Blauwasserseglerinnen
  
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 Frauen an Bord

Frauen

Leben unter Segel - keine reine Männersache!

Frauen an Bord - früher waren sie gefürchtet an Bord, denn es hieß, sie bringen Unglück über Schiff und Besatzung. Bis auf wenigste Ausnahmen war Bordleben eben Männersache. Dann verschwand die große Segelschifffahrt von den Weltmeeren, und mit ihnen einiges an Aberglaube.

Doch konnte die Moderne nie den Ruf und die Verlockung von gehissten Segeln am Horizont stehlen und die harte Arbeit unter Segel änderte sich nur zum großen Abenteuer und Sport auf den Weltmeeren. Mehr und mehr kleine Yachten erschienen auf der Bildfläche, breiteten ihre Segel und unternahmen Reisen, die schier unmöglich wirkten. Die Beweggründe sind bis heute ganz verschieden und persönlich geblieben: der Wunsch nach Abenteuer; die Lust, neues zu entdecken; der Ausstieg aus dem Alltag; der Versuch,eine sportliche Höchstleistung zu erbringen; die Hoffnung, Rekorde aufstellen zu können; die Liebe zum Reisen; oder einfach nur der Wunsch, ein einfaches aber freies Leben zu führen.

Immer noch war Segeln eine Männersache, doch dass sollte sich schnell ändern. Immerhin wurde das Segeln zum Lebensstiel und wer will schon gerne alleine leben? So zogen langsam aber stetig Paare und sogar Familien an Bord, schmissen die Landleinen und begaben sich auf weite Fahrt. Die Frau als Mittäter, sozusagen. Doch auch dabei sollte es nicht bleiben. Denn viele dieser Frauen waren in Wirklichkeit keine "Mitbringsel", viele waren genauso begeistert vom Segeln wie ihre Männer, auch sie wollten Abenteuer, freies Leben oder die Welt entdecken. Sie standen genauso auf ihren beiden Beinen wie ihre männlichen Begleiter. Kein Wunder, dass auch die Zeit kam, in dem mehr und mehr Frauen im Alleingang die Nachrichten von besonderen Segelreisen füllten, an Bord von großen Regatta-Yachten Platz nahmen, Rekorde brachen, oder erstaunliche Abenteuer erlebten.

Heute segeln tausende Frauen über die Weltmeere, alleine, mit Partnern oder in Begleitung ihrer Familien. Und wer nun meint, sie seien alle blos "Mitsegler" ihrer seegängigen Männer, der sei eines besseren belehrt. Die meisten Bordfrauen, die wir in extremen Gebieten getroffen haben, können nicht genug bekommen und werden zur Triebfeder an Bord, den Bug auch weiter in exotische Gebiete zu drehen. Weshalb auch nicht!

Und um der bunten Welt der Fahrtenseglerinnen auch einen Platz zu geben, starte ich diese Seite, auf der sich hoffentlich bald ein Pool an Erfahrungswerten zusammenfindet, denn meine Erfahrungen alleine können kaum einen objektiven Einblick ins Leben von Bordfrauen geben. Wenn auch du eine Seglerin mit der einen oder anderen Erfahrung bist und Lust hast, mir bei dieser Seite weiter zu helfen, würde ich mich über eine e-mail mit deiner Geschichte freuen. Hier ein paar Anregungen, was du von dir erzählen könntest:

  • Kleine Vorstellung: Ein paar Worte über dich/euch und seit wann bist du unterwegs? Warum bist du aufgebrochen?

  • Mit wem bist du aufgebrochen, habt ihr Crew?
    Rollen an Bord, Arbeitseinteilung, Wacheinteilung, Hierarchie?

  • Partnerschaft an Bord?

  • Leben während Segeletappen, was ist schön, was nicht am Segeln, kannst du das Boot alleine handhaben und Navigieren? Seekrankheit?

  • Ein Boot als zuhause? Wie geht es dir mit dem kleinen Platz an Bord, Energiehaushalt, Minimalismus, dem Dingi…, was liebst du, was fehlt dir an Bord?

  • Leben in der Fremde, wie geht es dir mit den ständig wechselnden Kulturen um dich?

  • Was sind deine schönsten Plätze, wo willst du noch hin?

  • Hast du schon mal Angst bekommen, wenn ja, wie gehst du mit Angst um?

  • Fliegt ihr zwischendurch hin und wieder heim, wie gehts dir mit Familie und Freunde zuhause, hast du Heimweh? Wie haltest du Kontakt?

  • Hast du Hobbys an Bord?

  • Was magst du besonders an deinem Segelleben?

  • Was würde für dich an Bord nicht funktionieren?

  • Denkst du, dass dich die Zeit an Bord verändert hat, und wenn ja, dann wie?

  • Betreibt ihr eine Homepage, kann man mehr über dich/euch lesen?

Dieser Fragebogen ist natürlich nicht vollständig. Wenn du einfach eine Geschichte von dir an Bord berichten willst, mehr oder weniger erzählen willst, ich freue mich darauf! Bitte auch ein Foto beisteuern, egal, ob es von dir, deinem Boot oder einem Platz ist, den du als dein Titelbild möchtest...

 

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gedanken von unterwegs

Werde die du bist - Meine persönlichen Erfahrungen als Fahrtenseglerin - Teil 1

Partnerschaft und Arbeitseinteilung an Bord

Wie vermutlich viele Leser dieser Homepage ohnehin wissen, bin ich gemeinsam mit Jürgen seit 2010 an Bord unserer Stahlyacht LA BELLE EPOQUE zur ausgedehnten Segelreise mit offenem Ende unterwegs. An Bord leben wir seit 2009, da wir bereits ein Jahr vor Aufbruch der Reise das Boot in der Donau liegen hatten und frühzeitig eingezogen sind. Diese Reise ist unsere zweite große Segelreise, mit unserem ersten Segelboot IRISH MIST haben wir gemeinsam die Welt des Fahrtensegelns bereits 1998 und den Folgejahren kennen gelernt. Weder Jürgen noch ich hatten vor der Reise mit IRISH MIST Segelerfahrungen, von einem Segelkurs während meiner Schulsport-Woche und etwas Erfahrung beim Windsurfen auf Jürgens Seite einmal abgesehen. Aber wir haben unterwegs viel gelernt und vor allem begriffen, dass wir auf diesen Weg mehr erleben werden, als wir uns erträumen können.

Unser Aufbruch zu dieser zweiten Segelreise war für uns beide der logische Weg, denn wir haben diesen Lebensstil mit all seiner Einfachheit, seinen unzähligen Eindrücken und den ständigen Veränderungen lieben gelernt. Auch unsere Partnerschaft ist durch diese enge Verbindung und das gemeinsame Erleben unseres Alltags und unserer Abenteuer stetig gewachsen. Hin und wieder werde ich gefragt, ob es nicht schwer ist, auf so engem Raum zusammen zu leben und manchmal über Wochen nicht eigene Wege gehen zu können. Doch kann ich nichts dergleichen berichten. Ich habe über diesen Aspekt viel nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich eigentlich das Leben im österreichischen Arbeitsalltag durchaus als belastender für die Partnerschaft erlebt habe. In Österreich sind wir natürlich getrennte Arbeiten nachgegangen und haben uns in der Regel zum Frühstück, am späten Nachmittag zum Arbeiten am Boot, zum Abendessen und für den Abend/die Nacht gesehen. Im Vergleich zum Leben an Bord ist mir dies stets als sehr wenig aufgefallen, hatte ich doch den restlichen Tag mit Menschen verbracht, deren Gesellschaft ich mir in der Regel nicht aussuchen konnte. (Ich bin mit den meisten meiner Arbeitskollegen gut ausgekommen und ein ehemaliger Arbeitskollege von mir ist bis heute ein guter Freund geblieben, doch ist dies eben nicht das selbe als den Tag mit seinem erwählten Partner zu verbringen.) Auch waren wir oft tagsüber unterschiedlich gefordert und standen so Abends nicht am "selben Platz", einer war mehr gereizt, der andere mehr gestresst, einer ist bereits auf die gemeinsamen Arbeiten konzentriert, der andere ist im Gedanken noch am Arbeitsplatz. Die Belastungen und Probleme in der Arbeit sind zumindest für mich oft genug nicht einfach "wegzuschalten" gewesen.

