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Zwischen Gletscherzungen und Teufelsbuchten

Gletscher San Raffael

"Bahia Añihué: erstklassiger Ankerplatz, geschützt bei allen Winden, selbst bei Sturm aus NW. Das Land gehört der Familie von Rachel und Alan, Chilenen/Amerikaner, die Fahrtensegler willkommen heißen und auch am patagonischen Funknetz der Fahrtensegler teilhaben. Die innere Lagune kann mit dem Dingi befahren werden, sie ist ein ausgesprochenes Naturparadies mit beeindruckender Flora und Fauna. Alan hat am Ende der Lagune einen Trail zum über zehn Kilometer entfernten Vulkan Mt. Melimoyu (2400m) in den Dschungel geschlagen." Lässt uns das Küstenhandbuch wissen.


Doch es ist ein altes Küstenhandbuch, denn selbst das neueste Küstenhandbuch von Patagonien ist bereits zehn Jahre alt. Ein Zeitraum, in dem sich vieles verändert haben kann, vor allem, wenn es um Menschen und Kontakte geht. Auch das patagonische Funknetz der Fahrtensegler existiert mittlerweile nicht mehr, es ist gut möglich, dass Rachel und Alan zurück in die USA gezogen sind. Aber wir sind neugierig geworden. Könnte es sein, dass es sich um jenen Alan handelt, der auch in Segelfilm unserer Freunde Doris und Wolf (www.seenomaden.at) Erwähnung findet? Außerdem ist es hier im großteils unbesiedelten Gebiet von Nordpatagonien unmöglich, durch den dichten Nasswald zu spazieren. Wir brennen auf Bewegung. Ein Trail durch das Gebüsch zum Fuße eines Vulkans klingt mehr als verlockend. Wenig geändert hat sich vermutlich die Einfahrt in die Bucht und der Ankerplatz. Egal wie alt das Handbuch ist, die Skizze zum Ankerplatz hilft, denn hier gibt es keine detaillierten Seekarten mehr. Mal sehen, was oder wen wir in der Bucht von Añihué finden!


Die schneeverhangenen Hänge des Vulkans Mt. Melimoyu schicken uns unstete Wind bis in den Fjord, wir setzten mehr Segel, dann reffen wir wieder. Wir Halsen, dann gehen wir durch den Wind. Am Schuss schiebt uns Mr. Perkins zwischen den Inseln durch. Ein paar Delfine hören die Motorgeräusche und kommen erfreut an die Bugwelle. Langsam, ganz langsam laufen wir in die enge Bucht, werfen den Anker und lassen das Beiboot ins Wasser. Mit dem Blick aufs Echolot manövriere ich das Heck nahe zum Ufer. Jürgen springt ins Beiboot und rudert die Heckleine aus. Seit wir die Schwimmtrosse auf der Trommel am Heckkorb fahren, benötigt sie nicht mehr meine Aufmerksamkeit während des "Patagonischen Ankermanövers". Sie läuft ganz von alleine, ohne Kinken zu schlagen oder Knoten zu machen, aus. "Die Landleine ist fest, du kannst sie einholen" ertönt es aus dem Gebüsch am Ufer. Ich kupple den Gang aus und mache mich an die Winde. Dann ist Jürgen zurück an Bord. Der Motor kann ausgestellt werden, LA BELLE EPOQUE liegt sicher und bewegungslos in einer winzigen Bucht hinter zwei Inseln am Eingang zur Lagune. Am anderen Ufer der großen Lagune können wir ein Haus sehen, doch alles scheint ruhig.

Anihue


Am folgenden Tag sollten wir mehr über Añihué erfahren. Alen und Rachel sind seit einigen Jahren weggezogen. Ein reicher Amerikaner kaufte den riesigen Landstrich, mit dem Ziel, ein neues Schutzgebiet für Natur und Tierwelt zu erschaffen.


