Segeln nach Ushuaia
  
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Del fin del mundo

Segeln in Feuerland

30kg Mehl, 10kg Roggenmehl, 10kg Vollkornmehl, 3kg diverse Körner für Brot (Leinsamen, Sesam, Sonnenblume, Kürbiskern,...), 1kg Trockengerm. 5kg Müsli, 5kg Zucker, 5kg Milchpulver. 20kg Nudel, 20kg Reis. 200 Müsliriegel, unser "Gutsi" (Leckerbissen) für die langen Nachtwachen! 120 Rollen Klopapier, 10 Tuben Zahnpaste. Wie schaut eigentlich eine Einkaufsliste aus, wenn man die kommenden zehn Monate auf See und in kaum besiedelte Gebiete reisen will? Zwölf- bis vierzehntausend Seemeilen liegen vor unserem Bug. Seemeilen, die uns durch aufregende und herausfordernde Seegebiete dieser Erde führen werden, gefolgt von der Überquerung des Atlantiks von Süd nach Nord. Mindestens hundert Tage werden wir ohne Landsicht auf See sein. Dazwischen Monate, Wochen oder auch nur Tage an entferntesten Küsten.

Zugegeben. Eigentlich wird Argentinien nicht die letzte Einkaufsmöglichkeit für die nächsten Monate bleiben. Doch erwarten wir uns höhere Preise in Port Stanley. Immerhin liegt diese Stadt auf den einsamen Falkland Inseln und alles muss von Europa herbei geschafft werden. Und so haben wir Ushuaia zu unserem letzten großen Provianthafen für die kommenden zehn Monate erkoren. Zumindest für alle haltbaren Lebensmittel und Verbrauchsgüter.

Einen ganzen Tag haben wir damit verbracht, alle Schapps von LA BELLE EPOQUE auszuräumen und erst mal eine Bestandsaufnahme zu machen: Wie viele Lebensmittel sind eigentlich an Bord und was muss alles aufgestockt werden. Die letzten Monate in der Einsamkeit entlang der Patagonischen Kanäle ist ganz schön was durchgegangen, aber auch wenn ich keine Proviantlisten führe, gab´s keine Überraschungen an Bord. Klar, die eine oder andere Dose tief in der Bilge war bereits vergessen, aber wer hätte auch gedacht, dass da immer noch eine Tube Salsa und eine Dose Bohnenmus aus Mexiko an Bord ist? Und sollte da nicht irgendwo noch ein Glas Oliven sein? Einiges ist noch an Bord von den letzten chilenischen Ortschaften: 30kg Mehl zum Beispiel, oder 2kg Chilisauce.

Dann gehts los: Einkaufswagen für Einkaufswagen voll Lebensmittel schleppen wir aus dem nächsten Supermarkt. Der Wachmann am Ausgang des Geschäfts kennt uns bereits, grinst uns täglich an "Buenas, Marineros." Hier in Ushuaia ist es keine Besonderheit, weiße Touristen dabei zu beobachten, wie sie in verrückten Mengen einkaufen, man weiß sofort, dass es sich nur um Segler handeln kann. Die Taxifahrt vom Supermarkt zum Club Nautico, an dessen Steg LA BELLE EPOQUE an ihren Trossen zerrt, schlägt sich mit umgerechnet eineinhalb bis zwei Euro zu Buche. Ein Betrag, der bei unseren Einkaufslisten vollkommen untergeht. So leisten wir uns den Luxus, selbst leichte Ladungen zum Steg kutschieren zu lassen. Aber ein Taxi voll Klopapier? Unser Fahrer macht große Augen.

Zwischendurch schlendern wir durch die hübsche Stadt am Ende der Welt. Die Touristensaison hat noch nicht angefangen und es treiben sich nur wenige Rucksacktouristen auf den Straßen herum. Trotzdem versucht die Stadt, auch um diese Jahreszeit ihre Highlights zu verkaufen. Ein Pinguin - oder besser gesagt ein Argentinier im Pinguin-Outfit - entdeckt uns und drückt uns eine Werbebroschüre des Touristenverbands in die Hände. Wir erfahren, dass wir mit dem "Zug am Ende der Welt" fahren, oder eine Bootstour zum "Leuchtturm am Ende der Welt" buchen könnten. Die Gastlandflagge kaufen wir im "World´s End" Souvenirshop. Restaurants bewerben ihre gegrillten Lämmer und gekochten Königskrabben nach Art - man kanns erraten - "Del fin del mundo" - "am Ende der Welt".

Ushuaia

Die Stadt ist aufgeräumt und sauber, die Lebensqualität scheint am ersten Blick etwas höher als in Chile zu sein. Vielleicht ist das aber auch nur der Süden des Landes, so genau können wir das natürlich nicht sagen. Die Menschen selbst sind sich ihrer Optik bewusst, auf Mode scheint man hier Wert zu legen und ich bin froh, für den ersten Stadtbummel meine Trekkingschuhe gewählt zu haben und nicht wie üblich in meiner liebsten aber verschlissensten Arbeitsjacke und den ausgelatschten Gummistiefel herumzulaufen.

