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Die Zauberwälder von Cordova

Wander auf Hawkins Island

Düster und grau hängen die schweren Wolken über den großen Hafenbecken, lassen uns die Berge im Hintergrund nur erahnen. Lassen Cordova sprichwörtlich nicht im besten Licht leuchten. "Ah - welcome. So good to see you again!" Der warme Willkommensspruch von unseren Freunden von ISATIS macht allerdings das schlechte Wetter gut. Schon springt Jeanine von Bord ISATIS um unsere Trossen in Empfang zu nehmen. Auch Jean Pierre steht kurz darauf bereit am Steg und grinst uns an. Schon erzählen wir uns, wie es uns den Winter über ergangen ist, begutachten die Arbeit, die neben ISATIS am Steg liegt. Denn ISATIS hat neue Unterwanten erhalten, auch ihr Vorstag musste ausgetauscht werden. Gemeinsam mit der Rollreffanage liegt es noch am Steg und wartet auf seine Montage.

Auch LA BELLE EPOQUE ist mehr oder weniger in den Hafen "gehumpelt". Ein Gelenk an der Antriebswelle ist beschädigt und beschwerte sich die letzten Seemeilen lautstark. Gut, im Hafen zu sein!

Cordova Hafen

Vorerst allerdings verschieben wir unsere Bordarbeiten auf Morgen: Immerhin gibt es zu erzählen, was wir alles im Winter erlebt haben und wie es uns so ergangen ist. Wir spazieren durch Cordova, kaufen ein paar frische Lebensmittel, waschen die Wäsche und genießen eine warme Dusche - das übliche eben, sobald wir in einem Hafen liegen.

Natürlich verbringen wir den Abend an Bord ISATIS, wo wir mit einem schönen Geschenk überrascht werden: die beiden haben einen sehr gelungenen Film über unsere gemeinsame Reise durch die Nordwest Passage gemacht, und schenken uns eine DVD.

Na, und schon am folgenden Tag sollten wir wieder einmal erfahren, dass man sich vom ersten Eindruck eben nicht täuschen lassen sollte. Das Wetter klart auf und Cordova, das gestern noch so trist gewirkt hat, zeigt sich heute als nettes, kleines Städtchen: Im Hafen laufen die Vorbereitungen zum Start der Fischereisaison auf Hochtouren; überall treffen wir fröhliche und hilfsbereite Menschen. Wie schon aus allen anderen Dörfern Alaskas gewöhnt, sind die Einheimischen auch hier gemütlich und offen, freuen sich, Besucher kennen zu lernen. Wie gewohnt werden wir überall willkommen geheißen, man grüßt sich auf der Strasse und an der Supermarktkasse werden wir gefragt, ob wir das Paradies Alaska auch genießen.

Doch wir wollen keine Wurzeln schlagen, wollen noch einmal mit Manuela an Bord raus in eine kleine Ankerbucht fahren. Manuela hat in der Zwischenzeit einen Flug in den Norden gebucht und wird nur noch ein paar Tage an Bord bleiben. Wir nutzen die Zeit und ankern in Deep Cove, um eine ausgedehnte Wanderung über die Insel zu unternehmen. Vorbei am Wrack der alten Fähre gehts tief in den Wald. Ein Wald, der wie aus einem Märchen anmutet. Niemals hat hier jemand ernsthaft durch geforstet, die alten, morschen Stämme von umgefallenen Nadelbäumen liegen kreuz und quer über den weichen Moosboden, sind halb verwachsen und geben neuem Grün eine Grundlage. Es ist nicht immer einfach, vorwärts zu kommen, doch wir finden Rehwege, denen wir folgen können.

Wir erreichen Lichtungen, wandern über nasse Wiesen, die teilweise immer noch alte Schneefelder im Schatten der Bäume zeigen. Entlang von Flüssen, die im Sommer sicherlich vor Lachs glitzern, gehts weiter Richtung Westen, bis wir schließlich die eigenwillige Bucht von Shipyard Bay erreichen. Hier ist alles trockengefallen und unser Weg wird zur Watt-Wanderung über die ausgedehnte Bucht. Natürlich hat Jürgen schon von weitem ein altes Wrack eines Fischkutters gesehen und so stapfen wir durch den Schlamm, um es näher zu betrachten. Die Bucht ist weitläufig und erste Kanada Gänse haben sich gesammelt, legen nach ihrem weiten Flug aus dem Süden eine Rast ein. Bald schon sollten ja hier im großen Copper River Delta hunderte Zugvögel ankommen. Ein Naturereignis, dem die Einheimischen von Cordova jährlich ein Festival geweiht haben.