Das ehemalige Gästehaus steht leer, aber im Haupthaus finden wir Trini und Juan Paulo. Junge Chilenen, die die Chance nutzen wollen, an einem so großes Projekt mitzuarbeiten. Nicht, dass die beiden ausgebildeten Ozeanologen hier in Añihué besonders gutes Gehalt verdienen könnten. Noch können sie sich bei dieser Arbeit in ihre geschulten Spezialgebiete innerhalb der Meeresbiologie vertiefen. Aber wann hat man schon die Chance, bei der Entstehung eines neuen Schutzgebietes aktiv mithelfen zu können? Die Arbeit von Trini und Juan Paulo ist wichtig. Denn auch wenn die neuen Eigner ohne weiteres einen Naturschutzpark aus dem Land machen können. Um auch die Gewässer, die große Lagune und die Küste davor unter Naturschutz stellen zu können, bedarf es der Zustimmung Chiles. Nur mit Hilfe der beiden Meeresbiologen kann der Beweis erbracht werden, dass eine Schutzzone wichtig und gerechtfertigt ist. Und es gibt Grund zur Hoffnung: Eine Schule Chilenischer Delfine lebt in der Bucht, die genauen Beobachtungen durch Trini können das beweisen. Delfine, die so wenig erforscht wie selten sind, ihr Zuhause vor neuen norwegischen Fischfarmen zu schützen ist Trini ein großes Anliegen.


Wir verstehen uns mit den Beiden auf Anhieb und verbringen gleich mehrere Tage hier. Während das nächste Sturmtief auf die Küste bringt, sitzen wir bei gemeinsamen Abendessen, erfahren mehr zu Chile und seinen Menschen und erzählen von unserer Reise. Juan Paulo und Trini lieben das einfache Leben hier, obwohl sie beiden in der Großstadt aufgewachsen sind. Ein Leben, wie auf einer Insel. Alle paar Wochen kommt ein kleines Versorgungsschiff vorbei und bringt Lebensmittel und Heizmaterial. Auch gibt es eine Funkanlage, mit der die beiden in Verbindung mit ihren Vorgesetzten sind. In der Regel wird aber das mehr als schlechte Internet im Haus für die Kommunikation genützt. So können Juan Paulo und Trini die Ergebnisse und Berichte ihrer Arbeit an die Organisation senden.
Von Alans Trail haben sie allerdings noch nie was gehört. Der Nasswald in dieser Wildnis wächst in Rekordgeschwindigkeit und wir erwarten nicht, den vergessenen Trail zu finden. Das hält uns nicht davon ab, es zu versuchen. Sobald das Wetter wieder stabil ist, düsen wir am frühen Vormittag bis ans Ende der Lagune. Wie immer, sobald wir den Außenborder starten, kommen auch schon die Delfine zu uns. Wir sind es gewöhnt, dass Delfine gerne die Bugwelle von LA BELLE EPOQUE schwimmen. Doch im Dingi haben wir diesen Spaß bisher nie erlebt. Anfänglich reduzieren wir die Geschwindigkeit, sobald die Delfine zum Greifen nahe ans Beiboot kommen. Aus Angst, sie mit der Schraube des Außenborders zu verletzten. Doch ernten wir dafür jedes Mal Missmut. Es macht den flinken Schwimmern eben keinen Spaß, wenn das Beiboot langsam durch die Lagune zieht. Unsere Sorge ist unbegründet. Mühelos überholen die Delfine das Dingi, selbst wenn wir in Gleitfahrt über die stille Lagune fliegen. Sie spielen am Bug und halten Abstand von der Schraube.


