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 Zurück in die Zivilisation

Dixon Eingang Leuchtfeuer

"...Als Amateurfunker und Segler verfolgen wir eure Positionsreporte schon eine ganze Weile und würden uns freuen, euch persönlich kennen zu lernen. Wenn ihr Lust dazu habt, können wir euch Prinz Rupert und die Umgebung zeigen."

Keith und Frances leben zirka 90 Kilometer Inland von Prince Rupert. Wir müssen nicht lange überlegen. Das Mail von Keith klingt sehr nett und es ist immer ein besonderes Erlebnis, auch die Einheimischen eines bereisten Landes kennen zu lernen. So freuen wir uns jetzt schon auf Prince Rupert, unseren ersten Port in Kanadas British Kolumbien.

Nach einer ruhigen Nacht im winzigen und mit Fischern überfüllten Ankerplatz von Boat Harbor steuern wir durch den Dixon Entrance, jene Wasserstrasse, die die amerikanischen Inseln von den kanadischen Inseln trennt. Starke Tidenströme bringen das kalte Wasser des Golf von Alaska den breiten Inlet durch bis in die inneren Wasserwege vor Prince Rupert. Sie sind Grund für den Fischreichtum des Seegebietes, aber sie sind es auch, vor denen so manche Seeleute großen Respekt haben, erzeugen die Strömungen doch munteren Seegang, sobald sich der Wind gegen sie dreht.

Wir allerdings haben kein Glück mit Segeln. Entgegen des Wetterberichtes ist der Wind wieder einmal flauer als erhoft und Mr. Perkins hilft LA BELLE EPOQUE nach, doch noch nach Kanada zu kommen.

Die Reise verläuft langsamer als geplant, denn wir empfangen einen unerwarteten Funkspruch an Bord. Das amerikanische Segelboot NAUKATI meldet Motorschaden. Sie treiben in der Flaute im Dixon Entrance und sind zum Spielball der Strömung geworden. Sofort tragen wir die durchgegebene Position in unserer Seekarte ein. Wir sind nur wenige Seemeilen von NAUKATI entfernt und bieten unsere Hilfe an. LA BELLE EPOQUE wird damit vorübergehend zum Schleppschiff und unsere Reise geht etwas langsamer voran. Zwar kommt am Nachmittag sogar etwas Wind auf, dennoch sind wir uns einig: die Schlepptrosse zu NAUKATI bleibt, denn sollte der Wind sterben, würden wir ohnehin wieder umdrehen und die motorlose Yacht erneut einfangen.

Seenotfall, Segelboot in Schlepp

Natürlich sind die Kanadischen Behörden längst in Feierabend gegangen, als wir schließlich um halb Zehn Uhr Abends in Prince Rupert fest machen. Macht nichts, in Kanada gehen die Uhren anders und das Einklarieren von zwei ausländischen Yachten wird auch so zum Kinderspiel: Am Zollsteg steht ein Telefon, das uns mit der Hauptzollstelle weiter im Süden verbindet. Unsere Papiere werden über Telefon abgewickelt und wir erhalten eine Nummer, die beweisen sollte, dass wir ordnungsgemäß Einklariert sind. Leider allerdings wird es schwieriger als erwartet, einen Einreisestempel in den Pass zu erhalten. Der ist allerdings wichtig für uns, wollen wir doch später damit beweisen, dass wir auch ordnungsgemäß die USA verlassen haben. Trotz des Versprechens des Beamten am Telefon, dass wir am folgenden Tag einen Stempel im Zollbüro abholen können, brauchen wir die Hilfe unserer neuen Freunde Keith und Francis.

Alles erledigt, machen wir LA BELLE EPOQUE im Hafen fest und springen ins Auto. Auf nach Terrace. Wild und ungezügelt wuchert die Natur um uns, während wir die Strasse entlang des breiten Skeena Flusses nehmen. Kanada erinnert uns eher an Westnorwegen als an Alaska und wir genießen es, ein Stück vom Inland zu sehen und dabei die vielen Geschichten vom Land aus dem Mund der beiden Kanadier zu hören. Wir unternehmen Ausflüge in alle Himmelsrichtungen und verbringen einen geselligen Abend im Haus von Francis und Keith. Es ist eigenartig, im Einschlafen nicht das Säuseln des Wasser am Rumpf oder das leichte Singen des Windes im Rigg zu hören doch wir sind dankbar, diese Gastfreundschaft erleben zu dürfen. Auch der folgende Tag ist mit Ausflügen zu Land und interessanten Gesprächen gefüllt. Natürlich sind wir neugierig auf alle Informationen, die uns die Beiden über die Küste vor uns geben können und so verbringen wir vor unserer Fahrt zurück zum Boot einige Zeit vor den Seekarten, notieren Ankerplätze und Wissenswertes. Von nun an werden wir nicht mehr ohne Unterlagen reisen: Keith überreicht uns seine Küstenhandbücher. Wir können sie ja später zurückschicken.

