliche Einfahrt anzusehen.

Wir haben Glück. Der Wind beruhigt sich kurz vor unserer Ankunft und die Einfahrt liegt ruhig und gut markiert vor uns. Wir haben nur zwei bis drei Knoten Gegenstrom und laufen den Pass unter Segel ein. Bald schon müssen wir die Segel allerdings streichen. In der Lagune von Huahine Iti gibts keine Seekarten, der Wind hat uns auf die Nase gedreht und es ist leichter, sich den Weg zwischen den Korallenköpfen unter Motor zu suchen. Seichtes, glasklares Wasser lässt uns deutlich den Meeresgrund unterm Boot erkennen und so fällt es leicht, einen sandigen Platz ohne Korallenköpfe als idealen Ankerplatz zu finden. Noch ein paar Minuten geschäftiges Treiben - Anker einfahren, Segel abdecken, Sonnenschutz über die Luken spannen, Polster ins Cockpit schmeißen und die Ankerposition ins Logbuch eintragen - und endlich kehrt Ruhe ein. In einer herrlichen Ankerbucht anzukommen ist wohl das Beste am Segeln!

Es dauert nicht lange und wir haben Besuch. Paul, der am Motu Murimahoa eine Palmplantage betreibt und vor dessen Haustüre wir geankert haben, heißt uns mit seinem Auslegerkanu herzlich willkommen. Ein paar Trinknüsse wandern an Deck und wir freuen uns über die Einlandung, ihn auf seiner Plantage zu besuchen. Paul ist taubstumm und wir sind begeistert, wie gut wir trotzdem miteinander kommunizieren können. Er kann einige englische Wörter von unseren Lippen lesen, der Rest geht mit Handzeichen, die wir schnell übersetzen können. Seine Plantage liegt vorbildlich gepflegt zwischen der Lagune und dem weißen Sandstrand zum Außenriff. Gewissenhaft zeigt uns Paul, wie Kopra produziert wird, wie man Palmen richtig pflanzt, welche unterschiedlichen Reifestadien der Kokosnüsse es gibt und was es auf dem Motu alles zu tun gibt.

Kokosplantage auf Huahine

Zurück an Bord tratschen wir mit Arek über Funk und erfahren, das BELLA VITA am Weg zur Nachbarinsel Raiatea ist. Die Werft in Tahiti war ausgebucht, als Alternative bleibt der Bootskran in Raiatea. Wir überzeugen die beiden, einen Stop bei uns hier einzulegen und die Insel mit uns zu genießen. So wird Huahine zu unserem schönsten Stop auf den Gesellschaftsinseln. Paul ist begeistert von der Gesellschaft und versüßt unseren Aufenthalt. Er zeigt uns den Wanderweg zum Gipfel von Huahine Iti, wo die Aussicht auf die Lagune nicht schöner sein könnte. Abends gibts Dinner auf BELLA VITA oder Potluck mit Lagerfeuer am Strand. Arek und Iwona leihen uns ihre Fahrräder und wir unternehmen eine Rundtour um die Insel, während sie gemeinsam mit Paul auf Jagd nach Fischen schnorcheln. Und zu guter Letzt überreicht uns Paul noch etliche Papayas und Trinknüsse, damit wir ihn nicht so schnell vergessen.

Raiatea ist nicht weit, doch für mich wird die Etappe zur Tortur. Während wir das Dingi an Bord hieven zerre ich mir einen Muskel im Rücken und bald schon kann ich mich kaum noch bewegen. So wird Jürgen zum Einhandsegler und Raiatea - die Insel der einstigen Großmeister der zwölf Logen von Arioi, Hauptinsel der Polynesier lange bevor die Europäer die Südsee für sich entdeckten, Spiritueller Sitz der alten Kultur, Ausgangsort der Orakel sowie Prophezeiungen und Schauplatz verstärkter Menschenopfer zur Befriedigung der Kriegsgötter - bleibt für mich jene Insel, die ich bewegungslos vom Ankerplatz aus erspähen konnte. Es ist wie verhext. Nachdem ich mich endlich wieder bewegen kann, ändert sich das Wetter: Starkwind aus Süd und unzählige Regenfronten lassen uns nicht mehr von Bord. Irgendwann geben wir auf, verabschieden uns von BELLA VITA und setzten die Segel zur nächsten Gesellschaftsinseln.

Bora Bora.

Doch die berühmteste aller Südseeinseln kann uns abgebrühte Paradiessegler nicht mehr erstaunen. Zwar ist die Insel selbst schön, doch das Dorf an ihrem Ufer ist in unseren Augen nur ein hässlicher Abklatsch der hübschen Dörfer Französisch Polynesiens. Die Lagune ist gefüllt mit Touristen und die Ufer der Motus sind bebaut mit Resorts. Vor einigen Jahren hat ein Zyklon die Korallenriffe von Bora Bora schwer beschädigt und so entdecken wir kaum Leben unterm Boot. Und zu allem Übel will sich das verregnete Wetter nicht mehr bessern. Klatschnass stehen wir in den Regenböen während auf der Inselbühne im Dorf für uns Touristen getanzt und gesungen wird.