Am Boot ist das gänzlich anders. Wir bewegen uns quasi in der selben Geschwindigkeit, erleben aufwühlende Momente gemeinsam und arbeiten im gleichen Rhythmus. Viele Menschen stellen sich vor, dass gerade die Zeit, während man einen Ozean übersetzt oder eine längere Passage segelt, die stärkste Zeit für eine Partnerschaft ist. Das kommt daher, dass man zu dieser Gelegenheit wirklich keinen Schritt von Bord kann, man ist ja auf einem weitem Meer "gefangen" und den Belastungen des Segelns ausgesetzt. Ich persönlich erlebe gerade diese Zeit jedoch ganz anders: Es ist die Zeit, in der wir eigentlich am wenigsten miteinander zu tun haben. Das kommt daher, da in der Regel einer von uns schläft. Denn ja, als kleine Zwei-Personen-Crew ist ein weiter Segelschlag sehr anstrengend, vor allem, wenn man so wie wir immer wieder anspruchsvolle Segeletappen wählt. Unterwegs schlafen wir schlecht (Metallboote sind laut), werden gebeutelt von der Seekrankheit und vom Meer weichgeschüttelt. Die Arbeiten an den Segeln sind gerade im Seegang sehr anstrengend (LA BELLE ist mit ihren Stagreiter-Vorsegeln und handeingebundenen Reffs eben arbeitsaufwändig) und Navigation und Ausguck fordern Konzentration. Ich schreibe das nicht, um zu jammern (denn es gibt nichts zu jammern), sondern um aufzuzeichnen, wie unser Leben wirklich ist. Die gemeinsame Zeit unter Segel ist daher meist auf ein gemeinsames Frühstück bzw. Mittagsmahlzeit (generell "unsere" Zeit an Bord) und auf Arbeiten, die uns beide erfordern (Spibaum setzen, nächtliches Segelwechseln, Reffen des Großsegels, Notfall-Reparaturen wie Segelflicken unterwegs) beschränkt. Unsere Partnerschaft rückt während Segeletappen daher eigentlich mehr ins Verhalten eines gut arbeitenden Teams als in das einer Ehe.

Das funktioniert allerdings ausschließlich deshalb, weil wir jede Form von Hierarchie an Bord ablehnen. Manchmal ist gerade dies für andere Segler unvorstellbar, da aus unverständlichen Gründen jedes Lehrbuch, jede Segelschule und alle Tradition davon spricht, dass ein Segelboot einen "Führer und Verantwortlichen" braucht. Ich sehe ein, dass an Bord eines Regatta-Schiffs eine hierarchische Einteilung Vorteile bringt, an Bord einer Blauwasseryacht mit Familiencrew führt diese meiner Meinung nach allerdings ausschließlich zu Problemen. Denn eine Blauwasseryacht ist das Zuhause der Partnerschaft und alle Beteiligten müssen gleichermassen Verantwortung übernehmen. Diese Erkenntnis mag für viele Segler unverständlich sein und ich weiß, dass so mancher diese Einstellung sogar als "Gefährlich für die Schiffssicherheit" sehen wird, doch denken wir einmal genauer darüber nach:

Würden Jürgen und ich die klassische Einteilung von Skipper und Crew führen, wo lägen die Vorteile und wo die Nachteile für uns und für unsere Segelleistungen (bzw. der Schiffssicherheit)? Ich beschreiben nun einfach mal das übliche Beispiel, dass der Mann, also Jürgen, der Skipper mit der Hauptverantwortung ist, während ich die Bordfrau, also die Crew, darstelle.

Beginnend bei der Verantwortung, die richtige Route und Aufbruchszeit zu bestimmen, würde bereits hier auf Jürgen erhöhter Druck liegen. Seine Einschätzung, welches Wetter zum Aufbruch genützt werden muss, gäbe den Ton an. Da es menschlich ist, Fähigkeiten und Wissen, welche man nicht benötigt zu vernachlässigen, würde ich mich früher oder später nicht mehr sonderlich anstrengen, über Wetterkunde und Routen mehr zu lernen. Ich würde dies nach und nach vernachlässigen, hätte es ja ohnehin keinen Sinn, meiner Meinung Platz zu schaffen. Als Folge daraus entsteht ein Abhängigkeitsverhalten, dass auf Jürgen Druck übt und darauf verzichtet, alle Ressourcen an Bord (meinen Kopf und mein Gefühl) zu nützen.

Kommt es unterwegs nun zu Problemen (wenn sich das Wetter nicht an den Bericht hält oder die Entscheidung zum Auslaufen eben nicht perfekt war,…), entsteht ein unausgeglichenes Gefühl im Team: Jürgen würde plötzlich den gesamten Druck seiner alleinigen Entscheidung spüren. Als Crew würden nun Ängste und Bedenken wachsen. Denn bei Crew entsteht in der Regel das Gefühl einer Art Hilflosigkeit über sein eigenes Schicksal und die Überlegung, ob man selber etwas besser gemacht hätte, schleicht sich irgendwann ein und breitet sich aus. Diese Hilflosigkeit käme zu einem großen Tiel auch daher, weil ich meine Fähigkeiten und mein Wissen über Wetterkunde und Routen nicht ausgebaut hätte, sonder den faulen Weg gegangen währe, alles auf Jürgens Verantwortung zu spielen. Das heißt, diese Hilflosigkeit ist in Wahrheit keine Gefühlsangelegenheit, sondern wird zur Tatsache. Mit meinen als Crew weniger entwickelten Fähigkeiten währe ich hilflos und abhängig. Jürgen würde mehr und mehr ein Einhandsegler werden, der zwar ein extra Augenpaar für die Wache an Bord hat, aber keinen zweiten Profisegler, auf den er sich verlassen könnte. Diese Entwicklung würde nicht nur zusätzlichen Druck auf ihn ausüben, sondern erfordern, dass sein Ego wächst, dass keinen Einspruch duldet, da dieser ja nicht professionell ist und die Verantwortung für das Handeln nicht trägt. Dieses Ungleichgewicht würde sich bald auf alle Gebiete des Segelns und selbst auf die Partnerschaft übertragen. Ein Gefühl des Vakuums entstünde, das mit zwischenmenschlichen Problemen aufwarten würde. Außer Nachteile ist für uns nichts gewesen!

Nun im Vergleich unsere Art, auf jegliche Hierarchie an Bord zu verzichten. Jürgen und ich sind gleichwertige Partner an Bord, die beide gefordert sind, ihre Fähigkeiten stets zu entwickeln und auf die zweite Meinung Rücksicht zu nehmen. Nehme ich also wieder das Beispiel von der Wahl der bevorstehenden Route und dem Zeitpunkt für den Aufbruch zu Hand, läuft das bei uns an Bord so:

Wir betrachten beide die Wetterdaten und überlegen, welche Möglichkeiten vor uns liegen. Bedenken werden dabei ausgesprochen. Diese Bedenken können nun nicht einfach übergangen werden, es muss eine Entscheidung getroffen werden, die diese Bedenken ausräumt (oder zumindest ins erträgliche Maß vermindert). Es entsteht ein kurzes Gespräch, Überlegungen werden geteilt. Dieses Gespräch führt dazu, dass wir Fehler in den einzelnen Überlegungen besser finden können und bevorstehende Risiken besser einschätzen können.
Längerfristig führt diese Herangehensweise auch dazu, dass wir uns selber besser kennenlernen. In unserem persönlichen Fall heißt das, dass sowohl Jürgen als auch ich weiß, dass ich vorsichtiger bin als er, aber dafür auch schneller reagiere. Durch dieses "selber besser kennenlernen" entsteht ein Vertrauen, dass der Meinung des Partners mehr Gewicht gibt. Ich habe also dadurch gelernt, mehr Risiko zuzulassen und meine eigene Vorsicht kritischer zu betrachten. Jürgen hat gelernt, meiner Vorsicht Gewicht einzuräumen und meine Reaktion zu schätzen.

