blauwassersegeln in kanada
  
english
zur Kaffeekasse...

 Inselsommer

Vancouver

Leicht, kaum spürbar streift die sanfte Briese an LA BELLE EPOQUE vorüber, bläht ihre ausgebäumten Segel und schiebt sie langsam über die Strasse von Georgia. Früh morgens um sechs haben wir heute bereits unseren Anker an Deck geholt, um die Strömungen zwischen den Inseln zu nützen. Doch der frühe Start hat noch einen Vorteil gebracht: Trotz der knappen achtzig Seemeilen bis Vancouver haben wir genug Zeit, auch die leichte Briese zu nutzen und langsam vor dem Wind zu segeln.

Es ist unglaublich warm geworden: 28 Grad Celsius zeigt unser Thermometer außen und wir braten in der Sonne. "Bald müssen wir das Bimini riggen, um auch im Cockpit etwas Schatten zu haben", freu ich mich über den vielen Sonnenschein. Jürgen demontiert den Rauchfang, wir werden ihn eine ganze Weile nicht mehr benötigen.

Der Verkehr um uns ist deutlich mehr geworden. Ständig kreuzen fette Motoryachten unseren Kurs, eine Fähre nach der nächsten kommt uns entgegen und im Süden sehen wir die Kreuzfahrtschiffe durchs Wasser pflügen.

Die Sonne steht bereits niedrig als wir endlich in die English Bay vor Vancouver einlaufen. Etliche Tanker liegen vor Reede und warten, an den Stränden tummeln sich immer noch unzählige Menschen und die Wolkenkratzer von Downtown Vancouver voraus glitzern im Abendlicht. Dicht vor der Küste liegen etliche Segel- und Motoryachten und rollen in der Dünung, Jetskis und kleine Motorboote düsen kreuz und quer durch die Bucht und eine kleine Armada an Yachten zieht ihren Weg in Richtung False Creek, dem Hafen in Vancouver, in dem mitten in Downtown gratis geankert werden darf und wo ein Yachthafen neben dem nächsten die Küste säumt. Was für ein Trubel.

Rechzeitig vorm Einlaufen packt Jürgen unsere Segel weg, während ich darauf achte, ja niemanden zu übersehen und sicher in die Ankerbucht zu steuern. Kurz nach Sonnenuntergang fällt unser Anker, wir stehen im Cockpit und lassen die Umgebung auf uns wirken: Gepflegte Parkanlagen säumen die Ufer hinter den Yachtclubs, moderne Hochhäuser und hochpreisige Wohnanlagen ragen dahinter in den Himmel. LA BELLE liegt ruhig und sicher zwischen unzähligen Yachten vor Anker. Eine Megayacht schlängelt sich durch das Ankerfeld auf den Weg zum Hafen und überzeugt uns, dass wir heute Nacht lieber auch ein Licht an Deck brennen lassen und uns nicht nur auf das Ankerlicht hoch oben am Masttop verlassen sollten. Wir lassen das Dingi ins Wasser und paddeln an Land, um uns noch die Füsse ein wenig zu vertreten.

Ankern in Vancouver

Den kommenden Tag wandern wir durch die Stadt und sind erstaunt über die Freundlichkeit, die uns Fahrtensegler hier entgegengebracht wird. An jeder Ecke im Hafen gibt es einen kostenlosen Steg für Dingis, im Olympia Village, das mitten in der Stadt für die letzten Olympischen Spiele von Vancouver gebaut wurde, stehen kostenlose Duschen für uns zur Verfügung.