Seglertreffen

Die Zeit in Prince Rupert vergeht wie im Flug und bald schon schiebt sich LA BELLE EPOQUE wieder an den großen Hafenanlagen vor dem Dorf vorbei. Wir sind fasziniert von dem geschäftigen Hafen, hatten wir doch hier im Norden noch nicht mit derartige Anlagen gerechnet. Doch unser Aufenthalt hier hat uns ein besseres belehrt: Kanada baut seine Häfen im Norden aus, immerhin ist die Strecke von Prince Rupert nach Korea der kürzeste Seeweg aus Kanada nach Asien und so wandern die Güter in Beide Richtungen. Weizenladungen, Kohle und andere Produkte Kanadas werden verladen, Container voll Wirtschaftsprodukte aus Asien werden entladen und auf die wartenden Transportzüge gepackt. Wirtschaftstreibende Kanadas wollen die Verkehrsstrecke weiter ausbauen und die Planung von Pipelines bis zur Küste laufen auf Hochtouren. Die Einwohner von Prince Rupert und Umgebung äußern gemischte Gefühle: Nicht unproblematisch soll die geplante Pipeline werden, der Ölsand, der später durch die Pipelines transportiert werden soll, stellt eine große Gefahr für die Umwelt dar, sollte ein Unfall mit den Pipelines passieren.

Bald lassen wir die Hafenanlagen hinter uns und vor uns streckt sich nichts als Wildniss. Wieder tummeln wir uns auf einsamen Ankerplätzen und lassen uns durch wilde Fjorde treiben. Wir beobachten eine Gruppe Buckelwale beim gemeinsamen "Bubblefeeding", ein Erlebnis sondergleichen. Die Wale tauchen gemeinsam, bilden Unterwasser ein Netz aus Luftblasen und treiben so die kleinen Heringsschwärme zusammen. Mit offenen Mäulern tauchen sie senkrecht auf, bis kein Hering mehr übrig bleibt.

Die ganze Nacht bleiben "unsere" Wale vor der Ankerbucht, während einige Seehunde verschlafen auf den Felsen liegen.

Wieder bleibt der versprochene Wind aus, doch wir können nicht ewig warten. Unter Motor gehts durch den "Ditch", wie die Kanadier den geraden und wenig spektakulären Greenville Kanal nennen. Längst steht unser Plan fest, dass wir das letzte Stück bis zur großen Vancouver Insel nicht mehr in den geschützten Wasserwegen der Inside Passage bleiben wollen. Zu viele Stunden sind wir bereits unter Motor gelaufen, zu sehr sehnen wir uns nach Segelwind! So wählen wir den Ankerplatz südlich vom Greenville Kanal nicht anhand seiner Einzigartigkeit, sondern anhand seiner Nähe zum offenen Meer, vor uns liegt der Übernacht-Schlag nach Port Hardy.

Wettervorhersage für Queen Charlotte Sund und Queen Charlotte Strasse: Dienstag Morgen Nordwest 3, gegen Mittag zunehmend auf NW4. Am Mittwoch Morgen Nord mit 6 Baufort, zunehmend auf N7. Bewölkung 7 bis 8/10

Aus dem Campina Sund laufen wir wieder unter Motor, aber der Wind wird ohnehin bald zulegen. Wieder grüßen uns Wale vor der Ankerbucht. Die Gezeitenströme sind wie immer schwer einzuschätzen, sie laufen einmal mit, einmal gegen uns. Gegen Mittag laufen wir endlich unter Segel, noch sind wir im ruhigen Wasser des Sunds. Wir nutzen die Zeit für Segelaufnahmen und Jürgen zieht mich hoch ins Rigg. Was für Spaß. Bald habe ich das unsichere Gefühl hoch im Rigg überwunden und fühle mich auf der Saling wie Cap. Dean aus dem Film Forrest Gump! Dennoch bin ich froh, als ich wieder das Schiffsdeck unter meinen Füßen spüre...