Unsere "Gleichheit" führt auch dazu, dass wir beide gefordert sind Wissen anzuhäufen und Fähigkeiten aufzubauen. Kommt es unterwegs nun also zu Problemen (wenn sich das Wetter nicht an den Bericht hält oder die Entscheidung zum Auslaufen eben nicht perfekt war,…), entsteht ein ausgeglichenes Team: Wir sind beide für unsere Entscheidung verantwortlich und müssen nun unser Bestes geben, um das Problem zu bewältigen. Jeder trägt nun die selbe Verantwortung und kann sich gleichzeitig zu hundert Prozent auf den Partner verlassen. Gefühle stehen dabei nicht im Weg, da sie nicht aufgestaut sind.

Dieses Gleichgewicht zieht sich über alle Gebiete des Segelns und führt zu einer ausgeglichenen Partnerschaft. Das heißt allerdings auch, dass beide Partner erhöht gefordert sind. Für mich als Frau an Bord bedeutet das, dass ich nicht "Prinzessin" spielen kann. Sich auf die faule Haut legen und zu denken "Das kann ich nicht" ist nicht möglich (vorausgesetzt, die Arbeit überfordert meine körperlichen Fähigkeiten nicht).

Nicht, dass wir nun beide alles an Bord gleichermassen beherrschen müssen, das ist nicht nötig. Auch wir haben unsere Einteilungen, die sich sogar "klassischer" ergeben haben als nun viele denken werden. Zum Beispiel gehört die Pantry zu meinem Bereich, ich koche gerne, während Jürgen diese Arbeit nicht schätzt. Richtiges Proviantieren und Stauen gehört zu meinen großen Interessen, bei der mich zwar Jürgen unterstützt (und dadurch genauso Wissen aufbaut als ich), aber sich auch auf mich verlässt. Werkstätte und Motorraum sind umgekehrt Jürgens Interessen. Das heißt, ich kenne mich ohne Einschränkungen aus und könnte unsere Technik sowohl warten als auch einiges davon reparieren, doch ich verlasse mich auf Jürgen. So wie sein Wissen in der Lebensmittelkunde von mir stammt, stammt mein Wissen in der Technik von ihm.

Für uns bringt diese Gleichberechtigung nur Vorteile. Der eine oder andere Segler wird sich allerdings nun denken, dass die "Entscheidungsfindung" in dieser Gleichberechtigung problematisch viel Zeit in Anspruch nehmen kann und die schnelle Handlung an Bord verhindert. In der Praxis ist dies jedoch nicht der Fall. In der Regel ist Segeln eine sehr langsame Angelegenheit und eine kurze Besprechung vor einer Handlung ist immer von Vorteil, denn die Ausübung des Manövers verläuft dann reibungsloser und mögliche Fehler durch gestresste Reaktion werden verhindert. Ist allerdings doch einmal eine sofortige Handlung nötig, sind wir beide dieser fähig. Es muss nicht erst der Skipper geweckt werden, wir beides sind Profis und können unsere Handlung verantworten.

Über die Jahre haben sich durch unsere hierarchielose Herangehensweise unsere Fähigkeiten und Gefühle auf ein relativ gleiches Maß eingependelt. Zum Beispiel wählen wir beide eigentlich immer den gleichen Zeitpunkt, um die Segel zu reffen (Wir kennen aber auch beide LA BELLE EPOQUE gleich gut und sie lässt uns ohnehin wissen, wann es genug ist). Dass Einer von uns früher Reffen will als der Andere hatten wir glaub ich seit Jahren nicht mehr. Stressige Momente werden nicht auf den Rücken des einen getragen, es gibt kein anschreien, kein schmollen. Wir haben gelernt, mit den Reaktionen des Partners richtig umzugehen. Jürgen grinst höchstens darüber, wenn ich wieder mal (für ihn) übertriebenen Abstand von Untiefen halte oder am Ankerplatz eher weiter draußen als zu Nahe beim Land abstoppe. Ich vertraue darauf, dass sein gewählter (für mich) später Zeitpunkt zum Vorbereiten des Boots auf das Ankermanöver (also Segel einhohlen und den Anker vorbereiten) ausreicht. Auf den Partner einzugehen ist letzten Endes nicht zu viel verlangt.

Aus dieser Art der Bootsführung geht nun auch hervor, dass ich als Bordfrau LA BELLE EPOQUE auch alleine handhaben und sicher segeln könnte. Wird jemals der Fall eintreten, dass Jürgen zum Beispiel durch Krankheit oder Verletzung (oder was für Gründe auch immer) verhindert ist, werde ich nicht vor unüberwindbaren Problemen stehen. Ich bin mir zwar sicher, dass ich LA BELLE alleine vorausschauender und damit höchstwahrscheinlich langsamer segeln werde, aber das hat körperliche Gründe. Denn einige Aufgaben (wie das Reffen des Großsegels im Alleingang oder das Abschlagen des Spinnakerpols und Einholen der grossen Genoa) müsste ich vorausschauend bald vor einer Windzunahme erledigen, um mich nicht an meine Kraftreserven stoßen zu lassen. Das hat nichts mit Angst oder Vorsicht zu tun, sondern damit, das Jürgen bei weitem mehr körperliche Kraft hat als ich. Auch müsste ich die Segeletappen anders einteilen, denn alleine könnte ich kaum längere Strecken durchhalten, ohne dabei die Wache oder Schiffsführung zu vernachlässigen. Denn ich glaube nicht, dass ich die Fähigkeiten eines Einhandseglers habe.

Im Großen und Ganze hoffe ich natürlich, dass ich niemals die Situation, alleine zu segeln, erleben werden. Denn dazu habe ich keine Lust. Ich liebe unseren gemeinsamen Lebensweg und fühle mich wohl in unserer Partnerschaft.

 

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Bordfrau - Ein Boot als Zuhause

Werde, die du bist - Meine persönlichen Erfahrungen als Fahrtenseglerin - Teil 2

Ein Boot als Zuhause

Im Vergleich zu einem Haus, ja, selbst verglichen mit einer kleinen Wohnung ist ein Segelboot ein winziger Lebensraum: Eine minimale Küche, die Pantry heißt, daneben ein Esstisch, der in vielen Fällen zumindest teilweise wegklappbar ist, da zuwenig Platz für den ganzen Tisch zu finden ist und um den nur eine kleine Gesellschaft Platz findet. Anstelle eines großen, freistehenden Bettes ist da die Koje, die nur von einer Seite zu erklimmen ist. Anstelle eines Schreibtisches gibt es die Navigationsecke, die bestenfalls vollgestopft mit Instrumenten und Karten ist. Ein winziger Raum, in dem vielleicht eine noch viel winzigere Dusche und eine Pump-Toilette verbaut ist, ersetzte das geräumige Badezimmer. Kleinste Schränke und Staufächer fültle jeden freien Winkel und Bücherregale sind bald bis zum Bersten gefüllt. Der übrige Raum ist gefüllt mit Technik, Ausrüstung und Ersatzteile. Anstelle eine Gartens gibt es ein Cockpit, in dem zwar hoffentlich nichts wächst, das aber zumindest vor Anker meist mit einer herrlichen Aussicht besticht.

