Into the Wild
Nordwesternfjords Alaska
  
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thumb bay

Dienstag, 18. März 2014

Die Sonne strahlt am Himmel, einzelne, dunstige Wolken stehen über den Bergen und leichter Nordwind zeichnet feine Rippeln auf das klare, dunkelblaue Wasser. Ab Donnerstag müssen wir mit starkem Ost-Nordost Wind rechnen, warnt uns der Wetterbericht. Wir wollen kein Risiko eingehen, gegen den gemeldeten Ostwind können wir es nicht bis Seward schaffen. Wir haben einen Termin, der unbedingt eingehalten werden muss. Hannes muss sein Flugzeug erreichen.

Doch wir sind umgeben von Wildnis, menschenloser Weite: einsame Buchten, wilde Küsten. Letzte Nacht hat uns das Gejaule der Wölfe in den Schlaf begleitet. Heute Morgen hat sich sogar einer der Burschen am Ufer bestaunen lassen. Ein stolzes, vor Gesundheit und Kraft strahlendes Tier. Weit über uns kreist ein Weißkopfadler, aber sein Anblick ist für uns bereits schon so normal, so alltäglich geworden, als würden wir zuhause eine Taube am Dach sehen.

Das Wetter bestimmt unser Vorankommen. Es bestimmt unseren Weg. Deshalb müssen wir einstweilen auf den Besuch der Gletscherwelt vor uns verzichten und die beiden Tage mit Nordwind nützen. Schade. Vor uns liegen gerade mal 130 Seemeilen und wir haben noch fünf Tage Zeit, aber was nützt es uns, wenn der Wind dreht - das nächste Tief steifen Gegenwind verspricht. Wir beschließen, die Strecke durch zu segeln, gemeinsam mit unseren beiden Freunden an Bord ihren ersten Nachtsegeltörn zu machen. Ich freue mich darauf. Immerhin konnten wir seit unserem Aufbruch Anfang März ohnehin nicht viel Segeln. Immer wieder zwangen uns die unglaublichen Gezeiten des Cook Inlet dazu, unsere Fahrten bei wenig Wind und mit der Strömung zu planen, um nicht in extreme Sturzseen und Wasserwirbel zu geraten. Aber dass liegt vorerst hinter uns.

Gemütlich trinken wir noch ein Bier im Cockpit, decken die Segel ab und waschen das Geschirr. Wie immer für längere Schläge bereite ich einen großen Topf Chili vor und stelle Tee auf den Ofen. Bald schon motoren wir langsam aus der tiefen und wilden Bucht. Noch haben wir ein Reff im Groß eingebunden und die kleine Arbeitsfock gesetzt, wir erwarten böigen Wind entlang der Küste. Der Nordwind wird sicherlich zwischen den steilen Gipfeln und eisigen Gletschern herunter fauchen.

Doch zeigt sich unsere Vorsicht bald als unbegründet, wir schütteln das Reff aus und setzen unsere neue, gebrauchte Genoa 2. So macht Segeln Spaß: 5 bis 6 Beaufort Halbwind, bei langer Pazifikdünung und strahlendem Sonnenschein! Doch ist es recht kühl und so machen wir es uns zu viert im kleinen Steuerhaus gemütlich. Na, mehr hätten hier aber auch wirklich nicht Platz!

Abends frischt der Wind auf. Da wir gut voran gekommen sind und ohnehin genug Zeit zum Trödeln haben - wir wollen nicht im Dunklen in der Resurrection Bay einlaufen - setzen wir erneut die kleine Arbeitsfock anstelle der Genoa. Gut, ist doch die Nacht noch empfindlich kalt und ich bin froh, nicht im Dunklen auf Deck Segelwechseln zu müssen. Manuela und ich übernehmen die Abendwache. Wir tratschen über ihr Studium und hören uns aufgenommene Vorlesungen an. Die Nacht ist unglaublich schön. Der Sternenhimmel zeigt Manuela seine ganze Pracht und bald schon zeigen sich verwischte Schleier von Nordlicht über den Bergen. Gegen Mitternacht liefert der aufgehende Vollmond seine ansehnliche Show und erhellt die Nacht. Ich bin nicht müde und beschließe, Jürgen so lange ich kann schlafen zu lassen. Hannes wechselt Manuela irgendwann ab und leistet mir Gesellschaft.