Natürlich geht unser erster Weg zum Maritimen Museum. Hier steht die ST. ROCH zur Besichtigung. Sie ist die Nummer Zwei: Das zweite Schiff, dass jemals durch die Nordwest Passage gesegelt ist. Nach Amundsen´s GØJA segelte Cap. Larsen mit der ST. ROCH durch die Passage, um die kanadischen Hoheitsrechte zu sichern. Das Schiff und ihre Crew verbrachten Jahre in der Arktis und segelten sogar ein zweites Mal durch die Passage, dieses mal auf einem weiter nördlicheren Kurs. Und noch ein interessantes Schiff finden wir im Museumshafen: die NORDSTAR war eine der Schoner, die an die Inuit für ihren Fellhandel ausgeliefert wurde. Sie brachte ihre Einheimischen Eigner über lange Zeit zwischen Sachs Harbour und Tuktoyaktuk hin und her. Ich wundere mich, ob die Nordstar Bucht in Bernard Harbour, in der wir ankerten, nach ihr benannt sein könnte.

Nach den Schiffsbesichtigungen und den letzten Gedanken an den Norden spazieren wir durch die extrem saubere und gepflegte Stadt. Die Arktis scheint so weit weg wie der Mond im gleißenden Sonnenlicht und den blühenden Parks. Am Wasser spielen Kinder und Hunde und die Radwege sind gefüllt mit joggenden und radelnden Menschen. Horden von Gärtnern müssen in dieser Stadt beschäftigt sein, es gibt kaum eine Wohnanlage ohne aufwendigen Grünflächen und selbst die Einkaufsstrassen sind mit grünen Inseln geschmückt. Alles scheint neu hier in Downtown.

Vancouver Downtown

Doch Vancouver kann auch anders: Bei unserem Weg nach Chinatown kommen wir an einer Zeltstadt vorbei. Ein ehemaliger Fußballplatz ist gefüllt mit Zelten in denen Menschen leben, die es nicht in die glitzernden Hochhäuser der Innenstadt geschafft haben. Ich bin einigermaßen erstaunt über diese Armut, hatten wir doch immer gedacht, dass die als "Lebenswerteste Stadt der Welt" betitelte Stadt bessere Alternativen für ihre arme Bevölkerung bietet. Später sollten wir erfahren, weshalb es auch hier Zeltstädte gibt. Die Grundstücks- und Wohnungspreise sind über die letzten Jahrzehnte in den Himmel geschossen. Kleine Apartments sind nicht mehr unter einer halben Million Dollar zu finden und für ein Haus in fast abbruchreifem Zustand muss schon mit einer Million Dollar gerechnet werden. Das kann sich eben nicht jeder leisten und so stehen viele Häuser leer: Sie gehören Investoren, die in einem anderen Teil der Welt leben.

Wir wollen die Radwege der Stadt nützen und so packen wir am nächsten Tag unsere Fahrräder aus. Für lange Zeit konnten wir sie nicht nützen und so genießen wir unseren Tag am Rad: Radeln durch den Standly Park - der in seinen Ausmassen wahrlich erstaunt - und zu den verschiedenen Stränden um Vancouver. Allzu lange sollte unser Fahrradausflug allerdings nicht dauern, denn zurück zum Boot gehen wir zu Fuß: Trotz Fahrradschloss werden uns die beiden Räder in einem unbeobachteten Moment vorm McDonalds gestohlen. Uff, Stadtleben ist anstrengend! Wir sind sauer und nehmen den Vorfall als Warnung: Von hier an müssen wir wieder ordentlich aufpassen, Boot und Dingi stets gut abzusperren!

Den Abend verbringen wir bei Alex und Leah. Gemeinsam mit ihrem kleinen Jungen Cash leben sie auf einem Segelboot im Hafen. Alex schwärmt noch immer von seiner Segelreise nach Mittelamerika vor einigen Jahren und hofft, bald mit dem neuen Boot nach Australien aufbrechen zu können. Doch Leah hält nur wenig davon. Sie hat zwar kein Problem mit Segeln, doch liebt sie ihren Job: Sie ist in der Krebsforschung tätig und kann sich nicht erlauben, längere Zeit Auszeit zu nehmen und zu viele Entwicklungen zu übersehen.