Wir starten unsere Suche nach dem Weg am Ufer eines Baches. Würden wir einen Trail aus dem Wald schlagen, würden wir vermutlich hier beginnen. Wir folgen den Bach, bis er zu tief für unsere Gummistiefel ist. Ich kämpfe mich durch Unterholz ans Ufer, versuche, einige Meter neben den Bach eine Möglichkeit für das Weiterlaufen zu finden. Dann entdecke ich ein rotes Plastikband von einem Ast baumeln. Noch eines. Und noch eines. Bingo! Markierungen eines alten Weges.
Leicht ist das vorankommen nicht. Vor allem der Bambus hat viele Teile des alten Weges versperrt. Jürgen schlägt den Weg mit der Machete frei. Wir müssen über und unter umgefallene Baumstämme klettern, immer auf der Suche, eine weitere Plastikschleife zu entdecken. Das Unterholz ist dicht und tropfnass, an vielen Stellen ist der Boden mit rutschigem Moos überzogen. Dann sinken wir wieder in weichen, nassen Humus ein. Jeder Meter vorwärts verlangt harte Arbeit. Dann kommen wir zu einem weiteren Bachbett. Der Trail folgt dem Bach und es geht ein wenig schneller, wenn auch nicht trockener voran. Stunden später stehen wir vor einem Wasserfall. Wir haben sicherlich nur wenige Kilometer zurückgelegt, aber es fühlt sich an, als wären wir schon ewig unterwegs. Wir machen eine Pause bei Saft und Müsli-Rigel. Überdenken, wie wir weitermachen. Und entschließen uns, umzudrehen. Selbst der von uns freigehackte Weg ist schwer zu sehen, wir wollen nicht riskieren, ihn bei Dunkelheit suchen zu müssen. Mit müden Knochen und vor Schlamm stehender Kleidung erreichen wir am frühen Abend das Beiboot.

Trailsuche


Dann ist unsere Zeit in Añihué zu Ende, wir umarmen unsere neuen Chilenischen Freunde, lösen die Trossen und holen den Anker an Deck. Unser dreimonatiges Visa ist bald aufgebraucht, wir müssen eine Stadt erreichen, von der aus wir über Land nach Argentinien ausreisen können. Deshalb biegen wir in den Fjord von Puerto Aysen. Ein Fjord, der weit ins Inland reicht, und von dessen Ufer wir an einem Tag das Grenzgebiet zu Argentinien erreichen können.
Da das Handbuch über weitläufige Rodungen schreibt und einige kritische Umweltaktivitäten erwähnt, überrascht uns der Fjord mit seiner Schönheit. Das letzte Stück in den Fjord können wir allerdings nicht befahren. Die Großflächigen Waldrodungen im Innland haben über die letzten Jahrzehnte zu massiven Erdrutschen geführt. Die Flüsse haben diese abgewaschene Erde mit sich genommen und das ganze Gebiet um Puerto Aysen versandet. Der letzte erreichbare Hafen für Schiffe und Yachten liegt an der Küste des kleinen Ortes Puerto Chacabuco. Ein Ort im Wandel, überall wird gebaut und erneuert. Puerto Chacabuco liefert den einzigen guten Hafen für die Großschifffahrt in nördlichen Patagonien, wo sich weiter im Innland eine größere Stadt sowie eine wachsende Wirtschaft befindet.
Ramon, Taxiunternehmer und Tourguide, macht einen guten Preis und schon sind wir am Weg nach Argentinien. Obwohl Ramon kein Englisch nur wenige Wörter Englisch spricht und wir kaum Spanisch sprechen, können wir uns die ganze Reise durch unterhalten. Ramon kann aber auch nicht anders, als motivierter Fremdenführer schafft er es keine fünf Minuten, seine Erzählungen zu stoppen. Gemeinsam raten Jürgen und ich, worüber uns erzählt und verstehen am Ende erstaunlich viel.