Endlich richtiges Segeln! Bei Halbwind arbeiten alle unsere Segel und LA BELLE fliegt dem Süden entgegen. Bald schon baut sich ruppiger Seegang auf. Der Queen Charlotte Sund macht seinem schlechten Ruf alle Ehren und wir müssen aufpassen, nicht seekrank zu werden. Dennoch genießen wir unsere Segelnacht: unter gerefftem Besan, vollem Groß und Genua fangen wir den schwachen Wind. Vergeblich warten wir auf die sechs bis sieben Beaufort, aber das macht nichts. Wir haben längst einen guten Ankerplatz vor Port Hardy in den Seekarten gefunden und so haben wir keine Eile, noch rechtzeitig vor Kenterung der Tide in die Strasse von Queen Charlotte einlaufen zu müssen!

Und wie gut wir gewählt haben: Bull Harbour ist ein echter Traumplatz. Der Ankerplatz ist groß und gut geschützt, während sich entlang der Außenküste ein herrlich wilder Sandstrand streckt. Wir können kaum genug davon bekommen, barfuß durch den Sand zu laufen. Unglaublich, so muss sich Sommer anfühlen!

Sandstrand von Bull Harbour

Den Abend verbringen wir in spezieller Gesellschaft: neben uns liegt ein kanadischer Fischkutter mit eigenartiger Fracht: Die eingeborene Crew des Fischkutters hilft einer Gruppe Jugendlicher, zum Großen Treffen der kanadischen Urvölker nach Bella Bella zu gelangen. Natürlich nehmen wir ihre Einladung zu ihnen an Bord gerne an und genießen es, die ungezwungene Gesellschaft der Einheimischen zu erleben.

Steifer Nordwind bringt uns nach Port Hardy und es dauert ein bisschen, bis wir einen geschützten Ankerplatz finden. Wir wollen uns nicht zu den paar Seglern am ruppigen Ankerplatz vor der Hafenanlage gesellen, zu unbequem klatschen dort die Wellen gegen die Boote. Doch im hinteren Winkel des Hafens werden wir fündig: zwischen Fischfarm und Landepiste der Wasserflugzeuge warten wir auf die Ankunft meines Bruders und seiner Tochter.

Die beiden sind mit dem Auto zu uns unterwegs, auf ihrer langen Road Tour von Manitoba nach Britisch Kolumbien. Und während wir LA BELLE EPOQUE noch schnell putzen und die Schapps mit frischen Lebensmittel füllen, entlässt die Fähre die beiden auf die große Insel, an deren Nordspitze hier in Port Hardy wir unseren Treffpunkt vereinbart haben.

Meine aufgeweckte Nichte hat bisher noch nie das Meer gesehen und so nehmen wir uns vor, mit ihr an Bord noch einmal zurück zu Bull Harbour zu segeln. Immerhin gehört zum Erlebnis Pazifik auch ein schöner Sandstrand, auf dem sich die lange Dünung schäumend bricht. Gemeinsam segeln wir von einem Ankerplatz zum nächsten, bestaunen die wilden Küsten und genießen die gemeinsame Familienzeit. Immer wieder gewinnt die Sonne gegen die aufkommenden Nebelfelder und wir erleben feine Sommertage. Wir baden im 14 Grad kalten Meerwasser, basteln Muschelketten im Cockpit und braten die frischen Fische, die uns an die Angel gehen. Mein Bruder verwöhnt uns mit seinen Kochkünsten und das überm Lagerfeuer gebratene Steak wird zur wahren Delikatesse.

Zurück in Port Hardy wechseln wir das Boot gegen das Auto, machen Touren ins Inland der Insel und besuchen die wilden Höhlen vom Little Hudson See. Auch das hübsche Hafendorf von Telegraph Cove besuchen wir per Auto, hier ist es zu eng um auch vor Anker liegen zu können und anstelle von Hafengebühren finanzieren wir unser Geld lieber in Eiscreme.

Die gemeinsame Zeit verfliegt viel zu schnell, auch wenn Lena ihren Papa überreden kann, doch noch einen Tag länger an Bord zu bleiben. Bald schon umarmen wir uns ein letztes Mal und blicken traurig dem Auto hinterher.

Urlaub am Segelboot

Bald schon brechen auch wir erneut auf. Langsam segeln wir zwischen Vancouver Insel und dem Festland hin und her. Verbringen einen unruhige Nacht am offenen Ankerplatz der schönen Sommerinsel Savary und werden mit einem herrlichen Tag auf derselben Insel belohnt. Wir besuchen das aufgeräumte Städtchen Comox und liegen mit unzähligen Yachten vor Anker bei Sandy Insel. Sommer, Sonne, Segelspaß. Wir lachen über den Ankerplatz bei Sandy Insel: Anstelle der üblichen Geräusche der Natur - Adlerrufe, das Schnauben der Robben und das Rauschen des Wind in den Bäumen entlang des Ufers - vernehmen wir nun am Abend die Stimmen aus den Cockpits rund um uns. Das monotone Generator-Brummen der Motoryacht neben uns übertönt das Plätschern der kleinen Wellen und in der Luft liegt der Geruch von BBQ.