Wir haben unseren Stadtbesuch genossen, doch werden wir erneut unruhig und wollen weiter. Eigenartig, manchmal glaube ich, dass wir uns schon so sehr ans Reiseleben gewöhnt haben, dass es schwer wird, stehen zu bleiben. Eigentlich habe ich doch immer vermutet, dass wir irgendwann die Nase voll bekommen und vom sesshaften Leben zu träumen beginnen. Doch ist dieser Gedanke mittlerweile verblasst und das Leben auf einem Fleck ist kaum noch vorstellbar. Ein paar Tage im Hafen und schon schmeckt alles an Bord nach Aufbruchstimmung!

Für nun geht´s allerdings nur ein kurzes Stück weiter: Die kanadischen Gulf Inseln liegen vorm Bug. Gemeinsam mit den amerikanischen San Juan Inseln gelten sie als das schönste Bootsrevier der Küste und sind Jahr für Jahr das Ziel hunderter Yachten. Das Revier ist klein aber fein und auch wir wollen uns diese Sommerinseln Nordamerikas nicht entgehen lassen.

Hart am Wind arbeitet sich LA BELLE EPOQUE in den Südwesten. Wir haben unseren Zielhafen offen gelassen, wollen sehen, wo uns der Wind hintreibt. Unter Motor sind wir die letzten Wochen ohnehin genug gelaufen. Die See ist ungewöhnlich ruppig für diesen leichten Wind und wir wundern uns, ob die verschiedenen Strömungen im Gebiet daran schuld sind.

Trotz allem müssen wir das letzte Stück Mister Perkins um Hilfe bitten. Wieder stirbt der Wind am Abend und bei den starken Strömungen zwischen den Gulf Inseln kommen wir nicht voran. In Clam Bay rauscht unser Anker aus. Bereits Frances in Prince Rupert hat uns diese Insel empfohlen und mittlerweile wissen wir: Wir haben den selben Geschmack wie sie!

Ruhig wiegt sich LA BELLE EPOQUE in der gelegentlichen Dünung vorbeifahrender Yachten. Der Duft von Gegrilltem zieht durch die Bucht, gelegentlich hört man andere Segler lachen oder aufgeregt tratschen. Mittlerweile sind ein paar Wolken am Himmel aufgezogen, aber wir machen uns keine Gedanken, morgen früh werden sie verschwunden sein und der Himmel wird wieder blau strahlen. Die Sonne geht unter, färbt die Wolken in warme Farben und zeichnet einen Regenbogen in die Wolken. Ein Regenbogen, der nirgends beginnt und nirgends endet, er reicht nicht bis zur Erde und schwebt in den Wolken. Der Abend ist lau und wir sitzen noch lange im Cockpit.

Ankerplatz von Calm Bay

Frühmorgens nach ausgedehntem Frühstück geht das neue Beiboot über Bord. Wir haben uns in Vancouver ein besonderes Geschenk gemacht, waren es müde, unser altes Dingi jede halbe Stunde aufpumpen zu müssen. Das neue Dingi hat einen Rumpf aus Aluminium. Am letzten Dingisteg lachte Jürgen über mich: "Nie hast du ein graues Auto haben wollen und jetzt schau doch einmal zum Dingisteg - dort liegt nun unser grau-weißes Dingi!" Doch was macht es schon welche Farbe das Dingi hat, ich freue mich einfach nur, wieder ordentliche Dingi-Touren fahren zu können.

Eine schmale Durchfahrt zwischen zwei Inseln verbindet Clam Bay mit Telegraph Harbour. Im hellen Grün leuchtet das seichte Wasser unter uns, während wir durch den markierten Kanal dümpeln. Unbeeindruckt kommt eine Robbe an uns heran, begutachtet uns und lässt sich weiter in der Strömung treiben. Wir machen im Yachthafen von Telegraph Harbour fest, tratschen mit den paar Urlaubsseglern am Steg und wandern über die Insel. Fast fühle ich mich daheim in der Ostsee, sogar ein paar Fachwerkshäuser gibt es hier! Ja, die kanadischen Gulf Inseln sind definitiv einen Besuch wert und es verwundert nicht, dass die Grundstückspreise hier ziemlich hoch sind: Für den Preis eines neuen Zweifamilienhauses in einer schönen Wohngegend daheim bekommt man hier gerade mal ein kleines, leeres Grundstück!