Zumindest zu Beginn mag das Leben auf einem Boot eine neue Herausforderung sein, das begrenzte Platzangebot ist nur einer der Gründe dafür. Denn eine Fahrtenyacht muss mehr sein als ein bequemes zuhause, es ist ein Reisemobil, ein Arbeitsgerät. Es gibt keine beweglichen Möbel, alles, was unbedacht herumsteht, fliegt früher als später durch den Raum. Salzwasser und Feuchtigkeit wird auf vielen Booten zur ständigen Bedrohung für Lebensmittel oder Elektronik. Strom muss selbst produziert werden und ist daher nur in begrenztem Maß verfügbar. Trinkwasser wird in Tanks gelagert, die hin und wieder gereinigt werden wollen und kaum groß genug sein können.

Und dennoch, so klein und besonders der Lebensraum und die Lebensumstände an Bord einer Blauwasseryacht sind, so schön kann das Leben auf einen Boot sein, wenn erst einmal ein persönliches zuhause aus dem Boot gemacht wurde. Und das ist in vielen Fällen etwas, wofür gerade Frauen ein Händchen zu haben scheinen.

Bereits an Bord unseres ersten Segelbootes war uns beiden klar, dass wir die alten Polsterungen und Vorhangstoffe nicht mehr nutzen wollen, dass wir die eine oder andere dunkle Teakholz-Fläche mit hellen Lacken überstreichen wollen und dass die Pantry ein paar kleine Abänderungen vertragen kann. Kleine Verbesserungen, die einfach zu erledigen wahren und unserem Boot eine persönliche Note verliehen.

Doch nicht nur die kleinen Abänderungen, neue Stoffe und Farben im Boot und das eine oder andere angeschraubte Bild machen aus einem normalen Boot ein Heim für Fahrtensegler. Vielmehr ging es mir auch immer darum, das Boot so auszustatten, dass wir nicht an Bord "kampieren". Ja, wir haben Schlafsäcke an Bord, doch werden die nur für Landausflüge mit dem Zelt genützt. An Bord schlafen wir entweder in dicken Daunendecken, oder in dünnen Sommerbettzeug, je nach Revier. Nein, in der Pantry von LA BELLE EPOQUE gibt es kein Camping-Geschirr. An Bord sind meine Kochtöpfe und Küchengeräte von zuhause. Zwar essen wir von Blechtellern, doch würde ich einen Wert auf Keramik legen, wäre es mit Sicherheit an Bord. Wir trinken aus Gläsern und wenn mal eines zu Bruch geht, geht davon die Welt nicht unter. Wir lieben Musik, deshalb läuft die Musikanlage fast immer. Hätten wir dafür nicht genug Strom, würden wir Stromversorgung und Batteriebänke aufbessern.

Natürlich fällt die Haushalts-Ausstattung auf einer Fahrtenyacht viel geringer als an Land aus. Doch ist das Leben ohne Geschirrspüler, Mikrowellenherd und Waschmaschine kaum anders als mit. Vor allem, wenn man ungleich viel Zeit zur Verfügung hat. Fehlt einem dennoch ein Gerät an Bord, kann man sich durchaus Gedanken machen, ob es nicht nachgerüstet werden kann und wo im Boot Platz geschaffen werden kann.

Das selbe gilt auch für persönliche Geräte für Hobbys. Wer sagt denn, dass ein Boot keinen Platz fürs Hobby bieten kann, wenn es sich nicht gerade ums Westernreiten handelt? Natürlich habe ich es leicht, mit meinem Hobby des Schreibens muss nur der Navi-Tisch als Schreibtisch herhalten. Das benötigt keine Umbauten. Für Mary Anne, die seit Jahrzehnten gemeinsam mit Larry auf allen Weltmeeren unterwegs ist, war das Hobby schon ein bisschen komplizierter. Denn eine Welt ohne ihrem Klavier wäre für sie eine farblose Welt. Deshalb haben die beiden die Vorkoje ihrer Yacht umfunktioniert und ein Klavier eingebaut. Und um der klassischen Musik zu frönen, verbringen die beiden Reisenden gerne den einen oder anderen Winter im Hafen einer kulturell interessanten Stadt. Man kann ja auch die Seereviere nach seinen persönlichen Hobbys und Vorlieben wählen!

Doch will ich hier nicht den Eindruck erwecken, dass die Möglichkeiten an Bord eines Segelbootes unbegrenzt sind. Ganz im Gegenteil, unterwegs auf einer Yacht lernt man schnell, mit Platz und Gewicht neu umzugehen. Alles, was keinen Zweck erfüllt, wird zur Belastung. Leider haben die meisten Menschen, die in reichen Industrieländern aufgewachsen sind, gelernt, sich mit Dinge zu umgeben und zu schmücken. Auch können wir uns schwer von ausgedienten Gegenständen trennen und nennen sie Erinnerungen. Wir gehen so weit, dass wir uns über Gegenstände sogar in unserer Persönlichkeit definieren, da die Werbewirtschaft uns erfolgreich klargemacht hat, dass selbst Massenprodukte von "Stil und Individualität" strotzen. Für mich persönlich war es allerdings immer leicht, mich von derartigen Vorstellungen zu trennen. Einerseits, weil ich ohnehin kein besonderes Talent habe, "stilvoll" auszuwählen und zu kombinieren, andererseits, weil die Tage, an denen ich Einkaufen als lustig empfand, genau so lange zurück liegen wie meine Teenager-Tage.

Dennoch schaffen auch wir an Bord von LA BELLE EPOQUE es hin und wieder, Dinge anzusammeln, die keinen Gebrauchszweck mehr erfüllen. Deshalb haben wir uns angewöhnt, zumindest einmal im Jahr alle Schapps nacheinander auszuräumen und Nützliches von Altem zu trennen. Dabei legen wir Augenmerk darauf, was länger nicht benützt wurde und achten darauf, Gegenstände, die jemand anderen nützlich sein können zu verschenken und nicht auf den Müll zu werfen.

Diese Platzeinschränkung eines Segelboots kann damit durchaus auch als Vorteil gesehen werden. Für mich zumindest ist der Erwerb von Wegwerfgegenständen nicht befriedigend und ich habe mehr Spaß daran, meine Zeit mit dem Ausbau meiner eigenen Fähigkeiten zu verwenden. So zum Beispiel habe ich Spaß daran, meinen "Blick für interessante Fotos" zu schärfen anstelle das Boot mit Souvenirs zu füllen. Mit dem Ergebnis, dass wir hin und wieder gemütliche Fotoabende an Bord machen und ich keine Zeit damit vergeude, alte Souvenirs abzustauben.

 

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Safari zu Hamurg

Smutje Rosa und die schaukelnde Pantry

Mittlerweile ist es schon eine ganze Weile her, seit ich Ulli, alias Smutje Rosa, kennen gelernt habe. Wir steckten damals mitten in der Restauration von LA BELLE EPOQUE und streiften gerade auf der Bootsmesse in Tulln durch die Hallen. Ulli half bei einem Verkaufstand aus und aus ihrer Kaufberatung von Ölzeug wurde ein Tratsch übers Fahrtensegeln und ein Kontakt, der sich nicht wieder verloren hat.

Offensichtlich waren wir nicht die einzigen, denen erst einmal harte Arbeit am Schifferl bevor stand, um auch wirklich ablegen zu können. Wenn auch SAFARI ZU HARBURG kaum als "Schifferl" bezeichnet werden kann, handelt es sich doch dabei um eine wunderschöne, klassische Yacht, die von Ulli und Michl mit viel Liebe und Ehrgeiz auf neuen Glanz gebracht wurde.