Wir wandern weiter, verlassen die trockengefallene Bucht und stapfen erneut durch den nassen Wald. Erreichen schon bald die nächste Bucht: Mud Bay. Auch hier ist ein großer Bereich trocken gefallen. Auf diese Bucht sind wir neugierig, denn hier liegt ein Teil der Geschichte: TEDDY BEAR, das Segelboot von Cap. Bernard sollte irgendwo in der großen Bucht sein letztes Grab gefunden haben. Ein kleiner Holzkutter, der Jahre in der Arktis von Alaska und Kanada verbracht hat. Ein Kapitän, nach dem zwei Ankerplätze in der Arktis benannt sind, in einem davon haben wir letzten Sommer geankert. Haben in Bernard Harbour sicher und gut einen Schneesturm abgewettert. Ein Kapitän, dessen Nachfahren, Bob Bernard, wir in Nome getroffen und kennengelernt haben. Nicht nur, das Bob uns einen Abend an Bord seiner BERNARD EXPLORER eingeladen hat, er hat auch unseren Freund Louis für einige Tage bei sich an Bord aufgenommen, nachdem Louis in Nome bei uns abgemustert hat. Zum Abschied hat Bob uns ein großes Stück Lachs und ein Buch in die Hände gedrückt. Ein Buch über die Reisen der TEDDY BEAR. Schade, wir wissen nicht, wo genau das Wrack der TEDDY BEAR liegt, können ihre Überreste nicht finden. Trotzdem sind wir froh, hier her gewandert zu sein, unsere Gedanken an das kleine Schiff und seinen großen Kapitän gebracht zu haben.

Trockengefallene Bucht

Zurück in Cordova werden wir zu einer weiteren Wanderung eingeladen. Nancy und Adam, Freunde von ISATIS, packen uns alle in zwei Autos und fahren uns ins weitläufige Copper River Delta, zeigen uns die Schönheit des großen Flussdeltas. Gemeinsam mit Adam wandern wir entlang eines gut präparierten Wanderwegs entlang mehreren Seen und Flüsse zu einer alten Goldmiene, die zwar viel Arbeit und Hoffnung bereitet hat, aber niemals Gold geliefert hatte. Was für ein Unterschied, in Begleitung über so einen schönen Wanderpfad zu spazieren, sich nicht durch den Wald schlagen zu müssen!

Die Zeit mit Manuela ist wie im Flug vergangen und bald schon drücken wir uns zum Abschied. Wir sind wieder alleine an Bord und haben auch einiges zu tun: die bestellten Teile sind angekommen und einige Arbeiten stehen ohnehin an. So segeln wir zurück zu unserem gemütlichen Ankerplatz von Deep Bay, fahren den Anker gut ein und stürzen uns in unsere Projekte. Jürgen repariert den Antrieb, überprüft den Motor. Wir räumen die Vorkoje aus und streichen sie neu. Wir haben Leinen gekauft, um die beiden Dirks neu zu machen und überprüfen dabei auch gleich das Rigg von neuem. Es ist schon eine ganze Weile aus, seit wir unseren Besan - unseren zweiten Masten - erklommen haben und so wartet dort oben mehr Arbeit als Erwartet auf uns. Ein Beilagestück aus Aluminium zeigt einen kleinen Riss, das muss geschweißt werden.

Zurück in Cordova ankern wir vor dem Hafen. Das Wetter ist ruhig und sonnig, kein Grund, Hafengebühren zu bezahlen. Schon ist Jürgen am Besan-Mast, demontiert die Salinge und baut das kaputte Stück aus. Einen Schweißer haben wir bereits gefunden. Ein Glück, dass die Fischer hier hauptsächlich Aluminium Boote fahren, so ist es nicht schwer, jemanden zu finden, der uns helfen kann. Selbst wenn sich Jürgen wohl ein bisschen ärgert, für Schweißarbeiten jemanden bezahlen zu müssen. Immerhin hat er bisher immer alles selbst geschweißt. Aber für Aluminium haben wir eben nicht das richtige Gerät an Bord.

So werden wir noch ein paar Tage hier in Cordova bleiben, bevor es noch einmal in den schönen Prince William Sound geht, um noch ein oder zwei Wochen ruhiges Wasser zu genießen, bevor wir den Bug in den Golf von Alaska drehen.

Wandern in Hawkins Island

Kurze Pause in der Sonne...

Hawkins Island

...während unsere Wanderung durch den Wald manchmal nicht ganz so einfach ist.

Lachsflüsse

Immer noch zeigen sich einzelne Schneefelder

Shipyard Bay

Wir erreichen Shipyard Bay

Trockengefallen

... und wandern über die trockengefallene Bucht

Canadian Goose

Wo wir erste Kanada Gänse beobachten

Alaska

Wunderschönes Alaska!

Ankerplatz in Deep Bay

zurück am Ankerplatz in Deep Bay

Seeotter

Wir sind nicht alleine, die Bucht ist voller Seeotter!

Adler

Dieser Otter hatte kein Glück, der Alder lässt sich von uns nicht weiter stören!

Weißkopfadler

Ein weiterer wartet geduldig, dass auch für ihn etwas Otterfleisch übrig bleibt.

Wandern in Cordova

In Cordova wandern wir über gut präparierte Pfade

zur Goldmiene

...zur alten Goldmiene.

Wandern in Cordova

Shanty, der Hund von Nancy begleitet uns.

Wandern in Cordova

Am Rückweg bleiben wir öfter zum Tratschen stehen.

Trompetenschwäne

Die ersten Trompetenschwäne erreichen Cordova auf ihrer Reise in den Norden

Elche

Wir freuen uns, die Elche im Delta zu beobachten

Stela Seelöwen

Zurück zum Ankerplatz grüßen uns die Steller Seelöwen von ihrer Boje

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