Calm Bay, Ausflug mit dem Dingi

Zurück an Bord erhalte ich eine mail von Alex: Sie haben unseren Positionsreport verfolgt und wollen das lange Wochenende nutzen. Gemeinsam mit zwei weiteren Yachten aus Vancouver sind sie am Weg zu uns, um uns mit Bord-BBQ zu verwöhnen. Und so wird unsere Koje heute Nacht nicht viel von uns sehen!

Langsam ziehen wir durch die Gulf Insel. Die Segel gehen rauf und runter, der Motor an und aus. Segeln kann man das wohl kaum nennen, eher ein gelegentliches Auslüften des Tuchs. Der Wind bleibt lau, kommt und geht und ändert um jede Insel seine Richtung. Wir haben Zeit. Die Entfernungen sind marginal, die Ankerplätze schön, die Sonne herrlich. Irgendwann erreichen wir unseren letzten Hafen von Kanada: Sidney. Wir ankern vor dem luxuriösen Yachthafen, wo die Motoryachten in riesigen, schwimmenden Hallen darauf warten, dass ihre geschäftstüchtigen Eigner Zeit zum Spielen haben. Vor uns liegt eine hübsche Westsail 32 - eine typische Fahrtenyacht in Nordamerika. Trotzdem fällt sie uns besonders auf und wir können nicht umhin, ihr mit dem Dingi einen Besuch abzustatten. Was so besonders an ihr ist? Ihr Heimathafen. In dicken Buchstaben ist zu lesen: Iqaluit, NU. Eine Yacht aus Baffin Insel, Nunavut? Nicht nur, dass nur wenige Segelyachten in der Arktis registriert sind, auch kennen wir ihren Namen nicht und wundern uns, wie sie hier her gekommen ist.

Rob und Sophie sind uns auf Anhieb sympathisch. Seit Jahren leben und arbeiten die Beiden in Kanadas Arktis. Fahrtensegeln ist neu für sie. Ihre hübsche Yacht haben sie hier in den Gulf Inseln gekauft und untergebracht, um heuer ihr großes Segelabenteuer zu leben: Ein Jahr Sabatical. Die Route ist noch ungewiss. Anfänglich gab es den Plan, nach Mexico zu segeln, den Golf von Kalifornien zu bereisen und dort einen guten Hafen für das Boot zu finden. Nun sind sie sich nicht mehr ganz so sicher. Das Seegebiet entlang der Küste Nordamerikas ist rau, sein schlechter Ruf eilt ihm voraus. Sie haben von Wellen bis fünfzehn Meter Höhe gehört. Hafeneinfahrten, in die schwere Brecher stehen und Wetterbedingungen, die gefährlich für eine unerfahrene Crew sind. Immer noch toben Hurricane südlich von uns und Jahr für Jahr muss die Küstenwache ausrücken, um die eine oder andere Yachtcrew zu retten. Rob überschätzt sich nicht. Weiß, dass er wenig Erfahrung hat und ist vorsichtig. Immerhin sollte das freie Jahr etwas besonderes werden. So wollen die beiden vorerst Erfahrungen sammeln und Vancouver Insel umrunden. Alles ist noch aufregend und neu: Seemännische Entscheidungen, Wetterkunde, das Leben vor Anker, Freundschaften mit anderen "Cruiser". Unsere Gesprächsthemen fliegen immer wieder in den Norden. Können nicht genug von den Geschichten der Arktis bekommen. Sophie strahlt über unseren positiven Zuspruch: Gut, wie ihr es macht. Immer einen Schritt nach dem anderen. Fühlt euch erst mal wohl und sicher in eurem neuen Tun, dann könnt ihr weiter machen. Ihr werdet sehen, wenn ihr erst mal rund Vancouver Insel seid, sind eure Erfahrungen gewachsen. Dann könnt ihr immer noch entscheiden, ob ihr in den Süden ziehen wollt. Nur nicht jetzt schon aufgeben. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja doch in Mexico wieder!

