blauwassersegeln zu den Falkland Inseln
  
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Willkommen im Südatlantik!

Friedhof der Segelschiffe

Le Maire Straße, Staaten Insel, Südatlantik

54°50 Süd, 65°00 West. Stur dreht LA BELLE EPOQUE ihren Bug durch den Wind. Die kleinen Starkwindsegel schlagen, kommen back und drücken den Bug weiter vom Kurs, während Jürgen hart am Ruder arbeitet, um dem Boot den Eigensinn zu nehmen. Doch La Belle scheint an der Stelle festgebunden zu sein. Die Nacht ist stockdunkel und vom Deck aus lassen sich die Wasserwirbel und Strömungswellen nicht erkennen. Ein großer Wasserwirbel muss uns gepackt haben, denn das Schifferl reagiert nur unbedeutend auf die Anweisungen vom Ruder. Wieder und wieder schütteln die Segel den stürmischen Wind aus, während sich das Boot im Kreis dreht.


Mittlerweile stehe auch ich verschlafen im Steuerhaus. Jürgen springt auf Deck und trimmt an den Segeln. Ich starte den Motor und versuche, mit etwas Dieselkraft nachzuhelfen. LA BELLE EPOQUE bockt, torkelt, schlingert. Sie dreht im Kreis, bricht nach allen Seiten aus. Weiße Gischt fliegt über den Bug, dunkle See schlägt auf das Deck ein. Brutal fällt das Schifferl von den Wellen. Die Strömung der Le Maire Straße will uns nicht aus ihrer Gewalt entlassen.
Dann ist der Spuk vorbei. Ich betrachte die Tiefenlinien auf der Seekarte, suche nach einer Erklärung. Wir sind immer noch mitten in der Le Maire Straße, der wilden Wasserstraße zwischen Argentiniens Südspitze und der vorgelagerten Staaten Insel und ich finde keine Begründung, weshalb uns die Strömung aus ihren Fängen entlassen hat.


Nur langsam hebt sich die Dunkelheit der Nacht. Trostlose graue Morgenstimmung macht sich breit. Steuerbords voraus leuchtet eine weiße Nebelwand, nur schleierhaft lassen sich die dunklen Klippen von Kap Galeano erkennen. Wir ziehen daran vorüber, runden Kap San Antonio und erreichen müde und zerschlagen die große Bucht von Puerto Hoppner. Zwischen kleinen vorgelagerten Insel gehts unter gerefften Segeln in die atemberaubend unberührte Bucht. Das Echolot schreit seine Warnungen, es sieht kaum noch einen Meter Wasser unterm Kiel. Doch kann es mir meine staunende Ruhe nicht nehmen, Jürgen am Vordeck hat mir längst angedeutet, dass das Wasser tief, aber voller Tang ist.


Wir haben es noch nicht ganz geschafft. Die große Bucht von Puerto Hoppner ist nicht genügend geschützt, um hier den Anker fallen zu lassen. Eine schmale Einfahrt führt in eine weiter, innere Bucht, den einzig wirklich guten Ankerplatz der ganzen Insel. Das Küstenhandbuch warnt: Bis zu fünf Knoten Strömung mit stehenden Wellen können an dieser seichten und schmalen Einfahrt stehen. Unser Timing ist gut, die Ebbe hat gerade erst eingesetzt, wir werden nicht zu viel Strömung und noch genügend Wasserstand vorfinden. Trotzdem bleibt mir das Herz fast stehen, als ich die Einfahrt in die Bucht vorm Bug entdecke. Die Meeresdünung schlägt auf die Felsen zu beider Seiten, die Einfahrt ist gerade mal um die sechs oder sieben Meter breit. Hier gibt es keinen Platz für Fehler!
Augen zu und durch. Ich drücke den Gashebel nach vorne. Ich weiß, dass wir genug Fahrt im Schifferl haben müssen, um manövrierfähig zu bleiben. Sollte die Einfahrt doch zu seicht für uns sein, wird es unschön rumpeln! Jürgen steht am Bug, gibt Handzeichen und dirigiert mich durch die unglaublich enge Stelle. Das Echolot fällt erneut auf einen Meter und ich befürchte kurz, sowohl mit dem Kiel wie auch mit der Bordwand an den Felsen zu kratzen. Schon ist alles vorbei. La Belle Epoque tuckert durch das glasklare, stille Wasser einer dunkelgrünen, weltvergessenen Bucht, eingerahmt von steilen Granitwänden, deren Gipfel wie mit Puderzucker beschneit leuchten. Kleine Wasserfälle bringen frisches Schmelzwasser bis ins Meer und leichtes Rauschen vom Wind ist in den knorrigen Bäumen entlang der Küste zu hören. Ein paar Enten schwimmen gemächlich dem Ufer entlang und auf den schwarzen Felsen lassen zwei Kormorane ihr Gefieder trocknen. Wir sind in einem kleinen Paradies angekommen.