Kenai, Alaska

Der Wind ist flau geworden und LA BELLE EPOQUE kommt nur noch langsam voran. Doch ist die Nacht zu ruhig, ich will den Motor noch nicht starten. Langsam dreht die leichte Briese, nach und nach hole ich die Segel dichter. Bald aber flattern sie wieder und ich prüfe die Seekarte. Sicherlich wird der Wind bald zulegen, denn die Winddrehung und unser Näherkommen der großen Resurrection Bay deuten auf Kapwinde und Fallwinde aus den Bergen und Gletscher an. Ich lasse das Vorsegel auf Deck rauschen und packe es in den Segelsack; starte nun doch endlich den Motor und dampfe langsam gegen die leichte Briese.

Es dauert nicht lange, nimmt der Wind zu. Aber mittlerweile ist es drei Uhr morgends und meine Knochen sind schwer geworden. So wecke ich Jürgen, besprich mit ihm die Situation und überlasse ihm den Steuerplatz, bevor ich für wenige Stunden in einem ruhigen Schlaf versinke.

Ich hatte recht. Der Wind nimmt zu, fängt zu fauchen an. Bläst mit sieben bis acht Beaufort aus der großen Bucht in die wir einlaufen wollen und von den Gletscherzungen und weckt mich unsanft mit seinem Getöse. Verschlafen stecke ich meine Nase aus dem Niedergang ins Steuerhaus und weiß augenblicklich, dass meine Freiwache vorüber ist. Jürgen ist bleich vor Seekrankheit. Unter Motor gegen Wind und See torkelt das Boot unsanft umher und macht das Leben in ihrem Inneren schwer.

Trotzdem kann ich Jürgen nicht allzu lange in Ruhe ausspannen lassen. Selbst unter Motor hat das Aufkreuzen gegen den steifen Wind keinen Sinn. Per Funk habe ich neue Wetterdaten heruntergeladen und weiß, dass am Nachmittag der Nordwind abschwächen und nach Ost drehen sollte. Deshalb beschließe ich, besser beizudrehen und auf das ruhigere Wetter zu warten. Doch dazu brauche ich Jürgen. Das volle Groß ist einfach zu viel und außerdem ist das Segel durch die vielen harten Seemeilen hinter uns schon so verformt und bauchig, dass es im Wind schlägt, solange es nicht wenigstens im ersten Reff ist. Doch bei diesem Wind schaffe ich es nicht, alleine ein Reff einzubinden.

Bald schon liegt LA BELLE EPOQUE unter doppelt gerefftem Groß bei. Unglaublich, wie gut das alte Schiff diese Aufgabe beherrscht! Am Boot ist es ruhig, die Bewegungen sind verträglich und der Ofen verbreitet angenehme Wärme. Zum Glück hatte der amerikanische Wetterdienst mit ihrer Warnung vor gefrorener Gischt nicht recht behalten und unser Deck bleibt Eisfrei. Nach Lust und Müdigkeit wechseln wir uns bei der Wache ab, es ist nicht nötig, strickte Schichten zu fahren, der Ankerplatz ist kaum mehr als fünfundzwanzig Seemeilen entfernt.

Rechtzeitig vorm Dunkelwerden laufen wir in die Thumb Bay ein. Das letzte Stück haben uns noch Dalls Schweinswale begleitet und in unserer Bugwelle gespielt. Wie aufregend kann ein einziger Segelschlag in Alaska sein!