Segelyacht Blue Tale

Es sind nur wenige Seemeilen bis in die USA. Zu den San Juan Inseln, wo wir in Roche Harbor am Zollsteg anlegen und einklarieren. Die Einklarierung dauert - hier wird alles korrekt gemacht. Bestimmend aber höflich werden unsere Daten und Papiere verlangt und durchgegangen. Formulare geschrieben und bearbeitet. Stempel und Visas wandern in unsere Pässe und die "Cruising-Permit" in unsere Tasche. "Herzlich Willkommen in den USA, wir wünschen eine schöne Reise" heißt es zum Schluss. Alles erledigt, muss ich die Beamtin fragen: "War der Einreisestempel von Kanada wichtig für uns?" Immerhin hatten wir ja einige Probleme, ihn zu bekommen. "Unbedingt. Ohne den Stempel währe diese Einklarierung anders verlaufen!" Phu, ich will garnicht wissen, wie anders und schicke insgeheim ein Danke an Francis und Keith von Prince Rupert. Ohne ihrer Hilfe hätten wir den Einreisestempel nach Kanada nicht erhalten.

Roche Harbor ist nicht unsere Kragenweite: Ein luxuriöser Yachthafen, ein großes Resort. Ferienhäuser für Reiche. Ein wenig bezaubernder "Skulpurenpark" (eine Wiese mit Skulpuren), ein Golfplatz. Und US-Patriotismus, der regelrecht von den Häusern trieft. Wir kaufen einen Sechserpack Bier und verziehen uns an Bord. Den lauen Abend verbringen wir lieber an Bord, LA BELLE ankert zwischen unzähligen Yachten vor der Hafenanlage. Bei Sonnenuntergang tönt Marschmusik durch die Bucht. In einem Trara werden am Steg die Farben gestrichen: zuerst geht die Yachtclub-Flagge in Begleitung eines alten Ami-Schlagers nieder. Dann tönt die Kanadische Hymne durch die Bucht, während das Ahornblatt gestrichen wird. Schließlich geht die "Stars and Stripes" nieder und alles steht still während die amerikanische Hymne durch die Bucht bebt. Dann ein Kanonenschuss. Um uns ein wahres Hubkonzert von patriotisch gerührten Yachtbesitzern. Wir sind über diese Vorstellung wenig begeistert und unser Resümee: Roche Harbor fühlt sich an wie Disney Land. Flaggen-Patriotismus und Nationalismus heben uns maximal die Galle.

Schnell raus aus dieser Ecke. Im Küstenhandbuch lese ich vom Bauernmarkt in Fishermans Bay am Samstag. Das klingt doch interessant und da die Ankerbucht rundum geschützt ist und auch ein bisschen Nervenkitzel durch ihre seichte Einfahrt bringt, hab ich Jürgen schnell überzeugt.

Fast bei Hochwasser laufen wir in Fishermans Bay ein. Trotzdem hat LA BELLE EPOQUE stellenweise kaum einen Meter Wasser unterm Kiel. Auch der Ankerplatz ist seicht und wir überprüfen den Tidenkalender doppelt: Morgen ist Vollmond und mit ihm Springtide. Wir werden voraussichtlich nur noch wenige Zentimeter unterm Kiel haben. Egal, unter uns ist Schlammboden, falls das Wasser doch mehr als berechnet fallen sollte, sitzen wir eben im Schlamm, das bringt LA BELLE und uns schon nicht um. Schon fliegt das Dingi über die Seite - Zeit zum Landgang.

Lopez ist wunderschön. Ganz anders als Roche Harbor und unglaublich freundlich. Das Dorf ist sauber und gepflegt, umringt von kleinen Bauernhöfen und Weinguten. Wilde Brombeersträucher recken ihre schwer behangenen Stämme bis zum Strand. In der Fishermans Bucht wird gesegelt und der Sommertag genossen.