Puerto Hoppner, Staaten Insel


Wir bleiben Tage, ja fast Wochen in unserer kleinen, feinen Paradiesbucht. Fahren Ausflüge mit dem Dingi, wandern bei Ebbe über die Steinküsten, bestaunen die Williwaws, die während der durchziehenden Stürme das Wasser mit weißem Spray überfliegen.


Irgendwann geben die Wetterprognosen grünes Licht - es wird Zeit, ein Stück weiter zu ziehen und den windgeplagten Falkland Inseln einen Besuch abzustatten. Nach all der Zeit in den Kanälen von Patagonien brennen wir darauf, eine kurze Reise durch das Südmeer zu unternehmen. Wir wollen uns noch vor unserer Reise durch die Drake Passage erneut an die raue See gewöhnen und das Biest der Seekrankheit von Bord verbannen.


Falkland Insel verhüllt sich mysteriös vor unseren Augen: Obwohl wir bereits in der Einfahrt zur großen Bucht vor Stanley segeln, ist das niedrige Land um uns im wässrigen Nebel kaum zu sehen. Dann wird die Sicht etwas besser, ein paar Felsen, weiße Sandsträne und niedrige, baumlose Ufer tauchen auf. Ein Frachter ankert in der Bucht von Port William. Wir erreichen Stanley Hafen, wo am Steg bereits der Funker Bob samt Frau Janet und den befreundeten Segler Thies warten, um unsere Trossen in Empfang zu nehmen. Noch am selben Abend kommt Sam vorbei. Die junge Zollbeamtin lacht über ihre eigene gute Laune und erzählt uns von ihrem neuseeländischen Freund, der acht Monate im Jahr auf einem Fischkutter durch die Südmeere dampft. Das Fischen ist hier auf den Falkland Inseln ein wichtiges Thema. Um die fünfzig Fischkutter tummeln sich gerade um die Inselgruppe, die Fischgründe zählen zu den ergiebigsten der Welt.
Stanley präsentiert sich als englischer Außenposten. Telefonlose rote Telefonzellen zieren die Straßen, englische Pubs werben für ihre Biere. Sauber gewaschene Straßen, kleine Häuschen, angelegte Gärten. Landrover als beliebtester fahrbarer Untersatz. Überall stehen Kriegsdenkmähler. Der Disput über die Staatszugehörigkeit der Inselgruppe ist zwar schon alt, aber die letzte Zuspitzung der politischen Zwistigkeiten ist nicht lange her. Der Falklandkrieg in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat bis heute seine Spuren auf der Insel hinterlassen. An vielen Stränden rund um Stanley warnen Hinweißschilder vor möglichen Tretmienen. Die Grundeinstellung vieler Falkländer gegenüber Argentinier ist weniger fein. Noch älter als die Kriegsdenkmäler sind die vielen Wracks in den Buchten. Die Falkland Inseln liegen in der alten Schifffahrtsstraße rund Südamerika.

Falkland Insel


Wir aber beschäftigen uns nur wenig mit der Geschichte der Inselgruppe, unsere Zeit ist gefüllt mit sympathisch Begegnungen. Beim Abendessen bei Bob und Janet lernen wir die Extremsegler Thies und Kiki besser kennen. Zwei bemerkenswerte Menschen, die seit vielen Jahren auf einer bekannten Holzyacht unterwegs sind: der WANDERER III, einst von den "Ureltern des Fahrtensegelns" - den Hiscocks - gesegelt. Nicht nur die Yacht von Thies und Kiki ist bemerkenswert. Die beiden Segler sind von der "alten Schule". Bis vor zwei Jahren wurde auf der stromlosen WANDERER III immer noch traditionell per Sextant navigiert. Es gibt keine Autopiloten oder sonstige moderne Hilfen. Auch fehlt eine Sprayhood. Anstelle diesem muss den Wachhabenden eben gut isolierte Arbeitskleidung aus der Fischerei vor den Elementen schützen. Dafür gibt es einen unglaublichen Schatz an Erfahrungen und einen Blick für das Wesentliche an Bord. Dem deutsch-schwedischen Segelpaar fehlt es nicht an Mut und Abenteuerlust. Ihre Reisen haben sie unter anderem bis in die Antarktis geführt und sie können auf eine Überwinterung in Südgeorgien zurückblicken.