Die waschechte Allgäuerin Ulli segelt bereits seit ihrem 6. Lebensjahr: Optimist, 470ger, Laser und später Finn. Womit auch klar wird, dass sie eigentlich Regatten-Seglerin ist und sich auf den schönen Seen am Alpenrand so manche Herausforderungen gegeben hat. Wie sie allerdings zum Blauwassersegeln kommt und weshalb sie und Michl den Bug ihrer herrlichen SAFARI nun bald in Richtung Norden drehen werden, erklärt Ulli so:

Es muss wohl so 1973 oder 1974 gewesen sein. In die Dorfschule ging ich schon. Der "Ernst" des Lebens hat sozusagen schon knallhart zugeschlagen. Da ereignete sich ein etwas, was ich nie mehr vergessen konnte: "Rollo Gebhard hielt einen Lichtbildervortrag im Ochsen-Saal!" Seine erste Weltumsegelung mit seinem 7,90m Boot "Solveig" (von Yacht konnte man da noch nicht sprechen) hatte er gerade hinter sich. Und seine Bilder verwandelten die Dorf-Wirtschaft in einen Raum voller Exotic und Abenteuer. Der Duft von Freiheit und weiter Welt prägte sich ein.  So beeindruckend, dass ich beschloss: Wenn ich mal alt bin (Rollo Gebhard war damals Mitte 40), dann mach ich das auch …

Der Vortrag in der Dorfschule ist zwar schon ein paar Jahre her, doch der Duft von Freiheit und Abenteuer hat sich für Ulli nicht verflüchtigt. Seit 2005 arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Partner aktiv an ihrem Aufbruch und seit drei Jahren wird SAFARI ZU HARBURG für ausgedehnte Segelreisen genützt. Doch auch dabei soll es nicht bleiben, denn zur Zeit löst Ulli ihre Wohnung auf, verstaut die letzten Dinge an Bord und schließt ein Kapitel ihres Lebens: Das Kapitel der Teilzeit-Landratte. Im Frühjahr 2015 geht es endlich so richtig und konsequent los! Ihre Gedanken und Erfahrungen als Fahrtenseglerin und ihre Vorfreude auf die bevorstehende Reise sind interessant und über einige ihrer Antworten musste ich lachen: Auch nach Jahren Blauwasser hätte ich selbst viele Fragen nicht anders beantwortet!

 
Warum bist du aufgebrochen?

30 Jahre Hamsterrad waren genug. Und jetzt bin ich ja schon knapp älter als RolloGebhard damals war. Der Traum will verwirklicht werden.


Mit wem bist du aufgebrochen, habt ihr Crew?

Wir sind zu zweit.


 
Rollen an Bord, Arbeitseinteilung, Wacheinteilung, Hierarchie?
 

Trotz aller Emanzipation herrscht eher die klassische Rollenverteilung. Dies liegt jedoch hauptsächlich daran, daß jeder das macht, was er besser kann. So sind zum Beispiel meine Ansprüche beim Kochen einfach höher, dafür hält sich meine Begeisterung für Motoren oder regelmäßige Wartungsaufgaben sehr in Grenzen. Aber natürlich ist Michl dann mein Hilfs-Smutje und ich dafür sein Hilfs-Maschinist. Sprich, drücken kann sich keiner. Und Hierachie gibt es auch nicht.
 
Wacheinteilung ist ziemlich flexibel. "Leg Dich doch hin, ich kuck solange, bis ich müde werd und weck Dich dann ...."
 

Partnerschaft an Bord?
 

Am Besten finde ich, daß ich Kumpel und Geliebte zeitgleich bin. Auch wenn einer meiner Lieblingssprüche ist: " Such Dir doch nen Freund zum spielen, ich will auch mal tussig sein." *lach. Aber mir fehlt ja auch das Tussi-Equipment. Und so bin ich dann doch gleich wieder froh, daß wir zusammen Technik, Basteln oder Reparieren spielen.
 

Leben während Segeletappen, was ist schön, was nicht am Segeln, kannst du das Boot alleine handhaben und Navigieren?
 

Segeln ist immer schön.
Bei den Classic-Event-Regatten bin immer ich der Steuermann und Michl der Vorschiffsmann. Unter Motor ist´s anders rum. Aber ich denk, ich könnt die Sardinenbüchse schon auch unter Motor in den Hafen bugsieren. Vielleicht gäbs ne leichte Stegberührung, aber im Notfall ist ne Delle ja egal.
Navigation mach eher ich und das Wetter mein Kapitän. (Ich bin halt der Chef vom Kapitän, aber das darf ich nicht so laut sagen :-)) Den ganzen Elektronik-Kram mag ich nicht tun, mach ich aber auch mit, weil auch Michl eigendlich keine Lust auf Elektronik hat. Da ergänzen wir uns dann mit unserer Begeisterung.
 

Ein Boot als zuhause? Wie geht es dir mit dem kleinen Platz an Bord, Energiehaushalt, Minimalismus, dem Dingi…, was liebst du, was fehlt dir an Bord?
 

Wir haben vor 4 Jahren schon unsere Wohnung radikal verkleinert und unseren Minimalismus gepflegt. So ist alles perfekt. Da wir wenig haben, ist das Platzangebot gut ausreichend, Energie auch. Lieben tu ich mein heimeliges, warmes Ambiente an Bord. Die alten Schiffsmöbel, der leichte Geruch nach Meer und Petroleum, und mein Aufblas-Kajak (ja, ist Luxus, aber viel flexibler zum Paddeln als das Dinghi). Fehlen tut mir gar nichts, nur eine extra Kabine für Besuch wäre manchmal ganz praktisch, aber das ist bei so einem Klassiker nicht möglich.
 

Leben in der Fremde, wie geht es dir mit den ständig wechselnden Kulturen um dich?
 

Na so schnell wechselt es ja auch nicht. Wir reisen ja langsam. Allerdings waren wir bisher ja nur in Europa. Aber ich denke, wenn es zuviel "Fremde" wird, hab ich ja mein Zuhause zum erholen. Und der Allgäuer Spatzenhobel ist natürlich an Bord. :-)
 

Seekrankheit?
 

Ist wohl zum sterben. Aber ich kann da gar nicht mitreden.
 

Was sind deine schönsten Plätze, wo willst du noch hin?
 

2015 wollen wir nach Finnland und die Baltischen Staaten. Rund um England und die norwegische Küste rauf, ist auch noch auf dem Plan. Und irgendwann würd ich gerne von Grönland bis zu Kapverden segeln. Als kleine seglerische Herausforderung. Mal sehen, es kommt, wie´s kommt.
 

Hast du schon mal Angst bekommen, wenn ja, wie gehst du mit Angst um?
 

Ich hatte früher extreme Höhenangst. Ich habe da gelernt, mich meiner Angst zu stellen. Sozusagen aktiv auf die Angst zugehen. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber letztendlich ist es dann immer so, daß die Angst vorher immer rießig erscheint, und dann letztendlich gefühlt zu einem Ängstchen schrumpft. (Vielleicht sollt ich mir das mal in verständlichen Worten von einem Psychologen erklären lassen.)
 

Fliegt ihr zwischendurch hin und wieder heim, wie gehts dir mit Familie und Freunde zuhause, hast du Heimweh? Wie haltest du Kontakt?
 

Kann ich bisher nicht beantworten, da wir ja immer noch in der Arbeit steckten. Heimweh hab ich aber immer. Vorallem zu meinen Töchtern, die fehlen mir jetzt schon. Aber ich hab sie ja auch zu Zigeunern erzogen, da werden wir uns schon irgendwo auf der Weltkugel treffen. Kontakt über Skype, eMail, Facebook ... und zwischendurch ne klassische Postkarte :-)
 

Hast du Hobbys an Bord?
 