Dall´s Schweinswale

Wir verbringen einige Tage in der herrlichen Bucht. Feiern beim abendlichen Lagerfeuer den Urlaub unserer Freunde und streifen entlang dem Ufer und am Waldrand umher. Wir beobachten eine einzelne Robbe... Oder, wir werden von einer Robbe beobachtet! Wieder finden wir unzählige Spuren im Schnee und lauschen den Schreien der Adler.

Der nächste Tag bringt etwas besonderes: neben uns ankert ein Segelboot. So lernen wir unsere ersten Segler aus Seward kennen und werden prompt zu ihrem Yacht-Club Treffen am folgenden Abend in Seward eingeladen!

Die kleine Stadt Seward wird für uns zum besonderen Erlebnis. Der Abend beim Yachtclub Treffen wird zum vollen Erfolg und wir lernen unglaublich gastfreundliche Menschen kennen. Manuela und Hannes verbringen seinen letzten Abend in Alaska in einem Hotel, immerhin sind die beiden für die nächsten fünf Wochen voneinander getrennt und ein bisschen Privatsphäre kann da nicht schaden. Doch wir sind trotzdem nicht alleine. Wir freuen uns über den vielen Besuch am Steg und werden von einem Dinner zum nächsten geladen, bekommen Fisch geschenkt und treiben uns auf den benachbarten Booten herum.

Bald schon verlässt uns Hannes. Für die kommenden Wochen sind wir zu dritt an Bord. Wir besuchen das interessante "Sea Life Center", nachdem wir eines Morgens Eintrittskarten dafür vor unserem Niedergang finden und freuen uns über die vielen Infos, die wir dort über das Leben im Golf von Alaska erfahren. Doch wir wollen nicht ewig im Hafen bleiben und das traumhafte Wetter lockt, endlich den Bug wieder in den Golf von Alaska zu drehen.

Der Wind bleibt die nächsten Tage flau, eine stabile Hochdrucklage versüßt unsere Tage. So beschließen wir, vorerst nicht unseren Weg Richtung Ost fort zu setzen, sondern zurück zu dem Northwestern Glacier zu segeln.

Wieder begleiten uns Dall´s Schweinswale durch die große Bucht von Seward und segeln zeigt sich von seiner schönsten Seite. Doch mit den Walen verlässt uns am Ausgang der Bucht auch der Wind und Mr. Perkins muss nachhelfen, um den Gletscherfjord erreichen zu können. Dieses mal erwischt es mich: ich ärgere mich ordentlich darüber, bei diesen flauen Bedingungen Seekrank zu werden und verziehe mich in die Koje, während Jürgen und Manuela durch das traumhaft schöne Gebiet dampfen. Endlich wird das Wasser ruhig und wir arbeiten uns langsam tief in den Fjord, vertreiben ungewollt einen Pottwal und ankern vor zwei kleineren Gletscherzungen. Die ganze Nacht begleitet uns das krachen des kalbenden Eises, doch liegen wir hier sicher und eine ruhige Nacht gibt erst den Auftakt zum kommenden, herrlichen Tag.

Denn heute wollen wir keine großen Touren zurücklegen. Heute wollen wir nur tief in den Fjord zur großen Gletscherzunge fahren, uns im Eis treiben und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Gesagt, getan. Bald schon ertönt das familiäre Geräusch von Eis vor dem Bug und LA BELLE EPOQUE muss aber mal ihren Weg durch dünnes Eis, gespickt mit kleinen Eisbrocken vom Gletscher, brechen. Aufgeregt tanzen wir an Deck und ein Highlight überbietet das nächste: unzählige Robben liegen am Eis verstreut. Es müssen über hundert sein! So gut wir können halten wir Abstand zu den vielen jungen Robben auf den Eisschollen, während die ängstlichen Robben flink ins kühle Nass abtauchen und die mutigen unter ihnen unsere Verfolgung aufnehmen. Immer mehr Köpfchen sind in unserem freigebrochenem Kielwasser zu zählen, immer näher wagen sich die mutigsten unter ihnen heran.