Die Autoreise führt durch das herrliche Tal des Simson Flusses. Mal stürzt er sich in Wasserfällen von spektakulären Felsen, mal läuft er durch eine liebliche Tallandschaft. Das abgeholzte Land ist längst wieder kultiviert: Kleine Wälder, offene Weiden zwischen Baumalleen, Buschlandschaft und Wohngebiete mit hübschen Haziendas ziehen an den Fensterscheiben vorüber. Ich bin nicht böse, eine Pause vom dichten patagonischen Wald zu haben, genieße die freie Aussicht, die saftigen Täler zwischen den spektakulären Bergen. Ramon fährt ein paar Umwege, er ist stolz auf diese Natur und will uns seine Schönheit zeigen. Der Preis für die Fahrt ändert sich nicht, auch wenn Ramon bis zum Abend zurück in Puerto Chacabuco viele Kilometer mehr als geplant mit uns gefahren ist. Er ist eben ein typischer Chilene, einer, der Preise nicht zu hoch ansetzt oder nachverhandelt. Einer, der Umwege fährt, weil er uns etwas zeigen will und nicht, weil er mehr Geld aus uns schlagen möchte.

Nordpatagonien


Mit neuen Visa und neuem Zarte in der Tasche verlassen wir den Fjord. Vor uns liegt der Gletscher San Raffael. San Raffael ist ein besonderer Gletscher: Er ist der am Äquator nahest Gletscher, der sein Eis ins Meer kalbt. In der Südhalbkugel heißt das, der nördlichste Gezeitengewässer-Gletscher der Welt. Für uns ist der damit der erste Gletscher, den wir seit Alaska zu Gesicht bekommen.


Zwei Tage segeln und Motoren wir in seinen Fjord, bis wir den Gletscher durch eine schmale Wasserstrasse in seiner eigenen Lagune erreichen. Mittlerweile haben wir seit Tagen Schlechtwetter mit Regenböen und schlechter Sicht. Die Berge Patagoniens haben sich in der dicken Wolkendecke versteckt, das Wasser spiegelt das Grau des Himmels und selbst die dunkelgrünen Ufer sind aller Farbe beraubt. Schwer ist es, dieser Tristesse etwas Schönheit anzuerkennen, auch wenn kurze Öffnungen in den Wolken die versteckten Naturschauspiele erahnen lassen.


Auch San Raffael macht es uns nicht leicht. Gerade eine halbe Stunde dürfen wir den Gletscher und seine Eisbergstücke bestaunen, dann rollt die nächste dunkle Wolke an und verhüllt alles mit ihrem Regenschleier. Wir lassen uns zwei Stunden im sicheren Abstand vor der Gletscherwand treiben. Hoffen, doch noch einen Blick auf die kalte Schönheit werfen zu können. Es nützt nichts, wir können nicht bis in die Dunkelheit vor dem Gletscher treiben, müssen uns einen guten Ankerplatz für die Nacht suchen. Froh, wenigstens eine halbe Stunde lang das Eis gesehen zu haben verlassen wir den Gletscher.

Gletscher San Raffael


Das Herbstwetter in Patagonien fordert uns heraus. Fünf bis zehn Grad Außentemperatur, eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 90 Prozent, wenn es gerade nicht regnet. Am alten Sägeplatz von Bahia Sisquelán suchen wir den ehemaligen Holzhackerweg. Ein alter Waldweg, der seine ganze Länge mit dicken Baumstämmen ausgelegt wurde. So war es den Holzarbeitern möglich, die dicken Zedern von Hand bis ins Tal zum alten Sägewerk zu schleppen. Im Dauerregen wird der Weg zur Qual: die Holzstämme unter unseren Füßen rutschen, der Wald dampft. Bald sind wir bis auf die Knochen durchnässt und ich mache mir sorgen, wie lange die mitgebrachte Fotokamera diese Nässe standhält. Am alten Sägeplatz finden wir nur noch ein paar Trümmer: zwei verrostete Dampfmaschinen, ein altes Sägeblatt. aufgeschossene Flachriemen, Trümmer eines Sägetisches.