Nähen, Lesen und Schreiben für meine Blogs Smutje Rosa ( http://smutje-rosa.blogspot.de) und Safari (http://www.sy-safari.de) Und ich hab noch eine alte diadonische Quetsche. Vielleicht lern ich da endlich mal Musik zu machen.
 

Was magst du besonders an deinem Segelleben?
 

Das einfache, ruhige und langsame Leben.  Den Respekt vor Naturgewalten, und daß man immer mit der Natur und niemals gegen die Natur leben lernen muß. Großartige Erfahrung.
 

Was würde für dich an Bord nicht funktionieren?
 

Nicht funktionierende Partnerschaft. Das wäre das k.o.-Kriterium. Ich muß mich 100%ig auf meinen Mann verlassen können, und er sich auf mich. Gemeinsam lachen, erzählen, schweigen, kämpfen - eine gefühlte Einheit. Alles andere ist für mich Streß.
 
Alkohol finde ich auch ganz schrecklich. Mal ein Bier oder ein Glas Wein, mmmhhh lecker. Aber was da vorallem auf Charterschiffen für Saufgelage stattfinden ... No go
 
Geschrei ist auch furchtbar. Vorallem beim Hafenkino erlebt man das ja gerne. "Frau ist meist zu blöd um 10 Tonnen abzuhalten und doofe Kühe scheint es auch viele zu geben, zumindest werden viele so bezeichnet." - Da würd ich sofort mein Täschchen packen und den Kahn verlassen. Geschrei ist doch nur ein Zeichen von Respektlosigkeit, Unfähigkeit oder Angst. Und mit so einem Kapitän möcht ich nicht die Koje teilen. Auch kein Bett, nebenher bemerkt.

(kleine Anmerkung von Claudia: das mit dummen Hafenkino wird unterwegs besser, denn außerhalb von Europa sind die Zuseher meist aufmerksam genug, zur Hand zu gehen und Leinen anzunehmen anstelle sich darüber lustig zu machen, wenn sich mal ein Skipper schwerer mit der Boots-Landung tut.)
 

Denkst du, dass dich die Zeit an Bord verändert hat, und wenn ja, dann wie?
 

Ich bin bewußter und gelassener geworden, aber vielleicht liegt das auch an den Wechseljahren :-)

Ich danke Uli für ihre Bereitschaft, über ihr Leben als Bordfrau zu berichten und wünsche ihr und Michl einen schönen Aufbruch zur Langfahrt. Wäre toll, wenn der Wind mal SAFARI und LA BELLE auf den selben Ankerplatz weht!

 

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Claudia unterwegs an Bord Segelyacht Magellan

Abenteuer mit Magellan

 

"Ihr wollt Seekarten von Norwegen kaufen? Nehmt doch einfach unsere. Wir haben alle Karten bis zu den Lofoten an Bord, wenn du willst, bring ich sie heim nach Wien und ihr könnt sie euch holen. Wenn ihr Norwegen wieder verlässt, schickt sie uns doch einfach per Post zurück!" Mit dieser unkomplizierten und extrem netten Hilfe meldete sich Claudia auf meine Internet-Suche nach gebrauchten Seekarten. Und damit begann eine jahrelange Freundschaft, die uns mit Claudia und Fritz bis heute verbindet.

Kein Wunder, haben wir doch Gemeinsamkeiten. Wie LA BELLE EPOQUE zieht es auch die MAGELLAN immer wieder in die herausfordernden Gebiete der Hohen Breiten. Wie auch ich genießt es Claudia ganz speziell, die Tierwelt ums Boot zu bestimmen und zu beobachten. Und wie auch wir genießen die beiden es, eine stabile Stahlyacht als Grundlage für ihre weiten Reisen in extreme Gebiete gewählt zu haben. Und wenn sie in Österreich sind, gehört auch für die Beiden das Segeln im Burgenland zu ihren liebsten Hobbys. Und wie wir berichten auch Claudia und Fritz über ihre Segelabenteuer auf der eigenen Homepage: www.symagellan.wordpress.com

Deshalb freue ich mich besonders, dass sich die sympathische Wienerin auf meinen Aufruf nach Erfahrungen als Bordfrau gemeldet und mich mit ihrem email überrascht hat. Und so lasse ich jetzt wieder einmal eine erfahrene Hochseeseglerin hier zu Wort kommen:

Warum bist du aufgebrochen und seit wann bist du unterwegs?


Wir kennen dies wohl alle: der Mann segelt und die Frau schließt sich diesem Zeitvertreib an. Bei uns war es umgekehrt. Fritz ist durch mich zum Segeln gekommen, allerdings war mein Plan immer, einmal, irgendwann einmal in der Pension mir die Welt anzusehen.
Dies hat sich bald geändert, das erste eigene Segelboot wurde angeschafft, einen Teil unserer Ausbildung machten wir gemeinsam, vieles machte mein Partner in den letzten Jahren alleine, da ich mit meinem Wissenstand nicht allzu unzufrieden bin.
Bald kam unsere Magellan, eine Reinke Hydra dazu und so sind Fritz und ich seit ca. 10 Jahren auf längeren Törns unterwegs. Allerdings sind wir beide noch in einem Alter, wo wir unsere Brötchen hart erarbeiten müssen. Daher segeln wir üblicherweise 4 – 5 Monate jedes Jahr, den Rest verbringen wir in Wien, wo wir beide in der Erwachsenenbildung selbständig sind. Um diesen Lebensstil zu pflegen, hat Fritz seine Position als Manager aufgegeben und wir haben beide diesen Schritt nie bereut. Eine Zeitlang überlegten wir, einmal eine längere Auszeit zu nehmen, aber inzwischen ist unser Rhythmus gut eingefahren, und auch unsere Auftraggeber spielen hier (gottseidank) mit. So gelingt es uns in diesen Reiseabschnitten unser Boot von A nach B zu bewegen, wo es dann auch den Winter verbringt.

Mit wem bist du aufgebrochen, habt ihr Crew?


Üblicherweise sind wir nur zu zweit an Bord, manchmal kommt aber für einige Wochen Besuch an Bord.

Wie teilt ihr eure Wachen ein?

Wir gehen 4 Stunden Wachen, da wir mit weniger Stunden nicht richtig ausgeschlafen sind. Da ich aber auch an Bord die Köchin bin, passiert es immer wieder, dass Fritz dann doch noch eine halbe Stunde von mir übernimmt, damit ich auch auf genug Freizeit komme. Gerade zu Beginn einer Segelreise werde ich sehr leicht Seekrank und daher nehme ich dies auch immer wieder gerne an. In den Anfangsjahren habe ich auch immer wieder meinen Skipper geweckt, wenn in meiner Wache Entscheidungen zu treffen waren, so wurde seine Nachtruhe oft sehr eingeschränkt. Inzwischen schläft er aber fast immer ohne Unterbrechung durch. Nicht einmal für Walsichtungen will er mehr geweckt werden.

Teilt ihr euch die Arbeit auf und gibt es Rollen an Bord?


Alles was vor oder nach dem aktiven Segeln kommt ist mein Aufgabenbereich. Also: Ersatzteile bestellen, fremde Häfen erkunden, Lackarbeiten und kleine Reparaturen, Kontakte pflegen und herstellen, den nächstgelegenen Supermarkt und/oder die Wäscherei suchen – das überlässt Fritz sehr gerne mir und mir ist das auch recht. Ich bin plaudere gerne und lerne gerne fremde Menschen kennen.
Kochen gehört ebenfalls zu meinen Aufgabenbereich (und wer jemals Fritz in der Küche erlebt hat, weiß dies ist reiner Überlebensinstinkt von meiner Seite).