Wenige hundert Meter vor der imposanten Gletscherwand stoppen wir LA BELLE, stellen den Motor aus und lassen uns im Eisfeld treiben; haben Spaß beim Fotoschießen vor der Gletscherwand und staunen über die donnernden Eisbrocken, die in die Bucht kalben. "Ach wie aufregend ist das Eis!" staunt Manuela und wir können ihr nur beipflichten. Und dieser erste große Gletscher Alaskas ist erst der Anfang. Denn morgen gehts weiter. Morgen segeln wir zum großen Prinz William Sund!

Besuch von Freunden

zu Viert an Bord: Besuch von unseren Freunden Manuela und Hannes

Homer, Alaska

Abschied von Homer: gemeinsam machen wir einen Ausflug und überblicken den Hafen von Homer.

Salty Douwg

seltenes Vergnügen: nur mit Freunden leisten wir uns einen Bar-Abend

Wanderung

vor dem Ablegen wandern wir in die Berge...

Clems Cabin

...wo wir in Clem´s Hütte übernachten können.

Spuren von SChwarzbären

Spuren im Schnee: der alte Trapper-Pfad ist heute weniger gefährlich für die wilden Tiere. Bären und Kojoten-Spuren

Hüttenabend

Wir verbringen die Nacht in Clems Hütte

Geschenk aus Österreich

Ein Geschenk aus Österreich: fünf Liter feinstes Bier!

Anker auf

Zurück an Bord ist erst einmal das schöne Wetter vorüber: wir legen im Schneegestöber von unseren Ankerplätzen ab.

Eis auf Ankerplätze

Aber das Wetter ändert sich irgendwann. Alle Ankerplätze sind allerdings um diese Jahreszeit noch nicht erreichbar.

Picnic Habor

Picnic Harbor - ein herrlicher Platz!

Wolf am Ufer

Ein Wolf streift über die Uferböschung

Fahrtensegeln

Eine Nacht unter Segel liegt vor uns

Thumb Bay

Wir erreichen Thumb Bay, nur wenige Meilen von Seward.

Wandern in Thumb Bay

... und vertreten uns erst einmal die Füße

Lagerfeuer

Am Abend gibts ein großes Lagerfeuer am Strand

Seward Hafen

Und erst am nächsten Nachmittag gehts weiter in den Hafen von Seward.

Seward

In Seward

Hafengäste

Nicht nur Menschen und Boote gibts hier im Hafen. Ein Seeotter befreit den Steg von den Muscheln!

See Otter

Bulldog Cove

Nach einigen Tagen verlassen wir Seward und segeln Richtung der vielen Gletscher von Kenai Fjords National Park

Harris Bay

Im Fjord

Northwestern Gletscher

Bald schon erreichen wir die erste Gletscherzunge des Northwestern Gletscher.

Eisbrechen

Wir müssen uns über vier Seemeilen an Weg durch das Eis brechen.

Robben

...und werden dabei argwönisch beobachtet: hunderte Robben liegen am Eis versträut.

Robben

Robben

Robben

Northwestern Glacier

Langsam kommen wir dem Gletscher näher

Segeln in Alaska

...auch wenn es ganz schön rumpelt, während wir uns durch das gefrohrene Wasser brechen.

Northwestern Glacier

Zeit für ein paar Fotos

Northwester Glacier

LA BELLE EPOUE vorm Gletscher

Northwestern Glacier

Manuela mit dem Dingi vorm kalbenden Northwestern Gletscher

Foto Shooting

Was für eine Gelegenheit, mein alten Brautkleid zum Fotoshooting auszupacken...

Alaska

Wo so viele Robben sind, muss doch auch Fisch sein, oder??

Alaska Segeln

In der Mittagssonne wird der Gletscher erstaunlich aktiv.

Leben unter Segel

Schön, hier zu sein!

Alaska

Spiegelung im glasklarem Wasser!

 

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Segeln zu den Gletscher von Kenai National Park

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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