Ah, Südgeorgien. Ein Mythos für jeden Fahrtensegler in den hohen Breiten! Wie gerne würden auch wir die Leinen lösen und die siebenhundert Seemeilen in den Südosten ziehen. Zu einer der unglaublichsten subantarktischen Inseln dieser Welt. Doch sind die Zeiten vorbei, in denen der Süden frei und für jedermann erreichbar war. Heute wird Umwelt- und Tierschutz vorgehalten, was in Wahrheit eine immer größtere Geldmaschinerie mit Tourismus ist. Gebühren pro Kopf und Schiff und alle möglichen Versicherung-Verpflichtungen sind von einfachen Blauwasserseglern wie uns kaum noch zu begleichen. Und das scheint den englischen Behörden ganz gut zu passen, bringen doch große Kreuzfahrtschiffe viel mehr Besucher und damit viel mehr Geld. Ob Pinguine und Seeelefanten wirklich besser geschützt werden, indem ein paar Segler vom Besuch abgehalten werden, während tausende Kreuzfahrttouristen im Jahr zu den Kolonien latschen, das sei mal dahingestellt!


So sehr wir unserer Liebe zu den weltfremden, kalten Inseln dieser Welt frönen, überhöhte Besuchsgebühren zu bezahlen und per Formulare Behörden zu bezirzen entspricht weder unseren Möglichkeiten noch unseren Weltanschauungen. Wir werden keine Formulare für einen Besuch ausfüllen und unser Bankkonto nicht berauben. Eine Entscheidung, die allerdings auch ein bisschen Bauchweh bringt. Denn hoffentlich bringt uns diese Entscheidung nicht in Teufels Küche. Denn das Südmeer ist ein harter Freund und ein Stop auf Südgeorgien könnte uns auf unserer geplanten Fahrt in ein paar Monaten von der Antarktis in den Norden zur Insel von St. Helena durchaus vor einem feisten Sturm auf See bewahren.


Das Leben kommt selten wie geplant. Dass sich unsere Sehnsucht, doch noch Südgeorgien zu besuchen schon in wenigen Tagen erfüllen wird, können wir nicht ahnen. Wir liegen erst einige wenige Tage in Stanley, als ein bekanntes deutsches Chartersegelboot neben uns festmacht. Wolf und Jeannete werden mit ihrer SANTA MARIA AUSTRALIS eine Filmcrew nach Südgeorgien segeln und es fehlt ihnen an Crew. Nachdem wir ihnen einen Tag helfen, neue Filter in ihr Dieselsystem einzubauen kommt die Frage, ob wir sie nicht als Crew an Bord die kommenden sechs Wochen begleiten wollen.

Am Steg von Stanley Hafen neben SMA


Dann geht alles schnell. Ein sicherer Hafen für LA BELLE EPOQUE muss gesucht, das Boot auf seine Zeit alleine vorbereitet werden. Lebensmittel für die Reise muss besorgt und bestmöglich verstaut und die letzten Arbeiten an Bord der SANTA MARIA AUSTRALIS müssen erledigt werden. Ein letzter Abend mit Thies und Kiki und der folgende Abschied: WANDERER III wird wenige Tage vor uns ebenfalls in Richtung Südgeorgien ablegen. Die beiden sind auf dem Weg, um für ein staatliches Projekt gegen eingeschleppte Ratten zu arbeiten. Am nächsten Morgen Umzug auf die SANTA MARIA AUSTRALIS, noch schnell zum Internet, die quartalsmäßige Steuererklärung zu senden und schon lösen wir die Leinen. Schade, dass die Zeit keinen neuen Bericht in unserer Homepage zulässt! Dann lösen wir die Trossen.


Sechs Wochen liegen vor uns. Sechs Wochen, während der wir als Crew durch das Südmeer ziehen und die wunderbarste subantarktische Insel besuchen werden, die wir uns erträumen könnten!

Staaten Insel

Vor "Anker" in Puerto Hoppner, Staaten Insel

Staaten Insel

Am Abend reißt endlich der Himmel auf. Ein paar wunderschöne Tage warten auf uns in unserer kleinen Paradiesbucht.

Feuer über Feuerland

Feuer über Feuerland!

Staaten Insel

Bäche von Schmelzwasser schießen in die Bucht von Puerto Hoppner

Traumtage

Traumtage in unberührter Wildniss

Puerto Hoppner, Staaten Insel

Staaten Insel...

Falkland Insel

... was für ein krasser Unterschied. Die flache Ostküste von Falkland Insel!

Port Stanley

Wir treffen auf wenige Segelboote in Port Stanley, Falklands.

Port Stanley

Eines der ehemaligen Segelyachten unserer neuen Freunde Bob und Janet.

Port Stanley

Wir wandern um die große Bucht von Port Stanley. Viele Strände sind mittlerweile von den argentinischen Tretmienen gereinigt. Dennoch heißt es aufzupassen, wohin man tritt!

 

 

 

 

 

 

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