Dafür greife ich nichts an Bord an, was zu dem Themenbereich "Elektrik" gehört, obwohl ich zur Not auch eine saubere Lötstelle hinbekomme. Auch beim Motor beherrsche ich das Grundprinzip, aber Ölwechsel, Filterwechsel und ähnliches ordne ich als "blaue Tätigkeit" ein und überlasse dies gerne meinem Lebenspartner.


Entscheidungen wohin wir fahren und wann treffen wir üblicherweise gemeinsam, und ich fürchte mein Skipper hört immer wieder die Frage "warum" wenn wir unterwegs sind und er eine Entscheidung getroffen hat. Allerdings hat er inzwischen einen viel höheren Erfahrungshorizont, da er auch als Segellehrer tätig ist, und dies ist mir auch bewusst.

Wie geht´s dir mit eurer Partnerschaft an Bord?

Bereits vor Jahren haben wir festgestellt, dass wir an Bord sogar weniger streiten, als wenn wir in Wien sind. Einerseits sieht man sich bei 4 Stunden Wachen nicht sehr viel, wann sollten wir da also unsere Unstimmigkeiten austragen? Auf der anderen Seite sind wir viel entspannter an Bord, als in unserem Alltagsleben in Wien. Interessanterweise nehmen die Konflikte zwischen uns zu, wenn wir Gäste an Bord haben. Auch wenn ich manchmal alleine unterwegs bin um Beeren zu sammeln oder Pilze stört mich dies nicht so sehr. Wenn man auf so engen Raum zusammenlebt, braucht man auch Zeit für sich und seine Freiräume. So kann es schon vorkommen, dass nur einer von uns auf dem Nachbarboot "Informationen einholt", während der andere vollkommen entspannt in der Koje liegt und ein gutes Buch liest. Ohne das gestritten wurde oder böse Blicke gewechselt wurden.

Wirst du Seekrank?

Wie bereits erwähnt werde ich leider immer wieder Seekrank, vor allem wenn längere Abschnitte vor mir liegen, bzw. das Wetter sich nicht von seiner besten Seite zeigt.

Was gefällt dir besonders am Segeln, was nicht?

Das schönste ist für mich das Ankommen, die Leute und die Landschaft kennen zu lernen und einfach die Stimmung wie ein Schwamm in mich aufzusaugen. Leider liegt vorm Ankommen immer wieder auch eine Blauwasserpassage, und diese können mir wirklich gestohlen bleiben. Links Wasser, rechts Wasser, tagelang kein Land in Sicht, ein Wetterbericht der selten soweit vorausschaut beim Ablegen, wie man unterwegs sein wird. Eine Passage ist im besten Fall langweilig und im schlimmsten Fall habe ich wieder einmal 3 kg abgenommen (obwohl – ist dies wirklich der schlimmste Fall?), da ich ständig Opfergaben an Neptun verteile. Die ersten Tage bin ich nur unausgeschlafen, wenn ich mich endlich an den langen Schlag gewöhnt habe, ist er üblicherweise auch schon wieder vorüber… Nein – also das muss meiner Meinung nach wirklich nicht sein.

Kannst du das Boot alleine handhaben und navigieren?

Magellan kann von mir alleine geführt werden, allerdings habe ich glaube ich seit Jahren nicht mehr angelegt in einem Hafen. Dies ergab sich aus historischen Gründen, da mein Partner aufgrund einer Gehbehinderung nicht so flott mit den Leinen ist. Also bin ich der Leinenaffe an Bord, der dafür zuständig ist, dass unser Schiff immer sicher vertäut ist. Und irgendwann wollte ich einfach nicht mehr den Versuch des Anlegens wagen (der Lack – dafür bin ja ich zuständig;-)). Allerdings bin ich davon überzeugt, dass ich im Notfall unseren Stahleimer auch an einen Steg alleine bringen kann.
Fürs Navigieren bin ich üblicherweise zuständig, Fritz für das Wetter und auch beim Radar ist sein Wissen eindeutig besser als meins.

Ein Boot als zuhause? Wie geht es dir mit dem kleinen Platz an Bord, was liebst du, was fehlt dir an Bord?


Mir fehlt – nichts. Vielleicht ein bisschen mehr Küchenzubehör, aber das liegt daran, dass ich so gerne koche und zuhause einfach mehr Schnickschnack dafür habe. Im Gegenteil, wenn wir nach Hause kommen, wundere ich mich immer wieder, was ich da im Laufe der Jahre zusammengetragen habe, und wofür ich in unserem "Landleben" Geld ausgebe.
Jemand darf aber die Reise nie mit uns antreten, nämlich unser Kater – der bleibt zuhause mit einer Horde Katzensitter versorgt. Die letzte Reise hat er uns übel genommen, daher werden wir nun, er hat schon ein hohes Alter, nicht mehr so lange unterwegs sein, so lange er noch bei uns ist. Das er an Bord darf, war nie eine Überlegung, dass würde ich dem Katerchen nie antun, und so war der einzige Stoßseufzer an Bord immer wieder, die Frage was er wohl gerade macht (die richtige Antwort lautete sicher immer schlafen oder fressen).


Leben in der Fremde, wie geht es dir mit den ständig wechselnden Kulturen um dich?


Das macht doch das Segeln erst schön, andere Länder, andere Sitten und eigentlich fast immer freundlichere Menschen als bei uns in Mitteleuropa. Natürlich ist es traurig, wenn man wieder die Leinen los macht, aber dafür wird man schon in ein paar Tagen wieder jemanden kennen lernen und wieder staunend neue Plätze erkunden.


Was sind deine schönsten Plätze, wo willst du noch hin?


Ostgrönland ist zwar kein gutes Segelrevier, aber durch nichts zu schlagen. Bei mir steht auf der Liste der Wunschreiseziele: Westgrönland, Alaska und die Bahamas. Auch Norwegen war wunderschön und der Norden Spitzbergens ist noch immer tief mit Eindrücken in mir verankert.


Hast du schon mal Angst bekommen, wenn ja, wie gehst du mit Angst um?

Einmal? Ständig! Es könnte etwas brechen, reißen, knicken … Oh es gibt so viel worüber ich mir Gedanken mache und Ängste entwickle. Bei Schlechtwetter steigt das Potential dafür rasant an. Wie ich damit umgehe – meistens überlege ich mir, was ich im Notfall machen kann, bzw. wie ich diesen Notfall verhindern kann. Und wenn dies nicht hilft kann ich noch immer in meiner Koje verschwinden und eine Mütze Schlaf nehmen, oft schaut es ausgeschlafen schon ganz anders aus. Auch sorge ich dafür, dass unsere Sicherheitsausrüstung immer gut gewartet ist und wir eine gute Vollkaskoversicherung haben …


Fliegt ihr zwischendurch hin und wieder heim, wie gehts dir mit Familie und Freunde zuhause, hast du Heimweh? Wie haltest du Kontakt?


Wir sind ja nie so lange weg, daher reicht der übliche Telefonanruf bzw. verfolgt unser Verwandschafts- und Bekannschaftskreis unseren Blog. So sind sie immer informiert, machen sich keine Sorgen und sind im Geschehen eingebunden. Am Ende der Reise freue ich mich meistens auf zu Hause, aber Heimweh kenne ich so nicht.


Hast du Hobbys an Bord?


Lesen, wandern, lesen, alles sammeln, was man essen kann, habe ich lesen schon erwähnt?


Was magst du besonders an deinem Segelleben?


Die Unabhängigkeit, die Möglichkeit morgen woanders zu sein und die vielen Menschen, die man immer wieder kennenlernt und natürlich diesen Leben im Einklang der Natur.