So nett die Stadt ist, dass wirklich Schöne an Ushuaia ist sein Umland. Majestätisch rahmen die schneeverhangenen Gipfel Feuerlands die Stadt ein, der Beagle Kanal erlaubt die Sicht nach Chile am gegenüberliegenden Ufer.

Wie auch Chile hat Argentinien einige Einwanderungswellen erlebt. Um die Vielfalt der Kulturen zu feiern und sich der Abstammung der Immigrierten zu erinnern, feiert Ushuaia die "Fiesta de las Colectividades". Ein Fest, bei dem eingewanderte Völker ihre Herkunft präsentieren. Trachten und Tänze werden gezeigt und Stände verkaufen traditionelle Snacks. Freilich, viel mitgebrachte Kultur hat mittlerweile argentinischen Einfluss: So fänden die deutschen Würstchen wenig Anerkennung in Mitteleuropa, und die arabischen Bauchtänze haben etwas an südamerikanischer Freizügigkeit. Aber gerade das ist auch das Schöne an diesem Fest: Gefeiert wird ein buntes Volk, das hier zuhause ist. Einwanderung kann auch positiv gesehen werden. Wie interessant wäre es wohl, ein ähnliches Fest in meinem Heimatbezirk in Österreich zu erleben!

Fiesta de las Colectividades

Die Nacht nach dem Fest wird wieder einmal ungemütlich. Die Berge sind mitunter Schuld daran, dass der Hafen alles andere als ruhig ist. Durchziehende Sturmtief schicken alle paar Tage Fallwinde von den Berghängen, blasen den Staub der Straßen bis auf die Boote und lassen die Yachten ungemütlich an ihren Trossen zerren. Der Steg selbst schützt uns vor den wilden Westwinden, doch erleben wir auch Nordost, der die Yachten im Paket ungemütlich aneinanderdrückt. LA BELLE ist wieder einmal die schwerste im Bunde und so sorgen wir uns einen Tag ein wenig um die arme GFK-Yacht, an dessen Bordwand sich unsere alte Lady reibt, bis die Fender fast platt sind. Doch Tete, der argentinische Eigner der Yacht, ist mit einem unglaublich dicken Fender zur Stelle. Im Gegenzug dafür lockern wir seine Trossen. Bei Westwind halten nun unsere dicken Festmacher alle drei aneinandergezurrten Yachten sicher am Steg.

Tete ist auch zur Stelle, uns bei der Suche nach einer Werkstätte für unsere Ersatzlichtmaschine zu helfen. Nach nur wenigen Tagen können wir uns die komplett überholte Lichtmaschine abholen, nun haben wir wieder zwei davon an Bord.

Bald haben wir fast alle unsere Arbeiten hier erledigt. Noch halten uns ein paar letzte Einkäufe und das momentane Wetter im Hafen. Doch in wenigen Tagen werden wir auch Ushuaia unser Heck zukehren und weiter in Richtung Osten ziehen, den restlichen Beagle Kanal besegeln und die argentinische Insel ganz im Südosten besuchen: Isla de los Estados - Staten Insel. Und nein, das chilenische Kap Horn steht erst einmal nicht auf unserer Liste. Vorerst werden wir in Argentinien bleiben. Wir werden noch bald genug den Süden dieses Kontinents in unserem Kielwasser sehen, wenn wir im kommenden Südsommer unseren Bug in die notorische Drake Passage drehen.

 

 

Erste Eindrücke von Ushuaia

Erste Eindrücke von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt

Antarktis Explorer

Die argentinischen Helden der Antarktis

Möven

Die hübschen Möven des Südens sind grau.

Wrack im Hafen von Ushuaia

Das Wrack im Hafen von Ushuaia

Club Nautico

Club Nautico, selten leisten wir uns den Luxus des Liegeplatz am Steg, hier in Ushuaia ist allerdings der Ankerplatz von Fallwinden geplagt und der Steg ist billig.

Aussicht auf Ushuaia

... und der Steg bietet die beste Aussicht auf die Stadt.

Festival der Immigranten

Wir besuchen das bunte Festival der Immigranten von Argentinien

Stolz auf die Nationalität und einladend für Immigranten gleichzeitig

Man darf stolz auf die eigene Nationalität sein und dennoch Immigranten willkommen heißen.

Festival der Immigranten

Tanzvorführungen am Festival der Immigranten

Tänzer

... andere kleine Tänzer warten auf ihre Vorführung

Tanz

Ein traditioneller Tanz aus den Anden

Spaß mit der Tracht aus dem Land der Großeltern.

Abendlicher Ausblick vom Boot aus

Abendlicher Ausblick vom Boot aus.

Segelyachten in Ushuaia

Noch ist es ruhig am Steg, aber während der Nacht zieht der nächste Sturm auf.

 

 

 

 

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Fahrtensegeln in Feuerland, mit der Segelyacht nach Ushuaia, Segeln in Argentinien, Blauwasser in Patagonien, unter Segel ans Ende der Welt, vom Pazifik in den Atlantik,

 

 

 

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