Auch am Abend kommen noch weitere Yachten in die gefüllte Ankerbucht. "He, da kannst du nicht ankern, ich hab meinen Anker dort!" Tönt es durch die Bucht. Spätestens jetzt wissen wir: Wir sind zurück in der Zivilisation!

Britisch Kolumbien

Sommer in Britisch Kolumbien

Prince Rupert, Britisch Kolumbien

Prince Rupert Grain Ltd. Von hier aus geht der kanadische Weizen in alle Welt.

Japanische Fischereiboje

Eine Besonderheit im Golf von Alaska: Schwemmgut aus Japan

Japanisches Schwemmgut

Die kleine Boje ist weit gereist...

Bull Harbour, Britisch Kolumbien

Felsbuckeln am Strand von Bull Harbour

Kanadisches Urvolk Kanu

Aufbruch zum großen Treffen der kanadischen Urvölker in Bella Bella

Indianisches Kanu

Wir betrachten ein Kanu aus der Nähe.

Besuch an Bord

Besuch an Bord: Lena hat Spaß beim Segeln

Baden im Golf von Alaska

... und beim kalten Bad im Golf von Alaska.

Staeks vom Lagerfeuer

Abends gibts leckere Steaks am Lagerfeuer.

Landgang am Festland von Britisch Kolumbien

Landgang am Festland von Britisch Kolumbien

Erinnerung

Die Tierwelt in Kanada hat es in sich: Das Schild lässt uns vorsichtig sein, denn hier gibt es nicht nur Bären... (Wir schätzen, dass Schooner ein Bordhund war...)

Alert Bay Indianer Reservat

Wir besuchen Alert Bay, die Insel ist in Besitz der Namgis

Wanderung in Albert Bay

Wanderung im Reservat in Albert Bay

Urbaum in Alert Bay

Die Urwälder auf der bärenfreien Insel beeindrucken

Im Urwald

Vorsichtig sieht mein Bruder nach, ob hier ein Tier zuhause ist...

höchste Todem der Welt

Dort bestaunen wir den höchsten Todem der Welt. Da Todem nach ihrer Aufstellung nicht berührt werden dürfen, hat dieser bereits seine Spitze verloren und steht etwas wackelig da.

höchster Todem der Welt

Der höchste Todem der Welt muss mit Eisensteher gesichert werden.

Todem

In Albert Bay sind viele Todems zu bestaunen.

Indianer Reservat

Die Treaty der kanadischen Urbevölkerung werden kontrovers diskutiert: Der komunale Landbesitz der Urbevölkerung bringt Probleme für Individien und nicht jeder im Reservat ist glücklich mit dieser Lösung.

Alert Bay, Britisch Kolumbien

Wasserfront in Alert Bay.

Alert Bay, Britisch Kolumbien

Spaziergang in Alert Bay

Alert Bay

Wie immer ankern wir lieber und sparen uns das Geld für den Hafen.

Telegraph Cove

Ausflug nach Telegraph Cove auf Vancouver Insel

Telegraph Cove, Vancouver Insel

Die alte Hafenanlage ist wunderschön erhalten.

Telegraph Cove

Wir schlendern entlang der alten Hallen von Telgraph Cove

Caves von Little Hudson Lake

Mit dem Auto gehts zu den Hölen von Little Hudson Lake

Little Hudson Lake, Vanouver Island

Little Hudson Lake Caves

Schwemmholz

Typisch Kanada: über Flüsse und übers Meer wird das Holz geschwemmt.

Holzindustrie in Kanada

Allerdings gibt es nur noch wenige Sägewerke in Kanada: das meiste Holz wird unverarbeitet direkt nach Asien geschifft.

Urwald

Fast jeden Morgen dampft der Urwald um uns und Nebelfelder werden zur Normalität.

Ankerplatz in Britisch Kolumbien

Ankerplatz vor einer ehemaligen und verfallenen Fischverarbeitungsfabrik.

Durch die Johnstone Strasse in den Süden

Durch die Johnstone Strasse in den Süden

Savary Insel

offener Ankerpatz bei der schönen Savary Insel

Sommer in Kanada

Endlich Sommer!!!

Savary Insel

Zurück in der Zivilisation. Traumhaus auf Kanadisch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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