Lopex Insel, San Juan Inseln, USA

Wir wandern über die Insel, holen uns Pektin zum Einkochen aus dem gut sortieren Supermarkt und füllen unsere Plastiksackerl mit Brombeeren. Stopfen unsere Münder voll. "Was für ein schöner Geburtstag" freue ich mich über diesen Tag. Doch es sollte noch besser kommen: Zurück an Bord segelt ein kleines Boot dicht an uns ran: "Hey, habt ihr Lust, mit mir heute Abend zur Hochzeitsfeier meiner Freunde zu kommen. Keine Sorge, die Feier ist ganz gemütlich, mit Spanferkel, Livemusik und Lagerfeuer. Ihr seid herzlich Willkommen."

Irgendwann verlassen wir die freundliche Fishermans Bucht, es wird Zeit, ein paar Dinge zu erledigen, bevor wir Richtung San Francisco aufbrechen können. In Anacortes bringen wir unsere Segel zur Reparatur, kaufen Lacke für unsere Arbeiten auf Deck und präparieren LA BELLE für den Süden: Mückenschutz und Belüftungssegel müssen genäht werden, Jürgen baut die neue Dieselfilteranlage für den Motor ein. Bald werden wir nicht mehr damit rechnen können, immer sauberen Diesel zu erhalten. UV-Schutz fürs neue Dingi muss genäht werden und gemeinsam kochen wir Lebensmittel für die kommenden Monate ein. Im Supermarkt ist Schweineschopf im Angebot und nach und nach werden aus zehn Kilo Fleisch alle möglichen Leckereien, die in unsere Gläser wandern.

Von Anacortes sind wir überrascht. Die Stadt lässt sich sehen und empfängt uns mit Freundlichkeit. Ganz in der Nähe wohnen Doug und Michelle, die uns per e-mail durch die Nordwest Passage begleiteten und so können wir uns endlich kennen lernen. Die beiden helfen uns, unsere Segel zum Segelmacher zu bringen. Dort läuft uns Mark über den Weg. Nicht, dass wir Mark Schrader erkannt hätten, doch Michelle stellt uns prompt vor: "Mark, das sind Claudia und Jürgen. Sie segelten letztes Jahr durch die Nordwest Passage. Haben in Grönland und Alaska überwintert und den Nordatlantik hinter sich. Claudia und Jürgen, das ist Mark, er segelte 2009 durch die Nordwest Passage und rund Amerika. Er gehört zu den bekanntesten amerikanischen Seglern, ist schon zweimal Einhand um die Welt gesegelt. Unter anderem um alle südlichen Kaps."

Mark ist von unseren Reisen begeistert, wir von seinen. Bald stehen wir gemeinsam mit Michelle und Doug am Deck von OCEAN WATCH, die in einer Halle auf ein paar Wartungsarbeiten wartet. Das Boot steht zum Verkauf, obwohl Mark schon an einem neuen Reiseplan arbeitet. Immerhin kann es ja sein, dass die große Yacht nicht schnell verkauft wird, dann sollte sie wenigstens genützt werden. Mark will mehr über unsere Überwinterungen hören. Er ist eben immer zu schnell unterwegs, ärgert er sich. Wir sind noch ein paar Tage in Anacortes und so verspricht der sympathische Profisegler, in ein paar Tagen mit dem Dingi LA BELLE EPOQUE zu besuchen. (http://northwestpassage2014.blogspot.ca/2014/08/northwest-passage-alumni-meet-on.html)

Der Nachmittag mit Michelle und Doug wird fröhlich und das leckere Geschenk der beiden hält keine zwei Tage an Bord durch: Die saftige Pfirsiche aus der Region duften einfach zu unwiederstehlich, um aufgehoben zu werden! Wir erfahren den neuesten Tratsch über die heurigen Yachten in der Nordwest Passage und über neue Bestimmungen und Entwicklungen in Zentralamerika. Michelle und Doug sind mit ihrer Motoryacht zur Zeit in Mexico und machen gerade Heimaturlaub.