Wieder legen wir bei Regenwetter ab. Im Boot bullert der Dieselofen auf kleiner Flamme. Nicht so sehr wegen der Temperatur, sondern wegen der Feuchtigkeit. Nur mit Hilfe des Ofens können wir das Boot in etwa trocken, die Schieben frei von Beschlag halten. In den Sunden, die wir nun befahren gibt es keine richtigen Seekarten. Auf den Seekarten sind nur noch die Ufer skizziert, es gibt keine Tiefenangaben und keine genauen Uferverläufe. Es ist wichtig, dass unsere Schieben frei sind, wir müssen besonders gut Ausschau halten.


Unser nächster Ankerplatz verwirrt uns. Die Skizzen im Küstenhandbuch zeigen eine ganz andere Uferformation als wir vor uns sehen. Eine wenige meter breite Öffnung im Ufer sollte uns direkt in die "Caleta del Diablo", die Teufelsbucht, führen. Doch vor uns liegen einige kleine Inseln, kann eine Passage zwischen ihnen die Einfahrt sein. Und wenn ja, welche ist die richtige? Wir suchen das Ufer ab, navigieren LA BELLE EPOQUE über Untiefen und durch Kelbgärten. Tasten uns in schmale Öffnungen im Ufer vor, nur um sogleich im Rückwärtsgang aus ihnen wieder zu fliehen. Jürgen steht am Bug, während ich nervös über die Untiefen und aus den falschen Buchten steuere. Nervös, weil LA BELLE EPOQUE mit ihrem Langkiel Rückwerts nicht immer leicht zu manövrieren ist und bei etwas Strömung oder Wind nicht auf der Stelle gedreht werden kann. Endlich finden wir die richtige Öffnung. Sie geht zwischen zwei Inselchen durch. Die Skizze im Handbuch war einfach zu ungenau, hat nichts von Inseln gezeigt. Gerade rechtzeitig vor der Dämmerung rauscht der Anker aus. Die Teufelsbucht hat uns eben etwas auf Korn genommen!

Teufelsbucht


Den Namen trägt sie allerdings nicht wegen der trickreichen Einfahrt, sondern wegen der Strecke voraus: von hier weg müssen wir über die "Carrera del Diablo" - die Rennstrecke des Teufels.


Einen Namen, den der schmale Sund vor uns zu recht trägt: Durch seine Enge und geringe Tiefe laufen hier die Gezeitenströme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 8 Knoten durch. Bei schlechten Seekarten und ungewissen Gezeitentafeln für dieses Gebiet ist die Rennstrecke des Teufels kein einfaches Seestück für Fischerboote und Segelyachten.


Wir timen unsere Abfahrt nach besten Wissen und freuen uns, bei leichten, folgenden Strom den Sund zu erreichen. Mitten in der Rennstrecke des Teufels passiert das unmögliche: Trotz fallender Ebbe dreht plötzlich die Strömung um. Aus den zwei Knoten mitlaufender Strömung werden unverhoffte zwei Knoten Gegenstrom. Zwei Knoten ist nicht schlimm, wir entschließen uns, unter Einsatz des Motors weiter zu laufen. Dann nimmt die Strömung zu. Aus zwei Knoten werden drei, dann vier. Jürgen erhöht die Drehzahl. Doch LA BELLE EPOQUE wird langsamer. Und langsamer. Fünf Knoten Gegenstrom. Dann fünfeinhalb. Wir quälen uns mit eineinhalb Knoten Fahrt über Grund durch die Engstelle des Sundes, müssen wie wild am Steuer drehen, um das Boot auf Kurs zu halten. Um uns drehen sich kleine Wasserwirbel, niedrige, stehende Wellen klatschen gegen den Bug. Dann eine Biegung, eine Gabelung in einen Fjordarm. Plötzlich ist der Spuk vorbei. Schlagartig dreht die Strömung erneut, schiebt uns mit sanften zwei Knoten an. Wie durch ein Wunder ist der Ebbstrom zurück, LA BELLE EPOQUE kann erneut Segel setzen und mit helfender Strömung zu ihrem nächsten Ankerplatz ziehen.