Bora Bora

Bora Bora kann uns nicht länger halten. Ein kurzer Gang zur Ausklarierung und schon segeln wir die 135 Seemeilen zu unserer letzten Gesellschaftsinsel. Maupihaa ist ein kleines Atoll ohne Hauptinsel, ein ringförmiges Korallenriff mit einigen Motus um die herrlich schöne Lagune. Ein einziger Pass kann mit einem Boot befahren werden - er ist extrem schmal und seicht. Originalton eines alten Küstenhandbuches: "Ein einwandfrei funktionierender Motor und ein starkes Nervenkleid ist für diesen Pass notwendig!", oder, wie sich ein kanadischer Segler ausdrückt: "This pass separates the man from the boys!" Noch dazu stimmen die Seekarten nicht. Wir finden den Pass knappe 200 Meter südlicher als auf der Karte eingezeichnet und schlüpfen gegen vier Knoten Strömung langsam durch.

In der Lagune ist es ruhig und unberührt, ein paar Yachten wiegen sich vor Anker und bald kreisen ein paar kleine Haie um unser Boot. Doch Ruhe herrscht bekanntlich vor dem Sturm und nach einem Tag, den wir für Arbeiten an den Segeln und zum Anbringen von Schamfilschutz im Rigg nützen, bläst der Wind zum Auftakt. Wie aus dem Lehrbuch dreht der Sturm nach Südost und über zwei Tage fegt der berüchtigte Maraamu-Wind über uns, baut beachtliche Wellen in der Lagune auf und lässt LA BELLE EPOQUE an ihrem Ankergeschirr reißen und zerren. Doch die Wetterkarten zeigen: Sobald der Sturm durch ist, stellt sich steter Ost-Südost Wind mit 6 Beaufort ein. Perfektes Wetter für unseren Abschied aus Französisch Polynesien! Doch werden wir mit grober See rechnen müssen - unruhiges Wetter weit im Süden bringen 4 Meter Kreuzsee aus Südwest gegen 3 Meter Windsee aus Ost - und so ändern wir unsere Pläne. Anstelle weiter Südlich zu halten und die Insel Niue anzulaufen gehen wir auf Ostkurs. 600 raue Seemeilen trennen uns von Suwarrow - dem Inselnationalpark der Gruppe der Nördlichen Cook Inseln.

Auslegerkanu

Paul in seinem Auslegerkanu in der Lagune von Huahine

Dingiausflug

Unglaublich, wie viele Leute in unser kleines Dingi passen!

Ankern in Huahine

Abendstimmung vor Anker mit Huahine Nui im Hintergrund

Ankern in Huahine

Tolle Aussicht über die Ankerbucht von Huahine Iti

Huahine

Aussicht über den Pass, das Außenriff und die Motus von Huahines Ostküste

Wanderung in Huahine Iti

Wanderung mit Paul in Huahine Iti

Fischen

Auf Jagd nach dem Abendessen

Pirotfish

Die Fische der Lagunen können nur gegessen werden, nachdem Einheimische Ciguatera-Entwarnung geben!

Cruiserdinner

Dinner auf BELLA VITA

Huahine

Pauls Daheim, seinen Strombedarf deckt Paul mit Solarzellen

Potluck am Strand

Potluckabend am Strand

Lagerfeuer

Iwona spielt mit dem Feuer

Huahine

Wir genießen die Abenstimmung am Strand...

Fischen

...während Paul am Außenriff fischt.

Trommler

Immer wieder treffen wir auf den Inseln Trommelgruppen

Huahine

Fahratausflug auf Huahine: Eine kleine Brücke verbindet die beiden Inseln Huahine Nui und Huahine Iti

Huahine Iti

Beschauliches Leben auf Huahine Iti

Huahine Iti

Wunderschöne Vegetation auf der Insel

Huahine Iti

Wir legen eine Pause am Südwestufer von Huahine Iti ein

Huahine Iti

... wo der weiße Sandstrand in der Sonne leuchtet

Huahine Iti

Ein kleines Resort auf einem Motu von Huahine

Raiatea

Wir segeln nach Raiatea

Raiatea

... und ankern hinter einem kleinem Motu

Uturoa, das größte Dorf von Raiatea

Uturoa, das größte Dorf von Raiatea

Bora Bora Ankerplatz

Wir erreichen einen Ankerplatz von Bora Bora

Bora Bora

...und genießen einen der letzten Tage mit Sonnenschein.

Polynesischer Tanz

Abendunterhaltung in Bora-Bora: der Tanz der Polynesier

Polynesischer Tanz

Verschiedene Tanzgruppen zeigen, was sie können

Maupihaa

Ankern in der Lagune von Maupihaa

Arbeiten am Rigg in Maupihaa

Arbeiten am Rigg und Segel in Maupihaa

 

 

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