Was würde für dich an Bord nicht funktionieren?


Wenn ich mich komplett auf meinen Partner verlassen müsste, da ich mich nicht auskennen würde. Auch möchte ich nicht ständig Gäste an Bord haben, also könnte ich mir nie vorstellen dies beruflich zu machen.


Denkst du, dass dich die Zeit an Bord verändert hat, und wenn ja, dann wie?


Ich habe mich am Bord verändert, bin selbstständiger und erfahrener und damit auch sicherer geworden. Ich selber habe mich aber glaube ich nicht verändert.

Ich bedanke mich bei Claudia für ihre ehrlichen und interessanten Antworten und wünsche den beiden auch weiterhin schöne und abenteuerliche Reisen.

Allen, die nun neugierig geworden sind, möchte ich ausserdem das Buch "Hitzefrei" von Fritz Pölzl empfehlen. Ich hoffe auf baldige Fortsetztung des lesenswerten Buches!

 

 

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Erste Schritte zur Bordfrau

Die vielen weltbesegelnden Bordfrauen, die wir während unserer Jahre auf den Weltmeeren getroffen haben lassen sich auf keinen Fall in einen Topf werfen. Sie sind so unterschiedlich im Charakter, wie sie nur sein könnten. Doch eines haben die meisten uns bekannten Blauwasserseglerinnen gemeinsam: Sie fühlen sich als reisende Seglerinnen wohl. Obwohl viele unter ihnen die Idee des Segelns nicht gesponnen haben, sondern durch die Träume ihrer Partner zu Ozeanreisenden wurden.
Zu Beginn ihrer Reisen hatten viele dieser Bordfrauen allerdings ernste Zweifel, ob sie es schaffen könnten, das Leben zuhause bei ihren Familien gegen ein Leben auf dem Wasser und in der Fremde eintauschen zu können. Und es währe nicht richtig, zu behaupten, dass diese Umstellung für jede Frau gleich leicht ist und ohne Probleme vor sich geht. Aber es scheint, dass es sich immer wieder um dieselben oder zumindest ähnliche Startprobleme handelt. Und viele dieser Probleme durchaus umgangen werden könnten.

1. Segeln und Navigieren

Gerade die Tatsache, dass viele weltreisende Seglerinnen vor Aufbruch kein Interesse am Segelsport hatten, ist die erste große Hürde. Und dazu gibt es nur eine Lösung: dem Lernen vom Segeln und Navigieren. Nur wenige Bordfrauen, die ohne Segelkentnisse unterwegs sind, fühlen sich am Boot wohl. Viel mehr erleben sie eine Unsicherheit, die bereits bei geringen Herausforderungen in Angst umschlagen kann und das Leben an Bord zum Albtraum werden lässt. Und so selten das Fahrtensegeln auch gefährlich wird, diese Unsicherheit und Angst von "mitfahrenden Bordfrauen" ist durchaus angebracht, könnten sie sich doch nicht helfen, wenn eine Situation eintrifft, bei der es auf ihre Segelkenntnisse ankommt.
Segeln zu lernen ist nicht schwer und viele Blauwasserpaare sind der Meinung, dass die Bordfrau das Segeln unterwegs von ihrem Mann, dem Skipper lernen kann. Leider funktioniert dies nicht bei jedem Paar. Zum einen ist nicht jeder Segler auch ein Lehrmeister, zum anderen sind viele aufbrechende Segler selbst zu unsicher und ungeübt, um ihre Partnerin in den Segelsport einführen zu können. Nicht segelnde Frauen sollten deshalb noch vor Start der Reise das Segeln und Navigieren erlernen und soviel Energie (und wenn nicht anders möglich auch Kosten) darin verschwenden, wie es braucht, um sich selbst in der Tätigkeit als Seglerin sicher zu fühlen.

2. Der Umgang mit dem eigenen Boot

Eine fähige Blauwasseryacht unterscheidet sich meistens stark von Schulyachten, Clubyachten und befreundete Freizeityachten und eventuell absolvierte Segelkurse sind auch für die Bordfrau noch lange nicht Ausreichend, sich entspannt zurückzulehnen. Denn nun ist es Zeit, erlernte Fähigkeiten auf dem eigenen Boot zu versuchen, die Eigenheiten und den Umgang mit der eigenen Fahrtenyacht zu üben. Dazu gehört, die Yacht auch über mehrere Stunden und auf allen Kursen von Hand steuern zu lernen, die Segel zu trimmen und den Motor zu bedienen. Und auch wenn sich viele Bordfrauen (mir inklusive) gerne davor drücken: Auch das An- und Ablegen der Yacht muss von ihr geübt werden.
Wie schon erwähnt, muss die Bordfrau auch das Navigieren erlernen und üben. Daher gehört zum Umgang mit dem eigenen Boot auch der Umgang mit der eigenen Elektronik und den Geräten: die Navigationselektronik, das Radar, die Wetterempfangs-Elektronik und auch die Funkanlage.

3. Leben als Segelteam

Das Üben im Umgang mit der eigenen Yacht bring meist gleich die ersten Probleme als Segelteam zu Tage. Es ist eine Sache, als Partner in einem Haushalt zu leben, das Leben als Team am Segelboot ist eine ganz andere Situation. Gerade anfänglich kann das Segeln beide Partner überfordern und somit Stress auf die Beziehung ausüben. Während (frisch eingeschulte) Bordfrauen dann oft leise werden und vorwurfsvolle Blicke senden oder den Tränen nahe kommen, können ihre (erfahreneren) Bordmänner in ihrer Überlastung gerne laut werden und einen befehlerischen Ton anlegen. Und so sind beide Partner gefordert, die eigenen Unsicherheiten zu überwinden, auf den Segelpartner einzugehen und die Aufgaben bestmöglich aufzuteilen.
Es kann Fingerspitzengefühl fordern, das Verhalten des Partners und das eigene Verhalten aufeinander abzustimmen. Vor allem, wenn es sich um Wutausbrüche, Lethargie oder Zweifel in den Fähigkeiten des Partners handelt. Bei Wutausbrüchen, die vielleicht auch noch lautstark passieren, ist es wichtig, das Verhalten verrauchen zu lassen, ohne es sich ans Herz gehen zu lassen. Lethargie kommt oft mit der Seekrankheit und kann beim Partner ein unsicheres Gefühl auslösen. Am schlimmsten für ein Segelteam aber ist der stille Vorwurf, wenn ein Partner die Fähigkeiten des anderen ernsthaft bezweifelt und dadurch selbst in eine hilflose Opferrolle steigt. Für alle Situationen gilt: Fühlt sich ein Crewmitglied durch das Verhalten des Partners nicht wohl, muss diese Tatsache offengelegt werden. Nun sind beide Partner gefordert, an ihrem Segelteam zu arbeiten.
Im Bezug des Segelteams muss auch ein weiterer Aspekt umsichtig geklärt werden: die Hierarchie an Bord. Die Partner müssen gemeinsam entscheiden, wie sie als Segelteam miteinander leben wollen. Denn während bei den einen Paaren die Einteilung in Skipper und Bordfrau wunderbar funktioniert, ist bei anderen eine hierarchische Ordnung an Bord schier undenkbar. Auch diese Frage muss mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden, damit sichergestellt wird, dass sich auch beide Partner an Bord dauerhaft wohl fühlen können.

Diese drei Grundlagen werden von Beginn der Reise nicht nur helfen, dass sich die frischgebackene Bordfrau in ihr neues Leben auf den Weltmeeren einleben kann und anfängliche Angst und Unsicherheiten überwindet. Sie tragen auch wesentlich zur Sicherheit der ganzen Crew und Yacht bei.

 

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