"Bahia Sisquelán - Unter Einsatz von einem Anker und mindestens zwei Landleinen kann das Boot tief in die winzige Bucht verholt werden. So verankert bietet die Bucht selbst bei schwerstem Sturm hervorragenden Schutz!" In diesem Gebiet ist ein gutes Küstenhandbuch einfach unbezahlbar wichtig. Wir fahren den Anker ordentlich ein, ich manövriere das Heck in die kleine Öffnung zwischen den bewaldeten Ufern, stecke dabei mit der Fernsteuerung langsam mehr Kette. Jürgen rudert in alter Gewohnheit die Leinen aus. Zwei Leinen von Heck rechen uns dieses mal nicht. Im strömenden Regen stecken wir zwei weitere Leinen vom Bug zu den Bäumen steuerbords und backbords. Der Wetterbericht hat für die nächsten Tage Sturm mit zehn bis elf Beaufort gemeldet, zu wenige Landleinen könnten in so einem Wetter fatal enden. Kaum fertig verzurrt können wir unsere Landleinen auch schon wieder abändern. Eine australische Yacht sucht ebenfalls einen perfekt geschützten Ankerplatz und drängt sich in die winzige Bucht. Wir verholen uns auf eine Seite, verzurren die beiden Boote mit zwei Meter abstand zwischen ihnen in ein wahres Netz an Leinen. Bei Tee und Kekse an Bord von LA BELLE EPOQUE lernen wir uns kennen und wärmen uns auf.

Ankern in Patagonien


Unser Ankerplatz wir zum vollen Erfolg. Der Wind schüttelt Laub und Äste der Bäume um uns auf Deck, doch haltet der dichte Wald den Sturm von uns ab. Wir verbringen Tage mit gegenseitigen Einladungen an Bord und füllen die Wassertanks mit Regenwasser. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet. Es regnet, wie wir es kaum wo auf der Welt erlebt haben. Regen, der in kaum einer halben Stunde einen auf Deck stehenden Eimer füllt. Regen, der über Tage anhält. Fast scheint es uns, als würden wir hier nie mehr weiter kommen. Für das Seestück vor uns brauchen wir unbedingt erträgliches Wetter. Vor uns liegt eines der gefährlichsten Seegebiete Patagoniens. Ein Seegebiet, in dem massive Strömungen aus den Fjorden und Sunden ungehemmt auf die schwere See er Brüllenden Vierziger treffen. Ein Seegebiet, in dem die hohen Wellen des Südmeeres auf das Kontinentalschelf Südamerikas schlagen und sich zu brechender See stellen. Ein gefährliches Seengebiet mitten in der Wetterküche der Hohen Breiten. Und wir haben es geschafft, uns genau an seiner Nordflanke mitten in der schwersten Sturmzeit - dem Herbst - zu positionieren. Vor uns liegt der "Golfo de Penas" - der Golf der Schmerzen!

Segeln in Patagonien

Segeln in Patagonien - das Regenwetter fordert uns heraus.

Anihue

Die Bucht von Añihué ist flach, bei Ebbe fallen weite Teile trocken.

Landausflug

Landausflug. Von Puerto Aysen gehts per Auto an die Argentinische Grenze

Landausflug

Ramon fährt Umwege, um uns die schönsten Seen und Plätze zu zeigen.

altes Sägewerk

Wir erreichen den Ankerplatz am alten Sägewerk. Und finden Trümmer der Vergangenheit.

Holzfällerweg

Der alte Holzfällerweg. Querligende Baumstämme erleichterten das Holz von Hand ins Tal zu schaffen.

 

Sorry. Da Internetzugriff in Patagonien schwer zu finden und spuer langsam ist, gibt es einstweilen nur wenige neue Bilder auf der Homepage. Mehr kommt später. Versprochen.

 

 

 

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