Während der Tage in Anacortes macht sich weiter Aufbruchstimmung an Bord breit. Wir können kaum erwarten, wieder einen langen Ozeanschlag vor uns zu haben und beobachten wie gewohnt die Wetterentwicklung. Und von Mark wissen wir die guten Nachrichten: Die Vorhersagen, vor einem El Niño Jahr zu stehen, könnten falsch sein. Zur Zeit sieht es nicht danach aus und der Südpazifik ist sogar etwas kälter als Durchschnitt. Vielleicht haben wir Glück, denn El Niño heißt in der Regel: Kaum Passatwinde, erhöhtes Risiko von Hurrikanen und schwere Wetterverschiebungen im ganzen Pazifik.

Noch allerdings müssen wir die Füße still halten. Im Süden von uns ziehen Tropische Depressionen und Hurrikane wie auf dem Fließband einher und reichen weiter in den Norden als gewöhnt. Die Meldung von einer verunglückten Yacht nördlich von Hawaii mahnt auch uns zur Geduld!

wetteranalyse pazifik

Wetterkarten Pazifik: Der Südpazifik zeigt immer noch keine signifikant erhöhten Wassertemperaturen. Vielleich haben wir Glück und die Vorhersagen von El Niño bestätigen sich nicht. Doch sind immer noch Hurrikane im Nordpazifik unterwegs!

Sidney

Stadtbesuch in Comox. Unser letzter Port vor Vancouver

Kanada

Stadtpflege wird hier in British Columbien sehr ernst genommen: überall frische Blumen und saubere Strassen.

Vancouver Hafen

Vancouver voraus!

St Roch

Wir besuchen das Maritim Museum von Vancouver: Die ST ROCH ist das zweite Schiff in der Geschichte der Nordwest Passage

Northstar

Die NORTH STAR - einer der Inuit-Schoner. Sie änderten das Leben des Urvolks.

Vancouver

Abendstimmung am Ankerplatz. Wir ankern in False Creek mitten in Downtown Vancouver.

Grenswille Island Farmers Market

Besuch vom Markt auf Greensville Insel, Vancouver

Vancouver

Stadtbilder...

Vancouver

... von Vancouvers Innenstadt.

Vancouver

Wolkenkratzer in Vancouver

Vancouver

City-Art in Vancouver...

Vancouver City Art

...findet man selbst auf Parkplätzen...

City Art Vancouver

...oder auf Hauswänden in China Town

China Town Vancouver

Vancouvers großes China Town

China Town

Einkaufsstraße in China Town

Chinesischer Garten Vancouver

Vancouver ist stolz auf seinen Chinesischen Garten

Straßenmusik

Straßenmusik einmal anders.

Radausflug Vancouver

Wir machen einen Radausflug um die Stadt. Aussicht vom Stanly Park nach Nord Vancouver

Canada Goose

Zahme Kanadagänse am Ankerplatz in Vancouver

Gulf Inseln

Wir ziehen weiter: Sommer, Sonne, Sandstrände auf den Gulf Inseln

Solarkunst

Solarkunst in Telegraph Harbour: die Bilder werden mit Hilfe einer Lupe ins Holz gebrannt.

Gulf Inseln Kanada

Wir ziehen durch die Gulf Inseln Kanadas und finden alte Plätze der Urbevölkerung.

Gulf Inseln

... und schöne Wälder

Sidney

Letzter Stop in Kanada: Sidney

Roche Harbor

In Roche Harbor klarieren wir in die USA ein.

Farmers Market in Lopez

Bauernmarkt in Lopez

Lopez

Leben in Lopez.

Flaschenpost

E-Mail Nachricht aus Norwegen: 2011 haben wir vor Norwegens Lofoten Inseln eine Flaschenpost auf ihren Weg geschickt. Nach drei Jahren erreicht uns eine E-Mail: die Flaschenpost wurde in Nordnorwegen angeschwemmt!

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Kaffeekasse...

[zum seitenanfang]

 

Jürgen Kirchberger, Claudia Kirchberger - Fahrtensegler auf Weltbesegelung

 

 

 

Impressum, Kontakt