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 Die Inseln der Muscheltaucher

bildLos Angeles, Chiloe

Ein konstanter Strom an bunten Booten zieht durch das schmutzige Hafenwasser vor Puerto Montt. Fischkutter, die von ihren Bojen und Päckchen an Booten ablegen, um ihre Bojen im Golfo von Ancud einzuholen. Muscheltaucher, die die Küsten der Inseln und Fjorde nach frischen Klammmuscheln absuchen. Händler, die ihre offenen Boote voller Lebensmittel zum Fisch- und Obstmarkt lenken. Kleine bunte Holzboote mit Überdachung, die den Besuchern der Stadt eine Hafenrundfahrt bieten. Ein graues Militärschiff, dass ein paar Übungen im Hafenwasser fährt, während laute Rockmusik über sein Deck dröhnt ("Thunder! Thunder! Thunderstruck!").


Hier, in der Playa Capilla gegenüber des Yachthafens, ist LA BELLE EPOQUE das einzige Boot, das vor Anker schwoit. Am Strand liegen ein paar kleinere Fischkutter und Holzboote, die im ewigen Auf und Ab der Gezeiten alle paar Stunden trocken fallen. Die vielen chilenischen Fischkutter ankern auf der anderen Seite des Kanals.


Ganz ruhig ist es dennoch nicht in unserer Bucht: Die Geräusche des regen Treibens entlang der Uferstreifen dringen bis zu uns, hinterm Strand wird gerade ein neues Haus gebaut und unermüdlich gehämmert. Ein paar Ausflugsboote drehen eine Runde um das weitgereiste Segelboot, die einheimische Stahlyacht IRON LADY kommt nach einem Segelnachmittag vor Puerto Montt kurz längsseits, bevor sie zurück an ihren Hafenplatz fährt.
Wir lassen das Beiboot in einem der drei freundlichen Yachthäfen und nehmen den Bus in die Innenstadt. Heute lassen wir die vielen Märkte der Stadt mit ihrem quirligem Leben und exotischen Gerüchen links liegen. In einem weiteren Bus geht es aus der Stadt zum Flughafen. Wir warten, bis aus einem der kleinen Flugzeuge meinen Bruder steigt.


Gemeinsam schlendern wir durch die Stadt. Puerto Montt macht einen fröhlichen Eindruck. Die Straßen sind voller Leben, die Gehsteige dienen den Geschäften und Marktständen gleichermaßen, ihre Ware feilzubieten. Strickende Frauen produzieren neben ihren Souvinierständen kunstvolle Umhänge aus Albacawolle, Gemüsehändler rufen ihre Angebote aus. Käseverkäufer bieten vorbeigehenden Kostproben an, dazwischen verkaufen Hausfrauen frische Backwahren aus ihren warmhaltenden Styroporboxen. Für wenige Pesos gibts billige Kleidung aus asiatischer Produktion zu erwerben, dazwischen kleine Geschäfte mit iPhones und elektronischen Zubehör. Aus den winzigen Geschäften dröhnt südamerikanische Musik, über unseren Köpfen surren die abenteuerlich verbundenen Stromleitungen.

Puerto Montt


Viele der Häuser selbst sind nur wenig standgehalten. Putz bröckelt ab, es fehlt an frischer Farbe. Verrostete Blechdächer lassen Zweifel aufkommen, ob die Bewohner der Häuser im Trockenen leben können und in den wenigen Dachrinnen wachsen Moose und Gräser. Dennoch sind wir erstaunt, keine sichtbaren Anzeichen der letzten Erdbeben zu entdecken: Die Häuser sind soweit in Tackt und die Straßen und Gehsteige zeigen keine besonderen Löcher. Nur der weiße Gipfel des großen Vulkans hinter der Stadt lässt die gefährliche Lage von Puerto Montt vermuten.


Obwohl kaum Wind herrscht, hieven wir unseren Anker auf Deck. Gemeinsam mit Hermann wollen wir die Inselwelt Chiles erkunden und in den nördlichsten Fjorden von Patagonien ein paar Tage verbringen. Fünfzig Seemeilen bis zum nächsten Ankerplatz liegen vor uns, um den Ankerplatz noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen können wir nicht auf die Segel alleine zählen. Der Tag vergeht zwischen Motor und Leichtwindsegeln.

Vulkane von Patagonien


Dann werden die Bojen der Fischer weniger, nur noch ein bunter Holzkutter kreuzt unseren Kurs, während wir in den Fjord Estero Quintupen einbiegen. Zu dritt ist es einfach, die ankernde Yacht mit ihren langen Schwimmtrossen zum Land zu sichern. Die ausgewählte Ankerbucht ist märchenhaft. Hinterm Heck schießen die Wasserfälle ins Meer, an den dunklen Felsen halten sich Trauben an Miesmuscheln. Sattgrüne Bäume mit knorrigen Ästen hängen über die Ufer und spiegeln sich im dunkelgrünen Wasser des Fjords. Die Küsten erheben sich steil, verdecken den Horizont und leiten die Augen zu den felsigen Gipfeln. Lassen die Gedanken an die majestätischen Berge der Anden schweifen und die Augen auf die schneeverhangenen Krater der Vulkane hängen.
Bis zu sechs Meter Gezeitenhub lassen die Enden der Fjorde trocken fallen, den dunklen Sand des Meeresbodens direkt in die grasverwachsenen Sümpfe der Flussmündungen übergehen. Die Gräser gehen rasch in undurchdringliche Vegetation der alten Wälder über, dort gibt es fast kein Vorankommen, dichtes Untergehölz verbirgt den Boden.


Wir machen Ausflüge mit dem Dingi, fischen in den Fjorden, sammeln Muscheln. Die im Küstenhandbuch vermerkten heißen Quellen finden wir nicht. Die letzte Auflage des Handbuches ist alt und es gibt keine Hinweise im dichten Unterholz, wo sich die aus Stein ausgehobenen Becken voll heißem Wasser befinden. Schade, die kalte Dusche mit Meerwasser auf Deck ist dagegen eine harte Abreibung.

Fischen in Patagonien


Dann segeln wir zu den Inseln von Chiloe. Aufmerksam beobachten wir die reiche Tierwelt um uns. Albatrosse, Sturmvögel und Delfine sind schon lange unsere stetigen Begleiter, doch hier mischen sich Pinguine und Seelöwen und zahlreiche Kormorane dazu. Erstaunt beobachten wir auch immer wieder Pelikane. Ich hatte nicht geacht, ihnen so weit abseits der Subtropen immer noch zu begegnen.


Die spitzen Vulkane hinter uns, bewegen wir uns in einem Gebiet aus lieblichen, hügeligen Inseln. Hier leben die Menschen gut. Aufgeräumte Dörfer, kleine Höfe, unzählige Fischkutter, die auf den Sandbänken der Inseln trocken fallen. Die Menschen sind Muscheltaucher und Bauern. Die Inselbewohner halten Hühner und Schweine. Ein paar Kühe und schön gepflegte Pferde sind an langen Trossen zwischen den Häusern angebunden. Man freut sich über Besuch. Die Menschen reichen uns die Hände zum Gruß, versuchen, uns über ihr Leben zu erzählen. Fischerboote kommen längseits, um uns Eimer voll Muscheln zu schenken. Bezahlung wird nicht immer angenommen. Bald schon ist an Bord Einfallsreichtum gefragt, um neue Gerichte aus den täglichen Muscheln zu kreieren.


Dann erreichen wir die Insel Chiloe selbst. Wir verholen La Belle Epoque in einen kleinen Yachthafen südlich von Castro, nehmen ein Mietauto und erkunden zu dritt die Insel. Es gibt fast kein Haus, welches nicht "Cabaña" - Ferienunterkünfte - anbietet. Viele der angebotenen Unterkünfte sind liebevoll gebaute und hübsch gepflegte Holzhäuschen. Chiloe setzt auf Tourismus, aber ob so viel Angebot noch genügend Lohn bringt, scheint uns fragwürdig. Wir jedenfalls nützen keine Cabaña, wir kehren Abends an Bord unserer wartenden LA BELLE zurück, nachdem wir das hübsche Städtchen Castro und seine Umgebung ausgiebig erkundet haben.

Castro


Der Urlaub meines Bruders nähert sich dem Ende, ein letzter Ausflug per Mietauto geht in den Norden. Wir reisen zur Nordspitze von Chiloe, überqueren auf der Fähre den weitläufigen Kanal Chacao. Jenen Kanal, der uns vor Wochen mit unserem eigenen Boot in die Inselwelt von Chiloe und an den nördlichsten Rand von Patagonien gebracht hat. Dann erreichen wir erneut Puerto Montt, wo wir Hermann am Flughafen abliefern.


Zurück in Castro füllen wir die Lebensmittelschapps, waschen die Wäsche und verabschieden uns vom freundlichen Chiloe. Wir lassen die bewohnten Inseln hinter uns, verlangen nach etwas Einsamkeit und Natur. In den winzigen Inseln vor Tiktok werden wir fündig. Mit Anker und zwei Landleinen verholen wir LA BELLE EPOQUE in einer kleinen Bucht der unbewohnten Inseln. Ein paar Seeotter beobachten unsere Arbeiten mit etwas Skepsis. Bald schon haben sie sich an die rote Yacht in ihrer Bucht gewöhnt und das Leben verläuft in alter Gewohnheit.

Ankern in Juan Yates, Tiktok


An Bord schleicht sich faule Routine ein. Lange Frühstück folgen faulen Lesestunden, dann fahren wir Fischen oder sammeln Muscheln. Wir sitzen an Deck in der Sonne, lassen die Gedanken in die Ferne schweifen. Nur zu kleinen Arbeiten können wir uns aufraffen: zwei Landleinen, die zu einer gespleißt werden müssen, ein paar Muscheln einkochen, eine Winde fetten, am nächsten Buchmanuskript arbeiten. Tage verlaufen ineinander, während die Seelen zwischen der sanften Inselwelt an Patagoniens Küste baumeln.

 

 

Seelöwen in Puerto Montt

Seelöwen in Puerto Montt

Patagonien

In den Fjorden treffen wir nur noch auf ein einzelnens Fischerboot

Fjorde Patagoniens

Unberührte Landschaft in den Fjorden von Patagonien

Dingiausflug

Unterwegs mit dem Dingi, während LA BELLE sicher vor Anker und Landleine liegt.

Wir finden die termalen Quellen nicht, aber dennoch genießen wir die Landgänge

... auch wenn es nicht leicht ist, hier vorwärts zu kommen.

Bordproduktion: Aus alten Trossen und Bürsten werden Köder gebastelt

Selbstversorgung

Selbstversorgung in Patagonien

Muscheln

Die Muscheln sind leicht gefangen, aber dann einiges an Arbeit.

Fischen in Patagonien

Erfolgreich beim Fischen in Patagonien.

Pinguine

Immer wieder treffen wir auf Pinguine

Chiloe

Vor Anker bei Chiloe: die freundlichen und hübschen Inseln von Chile.

Chiloe

Antonio zeigt uns seine neue Cabana im Dorf von Los Angeles

Chiloe

Inselleben: Fischen, Muscheltauchen und Landwirtschaft. Der Strand nützt als Werft.

Chiloe

Immer noch werden die Holzkutter am Strand gebaut. Zwischendurch findet sich eine traditionelle Chilota: die alten Segelboote der Händler und Fischer von Chiloe.

Die einzelne Marina von Chiloe

LA BELLE EPOQUE geht in die kleine Marina bei Castro

Castro

...während wir Castro besuchen

Markt in Castro

Die Produkte am Markt in Castro: geräucherte, aufgehängte Muscheln, getrockneter Tang, frisches Ringgebäck, lokaler Honig und viel frisches Obst

Katetrale von Castro

Die hölzerne Katetrale von Castro

Stadtplatz

In allen Dörfern von Chile: gegenüber der Kirche liegt der alte Marktplatz.

Stadtleben

Stadtleben in Castro

Pazifikküste in Chiloe

Wir machen einen Ausflug zur Pazifikküste von Chiloe

...wo die weitläufigen Sanddünen zum Nationalpark erklährt wurden.

Chiloe

Wander entlang der Küste

Chiloe

Ein beachtliches Monument für einen wahrlich winzigen Löwen!

Tiktok

Raus in die Einsamkeit von Patagonien.

Tiktok

Wieder alleine an Bord lassen wir die bewohnten Gebiete hinter uns.

Patagonien

...und tauchen in die unbewohnte Inselwelt bei Tiktok ein.

Zeit, die Natur genauer zu betrachten.

Muschelsammeln

Muscheln, unsere Hauptnahrungsquelle in den Inseln von Chiloe

Ruhe und Natur, Zeit, die Seele baumeln zu lassen

Ruhe und Natur. Zeit, die Seelen baumeln zu lassen.

 

 

 

 

 

 

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